Im Test - Acoustic Preference Gracioso 2.0 Standlautsprecher


Es hat gut 20° und es scheint die Sonne. Erstaunlich, wie warm wir es bereits im April haben. Aber nicht nur die Natur darf sich am guten Wetter erfreuen. Auch in meinem Herzen herrscht angespannte Vorfreude. Heute soll der Paketdienst zwei große Kisten anliefern. Inhalt dieser - mein nächstes Testobjekt aus dem Hause Acoustic Preference, und zwar das Modell Gracioso 2.0. Ein mittelgroßer Stand-Lautsprecher, welcher doch eher klein anmutet. Aber wahre Größe muss nicht immer mit physischer Größe konform gehen. An dieser Stelle sei nur auf die Mär „David gegen Goliath“ verwiesen. Sie werden also verstehen, wenn ich hämisch grinsend an diesen Test heran gehe.

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
07.05.2012

Share this article


sempre-audio.at Empfehlung der Redaktion
Erinnern Sie sich bitte, als Sie Ihre Lautsprecher nach Hause trugen. Es waren Kartons mit dem Aufdruck des Herstellers und sicherlich auch angemessen stabil und transportsicher. Im Falle eines Kaufes bei Acoustic Preference erhält der Käufer zwei Fight Cases aus stabilen und sauber produzierten Tischlerplatten. Lange Holzgriffe seitlich und am Kopf sowie am Fußteil sogar einklappbare Metallgriffe, die Gott sei Dank nicht in die Finger schneiden. Nun, Sie werden sich jetzt fragen, weshalb ich Ihnen das erzähle? Es ist einfach! Tragen Sie bitte solche Riesen-Kisten mit einem Lautsprecher als Inhalt. Immerhin verfrachtet man doch 44 unhandliche Kilos pro Kiste ins eigene Domizil. Spätestens, wenn Sie in einem Haus ohne Lift wohnen, werden Sie es dem Hersteller danken. Für das Auspacken benötigen Sie einen Akkuschrauber oder einen Schraubendreher, inklusive kräftigen Unterarm, um die gefühlten 100 Schrauben des Deckels zu entfernen. Die erste Hürde ist genommen, die Kisten geöffnet und Sie sehen den penibel, in bedruckter Folie eingewickelten mittels dicker Schaum-Formteile am Boden und am Kopf fixierten Lautsprecher vor sich. Praktischerweise können Sie den Lautsprecher mit zwei Trage-Schleifen einfach herausheben, die Formteile abstreifen und die Kunstwerke an ihren Platz stellen.

Nach dem Auspacken stehen vor Ihnen zwei wunderschöne aus Massivholz gefertigte Lautsprecher. Der Fußteil ist vom eigentlichen Lautsprechergehäuse abgesetzt und bewirkt eine gewisse optische Leichtigkeit, zudem sind auf deren Unterseite die Aufnahmegewinde für die beigepackten Füßchen verbaut. Im Zubehörschächtelchen findet der Käufer einschraubbare Füße samt aufklebbare Schonplättchen, für den Fall, dass der Lautsprecher auf feinem Parkett stehen soll. Die metrischen Aufnahmegewinde sind in drei massive Messingscheiben eingearbeitet. Alternativ lassen sich auch Spikes oder Isolationsfüße anderer Hersteller aus dem reichhaltigen Zubehörmarkt einschrauben. Gut so – denn ich würde mir nur ungern etwas vorschreiben lassen. Die Bodenbeschaffenheit der Hörräume der Kunden ist einfach zu mannigfaltig, als dass ein Hersteller den Kunden dermaßen einschränken sollte. Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, ob der Lautsprecher an den Boden gekoppelt wird, oder ob Sie lieber vom Boden abkoppeln. Eine klare Empfehlung kann hier leider nicht gegeben werden. Wie ich das bei meinen Hörsitzungen löse und was ich hierbei erfahren habe, werde ich später ausführlich thematisieren.

Natürlich finden Sie eine Garantiekarte und eine ausführliche Produktbeschreibung, wie auch ein Messprotokoll des erstandenen Lautsprechers und ein paar weiße Stoffhandschuhe beigepackt. Ja, Sie lesen richtig. Der Hersteller legt dem erstandenen Lautsprecherpaar auch ein Paar feine Handschuhe bei. Vielleicht schmunzeln sie hier amüsiert. Aber glauben Sie mir, wenn Sie dieses Holz-Kunstwerk vor sich stehen haben, und diese unfassbar zarte und geschmeidige Naturholz-Oberfläche mit den Fingerspitzen betasten, verstehen Sie, dass die Beigabe der Handschuhe durchaus angemessen ist. Das wäre dann auch in der Summe der feine Unterschied zu einem Produkt aus dem Massenmarkt. Wie bereits in unseren Sempre Audio News zu diesem Hersteller mitgeteilt, schreibt sich der Manager Marjan Tancer und sein Team die Arbeit mit natürlichen Materialien ins Pflichtenheft. Seiner Aussage nach sollen die Kreationen aus dem Hause Acoustic Preference dem natürlichen Klang besonders zuträglich sein, und dem Kunden viele Freuden rund um das Thema Musik und audiophile Wiedergabe zu Hause bieten. Selbstverständlich können Sie auch gleich mehrere Modelle bestellen und ein erlesenes Surround Set-Up aufbauen. Sie müssen halt nur dementsprechend viele Kisten zu je 44 Kilo in den vierten Stock ohne Lift schleppen. Da müssen Sie durch.

