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Accustic Arts POWER 1 MK III und Accustic Arts AMP 1 MK II im Test – Doppelter Spass dank Bi-Amp Konfiguration?

Accustic Arts ist vielfach Purismus pur! Edelste Verarbeitung, und eine klangliche Performance, die es in sich hat. Reduziert auf das Wesentliche in der Ausstattung, vermögen die beiden Testprobanden aus klanglicher Sicht schon einzeln überzeugen. Was darf sich der Musikliebhaber aber erwarten, wenn er auf eine „Doppel“ Verstärkung setzt, und dem Vollverstärker Accustic Arts POWER 1 MK III aus der Top Line den Endverstärker Accust Arts AMP 1 MK II zur Seite stellt?

Kurz gesagt...

Aus technischer Sicht ist Bi-Wiring nur eine „Verlängerung“ der Frequenzweiche zu einem Knotenpunkt an den Lautsprecherklemmen des Verstärkers. Eine echte Auftrennung aus elektrischer Sicht gelingt nur mit dem Einsatz zweier Verstärker. Ein Klangtuning, das bisweilen dramatisch unterschätzt wird.

Wir meinen...

Zwei tadellose Einzelkämpfer, die im Verbund noch mehr leisten. Preislich eine echte Alternative zu einem herkömmlichen Aufbau mittels Vorverstärker und Endstufe. Absolute Kontrolle der Lautsprecher im positiven Sinne. Bi-Amping ist eine Alternative zu so manchen großen Anlagenaufbau mittels stattlicher Verstärker-Dickschiffe, und mit diesem Gespann aus dem Hause Accustic Arts spielt es in einer eigenen Liga.
Hersteller:SAE GmbH & Co. KG
Vertrieb:Walter Kircher HiFi
Deutschand:SAE GmbH & Co. KG
Preis:Accustic Arts POWER 1 MK III: ab € 5.590,-
Accustic Arts AMP 1 MK II: ab € 4.490,-

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
22.06.2014

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sempre-audio.at Empfehlung der Redaktion
Möglicherweise unterstellen Sie mir ein Luxusproblem. Nun, dieser Kritik stelle ich mich sehr gerne, denn die Frage, wie sich, für sich alleine betrachtet, schon exzellente Verstärker noch weiter steigern lassen, halte ich aus mehreren Gründen für sehr spannend. Das Bestreben nach bestmöglicher Klangentfaltung treibt uns Musikliebhaber immer weiter, und lässt uns natürlich rastlos suchen. Während viele Konsumenten aus Kostengründen, immerhin bedeutet die Alternative den Kauf eines weiteren Verstärkers, lediglich ein weiteres Lautsprecherkabel zu den Lautsprechern führen, um so den erhofften klanglichen Zugewinn zu erreichen, bedeutet der technische Hintergrund den Einsatz weitaus massiverer Maßnahmen. Es liegt natürlich im Auge des Betrachters, ob man sich für den nicht unerheblichen Betrag von knapp 10.000,- Euro für eine feine Vor-Endverstärker-Kombination entscheidet, für einen richtig großen Vollverstärker, oder eben wie hier, für zwei nicht minder gelungene Würfe aus dem Hause Accustic Arts, in Gestalt eines leistungsstarken Vollverstärkers und einen properen Stereoendverstärker. Ein Bi-Amping-Aufbau ist eine ganz spezielle Weise, sein Klangbild auf höchstem Niveau zu genießen. Aber lassen Sie mich, bevor ich erzähle, was ich so erlebt habe, erstmal die Test-Gäste vorstellen.

Spielpartner 1 - der Vollverstärker Accustic Arts Power 1 MK III

Der Accustic Arts POWER 1, mittlerweile zur MK III Version weiter entwickelt, ist ein Leistungsverstärker mit eingebauter Vorstufe zur Quellenauswahl und Lautstärkenregelung. Kurz, ein sogenannter Vollverstärker. Der POWER 1 MK III leistet zwei mal 135 Watt an acht Ohm Anschlussimpedanz, und gar zwei mal 200 Watt an vier Ohm, sofern Sie auf ein entsprechendes Lautsprechersystem setzen. Accustic Arts weist im Datenblatt extrem niedere Verzerrungswerte aus, wobei der Klirrfaktor (THD+N) mit 0,007 % an 4 Ω Last bei 1 kHz und 10 Watt, und 0,0045 % an 8 Ω Last bei 1 kHz und 10 Watt beziffert wird. Die Signalabweichung zwischen den Kanälen liegt zudem auf vorbildlich niedrigen 0,4 dB, gemessen von 0 dB bis -40 dB. Der Geräuschspannungsabstand weist hier praxisgerechte -96 dBA (bezogen auf 6,325 V) auf, und der Dämpfungsfaktor liegt bei einem beeindruckenden Wert von > 700.

