In der HiFi-Welt gibt es selbstverständlich viele Eckdaten, die als unumstößliche Qualitätskriterien herangezogen werden können. Vieles aber ist ausschließlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Und wie soll man rein subjektive Kriterien bewerten? Dies gilt vor allem für den Bereich Kopfhörer, denn zu nichts anderem nimmt man derart unmittelbar „Kontakt“ auf, wie zu einem Kopfhörer.
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Von Michael Holzinger (mh) 10.10.2011 |
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Mit mobilen Devices als ständige Begleiter schaffen wir uns in unserem Alltag, sei es in der U-Bahn, einer Pause im Büro, oder auf Geschäftsreisen eine kleine Rückzugsmöglichkeit, um mit Musik der uns umgebenden Hektik zu entfliehen und ganz für uns allein zu sein.
Dementsprechend hoch sind inzwischen bei vielen die Anforderungen auch im Bereich mobiler Kopfhörer. Diese spärlichen Momente sollen einfach perfekt sein, denn wenn der Klang nicht exakt den persönlichen Geschmack trifft, der Kopfhörer zwickt und zwackt, dann sind diese Augenblicke ruiniert...
Aber was bedeutet bei einem Kopfhörer der Begriff „perfekt“? Bei wenigen anderen Lösungen der HiFi-Welt ist diese Definition schwerer zu fassen, als bei Kopfhörern. Denn hier gelten aus bereits beschriebenen Gründen viele Faktoren als entscheidend, die jeder für sich anders definiert und wertet. Die rein technischen Daten sind da nur ein Teilaspekt, aber mitunter gar nicht so aussagekräftig, wie selbst von Spezialisten gedacht.
Dies zeigte ein groß angelegter Test, den sempre-audio.at dieser Tage in Zusammenarbeit mit Helmut Hackl, dem Spezialisten für mobile Devices und Betreiber der Plattform www.pocket.at startete. Es galt, den perfekten Kopfhörer für Smartphones zu finden. Eine auf den ersten Blick nicht allzu schwierige Aufgabe, wie wir dachten. Zumal wir zu diesem Zweck bei der Firma Grothusen und somit dem österreichischen Vertrieb des Kopfhörer-Spezialisten Sennheiser vorstellig wurden. Man sollte doch meinen, dass man in dem breit gefächerten Angebot mühelos den perfekten Kopfhörer finden müsse, den man uneingeschränkt empfehlen kann.
Um das Conclusio dieses auch für uns Spezialisten überaus spannenden und lehrreichen Tests ein wenig vorweg zu nehmen, wir fanden tatsächlich nach stundenlangem Test ein Modell, das übereinstimmend als ein ideales Werkzeug empfunden wurde, aber so klar wie zunächst vermutet, war das Ergebnis nicht. Denn auch bei diesem Modell gab es zumindest das ein oder andere „Ja, aber...“ anzuführen, sodass auch diese Empfehlung keine uneingeschränkte ist. Die „Probleme“ begannen sich bereits zu Beginn des Praxis-Tests abzuzeichnen. Man will ja keine halben Sachen machen, deshalb hatten die Tester, allen voran natürlich „Mister Mobile“ Helmut Hackl, eine gut gefüllte Tasche mit dabei, vollgepackt mit verschiedensten aktuellen Smartphones und Tablets. So war der Tisch übersät mit feinster mobiler Technik. Mit dabei: Einmal Nokia N9, ein Nokia N8, ein Nokia 701, ein Apple iPhone 4, ein Apple iPad 2, ein BlackBerry Torch, ein Samsung Galaxy S II, ein Samsung Galaxy Tab 10.1 sowie ein HTC Trophy 7 und ein HTC Sensation.
Natürlich waren alle Geräte mit der gleichen „Software“ bestückt, sprich, mit der gleichen Musik, um tatsächlich aussagekräftige Vergleiche anstellen zu können. Und die erste Ernüchterung stellte sich ein, als ein x-beliebiger Kopfhörer an die verschiedensten Devices angeschlossen wurde und sich schon dabei extreme Unterschiede offenbarten. Dabei handelte sich sich noch gar nicht um einen tatsächlich exzellenten Kopfhörer, sondern ein gutes, aber immer noch der sehr günstigen Einstiegsklasse zuzuordnendes Modell im Preisbereich um die € 50,- Ungläubig darüber, dass die Unterschiede zwischen den verschiedenen Smartphones derart eklatant zu Tage traten, wurde eifrig hin und her gestöpselt, die Testgeräte ausgetauscht und nochmals kontrolliert, ob denn auch tatsächlich unter gleichen Bedingungen getestet wurde. Aber es halft nichts, es war Fakt, dass so manches, als echter multimedialer Alleskönner angepriesene Smartphone, sich im direkten Vergleich als lausige Musik-Quelle offenbarte.
