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Endeavor Audio E-3 im Test - Accept no substitutes…

Mit der Endeavor Audio E-3 feiert das junge US-amerikanische Unternehmen Endeavor Audio Engineering seine Premiere am Markt, und setzt damit gleich ein markantes Zeichen. Denn auf bemerkenswerte Art und Weise liefert man mit der Endeavor Audio E-3 ein Lautsprecher-System, das begeistern kann, und zwar aus rein nüchterner Betrachtung ebenso, wie durch Leidenschaft, die es als überaus vielseitige Lösung vermittelt.

Kurz gesagt...

Darf man ein Lautsprecher-System, das durchaus audiophilen Anspruch erhebt, als echte „Spass-Box“ bezeichnen? Nun, im Fall der Endeavor Audio E-3 muss man dies sogar, wie unser Test zeigte.

Wir meinen...

Präzision für hohe Ansprüche, gleichzeitig aber eine gewisse Nachsicht gegenüber so manch nicht so gelungener Aufnahme, dies sind normalerweise zwei Eigenschaften, die bei Lautsprecher-Systemen nicht so ganz zusammen passen wollen. Dem jungen Unternehmen Endeavor Audio Engineering gelingt dieses Kunststück jedoch, sodass man hier eine überaus präzise, aber dennoch musikalische Lösung vorfindet, die Musik nicht gnadenlos seziert, sondern bereitwillig darbietet, und damit allen voran Spass pur vermittelt.
Hersteller:Endeavor Audio Engineering
Vertrieb:IBEX Audio
Preis:ab € 6.900,-

Von Michael Holzinger (mh)
11.05.2014

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sempre-audio.at Empfehlung der Redaktion

Für besonders ambitionierte HiFi-Enthusiasten ist ganz klar, was ein Lautsprecher-System zu leisten hat, um ihren Ansprüchen zu genügen. Oftmals kann man dieses Anforderungsprofil allen voran damit beschreiben, dass es einer HiFi-Kette, und somit einem Lautsprecher-System im speziellen, die Aufgabe zuteil wird, Musik möglichst akkurat, möglichst unverfälscht, eben exakt so abzubilden, wie diese auf Tonträger gebannt wurde. Allein die Vorstellung davon, was tatsächlich eine akkurate, eine möglichst unverfälschte, eine exakte Abbildung tatsächlich ausmacht, diese Frage ist vielfach höchst umstritten.

Dies liegt allein daran, dass jeder wohl ganz unterschiedliche Erfahrungen und Erlebnisse als Basis für diese Beurteilung heranzieht, dass jeder anders geprägt ist, über die Jahre hinweg gänzlich eigene Höreindrücke als Referenz „abspeicherte“, die als Grundlage für die ganz individuelle Charakterisierung einer HiFi-Kette und somit auch den Lautsprecher-Systemen dienen.

Es ist also durchaus alles andere als ein einfaches Unterfangen für Entwickler, ein Lautsprecher-System so zu konzipieren, dass es möglichst viele Geschmäcker gleichermaßen anspricht, vor allem nicht dann, wenn es darum geht, einerseits ein möglichst exaktes „Instrument“ zu konzipieren, das zumindest das Potential hat, Musik tatsächlich in all ihren Feinheiten abzubilden, diese aber nicht geradezu seziert, sondern die Musikalität des Gesamten wahrt, und zwar auch dann, wenn eine Aufnahme nicht absolut perfekt ist.

Und wirklich perfekt ist im Leben sowieso nahezu nichts, weder Aufnahmen, noch die HiFi-Systeme, die diese wiedergeben sollen, zumindest nicht in jeder beliebigen Kombination. Perfektion wird ausschließlich dann erzielt, wenn die Vorstellung des Entwicklers haargenau die Ansprüche des Anwenders erfüllen. Wenn sich also individuelle Ansprüche an den „perfekten“ Klang, die ganz spezielle Klangcharakteristik gleichen.

Je diffiziler diese ausgeprägt sind, umso schwieriger wird es natürlich, dass sich hier die Ansprüche gleichen, sodass die Wahl des richtigen Lautsprecher-Systems umso schwieriger wird, je ausgeklügelter diese konzipiert sind.

Das US-amerikanische Unternehmen Endeavor Audio Engineering hat sich somit ein besonders anspruchsvolles Ziel gesetzt, denn man will sowohl möglichst flexible Lautsprecher-Systeme entwickeln, deren Charakter tunlichst viele HiFi-Liebhaber ansprechen soll, gleichzeitig aber auch das Potential aufbieten, jedwedes Detail der Musik herausarbeiten zu können. Untrügliche Präzision gepaart mit einer gewissen Laissez-faire, sodass der Spass, die Begeisterung an Musik stets gewahrt bleibt.