Mittlerweile habe ich die Lautsprecher mit den Füßchen versehen und an ihren ersten Startplatz verfrachtet. Ich habe bei meinem Hausbau - ja Sie vermuten richtig, ich war schon lange vorher vom Hi-Fi Bazillus infiziert - in meinem Wohnzimmer vorsorglich die Fläche meiner Hi-Fi Anlage und der Lautsprecher direkt auf dem Hausfundament zusätzlich aufbetoniert. So bin ich in der glücklichen Lage, nahezu keinerlei unnützen und lästigen Körperschall über den Fußboden übertragen zu müssen. Die fundamentierte Standfläche durchmisst den Raum in der ganzen Breite und endet bei ca. 1,2 Meter in den Raum hinein. Das bedeutet, dass ich meine Lautsprecher direkt an den massiven Boden ankoppeln kann, und so etwas weniger vagabundierende Resonanzen die Musikwiedergabe stören. Meine Komponenten profitieren hiervon ebenfalls. Ich muss keine besonderen Entkopplungs-Maßnahmen durchführen, oder gar auf extrem teure Rack-Lösungen zurückgreifen.

Die Lautsprecher stehen nun ca. 1,1 Meter von der Rückwand entfernt und sind leicht auf den Hörplatz eingewinkelt. Da ich gerne eine etwas breitere Bühne bevorzuge, winkle ich nie direkt auf den Hörplatz ein. Einer guten Mittenfokussierung steht das ja nicht im Wege. Sie sollten über einen guten Lautsprecher die Stimme dort hören wo sie hin gemischt wurde. Das hat den Vorteil, dass man nicht wie festgenagelt auf dem Sweetspot sitzen muss, um das Bestmögliche aus der Wiedergabe herauszuholen, aber das hängt natürlich auch von Ihren Hörgewohnheiten und den Raumbedingungen ab. Ein zumindest theoretischer Nachteil der genauen Ausrichtung wäre, dass der Hochtöner, wenn er etwas zu kräftig ist, gerne mal sehr unverblümt in die Ohren schreit. Der Seitenabstand beträgt etwas mehr als 1,7 Meter. Der Seitenabstand ist deshalb so wichtig, weil das menschliche Gehör größere Abstände benötigt, um zielsicher zwischen Reflektionen und Direktschall zu unterscheiden. Bei falschem, sprich zu nahem Abstand zu den Seitenwänden, kann es geschehen, das sogenannte Phantomschallquellen das Klangbild stören. Zum Beispiel: eine Phantomquelle spielt außerhalb der Lautsprecherebene. Der Hörabstand beträgt in meinem Wohnzimmer ca. 3,5 Meter. Bitte berücksichtigen Sie, dass ich meine Entfernungsangaben immer von der Lautsprecherfrontmitte messe.

Wie man es als aufgeklärter und gewissenhafter Hi-Fi Fan so macht, lässt man dem Lautsprecher oder den neuen Komponenten erstmal etwas Zeit, um sich zu akklimatisieren. Ich verbringe diese Zeit gerne mit dem genauen Begutachten der „Beutestücke“ und reinige sie gründlich. In diesem Falle habe ich kurzerhand zum Wolllappen gegriffen und die Oberflächen ordentlich abgewischt, auch wenn da gar kein Schmutz oder Staub vorhanden war. Ja, sie können gerne schmunzeln, aber das ist so mein Steckenpferd. Ich bin da sehr penibel. Erst recht, wenn ich ein Objekt bei mir zu Gast habe, das selbstverständlich in erstklassigem Zustand an den Absender retour gehen soll. Natürlich ist das die passende Gelegenheit, um etwaige Spaltmaße der bündig eingepassten Chassis zu prüfen. Und glauben Sie mir, es ist schlicht sensationell, was Marjan Tancer hier zustande bringt – sie bekommen genau zwei Blatt Papier in den Spalt zu allen eingefrästen Bauteilen. Zwei Blatt!! Und kein einziges mehr! Respekt, um solch feine und ultra-genaue Maßarbeit wird man Marjan Tancer auch in anderen Branchen beneiden.

Ich möchte Sie aber nicht weiter auf die Folter spannen und Ihnen erzählen was ich mit dem Pärchen Testlautsprecher klanglich erlebt habe.