Auf der Ausstattungsseite sieht es nicht minder gelungen aus, auch wenn sich hier keine umfangreichen Anlagenaufbauten anschließen lassen. Ganz klar positioniert sich Accustic Arts mit diesem puristischen und fernbedienbaren Vollverstärker im Lager der audiophilen Minimalisten, die mit vier unsymmetrischen (RCA) Hochpegeleingängen, einem unsymmetrischen Surround Bypass-Eingang für die Einbindung in ein Heimkino Setup, einem zusätzlichen Vorverstärker-Ausgang, und einem extrem hochwertigen internen Kopfhöreranschluss (Klinkenbuchse 6,3 mm; 34 Ω) das einvernehmliche Auslangen haben. Die Eingangsimpedanz für die Quellen beträgt hier universelle 50 kOhm, während der zusätzliche Vorverstärker-Ausgang hier einen Wert von 34 Ohm aufweist. Als zweite Ausstattungsvariante bietet Accustic Arts den POWER 1 MK III mit einer internen Phono-Vorstufe für den Betrieb eines Analoglaufwerkes an. Hier reduziert sich allerdings die Anzahl der Hochpegelanschlüsse um einen Eingang. Der vierte Hochpegeleingang wird hier durch ein Einbaumodul ersetzt, welches den Anschluss eines MM-Tonabnehmers (Moving Magnet) und eines MC-Systems, ein sogenannter Moving Coil Tonabnehmer, erlaubt. Hierbei ist anzumerken, dass sich der Musikliebhaber für eines der beiden Betriebssysteme entscheiden muss, oder bei Betrieb eines Plattenspielers mit zwei Tonarmen jeweils ein Anschlusskabel abstecken muss. Die Verstärkungsfaktoren für die jeweiligen Tonabnehmerarten betragen bei MM-Betrieb 40 dB, und bei einem MC-Tonabnehmer 60 dB, beide jeweils bei 1 kHz gemessen. Die Eingangsimpedanz beträgt bei MC 100 Ω, und bei MM kann man zu den fest eingestellten 47k Ω die Kapazitäten von 50 pF - 150 pF - 270 pF - 370 pF zuschalten. Dem Hersteller zufolge beträgt die RIAA Genauigkeit respektable +/- 0,15 dB, breitbandig gemessen bei 50 Hz bis 20 kHz, wobei der Geräuschspannungsabstand hier ebenfalls ausgezeichnete Werte, wie -87 dB bei MM-Betrieb und -74 dB bei MC-Betrieb, erreicht.

Bei einer kraftvollen Leistungsentfaltung von mindestens 135 Watt stellt sich die Frage nach einem angemessenen Netzteil. Der POWER 1 MK III verfügt über ein 600 VA (Watt) Umspannwerk, welches eine Siebkapazität von über 80.000 μF angemessen versorgt. Selbstverständlich werden hier durchwegs Produkte und Bauteile aus europäischer Produktion zum Einsatz gebracht. Das Gewicht von etwa 22 Kilogramm verteilt sich auf eine Standfläche von 482 x 450 Millimeter und baut 145 Millimeter in die Höhe.

