Sommer in Salzburg, das ist vor allem Festspielzeit. Und die Salzburger Festspiele sind nichts, ohne das Spektakel um das Sterben des reichen Mannes am Domplatz aus der Feder von Hugo von Hofmannsthal. Anlässlich des 90 jährigen Jubiläums produzierte der ORF unter der Regie von Hannes Rossacher das Projekt „Jedermann Remixed“, und Hans Theessink lieferte den eindrucksvollen Soundtrack dazu.
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Von Michael Holzinger (mh) 02.08.2011 |
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Es sei eine Zeitreise durch 90 Jahre, die der TV-Regisseur Hannes Rossacher umsetzte, indem er allein aus verschiedenen Fragmenten von Archivbeständen der letzten neun Jahrzehnte das komplette Stück neu zusammen setzte.
Ziel war es, so einen Einblick in die verschiedenen Epochen, und als Ausdruck dafür in die teils völlig unterschiedliche Spielform und gänzlich unterschiedlichen Inszenierungen zu geben, die, so Martin Traxl, Kulturchef des ORF, den Zeitgeist der jeweiligen Ära widerspiegeln.
Ich gestehe an dieser Stelle offen, dass ich mit dem Stück von Hofmannsthal noch nie wirklich auch nur das geringste anzufangen wusste. Im Gegensatz zu vielen anderen „Klassikern“ der deutschsprachigen Literatur, darunter auch so manch anderes durchaus sperrige Kaliber, das ich mit Freude geradezu verschlang, war es nur dem als Schüler natürlich herrschenden Notendruck geschuldet, dass ich „Jedermann“ tatsächlich bis zur letzten Seite las.
Dementsprechend war mein Interesse an diesem Projekt des ORF und der Salzburger Festspiele natürlich nicht vorhanden, bis, ja bis der dezente Hinweis fiel, dass niemand geringerer als Hans Theessink für diesen Film die Musik beisteuerte. Damit war klar: Pflicht-Termin!
Und man möge es mir nachsehen, wenn ich nun behaupte, dass man meiner Ansicht nach rein gar nichts versäumt hat, wenn man diesen Film nicht gesehen hat. „Jedermann“ wird auch dann nicht spannender, wenn sich Buhlschaft an Buhlschaft, Jedermann an Jedermann reiht, und der zumindest für mein Empfinden zumeist gar nicht so markerschütternd in Szene gesetzte Ruf des Todes aus, wer weiss welcher Original-Inszenierung erklingt. Wer‘s also nicht gesehen hat, dem entgeht rein gar nichts. Denn das wirklich wichtige kann ohnedies bereits käuflich erworben werden. Nämlich der Soundtrack zum Film, der eigentlich wunderbar auch ohne diesen bestehen kann.
Ob es Zufall war, dass ausgerechnet der Wahlösterreicher Theessink mit seinen holländischen Wurzeln die Musik für dieses Projekt realisierte? - Wahrscheinlich! Denn die Ursprünge von „Jedermann“ gehen auf das niederländische Werk „Elckerlijc“ aus dem 15. Jahrhundert zurück, das wiederum die Quelle für das englische Stück „Everyman - a morality play“ aus dem 16. Jahrhundert war, und Hugo von Hofmannsthal als Vorlage für seine Umsetzung diente. Selbstverständlich orientierte sich Hans Theessink daher bei der Zusammenstellung des Soundtracks am Thema des Stücks. Und auch die zumeist eher gedrückte Stimmung der Titel ist dem Anlass geschuldet. Aber dennoch, dass alles funktioniert blendend ohne den Bezug auf „Jedermann“ und ergibt ein in sich herrlich schlüssiges Album, das sich nahtlos in das bisherige Schaffen von Hans Theessink einreiht.
Theessink wählte für dieses Album einige eigene Stücke, die man teils bereits auf anderen Aufnahmen des Künstlers hören konnte, sowie einige Traditionals. Die überwiegende Anzahl aber bilden Cover-Versionen, wobei Thessink sich an einige wahre Größen heranwagt. Werke von Tom Waits, Hank Williams, Bo Diddley, Ray Charles, Johnny Cash bis hin zu den Rolling Stones finden sich auf diesem Album, die aber - wie nicht anders zu erwarten - perfekt umgesetzt wurden. Hans Theessink ist eben mit diesem speziellen Gespür gesegnet, sich Werke anderer Künstler zu bedienen, um diesen seinen ganz persönlichen Stempel aufzudrücken, dabei aber die Größe und den ursprünglichen Charakter zu bewahren.
Ganz bewusst kreierte Theessink sehr reduzierte Arrangements. Um die Bilder des Films zu unterstützen sollte die Musik nur aus dem absolut nötigsten bestehen, manchmal, so Theessink, eben nur aus einer Gesangstimme und einer Gitarre. Aber auch hier gilt, wer nicht weiss, warum dies so ist, der wird es dennoch lieben, denn die unglaublich dichte Atmosphäre, die durch diese Komprimierung entsteht, ist einfach faszinierend und fesselnd.
Hans Theesink versammelte für diese Aufnahmen, die teils in Dänemark, teils in Österreich stattfanden, eine kleine Schar exzellenter Musiker um sich, wobei die Klangqualität einmal mehr als absolut perfekt zu bezeichnen ist. Dies gilt auch für das Mastering, für das Thomas Löffler verantwortlich zeichnet.
Besonders beeindruckend ist auch das Cover der Aufnahme, das ein Werk von Peter Pongratz ziert.

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