Einerseits ist es bewundernswert, dass sich ausgerechnet ein derart junges Unternehmen wie Endeavor Audio Engineering sich ein derart ambitioniertes Ziel setzt, schließlich wurde die US-amerikanische Lautsprecher-Manufaktur erst im Jahr 2013 gegründet, und die nunmehr verfügbare Endeavor Audio E-3 ist tatsächlich das allererste Produkt des Herstellers. Andererseits ist es wohl genau ein derart hoher Anspruch an die eigene Arbeit, der die zuverlässigste Grundlage für Erfolg ist, zumal der Markt selbst bei erstklassigen Lautsprecher-Systemen durchaus bestens bestückt ist, die gebotene Vielfalt also kaum Wünsche offen lässt. Man sollte also schon auf das Besondere setzen, um sich hier auch tatsächlich durchsetzen zu können.

Zudem muss man festhalten, dass das Unternehmen Endeavor Audio Engineering zwar ein sehr junges ist, die dahinter stehenden Personen, die hier zusammen fanden, jedoch über teils sehr, sehr viele Jahre an Erfahrung in der Branche, und im speziellen in der Entwicklung von Lautsprecher-Systemen verfügen. Und auch die Expertise so manch überaus prominentem externen Fachmann wurde einbezogen, so munkelt man etwa, dass durchaus ein sehr gutes Verhältnis zwischen dem jungen Unternehmen und etwa Albert von Schweikert bestünde…

Die an Endeavor Audio Engineering beteiligten Personen empfanden es als besondere Chance, sich in diesem Kreise neu zu (er)finden, sich von dem Bisherigen zu lösen, und so tatsächlich Neues entwickeln zu können. Im Mittelpunkt steht dabei allen voran Leif Swanson, ein junger Techniker und engagierter HiFi-Enthusiast, der dennoch ebenfalls auf Erfahrungen in der Audio-Industrie zurück greifen, und zudem Fachwissen über modernste Fertigungstechniken einbringen kann.

Dies ist im Fall von Endeavor Audio Engineering besonders wichtig, denn eine Vorgabe für das neue Unternehmen war es, Lautsprecher-Systeme mit höchstem Anspruch, aber dennoch zu „bezahlbaren“ Preisen anbieten zu können. Und da man dabei nicht auf eine Produktion aus Fernost angewiesen sein wollte, sondern ausschließlich am Unternehmensstandort im US-Bundesstaat Kalifornien entwickeln als auch fertigen will, führt kein Weg an modernsten, innovativen Fertigungsmethoden vorbei.

All dies lässt sich geradezu beispielhaft an der Endeavor Audio E-3 als erstes Produkt des Unternehmens festmachen.

So präsentiert sich die Endeavor Audio E-3 als zunächst bewusst sehr schlicht gehaltenes Lautsprecher-System, zumindest, was deren Design betrifft. So verzichtete man auf verschiedenstes Zierwerk, das zwar das Auge erfreuen mag, aber keinerlei Auswirkungen auf deren wahre Stärken hat. Dies ist bitte nicht falsch zu verstehen, die Endeavor Audio E-3 präsentiert sich als keineswegs nüchtern, aber sehr wohl zweckmässig konzipiertes Lautsprecher-System, das sich Modediktaten entzieht und mit klaren Linien aufwartet, somit eher zurückhaltend auftritt und sich wohl genau deswegen sehr gut in jedes Wohnumfeld einfügt. Der Hersteller spricht hierbei von einem bewusst klassischen, aber eben auch ästhetischem Design-Konzept.

Das Gehäuse der Endeavor Audio E-3 verjüngt sich nach hinten, weist also einen trapezförmigen Querschnitt auf, um parallele Wände und die damit einhergehenden Probleme zu vermeiden, über den lediglich die aus Edelstahl gefertigten Aufhängungen für die höhenverstellbaren Spikes herausragen. Die Schallwand präsentiert sich geradezu schlicht, und mit tadellos eingelassenen Chassis, die sich in diesem Fall über die gesamte Höhe der Endeavor Audio E-3 verteilen. Insgesamt gibt es bei der Fertigung keinerlei Grund zur Beanstandung, alles ist makellos verarbeitet, bis hin zum Anschlussfeld an der Rückseite, das ein Paar solide, rhodinierte Schraubklemmen aufweist, die natürlich neben Bananas auch blanke Kabelenden aufnehmen können.

Die Endeavor Audio E-3 misst in der Höhe rund 112 cm, weist eine Breite von 22,86 cm, und eine Tiefe von 38,1 cm auf. Knapp 37 kg sind es, die es hier zu transportieren gilt, gerade bei Lautsprecher-Systemen nach wie vor ein untrügliches Zeichen dafür, dass hier nicht am falschen Fleck gespart, sondern auf eine solide, massive Ausführung gesetzt wurde.