Meine klanglichen Präferenzen sind im Grunde leicht beschrieben. Ich höre gerne analytisch und mag es, wenn die Aufnahme mit entsprechender Sorgfalt aufgenommen und abgemischt wurde. Allerdings darf hierbei keine übertriebene Kühle entstehen, es ist ein schmaler Grat, den ich hier von meinem Lautsprecher abverlange. Zudem, ein Lautsprecher, der einen gefälligen Höflichkeitsbuckel im Grundton aufweist, und damit einen nicht vorhandenen Tiefgang vorgaukelt, ist definitiv nicht meine Sache. Selbstverständlich hilft dem Hersteller dieser kleine Kniff, um einen eindrucksvollen Bass zu erzeugen, und erspart ihm die diffizile Abstimmung, wenn es um Schlagkraft unter 40 Hz geht. Denn hier begibt sich fast jeder Hersteller auf unberechenbares Terrain, hier steht der Lautsprecher nur mehr peripher in der Verantwortung, denn die Raumresonanzen und stehenden Wellen, die jedem Raum zu eigen sind, leben sich hier zum Leidwesen des Musikliebhabers aus und scheren sich einen Kehricht um die Mühen des Herstellers. Ich persönlich erachte einen dezenten Abfall ab ca. 50 Hz, so bleibt noch immer genug Pegel bei tieferen Frequenzen über, um gemeinsam mit der unvermeidbaren Raumreaktion, sprich Resonanzen und stehende Wellen, einen adäquaten Tiefgang zu erzeugen, als den gangbarsten Weg, wenn man viele Kunden mit ihren unterschiedlichen Hörräumen gleichermaßen begeistern möchte. Lautsprecher die auch bei 30 Hz, oder gar noch tiefer, den vollen Pegel spielen können, sind in den meisten Räumen sehr problematisch.

Es kann Spaß machen, aber im direkten Vergleich werden starke Überhöhungen im Bereich der Raumresonanzen hörbar und verleiden jede vernünftige Musikwiedergabe. Ein Kontrabass wabert nicht im Raum und ein Double Bass schwingt auch schnell wieder aus. Ein Lautsprecher, der mit einem gesunden flachen „Abfall“ im Tiefbassbereich konstruiert wurde, wird jeden falsch ausgesuchten Lautsprecher mit atemberaubend tiefen Grenzfrequenzwerten an die Wand spielen. Also verehrter Leser, nehmen Sie sich Zeit, um Ihren Lautsprecher auszusuchen und lassen Sie sich bitte nicht von allzu selbstbewussten Angaben in Prospekten verleiten, es ist nur die halbe Wahrheit. Es ist Ihr Raum, der Ihnen letztendlich sagt, was physikalisch machbar ist. Ein weiterer wichtiger Vorteil einer smarten Abstimmung im Tief-Bass ist der Umstand, dass man mit der Entfernung zur Rückwand sehr feinfühlig den Basspegel einstellen kann, und man kann solche Lautsprecher unter beengten Verhältnissen auch getrost relativ nahe der Rückwand noch vernünftig hören. Ein kleiner Raum oder eine überschaubare Musikecke muss nicht zwangsläufig zu einem Verzicht auf höchstwertige Musikwiedergabe führen.

Die Gracioso 2.0 ist solch ein Lautsprecher. Er ist knapp 1 Meter hoch und fügt sich in die meisten Wohnzimmer akustisch, wie auch optisch, sehr gut ein. Er erschlägt einen nicht mit schierer Physis. Der eingangs erwähnte „David“ lässt hier schelmisch und verheißungsvoll grüßen. Die zwei Wege-Konstruktion, welche durch ein doppeltes Bassreflexrohr an das Luftvolumen des Raumes angekoppelt wird, beinhaltet einen feinen Hochtöner modernster Bauart und zwei starke 16 Zentimeter Tieftöner die parallel laufen. Ein weiteres kostenintensives High Light sind die Bi-Wiring und Bi-Amping fähigen vollisolierten WBT Anschlussklemmen, welche Gabelschuhe und Bananen-Anschlüsse aufnehmen können. Kurz zum Thema Bi-Amping: sie können die Wege des Lautsprechers, bei der Gracioso 2.0 trennen sie den Hochton vom Tief-Mittelton, auftrennen und mit zwei Stereo-Endstufen, oder gar mit vier Mono-Endstufen, oder einem Vollverstärker und einem Stereo-Endverstärker ansteuern. Ob man so viel Leistung bei über 91 dB Wirkungsgrad benötigt, ist natürlich eine andere Sache, aber auch ein eindeutiger Hinweis darauf, dass man hier gerne extensiv experimentieren kann. Vielleicht tu ich das auch. Es gäbe ja passend zu meinem Primare Vollverstärker auch eine Stereo-Endstufe aus dem gleichen Hause. Dennoch ist eine derartige Lösung durchaus sehr attraktiv, da die Gesamtlast auf mehrere Verstärker verteilt wird, und so einfach ein wesentlich entspannteres und souveräneres Klangerlebnis ermöglicht. Aber Sie haben mit Ihren Gedanken sicherlich Recht, wenn Sie einwerfen, dass in heutigen Zeiten Verstärker absolut keine Schwächen aufweisen und selbst preiswertere Lösungen ohne jeglichen Makel aufspielen. Das Thema Bi-Wiring erschließt sich mir nicht, da in erster Linie der Kabelhersteller profitiert. Aber wie fast überall lädt auch hier das emotionale Thema Hi-Fi Wiedergabe zu Hause zum Ausprobieren ein. Und genau dazu möchte ich Sie animieren.

