Derzeit schießen neue Streaming-Clients geradezu wie die sprichwörtlichen Pilze hervor. Man möge uns dieses Bild verzeihen, aber es erscheint uns überaus passend, denn nach Jahren der Ignoranz gegenüber den Möglichkeiten moderner IT-Lösungen auch im Umfeld von Audio setzt nun ein etablierter HiFi-Hersteller nach dem anderen auf das Thema Streaming. Nicht so der kanadische Hersteller Bryston Ltd. Mit dem Bryston BDP-1 geht man gänzlich andere Wege und kommt dennoch als Ziel.
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Von Michael Holzinger (mh) 31.01.2011 |
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Daher war es schon immer die Philosophie des kanadischen Herstellers, nicht unbedingt in erster Reihe stehen zu müssen, wenn sich neue Trends am Markt abzuzeichnen beginnen, sondern vielmehr genau dann mit den richtigen Lösungen aufwarten zu können, wenn sich eine bestimmte Entwicklung klar als zukunftsweisend und vor allem zukunftssicher herauskristallisiert hat.
So verhält es sich auch jetzt, da das Thema Streaming nun endgültig die oft belächelte „Freak-Ecke“ und das Schattendasein im IT-Umfeld verlassen hat und im HiFi-Segment, selbst im High-end Bereich, angekommen ist. Doch während sich nunmehr viele renommierte HiFi-Hersteller bemühen, möglichst rasch Streaming-Lösungen in den unterschiedlichsten Preis- und Qualitätsklassen sowie in den verschiedensten „Geschmacksrichtungen“ auf den Markt zu bringen, geht die kanadische HiFi-Schmiede aus Peterborough in Ontario einmal mehr einen etwas anderen Weg.
So bringt das Unternehmen den neuen Bryston BDP-1 an den Start, den Bryston Digital Player. Und um das gleich zu Beginn klar herauszustreichen, der Bryston BDP-1 ist kein Streaming-Client, auch wenn er kein optisches Laufwerk aufweist und sich allein auf die Wiedergabe digitaler Audio-Dateien beschränkt.
Nach dem Verständnis von Bryston Ltd. fand in den letzten Monaten ein Umbruch in der Welt der HiFi statt. Immer mehr etablieren sich Downloads als überaus attraktive Alternative zur Distribution von Musik in Form optischer Datenträger wie der Audio CD, vor allem auch im High-end Segment. Denn mit Angeboten, die abseits des Mainstream-Markts von Apple iTunes Store und Amazon Daten inzwischen zumindest in „CD-Qualität“ als WAV oder FLAC-Dateien, teilweise sogar bereits als hochauflösende Aufnahmen in Studio Master-Qualität anbieten, steigt natürlich auch das Interesse an Hardware, die die gebotene Qualität tatsächlich voll zur Geltung bringt.
Bei Bryston verfolgte man diese Entwicklung der letzten Monate und kam zur Erkenntnis, dass immer mehr „All-in-One“-Lösungen in diesem Bereich zu finden sind, bei denen Hersteller auf irgendeine Form eines Computers setzen bzw. Lösungen bevorzugen, die unmittelbar auf eine Infrastruktur aus der IT-Welt aufsetzen. Für Bryston entspricht dieser Ansatz eher dem klassischen Konzept eines Receivers, bei dem alle Komponenten in einem Gerät vereint sind. Dieser Lösungsansatz passt somit nicht in die in Peterborough verfolgte Strategie, nach der man strikt auf Einzelkomponenten setzt. Nur das Konzept der Einzelkomponenten, also hochspezialisierte Werkzeuge, die ihre jeweils zugedachten Aufgaben perfekt erfüllen, erlaubt nach Ansicht der kanadischen HiFi-Schmiede eine Kette auf allerhöchstem Niveau.
Natürlich sah man auch bei Bryston die unbestrittenen Vorteile einer typischen Streaming-Lösung, allerdings wollte man keinerlei Kompromisse eingehen. Und das hätte man nach Ansicht von Bryston getan, wenn man auf ein reines Netzwerk-Device gesetzt hätte. Zumal man gerade im Umgang mit hochauflösenden Datenformaten dann auf Gedeih und Verderb der Leistungskapazität eines Netzwerks ausgeliefert wäre.