Wie bereits erwähnt, finden sich bei der Endeavor Audio E-3 die Chassis über die gesamte Schallwand verteilt. So ist einer der beiden Tiefton-Treiber erstaunlich tief angebracht, nur wenige Zentimeter über dem Boden. Hier setzten die Entwickler auf zwei Woofer mit einem Durchmesser von jeweils 175 mm und anodisierter Aluminium-Membran sowie einem sehr aufwendig konstruiertem, besonders leistungsstarkem Antrieb. Damit soll höchste Präzision, ein besonders akkurates Timing, sowie eine stets verzerrungsfreie, dynamische Wiedergabe, und somit ein absolut solides Bassfundament garantiert sein. Dies wird durch ein nach hinten herausgeführtes, aufwendig optimiertes Bassreflex-System unterstützt.

Als Mittenton-Treiber setzten die Entwickler auf einen 165 mm Kevlar Cone, der auf besonders lineare und verzerrungsfreie Wiedergabe über einen recht breiten Frequenzbereich hin optimiert wurde.

Für den obersten Frequenzbereich setzt Endeavor Audio Engineering auf einen so genannten Dual Ring-Radiator mit gummiertem Membran, der eine besonders detailreiche, klare Wiedergabe mit breiter Abstrahlung sicherstellen soll.

Die Frequenzweiche greift bei der Endeavor Audio E-3 bei 220 Hz sowie 1,8 kHz ins Geschehen ein und sorgt damit für eine optimale Ansteuerung der einzelnen Chassis, wobei man auf einen so genannten Linkwitz-Riley Filter setzt, um eine phasenkohärente und somit im Timing korrekte Wiedergabe zu garantieren.

Heruntergebrochen auf die nackten Zahlen weist die Endeavor Audio E-3 eine Impedanz von 4 Ohm auf und zeigt sich mit einer Empfindlichkeit von immerhin 88 dB zumindest am Papier als keineswegs sehr anspruchsvolles Lautsprecher-System, das einen Frequenzbereich zwischen 32 Hz und 22 kHz abdeckt.

Diese Daten sind natürlich nicht mehr als eine grobe Einstufung, tatsächlich relevant ist allen voran ihre tatsächliche Darbietung, und über die sagt auch etwa das natürlich jedem Lautsprecher-System beiliegende Messprotokoll nur bedingt etwas aus. Die wohl treffendste und somit wesentliche Beschreibung findet sich tatsächlich bereits in der allgemeinen Beschreibung von Endeavor Audio Engineering über die Endeavor Audio E-3. Hier steht im übertragenen Sinne, dass es sich bei der Endeavor Audio E-3 um ein besonders exakt arbeitendes Lautsprecher-System, ja einem Studio-Monitor ähnlich, handle, das aber mit der Vorgabe entwickelt wurde, nicht steril zu klingen, sondern vielmehr so abgestimmt ist, dass es einem Musikinstrument gleich in Erscheinung tritt.

Und dies stimmt exakt mit unseren Erfahrungen überein, die wir im Rahmen dieses Tests machen konnten. Dazu lud, wie berichtet, der Wiener Fachhändler Allegro music & wine Lounge im 7. Bezirk in Wien ein, wobei Bernhard Mesicek eine überaus feine HiFi-Kette zusammen stellte, deren krönender Abschluss die Endeavor Audio E-3 war. Mit Hilfe dieser HiFi-Kette gönnten wir uns einen entspannten Vormittag mit einem bunten Querschnitt durch die reichhaltige Schallplatten-Sammlung von Bernhard Mesicek. Angefangen bei verschiedensten Werken der Klassik, kleines oder großes Orchester, über feinsten Jazz, ein wenig Blues bis hin zu erdigem Rock und fetzigem Funk reichte dabei das Spektrum an Schallplatten, die Bernhard Mesicek so nach und nach aus den Regalen hervorzauberte und auflegte.

Darunter war so manches Album, das alles andere als von audiophiler Güte war, nicht zuletzt deswegen, da das ein oder andere darunter bereits etliche Jahre auf dem Buckel hatte, und mit heutiger Studio-Technik wenig bis gar nichts gemeinsam hat, allerdings aus musikalischer Sicht nach wie vor hörenswert, ja gar unübertroffen ist. Hier zeigte sich die Endeavor Audio E-3 mit dem bereits beschriebenen Laissez-faire, sah also bildlich gesprochen über den ein oder anderen Fehler der Aufnahme hinweg. Auch dies ist bitte nicht falsch zu verstehen, es soll keinesfalls der Eindruck erweckt werden, dass die Endeavor Audio E-3 zur Schönfärberei neigt. Natürlich war sofort zu hören, dass es hie und da an so mancher Stelle „hakt“, das da nicht alles optimal ist. Und zwar durchaus deutlich, aber immer mit einer gewissen Gelassenheit, die diese Fehler nicht plakativ hervorhebt, sodass man durch die entsprechende Begeisterung für die Musik selbst ebenfalls noch wohlwollen darüber hinwegsehen kann, und den Vortrag genießt.