Meine erste CD, die ich mir über die Gracioso anhörte, war die Künstlerin Ane Brun mit Ihrem famosen Konzert in Stockholm. Kennengelernt habe ich die Dame über Peter Gabriel und sein aktuelles Album „New Blood“, auf welcher sie statt Kate Bush als Duett Partner im Song „don´t give up“ auftritt. Dermaßen neugierig geworden, habe ich mir alsbald diese CD gekauft, und fand damit eines meiner drei oder vier Lieblingsalben. Ane Brun hat eine faszinierende, aber auch zerbrechlich wirkende Stimme, die sie gekonnt in die Herzen des Zuhörers zaubert. Sie spielt und kokettiert mit ihrem sehr speziellen Stimmvibrato, und versteht es wie nur wenige andere Sängerinnen, die feinsten Lautstärkeunterschiede gekonnt in einen Dialog zu ihrer faszinierenden Stimme zu setzen. Für einen Lautsprecher und die nachgelagerte Hi-Fi Anlage bedeutet es, diesen fein verästelten Mikrokosmos und die vielschichtigen Klangfärbungen aufzudröseln, ohne dass es kühl und überanalytisch wirkt. Auch wirkt es sehr beeindruckend, wie genial die Grobdynamik auf dieser Aufnahme mit der allseits präsenten Feindynamik der Stimme spielt. Denn die Aufnahme ist in allen Bereichen nahezu perfekt aufgenommen. Selbst für eine komplexe und technisch anspruchsvolle Aufnahme eines großen Live-Konzertes!

Die Stimme steht fest auf einer Bühne und das Instrumentarium ist wohl geordnet um Ane Brun gruppiert. Ane Brun wird im Vergleich zu meinen Lautsprechern etwas weicher gezeichnet, auch tendiert das Klangbild eher in Richtung – weißes messerscharf gezeichnetes Gemälde auf schwarzem Hintergrund – als im Umkehrschluss - als überanalytische und kühle Wiedergabe. Marjan Tancer hat, so wie es sich bereits andeutet, eine feine Gratwanderung hinbekommen. Eine nachvollziehbare, man kann durchaus technisch dazu sagen, Wiedergabe in Punkto Räumlichkeit und Abbildungspräzision, bei gleichzeitiger Milde im Klangbild. Ein Vergleich mit einer etwas weniger gelungenen Pop-Produktion aus den 80ern zeigte schnell auf, das auch diese noch erträglich ist. Ein analytisch und latent kühl abgestimmter Lautsprecher würde hier gnadenlos mit heulenden Kreissägen um sich werfen. Diese CD ist definitiv nicht für den einfachen Musikkonsum bestimmt. Meiner persönlichen Auffassung nach dürfte man die CD nur mit entsprechenden Warnhinweisen verkaufen. Ich verwende sie, um einen gelungenen Hi-Fi Abend mit Freunden zu beenden, wenn besagte Jungs einfach nicht gehen wollen, oder um herauszufinden, wie leidensfähig man sein muss, wenn ein Testobjekt aufspielt. Aber zurück zu Ane Brun, sie singt auf diesem tollen Album eine gelungene Coverversion des Hits „true color“ von Cindy Lauper. Manchen von Ihnen ist das Original aus den 80er Jahren noch in Erinnerung. Zu dem Waffenschein-pflichtigen Spaßmacher von Cindy Lauper muss man nun wirklich nicht viel sagen. Aber was Ane Brun daraus macht, ist eine Erwähnung wert. Was definitiv niemals funktionieren würde, wäre, wenn Ane Brun Cindy Lauper einfach nur kopiert. Ane Brun wandelt das treibende Up-Tempo Spiel in ein fragiles und minimalst besetztes Werk. Eingebettet in die sparsame Instrumentierung gewinnt Ane Bruns Stimme enorm viel Intimität. Die Gracioso macht daraus eine zarte, aber sehr bestimmte und selbstbewusste Darstellung. Ane steht körperlich auf der Wohnzimmerbühne. Fast möchte man meinen, man könne das feine Zungenschnalzen und die zauberhaften Stimmbänder einzeln erkennen. Atemberaubend, wie intensiv man die feinen Lautstärkeunterschiede im Dialog mit dem fein ziselierten Vibrato erlebt.

In mir macht sich eine besondere Vorfreude auf die begnadete Amanda McBroom breit. Das Album „Chanson“ ist in jedem Punkt perfekt aufgenommen. Für mich ist es ein Paradebeispiel für Grob- und Feindynamik. Die Lieder sind meist minimalistisch instrumentiert, so singt Amanda McBroom ein unfassbar einfühlsames und zerbrechliches „Marike“. Eine gelungen abgestimmte Hi-Fi Anlage lässt Amanda samt Instrumentenbegleitung im Wohnzimmer entstehen. Die räumliche Darstellung hierbei ist leicht nachvollziehbar, und, so scheint es, auf den Zentimeter genau verifizierbar. Das Lied „Carusell“ ist hier von einem ganz anderen Kaliber. Auch wenn es ebenfalls sehr schmeichelhaft beginnt, zeigt Amanda alsbald eine gänzlich andere Seite. „Carusell“ wird immer temporeicher und lauter. Es ist unfassbar, wie dramatisch Amanda an der Geschwindigkeitsschraube dreht, und dabei gleichzeitig in einem atemberaubenden Tempo und einen gefühlten Zentimeter zielsicher unter dem Aufbrechen der Stimmkraft das „Carusell“ schmettert. Das Instrumentarium ist entsprechend einem Varieté Lied bisweilen imposant und brutal, speziell wenn man dieses Stück sehr laut hört. Hier ist ein Lautsprecher gefragt, der es grundsätzlich schafft, die Übersicht glaubhaft beizubehalten und fein- wie auch grobdynamisch gleichermaßen präsent zu bleiben.

