Sehnsucht, nicht erwiderte Liebe, Erinnerungen an eine lang vergangene Zeit, soziale Missstände... dies sind die Themen, mit denen sich der Fado auseinander setzt. Während die Blütezeit des klassischen Fado lang vergangen ist und dieser immer mehr zur Touristen-Attraktion in den Lokalen der Altstadt Lissabons verkam, setzten junge Künstler in den 1990igern neue Impulse. Dazu zählt unter anderem die Sängerin Cristina Branco.
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Von Michael Holzinger (mh) 29.06.2009 |
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Dabei entdeckte die Künstlerin erst vergleichsweise spät ihre Liebe zur traditionellen Musik ihrer Heimat Portugal. Für die 1972 in Almeirim geborene Sängerin waren Schallplatten von Amália Rodrigues, die sie von ihrem Großvater zum 18.Geburtstag bekam, der Einstieg in die Welt des Fado. Nach ersten Auftritten im Jahr 1997 veröffentlichte Cristina Branco ein Jahr später ihre erste CD, eine Live-Aufnahme von einem Konzert in Holland. Im Jahr 2005 entstand mit „Ulisses“ eines ihrer eindrucksvollsten Alben.
„Ulisses“, dies ist eine Reise, weit über bestehende Grenzen hinaus. Auf unbekannten Wegen, und teils voller Irrwege, auf denen man sich mitunter selbst verliert, und erst durch viel Kraft wieder auf den richtigen Weg zurück findet, um letztendlich doch ans Ziel zu kommen und ein neues Land zu entdecken - Ulisses. So beschreibt Cristina Branco selbst ihr Album. „Ulisses“ sei eine ganz besondere Aufgabe gewesen, ein Album voller Geschichten über die Liebe, die Suche nach den eigenen Wurzeln, die Suche nach sich selbst.
Glücklicherweise enthält das Booklet nicht nur die portugiesischen Texte der Lieder, sondern auch englische Übersetzungen. So kann man nicht nur der wunderschönen Stimme Cristina Brancos lauschen, sondern auch die Geschichten der Lieder verstehen, die Großteils in sehr blumiger Sprache verfasst sind und von diversen Künstlern stammen. Darunter auch ein Stück von Joni Mitchel, das sich aber erstaunlich homogen in den Reigen der ansonst tief in den Traditionen des Fado verwurzelten Werke einfügt. Einige Lieder des Albums schrieb Cristina Branco gemeinsam mit ihrem Ehemann Custódio Castelo, der die Sängerin zudem auch auf der Gitarre begleitet.
Auch wenn die Lieder dieses Albums wie bereits erwähnt allein durch die thematisierten Geschichten und Emotionen klar dem klassischen Fado gerecht werden, so geht Cristina Branco bei den Arrangements und der Interpretation neue Wege, gerade auf diesem Album, das genau aus diesen Gründen zu einem ihrer wichtigsten Werke zählt.
Custódio Castelo begleitet seine Ehefrau auf der für den Fado typischen portugiesischen Gitarre , der Guitarra, die allerdings in diesem Fall nicht die tragende Rolle spielt. Vielmehr wird sie hier in sehr feine und offen gestaltete Arrangements eingebettet, die sich aus Klavier, Viola, der ebenfalls typischen Viola Baixo und weiteren Gitarren zusammen setzen. Neben Castelo begleiteten Ricardo J. Dias, Alexandre Silva, Fernando Maia und Miguel Carvalhinho Cristina Branco bei den Aufnahmen zu „Ulisses“. Die Arrangements schrieben Castelo und Dias.
Das Album, das von Custódio Castelo, Yann Olliver und Fernando Nunes produziert wurde, entstand in den Fernando Nunes Studios zwischen Juni und September 2004. Fernando Nunes zeichnet für die Aufnahme, die Abmischung und das Mastering verantwortlich.
Ihm gelang es perfekt, die kleinen, überaus filigranen Kunstwerke, die auf „Ulisses“ zu finden sind, einzufangen und auf Hybrid-SACD zu verewigen. So entfaltet Cristina Brancos mit Schwermut gefüllte Stimme ihre ganze Wärme, besticht durch einen klaren, nuancenreichen Ton und entfaltet sich sanft über den sie tragenden Arrangements des kleinen Ensembles. Die Hybrid-SACD enthält nicht nur eine besonders gelungene Stereomischung, die SACD-Schicht bietet einen sehr dezenten Surround-Mix, der eine sehr dichte Atmosphäre erzeugt, anstatt mit übertriebenen Effekten zu prahlen.
„Ulisses“ entführt den Zuhörer in eine andere Welt. In eine Welt, die zwar tief in den Traditionen des portugiesischen Fado verwurzelt ist, ihr aber neue Facetten verleiht und so in neuem Glanz erstrahlen lässt. Es ist die Stimme Cristina Brancos, die - dem Namen des Albums entsprechend - den Zuhörer entführt, gleich den Sirenen, die einst Odysseus in ihren Bann ziehen wollten. Es ist der Zauber des Schwermuts, die in Musik gegossene Wehmut, der Schmerz der versagten Liebe und der Klang der Sehnsucht, dem Cristina Branco ihre Stimme verleiht, ohne dabei in Depression zu verfallen. Es vielmehr ein Auskosten jeder Emotion, auch der schmerzhaften, die wohl die leidenschaftlichste Form der Auseinandersetzung mit den Rückschlägen des Lebens darstellt.
Cristina Branco gelang mit „Ulisses“ ein schlicht wunderschönes Album, das dazu verleitet, sich der Schwermut hinzugeben, und zwar mit Genuss. Sie getragen durch die mit bezaubernder Stimme vorgetragenen Lieder in vollen Zügen auszukosten. Brancos leidenschaftliche Lieder wurden auf „Ulisses“ in bestmöglicher Tonqualität festgehalten, sodass ihre sanfte, warme Stimme perfekt zur Geltung kommt und ihren ganzen Zauber entfalten kann.

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