Je mehr die Aufnahmen an Qualität zulegten, umso mehr blühten dann auch die Endeavor Audio E-3 auf, wobei es dieses Lautsprecher-System durchaus zu nutzen weiss, wenn es von einem entsprechend hochwertigen Verstärker angetrieben wird, der ihrer Klasse ebenbürtig ist, wobei allein die Watt keineswegs ein Thema sind. Hier zeigt sie sich durchaus genügsam, geht aber selbstverständlich so richtig zur Sache, wenn man ihr Leistung zur Verfügung stellt, allen voran mit der adäquaten Musik. Hier weiss das Lautsprecher-System vom ersten Takt weg zu begeistern, und liefert ein Darbietung, die ganz klar das sprichwörtliche Live-Feeling, und somit Spass pur vermitteln kann. In jedem Fall ist die Darbietung immer ehrlich, es wird nichts übertrieben oder überzeichnet, sondern stets erstaunlich detailliert und harmonisch mit glaubwürdiger Raumabbildung dargeboten.

Dies klappt erstaunlich gut in vergleichsweise kleinen Räumen, wie wir bereits bei anderer Gelegenheit feststellen konnten, und funktioniert hervorragend, wenn man einen durchaus etwas großzügiger bemessenen Hörraum nutzen kann.

Bei der Endeavor Audio E-3 hat man derzeit die Wahl zwischen einer Ausführung in mattem Schwarz sowie mattem Weiss, wobei diese Varianten mit einem empfohlenen Verkaufspreis von € 7.500,- zu Buche schlagen. Wer es etwas günstiger wünscht, der kann sich für eine Ausführung mit Echtholz-Furnier entscheiden, und zwar wahlweise Kirsch oder Ahorn. Dann stehen die Endeavor Audio E-3 bereits mit einem empfohlenen Verkaufspreis von € 6.900,- zur Verfügung. In Kürze könnte zudem eine Ausführung mit Pianolack-Finish folgen, wobei dafür der entsprechende Mehrpreis noch nicht finalisiert wurde, der sich aber in Grenzen halten sollte.

Gleichgültig, für welche Variante man auch immer sich entscheidet, fest steht für uns, dass man mit der Endeavor Audio E-3 ein überaus vielseitiges, tatsächlich sehr „musikalisch“ aufspielendes Lautsprecher-System sein Eigen nennt, das Musik zum Genuss werden lässt, auch wenn Aufnahmen nicht immer absolut perfekt sind, dabei aber keineswegs zur Schönfärberei neigt, sondern vielmehr ehrlich, aber nicht gnadenlos zur Sache geht. Insofern erachten wir es als durchaus zulässig, die Endeavor Audio E-3 zwar als audiophiles Lautsprecher-System, gleichzeitig aber auch als richtige „Spass-Box“ zu bezeichnen.

Auf den Punkt gebracht

Präzision für hohe Ansprüche, gleichzeitig aber eine gewisse Nachsicht gegenüber so manch nicht so gelungener Aufnahme, dies sind normalerweise zwei Eigenschaften, die bei Lautsprecher-Systemen nicht so ganz zusammen passen wollen. Dem jungen Unternehmen Endeavor Audio Engineering gelingt dieses Kunststück jedoch, sodass man hier eine überaus präzise, aber dennoch musikalische Lösung vorfindet, die Musik nicht gnadenlos seziert, sondern bereitwillig darbietet, und damit allen voran Spass pur vermittelt.

7,0 (Sehr gut)

The Good

  • Klassisches
  • durchaus zurückhaltendes
  • aber elegantes Auftreten. Tadellose Verarbeitung.Flexibel einsetzbar. Nicht zu anspruchsvoll gegenüber der Elektronik
  • versteht deren Stärken aber unmittelbar zu nutzen. Neutrale
  • aber keine nüchterne Abstimmung. Kein Schönfärben
  • aber eine gewisse Nachsicht
  • die Spass garantiert.

The Bad

  • Kein Bi-Wiring oder Bi-Amping vorgesehen. So manchem könnte das Design als zu schlicht wirken in dieser Klasse.
8 Klang
4 Design
6 Preis/Leistung

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