Es ist ein extrem entlarvendes Musikstück, das bei überanalytisch abgestimmten Lautsprechern zur Last wird, und bei lasch aufspielenden Anlagen den faszinierenden Drive vermissen lässt. Sollte jedoch der Lautsprecher harmonisch und tendenziell etwas wärmer abgestimmt sein, brennt so gesegnet ein akustisches Feuerwerk ab, das seines gleichen sucht, und den Zuhörer auch über das Ende des Liedes hinaus in den Sessel bannt. Was die Gracioso daraus macht, ist bemerkenswert. Bemerkenswert deswegen, weil die innere Spannung erhalten bleibt, ohne dass der Zuhörer überfordert wird, und trotzdem eine selten gehörte Informationsflut geboten wird. Dieses in Deckung gehen, wenn Amanda tief Luft holt, ist zwar nicht vonnöten. Dennoch schielt aus der Gracioso der kampfbereite „David“ hervor, und so mancher „Goliath“ täte gut daran, etwas respektvoller „David“ gegenüber zu treten.

Ich habe mir vorgenommen, die nächsten Tage, meinen Pflicht-Parcours zu absolvieren. Hierbei geht es um die Einschätzung, wo sich der Proband einsortiert. Auch wenn es sich bei diesem Test um keinen üblichen Vergleichs -Test einer bestimmten Lautsprecher Gruppe handelt, und wir demzufolge kein Ranking erarbeiten, so muss doch festgestellt werden, was den Interessenten erwartet, und wo sich das natürliche Umfeld des Lautsprechers befindet. Ein erster wichtiger Anhaltspunkt ist der Umstand, wie gut sich der Lautsprecher akustisch in das Testumfeld einfügt. Wie leicht gelingt es dem Besitzer, den Lautsprecher zu positionieren, sodass die ersten brauchbaren Eindrücke zu gewinnen sind. Es ist nicht unerheblich für die Qualität des Probanden, wie es der Entwickler verstanden hat, ein universell einsetzbares Produkt zu entwerfen. Die große Problematik für den Entwickler dabei – er muss von einer unverschämt großen Anzahl an unterschiedlichen Raumbedingungen und Aufstellungsarten aus gehen. Hier wird sehr schnell verständlich, wie schwer das für den Konstrukteur ist. Genaugenommen läuft dies immer auf einen Kompromiss hinaus. Aber dennoch hat man grundlegende physikalische Bedingungen, die allgemein gültig sind, und es dem Entwickler ermöglichen, eine Grundsatzentscheidung zu treffen. Auch spielen der Zeitgeist und der Allgemeintrend eine wichtige Rolle.

Lieben die Kunden eher aufgeräumte schlicht eingerichtete Räume, oder baut man ein Produkt für den Preiseinstiegsmarkt und uniformen Massenmarkt, oder gar auch für kleinere Wohnungen, wo auch die Nachbarschaft zwingend berücksichtigt werden will. Selbst das Material spielt hier eine grundlegende Rolle. Denn dicke Massivholzwände, natürlich gewachst, würden dem derzeitigen starken Trend nach schlanken und scheinbar unsichtbaren Lautsprechern in modischen Glanzlackoberflächen eindeutig widersprechen. Dermaßen vorab eingeschränkt, müssen andere Attribute greifen, um nicht gänzlich in einer Nische zu versinken, welche nur geringe Verkaufs-Chancen bietet. Einer davon ist natürlich, abgesehen von der Optik, flexibelst handhabbar zu sein. Eben die besprochene Aufstellung. Muss ich den Lautsprecher aufgrund seiner gewaltigen Bassfähigkeiten möglichst frei in einem möglichst großen Raum aufstellen, ein linearer Frequenzgang bis vielleicht 30 Hz lässt hier grüßen, oder verschafft mir ein wohl überlegter „Abfall“ die nötige Freiheit, auch mal näher an die Wand zu rücken, kaufentscheidend in einer kleinen Wohnung. Was bewirkt das Rundstrahlverhalten des Lautsprechers dann bei der räumlichen Abbildung und der Tiefenstaffelung. Denn eines ist gewiss, ohne digitale Korrekturmöglichkeit des Ausgangssignales ist man der Physik hoffnungslos ausgeliefert. Sollten Sie ein großer Liebhaber klassischer Musik sein, so ist Ihnen die Opulenz und weitläufige Dimension eines großen Orchesters bewusst, und sie wissen auch, das es ohne ausreichend Fläche schon mal problematisch wird. Sollten Sie dann auch noch einen Lautsprecher auswählen, welcher nicht in die Räumlichkeiten passt, bleibt Ihnen leider nur die Erinnerung an das Konzert, aber mit einer gekonnten Auswahl an Wiedergabekomponenten und glaubwürdiger Musikwiedergabe hat das wenig zu tun. Um ein weiteres Merkmal auf den Punkt zu bringen – für ein 80 m2 Loft ist die Gracioso eher nicht geeignet – sie würde in derartigen Hallen naturgemäß mit zwei 16 Zentimeter Tieftontreiber je Seite, welche auch noch den Mittelton mitbestreiten müssen, verhungern. Aber auch in einem 15 m2 Zimmerchen würde keine große Freude aufkommen, denn die Gracioso würde aus der Einrichtung und dem Musikhörer schlicht Kleinholz machen. Hier grüßt wieder „David“ schelmisch aus den bemerkenswert potenten Chassis heraus. Der Lautsprecher macht schon klar, dass er auf eine gewisse Mindestgröße wert legt.