Spielpartner 2 - der Stereo Endverstärker Accustic Arts AMP 1 MK II

Sein Partner, der Stereo Endverstärker AMP 1 MK II, beeindruckt nicht weniger als sein klassengleicher Testpartner POWER 1. Auch der Stereo-Endverstärker ist in einer mittlerweile überarbeiteten Version MK II erhältlich. Mit einer Leistung von zwei mal 140 Watt an acht Ohm, und respektablen zwei mal 210 Watt an der halben Impedanz, ist er in der gleichen Leistungsliga wie der Vollverstärker. Accustic Arts verweist hier auf die gezielte Auslegung als enormer Stromlieferant, welcher auch durch besonders niederimpedante und kritische Lautsprechersysteme nicht aus dem Tritt gebracht werden kann. Ja, selbst an einem zwei Ohm Widerstand knickt dieses Kraftwerk nicht ein. Beim AMP 1 gelten die gleichen Parameter für das potente Netzteil. Die Eingangsimpedanz beträgt hier im Falle des symmetrischen Einganges (XLR) 20 kΩ, während dieser beim unsymmetrischen (RCA) Cinch-Eingang 28 kΩ beträgt. Beide Werte, sowie der Wert des Vorverstärkerausganges des Vollverstärkers erlauben lange Anschlusskabel, ohne hier Beeinträchtigungen befürchten zu müssen. Erwähnenswert ist zudem die rasante Anstiegs- und Abfallzeit von 3,6 μs bei 4 Ω Last (Rechteck 20 kHz, 12 Vss) und der noch geringfügig bessere Geräuschspannungsabstand von -98 dB. Quasi nicht vorhanden sind die Intermodulationsverzerrungen, welche hier grenzwertig geringe 0,00019 %, gemessen bei 10 Watt an 4 Ohm, betragen. Ähnlich wie der Vollverstärker weist auch die Stereoendstufe einen gigantischen Dämpfungsfaktor von ca. 680 an 8 Ohm auf. Die Abmessungen entsprechen erfreulicherweise exakt jenen des Vollverstärkers, sodass beide Geräte neben einander, oder gestapelt ein hübsches symmetrisches Bild im Rack ergeben.

Beide Verstärker folgen natürlich dem enorm hohen Qualitätsanspruch der Gebrüder Schunk. So verweisen die Schwaben stolz auf beste und strengstens selektierte Bauteile, wie etwa acht höchstwertige MOS-FET Transistoren, beste Netzteil Kondensatoren aus deutscher Fertigung und natürlich aufwendig geschirmte Ringkern-Netztransformatoren. Ein nicht unwesentlicher Aspekt stellt die Betriebssicherheit dar - so kann der Anwender auf eine ausgeklügelte Schutzschaltung vertrauen, welche bei Clipping, Hochfrequenzschwingungen und zu hohem DC-Offset-Anteil zuverlässig abschaltet, und so die Verstärker, aber auch die angeschlossenen Lautsprecher-Systeme schützt. Auf der Rückseite beider Probanden versammelt sich feinste Anschlussware eines bestens beleumundeten deutschen Herstellers. Selbstverständlich sind die Buchsen hartvergoldet und mit dem extrem steifen und stabilen Gehäuse individuell verschraubt.

So beeindruckend die technischen Daten auch sein mögen, so selbstverständlich erscheinen sie uns Musikliebhabern. Entscheidend sind natürlich die klanglichen Leistungen - und zugegeben, in dieser Preisklasse darf man sich zu Recht sehr viel erwarten. Man sollte meinen, dass ein Vollverstärker vom Schlage eines Accustic Arts POWER 1, welcher mit immerhin 5.490,- Euro für die Line-Version, und 6.290,- Euro für die Version mit inkludierter Phonostufe in der Preisliste steht, für nahezu alle Lautsprecher-Lebenslagen ausreichend ist. Nun, dem ist tatsächlich so, auch wenn ich natürlich Anwendungen ausreizen und wissen möchte, on man auch in dieser Verstärker-Liga mit einem zusätzlichen „Kraftwerk“ klanglich profitieren kann. Als Schritt eins in diesem Testaufbau beschäftigte ich mich natürlich erst einmal mit dem Vollverstärker alleine. Es gilt herauszufinden, wie er grundsätzlich klingt, und welche Leistungsstufen man mit ihm erklimmen kann.