Daher entwickelte man den Bryston BDP-1, der kein CD-Laufwerk enthält, keine integrierte Festplatte aufweist, auf jedweden störenden Lüfter verzichtet und eben keine Streaming-Funktion bietet. Bryston will mit dem BDP-1 einzig und allein einen kompromisslosen Player für hochauflösende Musik-Daten geschaffen haben, dessen Datenspeicher entweder ein USB-Speicherstick oder eine externe Festplatte darstellt. Zudem, so Bryston, würde man durch die konsequente Ausrichtung allein auf eine einzige Aufgabe eine sehr einfache und komfortable Bedienung erzielen.
Um es auf den Punkt zu bringen, der Bryston BDP-1 tut nichts anderes, als Musik direkt von einem USB-Speicherstick oder einer externen Festplatte abzuspielen. Dabei konzentrierte sich Bryston vor allem auf hochauflösende Audio-Daten, die das Gerät über ausschließlich digitale Schnittstellen ausgibt. Die Steuerung des Systems erfolgt entweder über eine Infrarot-Fernbedienung oder aber über zahllose netzwerkfähige Devices wie ein Notebook, ein Tablet oder ein Smartphone.
Denn natürlich ist auch der Bryston BDP-1 irgendwie auch ein „Computer“, wovon der Anwender in diesem Fall aber zunächst rein gar nichts bemerkt. Bryston setzt bereits an der Basis auf bestens bewährte Komponenten, und zwar auf ein Motherboard, das für Industrieanwendungen konzipiert wurde, geht aber darüber hinaus auf keine weiteren Details ein. Man verrät lediglich, dass man beim Betriebssystem des Bryston BDP-1 auf das OpenSource System Linux setzt, was ebenfalls nicht weiter erstaunt. Vor allem im industriellen Bereich hat sich Linux als verlässliche und ressourcenschonende Lösung längst etabliert und vielfach bewährt.
In diesem Fall kann es durch die „IT“ auch zu keinerlei störenden Einflüssen auf die Klangqualität kommen, denn die Ingenieure von Bryston konzipierten das Gerät so, dass hier der „Computer“ nur das zu tun hat, was er perfekt kann: digitale Daten verarbeiten. Die „analoge Welt“ existiert für den Bryston BDP-1 somit gar nicht. Dennoch hat Bryston viel Aufwand getrieben, um jedwede Beeinflussung durch das Mainboard auf das Audio-Interface innerhalb des BDP-1 zu unterbinden. So sind die beiden Systemkomponenten sogar galvanisch getrennt.
Die Herrschaft über die Signalverarbeitung hat eine eigene hochexakte Masterclock, die laut Hersteller für Jitterwerte von unter 20 Picosekunden im Bereich von 10 Hz bis 10 MHz erlaubt. Sie gibt den Takt für die Verarbeitung von Daten in den Formaten FLAC, WAV und AIFF mit bis zu 24 Bit und einer Samplerate von 44,1, 48, 88,2, 96, 176,4 sowie 192 kHz. Um dies nochmals ausdrücklich hervorzuheben, wir haben bei dieser Auflistung nichts vergessen. Der Bryston BDP-1 versteht sich nur auf die Wiedergabe von nicht verlustbehafteten komprimierten Audio-Daten, also FLAC, WAV und AIFF. Andere Formate wie etwa MP3 oder AAC sind für den Bryston BDP-1 tabu. Allerdings hätten wir uns noch Apple Lossless gewünscht, aber das ist eher eine Frage des persönlichen Geschmacks...
Daten nimmt der Bryston BDP-1 über insgesamt vier USB-Schnittstellen entgegen, wobei sich zwei davon an der Front, die beiden übrigen an der Rückseite des Geräts finden. Somit kann man etwa USB-Speichersticks einfach und komfortabel an der Frontseite anschließen, wohingegen externe Festplatten, die man als ständige Datenquelle einsetzen möchte, an der Rückseite des Geräts Anschluss finden.