Besonders erstaunt waren wir darüber, dass das Nokia N9 als klarer Sieger bei der Audio-Qualität aus diesem ersten Vergleich hervorging, dicht gefolgt vom Apple iPhone 4. Erst danach reihten sich alle anderen Geräte mit teils markantem Abstand ein. Das klare Schlusslicht aber bildete das Samsung Galaxy S II, das nach diesem Vergleichstest wohl keinem als mobiler Audio-Player empfohlen werden kann. Zu eklatant sind die Schwächen, wenn es um die Musikwiedergabe geht. Das Mittelfeld kombinierte mal mit dem einen, mal mit dem anderen Kopfhörer besser. Nur das Apple iPhone und das Nokia N9 stachen als in jeder Kombination beste Player hervor.
Natürlich ist auch das Ausgangsmaterial für die tatsächlich erzielbare Qualität entscheidend, mehr noch, es ist eines der wichtigsten Kriterien überhaupt. Auch dies zeigte sich in diesem Test sehr gut. Denn wer glaubt, dass es völlig unerheblich ist, ob nun „vergewaltigte“ Audio-Daten in Form von MP3s oder verlustfrei kodierte Audio-Tracks im Speicher eines Smartphones schlummern, der irrt gewaltig. Selbst mit vergleichsweise günstigen Kopfhörern sind im direkten Vergleich zwischen MP3-Daten und dem gleichen Stück in Apple Lossless oder FLAC nicht nur für das geschulte Ohr mitunter deutliche Unterschiede auszumachen. Übrigens, unsere zwei Favoriten im Test können selbstverständlich ab Werk mit nicht verlustbehaftet komprimierten Audio-Daten umgehen. Wer auf Apples iPhone setzt, sollte somit auf Apple Lossless setzen. Wer sich für das Nokia N9 entscheidet, der ist mit FLAC gut beraten, denn dieses Format wird vom finnischen Vertreter ab Werk unterstützt und liefert somit die besten Ergebnisse.
Und noch eins zeigte sich gleich zu Beginn, nämlich, dass technische Daten, wie bereits angeführt, zwar Hinweise sein können, mehr aber auch nicht. Denn zunächst gingen die Tester davon aus, dass gerade bei Smartphones und Tablets Kopfhörer-Modelle im Vorteil sein würden, die eine möglichst geringe Impedanz aufweisen. Eigentlich ein klar nachvollziehbares Argument, da die Ausgangsstufen der Geräte leider zumeist eher von schlechter Güte sind und somit mit hohen Lasten ihre Probleme haben sollten. Und tatsächlich zeigte sich, dass Modelle vor allem im günstigen Preissegment mit geringer Impedanz deutlich lauter aufspielten, dies aber nicht zwingend zu einem besseren Klangerlebnis führte. Und dann gab es nach einigen Hördurchgängen auch „Ausreisser“, die mit vergleichsweise hoher Impedanz hervorragende Ergebnisse mit hoher Lautstärke lieferten, wobei auch diese noch in einer durchaus leistbaren Preisklasse angesiedelt waren und somit sich keineswegs in Regionen bewegen, die schon allein auf Grund des Preises für audiophile Feinspitze vorbehalten sind. Impedanz ist also eins, der Wirkungsgrad und somit der Schalldruck, den ein Kopfhörer mit der ihm zur Verfügung stehenden Leistung umsetzen kann, ist also viel entscheidender.
Aber das war es dann leider schon mit technischen Eckdaten, an denen man sich orientieren kann. Denn alles andere ist... rein subjektiv und durch harte Zahlen nicht zu fassen.