Meine Anschlusskabel fanden nach dem ersten Foto-Shooting schnell Anschluss an den stabilen WBT-Anschlussklemmen. Mein SACD-Player folgte den Lautsprechern und belegte Platz 1 in der Reihenfolge der unsymmetrischen Anschlussplätze. Danach verband ich meinen preiswürdigen, aber ausgezeichnet klingenden Pro-Ject Audio Systems D/A-Wandler aus der mittleren DS-Baureihe, an welchem die Signale meines Samsung Blu-ray-Player und SAT-Receiver gewandelt wurden. Ein erster musikalischer Datentransfer zu den Lautsprechern zeigt sehr schnell die Accustic Arts Tugenden auf. Eine flüssige und enorm kontrollierte Spielweise, welche stark an die große Referenz-Monoendstufe MONO II erinnerte, stellte sich ein. Das Klangbild präsentiert sich zu jeder Zeit aufgeräumt, klar strukturiert, sowie angemessen in die Tiefe gestaffelt. Eine ausgezeichnete Linn-Produktion des meisterlichen Johann Sebastian Bach, intoniert von Richard Tunnicliffe, klang sonor und enorm ausdifferenziert. Im ersten Durchlauf schien die Performance des außergewöhnlichen Vollverstärkers keinen Makel aufzuweisen. Neben den diffizilen zarten Klängen eines Star-Cellisten konnte auch die Wiedergabe eines großen Orchesters gleichermaßen überzeugen. Mein Herz schlägt aber auch für Symphonie-nahe Filmmusik, so musste ich natürlich einige mir bestens bekannte Werke in meiner Sammlung probehören. Ein sehr kritisches Werk stellt die Neuinterpretation des Klassikers „The Pink Panther“ von Christophe Beck aus dem Jahr 2006 dar. Der Soundtrack glänzt mit einer lupenreinen Aufnahmequalität, ausgewogen arrangierten Streichereinsätzen, aber auch bisweilen mit brachial tiefen Basslagen. Ansatzlos aus dem Nichts presst ein irrwitzig tief gespielter Kontrabass. Während sich die Basswoge dem Zuhörer nähert, behält der POWER 1 stringent die Kontrolle und schält den harten Saitenstrich aus dem Fundament. Knorrig und beinhart. Hier macht sich die ungemein starke Kontrollfähigkeit der Basstreiber, wie sie nur ein hoher Dämpfungsfaktor bewerkstelligen kann, bemerkbar.

Der Dämpfungsfaktor ist genau genommen kein einzelner Leistungswert des Verstärkers, sondern eine Maßgröße, welche aus dem Innenwiederstand des Verstärkers errechnet wird, und beziffert die Fähigkeit, wie sehr die elektrische Rückkoppelung des Lautsprechers gedämpft wird. Ob man nun hohe Werte als richtig erachtet, oder diese eher als nebensächlich abtut, ist eigentlich eine Geschmacksfrage. So finden Röhrenverstärker, welche in der Regel einen geringen Dämpfungsfaktor aufweisen, natürlich ebenso viele Anhänger, wie kontrollstarke Kraftmeier. Unbestritten ist jedoch, dass es eine große Zahl an modernen Lautsprechern gibt, welche von dominierender Kontrolle profitieren. So wirkt sich ein hoher Dämpfungsfaktor gerade bei weich aufgehängten Membranen stark kontrollierend aus, da der Verstärker die Membran nicht nur beschleunigt, sondern auch wieder rasant abgebremst. Ein schwacher Dämpfungsfaktor lässt hier der in Bewegung versetzten Membran zu viele Freiheiten. Eine hart eingespannte Papiermembran hat den Dämpfungsfaktor quasi eingebaut.

