Gill Manly "With a song in my heart"

Auch wenn Gill Manly bereits auf eine langjährige Karriere zurückblicken kann, so stellt dieses neue Album doch eine Art Debüt dar. Denn nach sehr bewegten Jahren ist dies das erste Album nach langer Zeit - und ihre erste Veröffentlichung bei Linn Records. Ein Album, mit dem Manly an ihre Erfolge in den 1980- und 1990-igern anknüpfen kann.

Von Michael Holzinger (mh)
12.02.2009

Gill Manly, Tochter eines Jazz-Fans, entdeckte bereits früh ihre Liebe zur Musik und ihr Gesangtalent. Kein Wunder also, dass sie ihr Leben danach ausrichtete, auch wenn sie zunächst Schauspielerei in London studierte.

Angespornt durch eine ihrer Lehrerinnen bewarb sich Manly am Royal College of Music, scheiterte aber, brach ihr Studium ab, und trat in zahlreichen Musical-Produktionen am Londoner West End auf. 1983 traf sie Ian Shaw, mit dem sie bis heute eine Freundschaft verbindet, und entdeckte den Jazz aufs Neue für sich. Gemeinsam mit Shaw sowie Musikern wie Bill LeSage, John China, Nick Weldon, Clark Tracy oder Robin Aspland setzte sie ihre ganz persönlichen Vorstellungen von Jazz-Standards im 606 Club in der Lots Road, einer der wichtigsten Jazz-Clubs Londons, um.

Die nächste Etappe in der Karriere von Gill Manly stellte ihre Zusammenarbeit mit dem Pianisten John G. Smith dar, mit dessen Formation, bestehend aus Alec Dankworth und Dave O‘Higgings, sie ihr Repertoire im Stile Chick Corea, Al Jarreau, Charlie Parker oder Keith Jarret sowie Joni Mitchell erweiterte. Zahlreiche Konzerte unter anderem am National Theatre Foyer, The South Bank Festival, The Royal Festival Hall, usw., folgten, bevor Manly 1986 für drei Jahre im Kings Road Club Stock ihr musikalisches Zuhause fand.

Hier lernte sie Künstler wie Tony Bennett, Eartha Kitt und Blossom Dearie kennen. Mit Jazz FM realisierte Gill Manly eine Reihe von Projekten, unter anderem eine wöchentliche Konzert-Reihe mit etablierten Künstlern, aber auch mit Nachwuchstalenten, die live übertragen wurde. Darunter unter anderem eine junge Claire Martin... Nach den verschiedensten Stationen veröffentlichte Gill Manly erst 1995 ihr erstes Album "Detour ahead", für das sie als beste Jazz-Vokalistin nominiert wurde.

1996 war ein einschneidendes Jahr in Manlys Leben. Unter anderem gesundheitliche Probleme veranlassten sie dazu, ihr Leben komplett neu auszurichten. Sie wurde Buddhistin und beschloss 1999 ihre Kariere zu beenden. Nach einer Pilgerreise nach Indien, bei der sie den Dalai Lama traf, kehrte sie nach London zurück, eröffnete ein Kaffee, in dem sie wöchentliche Jazz-Nachmittage veranstaltete, ohne allerdings selbst aufzutreten. Denn für sich hatte Manly beschlossen, dass ihre eigene Karriere beendet sei.

Bis 2007, als sie erstmals seit über einem Jahrzehnt selbst wieder zweimal auftrat, und zwar jeweils vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal. Unter den Zuhörern befanden sich nicht nur alte Wegbegleiter wie Ian Shaw, Claire Martin, sondern auch Simon Wallace, der sie von einem „Neuanfang“ überzeugen konnte. So wurde im Februar 2008 an nur zwei Tagen das aktuelle Album "With a song in my heart" aufgenommen.

Die Aufnahmen fanden am 19. und 20. Februar 2008 in den Underhill Studios in London statt. Gill Manly wurde dabei von Simon Wallace am Klavier, Mark Hodgson am Bass, Ralph Salmins am Schlagzeug und dem Trompeter Guy Barker unterstützt. Einen kurzen Gastauftritt absolviert Mark Murphy, der Gill beim Gesang unterstützt. Die Intention des Album "With a song in my heart" bestand darin, die persönlichen Reflektionen Gill Manlys über das Schaffen Ella Fitzgeralds zu verewigen. So enthält das Album Jazz Standards wie Midnight sun, Daydream, Taxi driver, A night in Tunesia oder Take love easy und Lush life. Alle natürlich in einer überaus interessanten, sehr einprägsamen und eingängigen Interpretation.

Manly wirft bei jedem Stück ihre durch jahrelange Live-Performances gewonnene Erfahrung in die Waagschale. Es gelingt ihr mühelos, ein Publikum, in diesem Fall den Zuhörer, binnen weniger Takte in ihren Bann zu ziehen. Ihre Schauspielausbildung dürfte ebenfalls sehr hilfreich dabei gewesen sein, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie man mit kleinen Akzenten, kleinen Gesten eine immense Wirkung erzielen kann. So verblüfft die Künstlerin den Zuhörer mit stets neuen Facetten und Details immer dann, wenn man eigentlich schon dem Irrtum verfallen ist, durch nichts mehr überrascht werden zu können.

Das von Simon Wallace und Gill Manly selbst produzierte Album wurde perfekt durch Simon Wallace und Mark Murphy abgemischt und von Philip Hobbs beim Mastering verfeinert. Hobbs zeichnet auch für die Erstellung der exzellenten Surround-Mischung verantwortlich, der auf dieser Hybrid-SACD neben einer hochauflösenden Stereo-Abmischung zu finden ist. Aber auch als reine CD hinterlässt diese Aufnahme einen sehr guten Eindruck, zumal diese Aufnahme als HDCD kodiert ist, und somit auf entsprechenden Anlagen das entscheidende Quäntchen mehr Dynamik, Glanz, Fülle und Brillanz ausstrahlt.


Linn Records bietet das Album nicht nur, wie bereits erwähnt, als Hybrid-SACD an, es ist auch auf der Webseite des Labels als Download verfügbar. Der Käufer hat dabei die Wahl zwischen Files in Studio Master-Qualität (24 Bit, 44,1 kHz) sowie CD-Qualität, jeweils in den Formaten FLAC und WMA und MP3 mit 320 kBps und 44,1 kHz.

Gill Manly gelang mit "With a song in my heart" ein wundervolles Werk. Ein Album, wie ein gutes Buch, das man erst beiseite legen kann, wenn auch die letzte Seite gelesen ist. Und am Ende angelangt, will man mehr davon...

Michael Holzinger

 

 



Album:Gill Manly
Künstler:With a song in my heart
Komponist:Diverse
Label:Linn Records
Jahr:2009
Format:Hybrid-SACD (5.1 Surround, Stereo & Audio-CD), Download

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