„Quiet nights“ sei wie ein Liebesbrief an einen Mann, ein sanft ins Ohr geflüstertes Bekenntnis, dass man ganz im gehöre, bis ans Ende der Tage, meint Diana Krall in einem Interview über ihr neuestes Album. Und dieses Versprechen löst die kanadische Sängerin mit jedem der zwölf Stücke ein.
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Von Michael Holzinger (mh) 08.04.2009 |
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Diana Krall ist sich ihrer Ausstrahlung ganz genau bewusst. Kokett spielt sie mit ihrem kühlen Charme, ihrer geradezu provozierenden erotischen Ausstrahlung, und generiert damit ein Image als unnahbare, kühle Schönheit, das jedoch völlig konträr zu ihrer warmen, sanften und einfühlsamen Stimme steht. Dafür wird sie von ihren Verehrern geliebt. Es ist ihr fast dahingehauchter Gesang, untermalt von ihrem stets mit leisen Tönen, aber zutiefst emotional dahin swingendem Jazz-Quartett - Diana Krall am Klavier, Anthony Wilson an der Gitarre, John Clayton am Bass und Jeff Hamilton.
Dieses seit vielen Alben bewährte Konzept wird auf „Quiet nights“ zwar beibehalten, aber durch die Unterstützung eines Orchesters unter der Leitung von Claus Ogerman noch verstärkt. Denn auch hier sind es sanfte Violinen, Violas und Celli, kurzum, nahezu sphärisch wirkende Streicherflächen, die die Arrangements tragen und Diana Kralls Stimme geradezu dahinschweben lassen.
Als Garant dafür, dass dies alles nicht in absoluten Kitsch abgleitet, steht Claus Ogerman, der für die Arrangements auf „Quiet nights“ verantwortlich zeichnet. Ogerman, eigentlich Klaus Ogermann, denn neben seiner amerikanischen Staatsbürgerschaft ist der 1930 in Polen geborene Komponist und Arrangeur Deutscher, begann seine Karriere in den 50iger Jahren in Deutschland, und spielte mit Kurt Edelhagen, Max Greger und Chet Baker und arbeitete als Filmkomponist, bevor er 1959 in die USA auswanderte.
Hier wurde er von Quincy Jones, der damals Chef von A&R bei Mercury Records war, als Arrangeur eingestellt. Hier war er unter anderem an Hits wie „It‘s my party“ von Lesley Gore mitverantwortlich, wodurch Ogerman sehr rasch mit allen Größen der damaligen Zeit zusammenarbeitete.
Im Jahr 1962 traf Ogerman den brasilianischen Gitarristen, Sänger und Komponisten Antônio Carlos Jobim, der als Begründer des Bossa Nova gilt, und mit dem Ogerman jahrelang zusammen arbeitete.
Auch wenn Ogerman seine größten kommerziellen Erfolge in den 1970igern zusammen mit Tommy LiPuma und Künstlern wie George Benson feierte, sowie mit eigenen Kompositionen große Anerkennung gewinnen konnte, die Schaffensperiode mit Jobim dürfte für Ogerman mit zu den Wichtigsten in seiner Laufbahn zählen. Denn 1979 zog sich Ogerman aus dem Musikgeschäft zurück und schlug reihenweise Angebote renommierter Künstler wie Prince, Ella Fitzgerald, Wynton Marsalis oder Tony Bennet ab. Erst im Jahr 2001 ließ er sich von Tommy LiPuma überreden, gemeinsam mit Diana Krall ein neues Projekt zu realisieren. Mit „The look of love“ entstand eines der wichtigsten Alben in Kralls Karriere.
Auf dem neuen Album „Quiet nights“ finden sich nunmehr aber nicht nur fast zu schön interpretierte Balladen, sondern eben auch Standards des Bossa Nova. Darunter natürlich allen voran Klassiker des Genres von Antônio Carlos Jobim wie „The boy from Ipanema“ oder „Este seu olhar“ sowie das Titelstück „Quiet nights“.
Abgerundet werden diese Stücke durch Balladen wie „I‘ve grown accustomed to his face“ aus Alan Jay Lerner und Frederick Loewe‘s Musical „My fair lady“ oder „Walk on by“ von Hal David und Burt Bacharach, „Where or when“ von Lorenz Hart und Richard Rodgers, und vielen mehr.
Aufgenommen wurde das Album in den Capitol Studios in Hollywood unter der Leitung des Produzenten-Teams Tommy LiPuma und Diana Krall. Am Mischpult saßen Steve Genewick und Al Schmitt, der auch das Mastering übernahm.
„Quiet nights“ ist sicher kein überraschendes oder gar innovatives Album. Diana Krall erlaubte sich in ihrer Karriere durchaus sehr kreative Ausflüge, die ihr ihre treuen Fans aber verziehen, da diesen immer wieder Alben wie „Quiet nights“ folgen.
„Quiet nights“ ist fast zu schön, immer knapp am Kitsch entlang schrammend, perfekt produziert und voller Melancholie. Diana Kralls geflüsterter Gesang wird wie auf Wolken aus Streicherklängen sanft ans Ohr des Zuhörers getragen. Kralls Verehrer werden die Künstlerin auf Grund dieses Albums noch mehr vergöttern, alle anderen finden hier ein wunderbares Werk mit Smooth Jazz erster Güte.

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