Audio über Bluetooth mit apt-X - Ein gar steiniger Weg...
Bluetooth wäre eine durchaus sehr komfortable und überaus einfach zu handhabende Lösung, um Musik drahtlos von verschiedensten mobilen Lösungen ins HiFi- oder AV-System einzubinden. Wäre da nicht die Datenreduktion, die damit einhergeht und diese Technologie somit für anspruchsvolle Anwender ausscheiden lässt. Der Standard apt-X könnte dies ändern, denn hier wird „CD-Qualität“ versprochen. Gäbe es entsprechende Devices...
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Von Michael Holzinger (mh) 25.06.2012
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Ganz anders sieht es hingegen dann aus, wenn Qualität wirklich das entscheidende Kriterium ist, dann nämlich scheidet Bluetooth für viele anspruchsvolle Anwender technologiebedingt völlig aus.
Bluetooth wurde in erster Linie zum Datenaustausch auf kurze Distanz zwischen mobilen Devices entwickelt und so ausgelegt, dass die Kommunikation zwischen zwei Geräten ohne zusätzliche Infrastruktur erfolgt. Sprich, die zwei Geräte „finden“ sich, etablieren eine Verbindung, und schon können Daten ausgetauscht werden. Das dafür nötige „Setup“ beschränkt sich im Prinzip auf ein Freigeben der Verbindung sowie eine etwaige Sicherheitsabfrage in Form einer Zahlenkombination.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Netzwerken und somit in Folge auch drahtloser Netzwerk-Lösungen ist Bluetooth prinzipiell auch nicht für eine höhere Datenrate ausgelegt, zumindest per ursprünglicher Definition. Aber natürlich stieg auch hier in den letzten Jahren von Version zu Version die Datenrate, ebenso wie bei WiFi, liegt aber nach wie vor deutlich unter dessen Möglichkeiten, selbst mit dem nunmehr aktuellen Bluetooth 4.0.
Somit ist die Übertragung von Audio-Daten, das so genannte Streaming über WLAN zumeist kein Problem und selbst im gehobenen HiFi-Segment längst Standard. Hier sorgt zudem die Netzwerk-Infrastruktur dafür, dass ein „geregelter“ Datenaustausch über das Netzwerk möglich ist, Stichwort Quality of Service, wobei wir an dieser Stelle gar nicht allzusehr ins Detail gehen wollen.
Um mit Bluetooth Audio zu übertragen, setzt die Industrie auf das Bluetooth Profil A2DP, wobei diese Abkürzung für Advanced Audio Distribution Profile steht. Dabei werden Audio-Daten entweder im so genannten SBC Codec, als MP3 oder AAC übertragen, wobei ersterer der häufigst genutzte Codec ist, da dieser so genannte Low Complexity Subband Codec mit deutlich geringeren Hardware-Ressourcen auskommt und, auch das ist sehr entscheidend, keinerlei Lizenzgebühren dafür anfallen. Egal, ob nun SBC, AAC oder MP3 genutzt wird, alle drei sind verlustbehaftete Kompressionsverfahren, sodass eine Datenreduktion bei der Übertragung von Audio und somit Qualitätseinbussen die Folge sind.
Somit ist klar, für anspruchsvolle Anwender scheidet diese Art der drahtlosen Datenübertragung zumeist aus, zumindest, wenn es um die Audio-Wiedergabe im Umfeld einer hochwertigen HiFi- oder AV-Lösung geht. Zumal so manch Musikliebhaber mit besonders ausgeprägter audiophiler Ader ja sogar bei WLAN Klangeinbussen ortet, wenngleich es hierbei zu keinerlei Datenreduktion kommt und in so manch esoterischem Zirkel wird gar über die angeblichen Klangunterschiede zwischen verschiedenen Netzwerkkabel diskutiert, was vor allem unter (nicht) Berücksichtigung der eingesetzten „Billig-Router“ und Access-Points einer gewissen Ironie nicht entbehrt, aber das ist ein anderes Thema...
Daher zurück zu Bluetooth. Noch ist es natürlich viel zu früh, von einem echten Trend zu sprechen, die Entwicklung aber geht eindeutig in eine neue, durchaus auch für anspruchsvolle Anwender interessante Richtung. Denn klammert man zunächst die Diskussion rund um eventuelle Klangeinbussen durch die Datenreduktion aus, so hat Bluetooth sehr wohl einen gewissen Reiz. Kein Netzwerk, keine umständliche Konfiguration, einfach eine direkte Verbindung durch wenige „Handgriffe“, und schon ertönt die Musik drahtlos vom Smartphone oder Tablet.
Das „Zauberwort“ ist hier apt-X, ein neuer „Standard“, der Bluetooth auch im HiFi- und AV-Segment zum Durchbruch verhelfen könnte. apt-X ist natürlich keineswegs ein richtiger Standard, sondern vielmehr ein weiterer Codec, der ursprünglich von APT Licensing entwickelt wurde, und zwar bereits in den 1990ern, die Ursprünge stammen gar von Forschungen von Dr. Stephen Smyth der Queen‘s University in Belfast aus den 1980igern, also vor ewigen Zeiten. Zunächst fand dieser Codec seine Anwendung in der Telekommunikation rund um ISDN, wurde aber auch für die Audio-Signalübertragung im professionellen Umfeld eingesetzt und fand irgendwann auch hin zu Bluetooth. Dieser Audio-Codec verspricht ein hohes Potential zu haben, denn schon in der nunmehr gebräuchlichen Version soll eine verlustfreie Kompression für eine Übertragung mit „CD-Qualität“ sorgen, wobei mit apt-X Lossless bereits eine Übertragung mit bis zu 24 Bit und 96 kHz definiert ist.
Die Grundlagen wären also vorhanden, allein die Umsetzung der Industrie lässt bislang zu wünschen übrig. So ergab erst vor wenigen Wochen die Recherche unseres hoch geschätzten Kollegen Helmut Hackl, Betreiber der Plattform pocket.at und schlicht der führende Journalist im Bereich mobile Devices, dass zwar fast ausnahmslos alle führenden Hersteller im Bereich Mobiltelefon, Smartphones und Tablets apt-X lizenziert haben, diesen Codec aber einfach nicht einsetzen. Allein Apple setzt bislang auf apt-X, allerdings erstaunlicherweise nur im Zusammenspiel mit Apple OS X und somit einem Desktop-Betriebssystem, sowie deren aktuellen Notebooks mit entsprechendem Chipset. Auch Samsung konnte zumindest zwei Tablets vorweisen, die apt-X unterstützten, und zwar mit dem Samsung P2 (Galaxy Tab 7.7) und dem Samsung P8 (Galaxy Tab 7.0 plus), die beide mit einem Chipset von CSR ausgestattet sind.
Und tatsächlich, nun erwachen offensichtlich auch führende Smartphone-Hersteller und dieser Tage stehen mit dem HTC One X sowie dem Samsung Galaxy SIII erstmals auch Smartphones zur Verfügung, die Audio-Daten über Bluetooth mit Hilfe von apt-X verlustfrei und somit in bester Qualität übertragen können. Es geht doch...
Keywords: Bluetooth, apt-X, mobil, Smartphones, Tablets, HiFi
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