Wie bereits mehrfach erwähnt, Audio-Signale werden im BDP-1 nicht gewandelt, sondern verlassen das Gerät als 0 und 1 entweder über eine AES/EBU XLR oder koaxiale S/PDIF-Schnittstelle. Leider setzt Bryston bei der S/PDIF-Schnittstelle nicht auf die übliche Cinch-Buchse, sondern ausschließlich auf einen BNC-Anschluss. Laut Bryston sei dies die deutlich zuverlässigere Variante. Stimmt! Aber...
Den Abschluss an Anschlüssen bildet eine Ethernet-Schnittstelle, auf deren Funktion wir ein wenig später eingehen werden sowie Trigger-Anschlüsse und eine RS232 Schnittstelle zur Integration in Steuerungssysteme.
Das Äußere des Bryston BDP-1 präsentiert sich in der für den kanadischen Hersteller seit Jahr und Tag typischen Design-Linie. Das Gerät mit solidem Metallgehäuse und gebürsteter Metallfront weist die üblichen Gardemaße von HiFi-Komponenten auf und bringt es - man höre und staune - auf immerhin 5,44 kg. Dies allein lässt erahnen, welchen Aufwand die Entwickler von Bryston bei der Konzeption des Geräts getrieben haben. Denn nochmals, eigentlich ist ja nicht viel drin... abgesehen von ein paar Platinen und einer entsprechend ausgefeilten Stromversorgung. Der Bryston BDP-1 ist in Schwarz als auch Silber zu haben.
Die Frontseite ziert ein zweizeiliges, nicht grafikfähiges LC-Display sowie die üblichen Wiedergabe-Steuerungstasten plus vier weitere Tasten, die als Steuerkreuz zum Navigieren durch die Menü-Struktur des Bryston BDP-1 dienen.
Zugegeben, zunächst waren wir sehr skeptisch, ob sich mit einer vergleichsweise derart spartanischen Ausstattung eine komfortable und intuitive Bedienung realisieren lässt. Um es kurz zu machen, es geht! Vor allem dann, wenn man ein wenig mit Sorgfalt bei der Datenverwaltung am PC oder Mac vorgeht, die ja in diesem Fall - wie übrigens bei allen anderen Streaming-Lösungen auch - unerlässlich ist. Denn wie sonst kommt man zu seinen digitalen Audio-Daten? Diese werden entweder von CD mit entsprechenden Tools eingerippt, oder aber als Download erworben und dann in eine logische, übersichtliche Dateistruktur gebracht, und, in diesem Fall, auf eine externe Festplatte oder einen USB-Stick überspielt. Somit kann man problemlos selbst in umfangreichen Mediatheken die gewünschten Songs abrufen - auch mit dem vergleichsweise kleinen Display und den „wenigen“ Tasten an der Gerätefront. Dies gilt übrigens auch für die Infrarot-Fernbedienung Bryston BR2 Remote.
Auch wenn der Bryston BDP-1 dezitiert kein Streaming-Client ist, so kann er dennoch ins Netzwerk integriert werden. Allerdings werden in diesem Fall keinerlei Audio-Daten übers Netzwerk entgegen genommen und auch auf Internet Radiostationen kann das Gerät nicht zugreifen. Die Netzwerkfunktionalität beschränkt sich im konkreten Fall ausschließlich auf die Steuerungs-Option des Bryston BDP-1.
Dazu hat Bryston das Gerät mit einem Web-Interface ausgestattet, auf das man über jedwedes netzwerkfähige Device und über jeden Webbrowser zugreifen kann. Dabei unterscheidet das Gerät zwischen mobilen Lösungen, wie etwa einem Smartphone sowie einem „normalen“ Gerät mit großem Display, etwa einem Notebook oder einem Tablet, und offeriert ein entsprechend angepasstes grafisches Benutzer-Interface. Bryston setzt auch hier auf etablierte Standards sowie Open Source, sodass künftige Erweiterungen problemlos implementiert werden können und jeder individuelle Steuerungs-Lösungen für den Bryston BDP-1 entwickeln kann. Spätestens mit dieser Option steht einem wirklich ungetrübten Vergnügen bei der Wiedergabe nichts im Weg. Hier findet man mühelos jeden Musiktitel und kann so seine ganz persönlichen Playlists für jede Stimmungslage abrufen.