Die Gracioso 2.0 hat neben der harmonischen Tonalität und der sehr universellen Bassabstimmung die Tugend, „Räume“ sehr genau und im richtigen Verhältnis nachzuzeichnen - die musikalischen Akteure penibelst aufzustellen und mit dem entsprechenden Freiraum auszustatten. Ane Brun – ein Gedicht. Amanda McBroom - unfassbar authentisch und brutal, wie sie sein kann. Orchestrales wie Star Wars Episode I - raumgreifend, wenn der Raum vorhanden ist. Bleiben wir eine Weile bei Star Wars. Die Melodie ist sicherlich fast jedem geläufig, zumindest von einem Bilddatenträger oder aus dem Fernsehen. Ich kann hier nur jedem empfehlen, sich den originalen Soundtrack zu besorgen, so die Musik auch gefällt, und Sie sich die Zeit nehmen, das Werk von Anfang bis zum Ende anzuhören. Legen Sie die Fernbedienung ruhig bei Seite, Sie werden sie nicht benötigen. Spielen Sie den Soundtrack auch gerne etwas lauter. Die besonderen Merkmale sind neben einer explosiven Dynamik die Aufgeräumtheit im Klangbild. Das Orchester ist jederzeit klar positioniert und gut nachvollziehbar.

Es ist exemplarisch, wie einfach man den verschiedensten Passagen folgen kann. Die Fanfaren raumgreifend, während Streicher Arrangements klar seitlich positioniert sind. Die Gracioso 2.0 macht es dem Zuhörer leicht, dem Werk zu folgen und darin zu versinken. Die atemberaubende Dynamik rüttelt Sie auch zuverlässig wieder auf, wenn Sie von einer beschaulichen melancholischen Passage umgarnt allzu sehr in der Musik versinken. Die Gracioso reagiert an dieser Stelle doch nachvollziehbar bei der räumlichen Wiedergabe und Abbildungspräzision des musikalischen Geschehens, wenn sie mit den Rückwandentfernungen experimentieren. Hier lässt sich zudem der Basspegel feinfühlig an die nachbarschaftlichen Vorgaben oder den eigenen Geschmack einstellen. Fühlen Sie sich ermuntert, auch im Zehn-Zentimeter-Bereich zu experimentieren. Optimal aufgestellt, denkt man nicht mehr an imposante Prospektangaben irgendwelcher Mitbewerber.

Neben „Star Wars Episode I“ ist der Soundtrack “The Pink Panther” zum gleichnamigen Hollywood Film ein weiteres fieses Prüf-Utensil. Hierbei handelt es sich aber nicht um das Originalwerk von Henry Mancini, sondern um die bedeutend jüngere Einspielung von Christophe Beck aus dem Jahr 2006. Selbstverständlich ist die „Beck“ Version auch als das Original zu erkennen, es gibt nicht mal besondere Eigeninterpretationen oder gar umfangreiche Abwandlungen. Es ist das Original, das mit heutigen Möglichkeiten und Finesse neu eingespielt wurde. Eine lupenreine Produktion, deren Qualität bei weitem nicht alltäglich ist. Musikalisch hat das Beck-Machwerk sehr viel zu bieten. Es macht sehr deutlich, wie weit die Aufnahmequalität in den Jahrzehnten vorangeschritten ist. Jederzeit auf den Punkt ist die orchestrale Besetzung zusammen gemischt. Bisweilen so authentisch, das man von einer reinen Raumaufnahme ausgehen könnte. Wie im turbulenten Film, wird auch hier der Zuhörer musikalisch durch das Geschehen getrieben. Ja getrieben! Auch wenn der Film eine charmante Komödie darstellt, geht es ordentlich und bedrohlich zur Sache. Sie möchten die einzelnen Cellisten abzählen. Bitte sehr – dieser Soundtrack und die Gracioso machen es sehr leicht gewisse „Erbsen“ zu zählen.