Ich unterstelle Ihnen mal, dass Sie am feinzeichnenden und trotzdem enorm kraftvollen Musikspiel eines Accustic Arts Gerätes große Freunde haben. Weiters extrapoliere ich, dass Sie auch ein modernes leistungsstarkes Lautsprechersystem Ihr Eigen nennen. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, leistungsstark und modern muss nicht zwangsläufig nur teuer bedeuten. Der Vollverstärker POWER I MK III ist bei Accustic Arts im mittleren Feld positioniert. Eine Steigerung in der schwäbischen Hierarchie bedeutet, die Top-Line zu verlassen, und sich in der Referenzklasse umzusehen. Klanglich ist das natürlich ein weiterer großer Schritt nach oben, bedeutet aber auch eine kräftige Umwidmung vorhandener Kontoinhalte. Accustic Arts bietet hier zwei Versionen eines Stereo-Endverstärkers an, sowie die bereits bei sempre-audio.at getesteten Mono-Endverstärker MONO II, und natürlich die röhrenbestückte Referenzvorstufe. Ein Blick in die Preisliste verrät schnell, dass sich dem Interessenten eine große Lücke auftut. Schon der kleinste Stereo-Endverstärker aus der Referenz-Line und die Top-Line Vorstufe erfordern die Auszahlung von gut und gerne € 15.000,-. Je kräftiger und hochwertiger die Verstärker-Aufbauten werden, je länger dauert der Zählvorgang der begehrten Silberlinge. Sie sehen, verehrte Leserin und verehrter Leser, der Kaufpreis spielt natürlich eine zentrale Rolle in diesem Testaufbau, denn wir versuchen natürlich, den Gesamtaufwand spürbar zu begrenzen und doch Referenzklänge zu erhören. Accustic Arts richtet sich an alle verwöhnten Aufsteiger und Angekommenen, welche sich höchste Klangleistungen an erster Stelle ins Pflichtenheft geschrieben haben. Mit einem entsprechend teuren Griff in die höchste Regalebene lässt sich das Meiste erreichen. Die Kür ist allerdings, das potentiell Optimale zu erreichen, und nicht gleich Unsummen dafür ausgeben zu müssen. Ein Weg, am Referenzgespann vorbei, oder an der Top-Line Vorstufe mit zwei Endverstärker aus selbigem Lager, führt zu dem kleinen Geheimtipp - Vollverstärker POWER 1 MK III und seinem Spielgefährten AMP I MK II - ein sogenannter Bi-Amp-Aufbau.

Nach den ersten Tagen mit dem optisch unscheinbaren und verblüffend aufspielenden Vollverstärker POWER 1, wird nun der Stereo-Endverstärker AMP 1 warm gespielt. Der Anschluss erfolgt über den Vorverstärker-Ausgang am POWER 1 Vollverstärker, welcher über ein Cinch-Kabel zum unsymmetrischen Eingang am AMP 1 führt. Das wichtigste Kriterium beim Aufbau einer Doppelverstärkung mittels zweier unterschiedlicher Verstärker, ist der sogenannte Verstärkungsfaktor. Hierbei ist die Verstärkung zwischen dem Eingangssignal und dem Ausgangssignal die maßgebliche Einheit. Der Verstärkungsfaktor muss hierbei zwingend gleich sein. Accustic Arts gibt hier einen Wert von 31 dB an. Das Eingangssignal wird hier um 31 dB verstärkt, egal wie kräftig das Eingangssignal eintrifft. Andere Hersteller können hier durchaus niedrigere, oder gar noch höhere Werte aufweisen. Die abgegebene Leistung wäre hier nach Herstellerangaben je Kanal mit 135 Watt beim Vollverstärker, und 140 Watt beim Endverstärker zu verbuchen. Die hier differierenden 5 Watt beim Endverstärker können unberücksichtigt bleiben, da sie nur einen minimalen zusätzlichen Headroom zugunsten des Endverstärkers im Falle einer Vollaussteuerung bedeuten.

Ich habe die beiden kraftvollen Silberlinge gegen die Anweisung unseres Repräsentanten Walter Kircher aus Platzgründen aufeinander gestellt, und auch eine zeitlang meinen geliebten Plattenspieler PureGroove verbannen müssen. Jeder Verstärker für sich weist eine Höhe von fast 15 Zentimetern auf, insgesamt also gute 30 Zentimeter Höhe, mit einem Gesamtgewicht von beinahe 45 Kilogramm. Soviel Metall möchte natürlich auch angemessen und sicher in einem Rack untergebracht werden.

Auf der Lautsprecherseite musste ich extra für diesen Aufbau die Frequenzweiche auftrennen lassen, um den Tieftonpart an den Endverstärker AMP 1 anschließen zu können, und auf der anderen Seite den Mittel- und Hochton-Teil mittels eigenem Lautsprecherkabel an den Vollverstärker POWER 1. Der Vorteil einer aufgetrennten Frequenzweiche im Lautsprecher wird oftmals sehr kontrovers diskutiert, so konnte ich auch bei diesem Testaufbau interessante Erkenntnisse gewinnen. Der Zugewinn sollte natürlich dementsprechend ausfallen, so stehen doch prinzipiell immer doppelte Verstärkerkosten ins Haus, aber auch die Kabel wollen ebenfalls in doppelter Ausführung angeschafft werden. Kostenfaktoren an mehreren Stellen, welche, offen gestanden, abschreckend wirken können. Auf der technischen Seite sind hier also doch einige Kriterien im Auge zu behalten, alsda wären, eine aufgetrennte Frequenzweiche mit doppelten Anschlussklemmen am Lautsprecher und natürlich der Verstärkungsfaktor der eingesetzten Verstärker. Ein wahlloses Auswählen im Angebot unterschiedlichster Hersteller ist nicht anzuraten. Neben der möglicherweise stark abweichenden Klangcharakteristik ist eben der besagte Verstärkungsfaktor zwingend zu beachten.