Irgendwie ist es völlig ungewohnt, aber an dieser Stelle können wir Ihnen keine abschließende Beurteilung des klangtechnischen Potentials des Bryston BDP-1 liefern. Wie denn auch? Ein Blick ins Datenblatt zeigt, dass auch Bryston hier vor einem Problem stand, denn Daten wie Kanaltrennung, Frequenzgang, Signalrauschabstand und Dynamikumfang gehören doch irgendwie geradezu zwingend zu edlen HiFi-Produkten. Aber was soll man in diesem Fall hier angeben? Also lies man die entsprechenden Felder einfach leer und verweist darauf, dass diese Eckdaten im konkreten Fall nicht wirklich anwendbar sind. Und so müssen es auch wir an dieser Stelle halten, denn die Klangqualität entscheidet sich erst bei der dem Bryston BDP-1 nachgeschalteten Stufe in der Kette, dem D/A-Wandler.
Hier kann natürlich jedweder D/A-Wandler eingesetzt werden, wobei man sich in Anbetracht der vom BDP-1 gelegten Basis wohl eher in den gehobenen Klassen umsehen sollte. Denn es ist letztendlich die Qualität des D/A-Wandlers, die über das tatsächliche Ergebnis entscheidet. Primär empfiehlt sich natürlich der Bryston BDA-1 DAC, den der kanadische Hersteller selbst als idealen Spielpartner empfiehlt. So haben es auch wir gehalten und werden Ihnen die Ergebnisse des Bryston BDA-1 DAC in einem eigenen Testbericht nachreichen.
Nun bleibt uns also nur, das prinzipielle Konzept des Bryston BDP-1 zu beurteilen und unsere Erfahrungen im praktischen Einsatz zu schildern.
Wie gesagt, zunächst begegneten wir dem Konzept des Bryston BDP-1 durchaus skeptisch. Warum sollte man sich auf einen derartigen Player „beschränken“, der noch dazu einen durchaus stolzen Preis aufweist und auf den ersten Blick eigentlich rein gar nichts von all den Komfortfunktionen eines modernen Streaming-Clients zu bieten hat? Nun, setzt man sich mit dem Gerät etwas genauer auseinander, so ist die Antwort auf diese Frage sehr einfach zu beantworten. Mit dem BDP-1 von Bryston ergeben sich keinerlei Probleme mit einem Netzwerk. Man kann es zwar nutzen, es ist aber nicht Pflicht. Es dient ausschließlich zur Steuerung, sodass Probleme mit mangelnder Performance ebensowenig relevant sind, wie das Einrichten eines zentralen Netzwerk-Datenspeichers. Dennoch hat man damit alle Komfort-Funktionen, die auch eine Streaming-Lösung so interessant machen. Und zur Not reichen in diesem Fall aber auch die herkömmlichen paar Tasten direkt am Gerät, sodass man eigentlich fast das Gefühl hat, man habe es mit einem „normalen“ CD-Player zu tun und nicht mit einem komplexen IT-System.
Zudem ist in diesem Fall immer eine bestmögliche Qualität gewährleistet, da sich der Bryston BDP-1 allen minderen Datenformaten wie MP3, WMA, AAC oder auch Internet Radiostationen schlichtweg verweigert. Nur feinstes Datenmaterial mit zumindest „CD-Qualität“ akzeptiert er an seinen USB-Schnittstellen. Und damit diese Qualität auch wirklich voll zur Geltung kommt, überlässt der Bryston BDP-1 - ganz Profi durch und durch - die delikate Aufgabe der Signalwandlung einem anderen Spezialisten. Kurzum, ein durchaus schlüssiges und stimmiges Konzept, dass Bryston mit dem BDP-1 verfolgt und das Gerät zur perfekten Basis für anspruchsvollste Musikliebhaber mit Zukunftsperspektive macht.
Das Gerät ist ab sofort im Fachhandel erhältlich. Weitere Informationen erhalten Sie direkt beim österreichischen sowie deutschen Vertrieb, der Firma AViTech in Wien.
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