Der letzte Teil des Pflicht-Parcours ist die synthetische Musik. Auch wenn der Begriff etwas hinken mag, so muss man einen Soundtrack wie „Transformers, the revenge of the fallen“ von Steve Jablonsky eindeutig in diese Kategorie einordnen. Selbstverständlich ist dies nicht negativ zu verstehen, denn auch das ist Kunst und gefällt vielen Menschen. Der Vorteil derartiger Produktionen – man beschränkt sich nicht auf das, was natürliche Musikinstrumente ermöglichen, sondern man kann völlig frei aberwitzige Klanggebilde erzeugen, und so beide Welten miteinander verbinden. Steve Jablonsky ist in meinen Augen ein außergewöhnlich gutes Werk gelungen, denn es reißt den Zuhörer durch das Klanggeschehen und treibt auch sehr bedrohliche und abstrakte Klangbilder vor sich her. Der Tiefbass auf dieser Aufnahme stellt genau das dar, was der Name zum Programm machen möchte. Der leidensfähige Zuhörer erlebt, wie die musikalischen Akteure im tiefsten Keller wüten, und mit Vehemenz das Geschehen vorantreiben – mal motivierend, mal düster bedrohlich. Für einen Lautsprecher bedeutet das in erster Linie viel Muskelkraft und Kontrolle. Es gelingt der Gracioso 2.0 vorzüglich, Tiefton-Treppen nicht zum Rutschen oder gar zu einem undefinierten Sumpf verkommen zu lassen, auch wenn die ultimative Autorität bei 2 Stück 16 Zentimeter Treiber natürlich fehlt. Aber das Thema hatten wir bereits zu Beginn. Ein Lautsprecher, der bei vollem Pegel bis in die tiefsten Kelleretagen läuft, verursacht in den meisten Wohnzimmern mehr Probleme als dem Musikliebhaber Recht sein kann. Hier zeigt die Abstimmung Marjan Tancers wie sehr die Physik verhandlungsbereit ist, und welche respektablen Ergebnisse man selbiger abringen kann, wenn man nur mit ausreichend Umsicht agiert.

Zu Beginn versprach ich Ihnen, zu erzählen, was es mit den einschraubbaren Lautsprecher Füßchen bei mir auf sich hatte. Nun, auch hier handelt es sich um Physik – nicht mehr und nicht weniger. Wie bereits beschrieben, habe ich die Aufstellfläche meiner Hi-Fi Anlage und die der Lautsprecher schon beim Hausbau an das Hausfundament gekoppelt. Mein Hi-Fi Equipment steht mit dem Mobiliar auf knapp über 3 Tonnen Beton, welcher für den Treppenbau freigegeben ist. Ziel war hierbei, den Holzboden vom Körperschall der Lautsprecher weitgehendst zu schützen. Lediglich der unvermeidbare Luftschall kann hier den Boden anregen und so die Musikwiedergabe negativ beeinträchtigen.

Keine Frage – nicht jeder hat die Möglichkeiten, solch restriktive Maßnahmen in den eigenen Räumen umzusetzen. Dennoch, es ist ein ungemein wirksames Mittel, um sich einem Klangideal ein weiteres Stückchen zu nähern. Und nebenbei bemerkt, hat es zusätzlich zum entsprechenden Einfall zur rechten Zeit nicht besonders viel gekostet. Die eigentlichen Probleme beginnen, wenn man die Lautsprecher auf einem schwimmenden Estrich und einem weiteren Fußboden-Aufbau aufstellen muss. Hier sind das nötige Fingerspitzengefühl und ein bisschen Erfahrung gefragt. Die Gracioso hat, wie bereits eingangs erwähnt, Aufnahmegewinde für Spikes oder andere Füßchen. Die beigepackten Füße sind grundsolide und nicht als Spike ausgeführt, sondern verfügen über eine solide Standfläche, und sind zudem mit einem Schutz für empfindliche Böden ausgestattet. Sie können gefahrlos den Lautsprecher am Boden in die optimale Hörposition manövrieren. Ich habe im Rahmen des Testes viele Positionen und auch fremde Spikes ausprobiert, ja sogar auch ohne jegliche untergeschraubte Systeme aufgestellt. Hierzu sei erwähnt, dass es keinen Sinn macht, auf die beigepackten Füße zu verzichten, so hat doch die Stabilität und Ruhe im Klangbild etwas gelitten.

Die Unterschiede offenbaren sich hauptsächlich auf einem Holzboden, denn hier zeigt sich die ganze Wirkung, egal ob es isolierende Füße oder spitze Spikes sein sollen. Speziell auf mitschwingenden Böden ist hier besondere Sorgfalt angesagt. Man kann gerne mit verschiedenen Typen experimentieren, und sich so dem eigenen Optimum nähern. Die Gracioso lässt es Sie eindeutig wissen, wenn es passt. Auf meinem speziellen Hi-Fi Fundament in meinem Wohnzimmer zeigten sich etwaige Unterschiede von marginaler Natur, und deckt sich weitgehendst mit bisherigen Erfahrungen. Hiermit schließe ich auch dieses komplexe Thema, nicht zuletzt, weil auch dieser Lautsprecher sich, wie es sich für einen grundsoliden Lautsprecher gehört, verhält, und keine großartigen geheimnisvollen Erkenntnisse zu erwarten sind.

Der guten Ordnung halber möchte ich abschließend nochmal die Eckdaten dieses Lautsprechers anführen.