Nach den umfangreichen technischen Details möchte ich Sie aber nicht weiter auf die Folter spannen, und erzählen, wie sich die zusätzliche Ausgabe klanglich bemerkbar macht, und nach einer weiteren angemessenen Einspielphase ging es mit weiteren zwei mal 140 Watt richtig zur Sache.

Die beiden Verstärker spielen wie aus einem Guss, soviel möchte ich gleich vorweg anmerken. Es ist bei weitem keine Geschmacksfrage, wenn man auf zwei Verstärker setzt. Denn ungeachtet der Anschaffungskosten erzeugen beide Protagonisten ein unfassbar differenziertes Klangbild. Die Stimmfarben einer Lyambiko, eine deutsche Jazzgröße mit dunklem und charmantem Timbre, lassen auf dem Album „Saffronia“ die legendäre Nina Simone neu auferstehen. Ihre dunkle Stimme steht felsenfest auf der Bühne, und ist gekonnt umrahmt von einem nahezu perfekt eingespielten Instrumentarium. Während der POWER 1 im Alleinspiel ohne das Zusatzkraftwerk AMP 1 hier minimal an Raumtiefe und Kontur vermissen lässt, weitet sich im Verbundspiel beider Verstärker die Bühne noch um ein paar imaginäre Zentimeter, gewinnt an Tiefe und dramatisch an Autorität. Die Stimmwiedergabe, sowie die akustischen Elemente aus der Mittendarstellung wachsen glaubhaft von einer guten virtuellen Darstellung zu einer scheinbaren Leibhaftigkeit. Die Darstellung lässt unvermittelt an eine gewisse „Echtheit“ glauben, und vermittelt einen leichteren Zugang zu den Orten, an welchen der Aufnahmeleiter die Instrumente hin gemischt hat. Ein schmaler Grat, der hier überschritten wird, und ein scheinbar echter Raum, der zwischen die Akteure gezaubert wird, welcher vorher nur rudimentär zu erkennen war.

Nils Lofgren ist und bleibt Legende. SEIN Album „Acoustic Live“, MEIN Lieblings Titel „Keith don´t go“ ist einfach perfekt produziert. Sein Gitarrenriff geht unter die Haut, seine Stimme schmeichelt, und seine Texte berühren. Die beiden Schwaben-Verstärker schälen Details aus dem Klangbild hervor ohne Spotlichter zu setzen, und doch stehen Akzente im Vordergrund. Die Taps Lofgrens auf der Gitarre vermitteln eine harte Hand und explodieren mit viel Substanz und Kraft. Das Album zeichnet sich aber auch durch eine atemberaubende Dynamik und Akkuratesse aus, welche so manche Anlagenaufbauten bei höheren Wiedergabepegeln die Segel streichen lassen, und so die Wiedergabe limitiert erscheinen lassen.

Accustic Arts bietet mit dem Vollverstärker POWER 1 MK III ein Universalwerkzeug an, das optisch edel, aber doch bescheiden im Rack steht. Der erste Aha-Effekt tritt nach dem Einschalten und den ersten Tönen auf. Umgehend spielt sich der Prachtkerl mit einer brutalen Antrittskraft und Dynamik, sowie feinen Klangfarben und einer beeindruckenden Abbildungspräzision, sofern auf dem Album vorhanden, in die Herzen. Das zweite und nicht mehr erwartete „Aha“ manifestiert sich heimlich, aber nachhaltig, wenn die Einspielphase absolviert ist. Die anfängliche Performance ist wahrlich nur der Anfang. Nach ein paar Takten, öffnet sich die Bühne ein kleines Stückchen, und bietet so einen Tiefeneinblick in die Klangstruktur des Musikstückes, der in den meisten Fällen verborgen bleibt. Kälte - NEIN. Analytik - JA, aber von der gewinnbringenden Sorte. Es ist eine schwer beschreibbare Klangbalance, welche hier von den Gebrüdern Schunk realisiert wurde, die viele Kontrahenten und Mitbewerber nachhaltig ausspielt und deklassiert.

