Gergely Bogányi, geboren 1974 im ungarischen Vác, gilt bereits seit langem als international renommierter Pianist. Nicht zuletzt aufgrund seiner neuen Interpretationen sowie der umfangreichen Kenntnisse von Chopins Klavierwerk kann er auf zahlreiche internationale Erfolge und eine Vielzahl an Einspielungen verweisen.
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Von Michael Holzinger (mh) 24.02.2009 |
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Bereits im Alter von vier Jahren begann er mit dem Klavierspiel und studierte Klavier an der Budapester Liszt-Akademie. Bogányi setzte sein Studium danach an der Sibelius-Akademie in Helsinki sowie der University of Indiana in Bloomington fort.
In der Liste seiner Lehrer finden sich eine Reihe bekannter Namen. Dazu zählen neben László Baranyay, György Sebök oder Matti Raekallio auch Imre Rados und Annie Fischer, die Gergely Bogányi stark beeinflusste und seine Karriere maßgeblich förderte.
Im Laufe seiner Karriere nahm der Pianist an vielen international renommierten Bewerben teil und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. So gewann er bereits im Jahr 1996 die International Franz Liszt Competition in Budapest. Seine Heimatstadt Vác ernannte Bogányi im Alter von lediglich 22 Jahren zum Ehrenbürger, selbiges geschah im Jahr 2007 in der ungarischen Stadt Zebegény, und im Jahr 2000 erhielt er vom ungarischen Kulturministerium den Franz Liszt Preis. In Finnland erhielt der Pianist den Finnischen Orden der Weißen Rose, und 2004 die höchste künstlerische Auszeichnung Ungarns, den Kossuth Preis.
Gergely Bogányi kann auf ein sehr umfangreiches Konzert-Repertoire verweisen, das er entweder als Solokünstler, oder aber mit zahlreichen großen Orchestern weltweit aufführt, oder im Rahmen von Rundfunk, Fernseh- und CD-Produktionen aufnimmt. Dazu zählt vor allem auch das komplette Klavierwerk von Chopin, wobei er im Jahr 2001 bzw. 2002 für seine Konzertreihe „Das komplette Klavierwerk Chopins“, aufgenommen in Ungarn und Finnland, den ungarischen Schallplattenpreis in der Kategorie „Bester Konzertkünstler Ungarns“ erhielt.
Einen Künstler mit derart imposantem Werdegang würde man also eher bei einem Major-Label der Klassikwelt vermuten. Was also veranlasste Bogányi dazu, bei einem - mit Verlaub gesagt - kleinen Label wie Stockfisch die kompletten Nocturnes von Chopin einzuspielen?
Nun, es war schlicht und einfach die Qualität, die das Label Stockfisch mit Sitz im deutschen Northeim abliefert. Bogányi war von den SACDs mit Klavieraufnahmen, die bereits bei Stockfisch erschienen sind, derart begeistert, dass er sich spontan dazu entschloss, Werke aus seinem Chopin-Repertoire einzuspielen. Glücklicherweise kam dabei nicht ein - aus Sammlersicht nur von geringem Wert - Best-of Album heraus. Durch die Einspielung der gesamten 21 Nocturnes inklusive drei posthumer Werke liegt hier eine überaus interessante Aufnahme vor.
Abgesehen von Gergely Bogányis genialer, einfühlsamer, teils sanfter, teils energiegeladener, nahezu feuriger und in jedem Fall leidenschaftlicher Interpretation der Werke Chopins glänzt diese Einspielung auch durch den hierbei verwendeten Flügel. Dabei handelt es sich um einen Fazioli F 308. Dieser stammt aus der Klaviermanufaktur Fazioli in der oberitalienischen Stadt Sacile, und handelt sich um den derzeit längsten Serienflügel der Welt, der zudem über vier anstatt der üblichen drei Pedale verfügt. Dieses vierte Pedal dient dazu, dass die Hämmer in Ruhelage näher an die Seiten herangeführt werden. Dies erleichtert das Spiel im Pianissimo, ohne die Klangfarbe zu verändern, wie es normalerweise das Verschiebungspedal tun würde.
Abgesehen von diesem Detail glänzt die Aufnahme von Bogányi zudem durch ihre Direktheit und Nähe. Einmal mehr gelang es dem als Produzenten und Tontechniker für die Aufnahme unmittelbar verantwortlichen Labelchef Günter Pauler perfekt, die Energie und den Enthusiasmus des Pianisten für die Ewigkeit auf Datenträger festzuhalten.
Dies ist in diesem Fall besonders beeindruckend, da die Aufnahmen in lediglich zwei Nacht-Session entstanden. Aufgenommen wurde dieses Album als sogenannte Direct-Cut-SACD. Dabei werden die Signale der Mikrofone analog zu einem Stereo-Summensignal abgemischt, und unmittelbar mit einem emmLABs ADC8 MkIV in das DSD-Signal für die SACD konvertiert und von einem SADiE-System als Stereo-DSD-Signal aufgezeichnet. Das gesamte anschließende Mastering erfolgt somit vollständig im DSD-Format und endet mit einem Cutting-Master, das im Presswerk direkt auf ein SACD-Glasmaster übertragen wird. Dadurch sollen alle Vorzüge des Formats SACD und dem dabei verwendeten DSD voll zur Geltung kommen.
Da diese Aufnahme als Hybrid-SACD angeboten wird, verfügt der Datenträger natürlich auch über einen normalen Audio-CD Layer mit 16 Bit, 44,1kHz Signal im PCM-Format. Bereits hier sorgt die Aufnahme für angenehme Gänsehaut, die sich voll ausbildet, sobald der SACD-Layer abgespielt wird.
Stockfisch legt mit diesem Album zwei Hybrid-SACDs mit allen Nocturnes von Frédéric Chopin auf, die voll und ganz begeistern. Schließt man die Augen, so meint man, Gergely Bogányi würde im eigenen Wohnzimmer Chopins Klavierstücke in erstklassiger Weise spielen. Man hört den Pianisten im Takt der Musik atmen, man „sieht“ ihn in die Pedale trettend und die Finger über die Tasten gleitend vor sich, und genießt jeden Ton.

| Album: | Frédéric Chopin: The Complete Nocturnes |
| Künstler: | Gergely Bogányi |
| Komponist: | Frédéric Chopin |
| Label: | Stockfisch Records |
| Jahr: | 2008 |
| Format: | Hybrid-SACD (Stereo & Audio-CD) |
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