So hatten wir die Gelegenheit, uns nahezu durch das komplette Produktsortiment von Sennheiser „durchzuhören“, und dabei wurde rasch klar, dass es vor allem die Musik selbst ist, die darüber bestimmt, ob ein Kopfhörer nun „gut“ oder „schlecht“ ist. Und diese Ergebnisse sind natürlich nicht allein auf Sennheiser beschränkt, da gewisse Tendenzen ganz allgemein im Markt zu beobachten sind. So richten sich etwa nahezu alle Hersteller vor allem im günstigen Preissegment an eine eher jugendliche Zielgruppe, was sich natürlich vor allem auch in der Abstimmung der Kopfhörer niederschlägt. In welche Richtung es hierbei geht, wird schon allein durch die Aufschrift auf den Packungen klar. Von „Mega-Bass“ und druckvollen Beats wird hier geschwärmt. Klar, darauf stehen die Kids, hat aber leider nicht viel mit einer ausgewogenen Wiedergabe zu tun. Wer allerdings vor allem Rock und Pop hört, der wird ebenfalls Gefallen an einer etwas überhöhten Wiedergabe im Bassbereich finden. Wer eher smoothen Jazz, Folk und Blues hört, der sollte sich eher nach einem Modell in der mittleren Preisklasse umsehen, denn hier beginnt bei allen Herstellern die harte Abgrenzung in der Produktpalette zwischen mobilen und HiFi-Lösungen zu verschwimmen. Zumeist handelt es sich hier bereits um Modelle, die ursprünglich für die heimische HiFi-Anlage entwickelt wurden, und eben auch für unterwegs genutzt werden können. Insofern lag hier der Schwerpunkt der Entwickler bei einer eher neutraleren Wiedergabe über den gesamten Frequenzbereich. Und genau hier gilt auch unsere bereits zuvor beschriebene Erfahrung, dass eine etwas höhere Impedanz keineswegs von Nachteil sein muss und ein auf den ersten Blick eher hochohmiges Gerät durch einen hohen Wirkungsgrad auch durchaus an einem mobilen Device beeindruckende Ergebnisse liefern kann. Wer unterwegs auch Klassik hören will, der sollte sich bewusst sein, dass er wohl etwas mehr in einen Kopfhörer investieren muss, auch für unterwegs. Denn gerade Klassik mit immensem Dynamik-Bereich stellt natürlich hohe Anforderungen an einen Kopfhörer, gerade unterwegs. Denn wenn nur die Forte-Passagen zu hören sind, die feinen Details und leisen Stellen aber im Umgebungslärm untergehen, so erfüllt ein Kopfhörer seinen Zweck nicht richtig.
Aber wäre die individuelle Klangvorstellung noch nicht subjektiv genug, so kommt hier noch der Tragekomfort hinzu. Und auch dieser wird von jedem unterschiedlich wahrgenommen. Dabei haben wir uns bewusst auf dedizierte Kopfhörer konzentriert und In-ears ausgeblendet. Doch selbst hier empfanden die zwei Tester verschiedene Modelle zum Teil komplett unterschiedlich. Und jeder hatte für seine Favoriten jeweils durchaus nachvollziehbare Argumente. Eins war beiden Testern aber klar: Für unterwegs muss es ein geschlossenes Modell sein. Denn nur ein geschlossener Kopfhörer sorgt dafür, dass vergleichsweise wenig Außengeräusche den Musikgenuss trüben und umgekehrt, sowenig wie möglich von der Musikdarbietung die Umgebung stört. Ob es aber nun ein ohrumschließendes Modell oder aber ein auf dem Ohr aufliegendes Modell sein soll, darüber waren sich die beiden Tester schon wieder nicht völlig einig.
Insofern ist der einzig wirklich allgemein gültige Rat: selbst probieren! Weder die individuelle Klangvorstellung noch den Eindruck, wie sich ein Kopfhörer tatsächlich anfühlt, wenn man ihn aufsetzt, kann man in einer allgemein gültigen Form beschreiben, die dann auch tatsächlich dem eigenen Empfinden entspricht. Selbst die richtige Kombination aus Smartphone und Kopfhörer ist entscheidend, denn auch hier kann man nur Tendenzen, aber keine allgemein gültige Aussage feststellen.
Hier ist natürlich der Fachhandel gefragt, der es dem Kunden ermöglichen sollte, Kopfhörer mit seinem Smartphone persönlich auszuprobieren um so das für ihn ideale Modell zu finden.
Übrigens, das Resümee dieses auch für uns Tester überaus spannenden Vergleichs aus der Sicht eines „Digitalen Mobilisten“ finden Sie auf der Web-Plattform pocket.at von Helmut Hackl. Damit auch Sie direkt vergleichen können, wie individuell ein und der selbe Test wahrgenommen wird, oder auch nicht. Hier finden Sie auch eine ausführliche Vorstellung der getesteten Smartphones und Tablets sowie täglich neue News rund um mobile Devices.
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