Ja, das ist meine Erkenntnis, der ich mich versucht habe, standhaft zu verweigern, auch wenn ich selbige Erkenntnis bereits beim großen Test der Referenz-Line im vergangenen Jahr machen musste. Ein Transistorverstärker und Einspielen der Schaltungen und Transistoren? Klangbalance und Zugang zur Seele der Musik? Nun, diese Themen, die nur zu gerne kontrovers und bisweilen leider auch sehr heftig unter HiFi-Freunden und Musikliebhabern ausdiskutiert werden, lasse ich hier weiter schmunzelnd unbeantwortet stehen. Soll sich doch jeder selber mit sich eins werden, und solche (unwichtigen) Angelegenheiten klären.

Soll ich jetzt noch erzählen, dass es auch ein drittes „Aha“ gibt? Natürlich mache ich das. Das dritte „Aha“ ist schlicht die Erkenntnis, dass die Auftrennung der Frequenzweiche und der Anschluss eines weiteren Verstärkers alles andere als akademisch aufwarten. Die zuvor beschriebenen Tugenden bekommen hier die Komponente Autorität und „so muss es klingen“ als Zusatzdosis mitgegeben. Fallweise ist Bi-Amping der Schlüssel zu einer deutlichen Annäherung zu einem scheinbaren Live-Erlebnis. Feinste Mikroinformationen, und Kleinigkeiten die im Klangbild untergehen, oder nur nicht in allen Details erkannt werden können, manifestieren sich wie selbstverständlich. Ein beinahe Gleichziehen mit der Referenzwelt von Accustic Arts zum „Spartarif“. Nein, natürlich nicht. Die Referenz-Line steht berechtigt oberhalb der Top-Line, und kann auch mit diesem Mittel nicht erreicht werden. Aber die Referenz-Line ist auch preislich in einer ganz anderen Liga angesiedelt, soweit muss man ehrlich sein. Aber man nähert sich zu einem Tarif, der vergleichsweise günstig erscheinen mag, an die große Welt an. Ein Bi-Amp-Aufbau hebelt das hierarchische Gefüge innerhalb der Produktrange zur Freude vieler Sparfüchse aus. Erinnern Sie sich, ein Blick in die Preisliste, und die Summenbildung eines vergleichbaren Aufbaues kostet deutlich mehr und benötigt auch den entsprechenden Platz. Einen Aufwand, den man vielleicht nicht investieren möchte, oder kann. Ein weiterer positiver Aspekt ist die geteilte Anschaffung. Der Musikliebhaber kann sich mit seiner Anlage weiterentwickeln. Ein angeschaffter POWER 1 bietet viel Spaß und Musikfreuden, bis man sich Teil „Zwei“ des Anlagenaufbaus angespart hat, oder zu dem nächsten Schritt bereit ist.

Unser Fazit: Was ist denn nun mit Bi-Amping zu erwarten?

Stets auf der ehrlichen Seite, vermittelt diese Konfiguration viel Spaß und Antrittsgewalt, ohne auf Feinheiten verzichten zu müssen. Am Verstärker-Duett angelehnt, dürfte ein Lautsprecher nicht mehr viel zu lachen haben. Kontrolle und Spielwitz werden nachhaltig im positivsten Sinne aufgeprägt, und sorgen für viel Gänsehaut aber auch Erstaunen ob der nun noch reichlicher vorhandenen Leistungsreserven. Synergie-Effekte, die über die Summe der Einzelergebnisse weit hinausgehen. Kontrolle bedeutet hier ein deutliches Mehr an Details und Ausdifferenzierung, welche sich nicht nur im Antritt im Tiefbass zeigt, sondern gerade in den immens wichtigen Stimmlagen und Präsenzbereich, und das in jeder Laustärke.

Accustic Arts und der ganz spezielle Charakter einer Familie…

Die Gebrüder Schunk schaffen es, den Grat zwischen dem Familienklang der Geräte und dem vielfältigen Geschmack der Musikliebhaber gekonnt abzubilden. Sie zeigen erfolgreich auf, dass auch in heutigen Zeiten ein tolles Portfolio vollständig in Deutschland gebaut werden kann, wobei hier auf modernste und höchstwertige Bauteile zurückgegriffen wird, und bei vergleichsweise moderaten Preisen die versammelte Konkurrenz gehörig aufgemischt werden kann. Die einzelnen Produktlinien unterscheiden sich in kleinen Details, wie eine geringfügig dünnere Frontplatte und einem etwas geringeren Gewicht, zeigen aber das Schunk-Verständnis für Qualität über alle Preisklassen hinweg gleichermaßen auf.

Verarbeitung, oder wie man Perfektion erreicht…

Perfektion bis in den letzten Winkel. Selbst die Schrauben, welche die Gehäuseteile verbinden, ordnen sich dem Gesamtbild perfekt unter. Die Top-Line verwöhnt mit einer massiveren Bauweise. Ein Verstärker in Gestalt eines smarten Ausgehanzugs, ohne viel Glanz und Glimmer, aber mit inneren Werten, die im restlichen Markt vermutlich deutlich mehr kosten. Derlei optische Effekthascherei wird mit dem ersten Ton als nette Spielerei deklassiert.

Ausstattung, oder wie man sich auf das wirklich Wesentliche konzentriert…

Die Ausstattung orientiert sich eher am klangfokussierten Puristen. Nichts, was wirklich fehlt, aber auch nichts extra. Eine Lautstärkefernbedienung muss hier das Auslangen haben. Für die weiteren Funktionen, wie Quellenwahl und das Stummschalten der Hauptlautsprecher, wenn man den Kopfhörer einsetzt, darf man die edlen und absolut perfekten Schaltelemente persönlich bemühen. Eingeschaltet wird mittels harten Netzschalter auf der Rückseite, denn eine Standby-Funktion gibt es aus klanglichen Gründen nicht. Eine wirksame Schutzschaltung ist selbstverständlich vorhanden, ebenso wie ein Softstart, der die Kraftwerke mit einer geringen Zeitverzögerung an die Lautsprecherklemmen schaltet.

Synergieeffekte, oder wie man eine Produktrange richtig aufbaut…

Selbstverständlich „versteht“ sich jedes Accustic Arts Gerät mit anderen Zuspielern oder Verstärkern. Dennoch mag die Familie gerne die eigenen Spielpartner. Die Kombination wird immer mehr bieten als nur die Summe der Einzelteile ergäbe. Für alle Musikliebhaber, die erwägen, eine große Kombination der Schwaben zu erwerben, sollte sich trotz alledem auch diese Formation in ihre Planungen miteinbeziehen.

Und die Folgen daraus?

Naja, Sie werden möglicherweise Ihre Quellen aus einem anderen Blick betrachten. Fehler werden nicht an den Pranger gestellt. Auch schreit kein Richter - hängt ihn höher! Aber Accustic Arts teilt Ihnen verlässlich mit, wenn etwas nicht angemessen aufspielt. Ich wollte es nur gesagt haben…

Auf den Punkt gebracht

Zwei tadellose Einzelkämpfer, die im Verbund noch mehr leisten. Preislich eine echte Alternative zu einem herkömmlichen Aufbau mittels Vorverstärker und Endstufe. Absolute Kontrolle der Lautsprecher im positiven Sinne. Bi-Amping ist eine Alternative zu so manchen großen Anlagenaufbau mittels stattlicher Verstärker-Dickschiffe, und mit diesem Gespann aus dem Hause Accustic Arts spielt es in einer eigenen Liga.

10,0 (Referenz)

The Good

  • Praxisgerechte Ausstattung
  • perfekte Verarbeitung
  • fein differenzierter Klang
  • in einer erlesenen Händlerstruktur erhältlich. Exzellente Transistortechnik
  • welche Allüren frei unter jeglichen Umständen souverän überlegen aufspielen. Klanglich nur sehr schwer zu überbieten
  • da hier die Vorteile der Auftrennung voll zum Tragen kommen.

The Bad

  • Wenn überhaupt kann man bekritteln
  • dass Kabel doppelt angeschafft werden müssen
  • aber sonst spricht rein gar nichts gegen dieses Gespann und gegen Bi-Amping im Allgemeinen.

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