Technisch gesehen ist es eine klassische Zwei-Wege-Konstruktion, welche durch eine doppelte Bassreflex-Öffnung unterstützt wird. Zur Anwendung kommen hier zwei 16 Zentimeter Morel Basstreiber und eine feine 28 Millimeter durchmessende Kalotte aus der Eliteserie desselben Herstellers. Getrennt wird mittels 12 dB Weiche bei 2200 Hz. Die Weiche selbst ist mit streng selektierten Bauteilen der Serie Surpreme von Mundorf und weiteren edlen Bauteilen aus dem Programm von Jantzen aufgebaut. Als Innenverkabelung kommt hier ein spezielles Silberleitermaterial mit Teflon-Isolierung zum Einsatz. Das Anschlussfeld ist in der sogenanntes Bi-Wiring- und Bi-Amping-Bauweise ausgeführt. Der Frequenzumfang beginnt bei Wohnraum verträglichen 35 Hz und endet bei ca. 20000 Hz im Hochton Bereich. Der Wirkungsgrad wird mit 91 dB bei 1 Watt und Meter angegeben. Die Belastbarkeit gibt der Hersteller mit bis zu 200 Watt an 8 Ohm Impedanz an. Sie erhalten einen Lautsprecher, der mit 100 cm in der Höhe, sowie 36 cm in der Tiefe und 26 cm breit angegeben ist. Das Nettogewicht beträgt stolze 29 Kilogramm. Lieferbare Holzarten sind jeweils natürlich gewachstes europäisches und amerikanisches Walnuss-Massivholz. Die Preise der nur im Direktvertrieb erhältlichen Modelle belaufen sich auf 5.520 Euro für die Variante mit europäischem Walnuss Holz und 5.940 Euro für die amerikanische Variante. Die angeführten Preise verstehen sich inklusive der gesetzlichen Mehrwertsteuer und der Zustellkosten innerhalb der EU. Die Garantiezeit beträgt 5 Jahre.

Ein toller Lautsprecher, welcher rundum zu überzeugen vermag. Die Verarbeitung ist schlicht sensationell und ein adäquater Gegner ist auf die Schnelle in dieser Preisklasse nicht zu finden. Selbst die Verpackung ist dem Produkt entsprechend ausgeführt. Stabil … stabiler … Acoustic Preference!

Klanglich bewegt sich das Modell eher im warmen als im streng analytischen oder gar unterkühlten Bereich. Es lag im Entwicklungsziel, einen langzeittauglichen Lautsprecher herzustellen, welcher ausgesprochen natürlich klingen soll, und dem Musikliebhaber mit opulenten Klangfarben und einer stabilen gut ausgebildeten Räumlichkeit verwöhnt. Dass hier ein kleiner David den versammelten Goliaths des Marktes eine lange Nase zu drehen vermag, ist für mich die eigentliche Sensation. Die Gracioso 2.0 ist handhabbar genug, um in vielen Wohnzimmern zu funktionieren, und reagiert dabei, wie es die Physik lehrt, ganz normal auf die Umgebungsbedingungen. Sie mag es nicht, wenn die Kontermuttern der ausgewählten Füßchen nicht ordentlich angezogen sind, und belohnt Sorgfalt bei der Aufstellung mit einem wirklich ausgefeilten und einem erzstabilen Klangbild. An dieser Stelle sprechen wir dem Entwicklerteam rund um Generalmanager Marjan Tancer ein großes Lob für die Weitsicht, zugunsten der Praxistauglichkeit, auf das letzte Quäntchen Tiefgang zu verzichten. Ein gekonntes Weniger ist oftmals ein „bedeutsames“ Mehr. Fühlen Sie sich an dieser Stelle auch ermuntert, seitens Elektronik und Quellen durchaus zum provokant Teuren zu greifen.

Eine kleine Einschränkung möchte ich Ihnen aber nicht vorenthalten. Bei harter Rockmusik limitiert der Lautsprecher am oberen Pegellimit etwas. Harmlos, aber doch vernehmlich, geht die Gracioso 2.0 in die Kompression. Hier zeigt sich die Verlässlichkeit der Physik aufs Neue. Selbst wenn die Machart vorbildlich ist und die Qualität beeindruckt, so spielen doch nur 2 Stück 16 Zentimeter durchmessende Basstreiber, die zudem auch den immens wichtigen Mittenbereich abdecken. Die hartgesottenen Rocker unter Ihnen vermag das dann doch nicht restlos zu überzeugen.

Auf den Punkt gebracht

Eher warm als streng analytisch. Ein frappant und glaubwürdig räumlicher und natürlich klingender Lautsprecher mit angemessenem Tiefgang und musikalischen Fluss. Vermag über die Preisklasse hinaus in Punkto Klang und Verarbeitung zu überzeugen. Ein Allround-Lautsprecher, der wenig Respekt vor großen Marken aufweist, und dem Besitzer viel Spaß vermitteln kann.

9,0 (Herausragend)

The Good

  • Ein universeller Lautsprecher
  • der mit jeder Musikrichtung überzeugen kann
  • und sich zudem in mittelgroßen Räumen leicht aufstellen lässt. Es sind keine großen Probleme mit Raumresonanzen im Bass-Bereich zu erwarten
  • da vom Entwickler gefühlvoll ausbalanciert wurde. Kann auch gerne mit feiner Röhrenelektronik ab 30 Watt betrieben werden. Sensationelle Verarbeitung
  • die selbst höchste Ansprüche zufrieden zu stellen vermag.

The Bad

  • Nur im Direktvertrieb erhältlich
  • daher kein Händlersupport möglich. Ist mit Hardrock am Pegellimit überfordert
  • und geht leicht vernehmlich
  • aber harmlos in die Kompression. Nur zwei Holzvarianten lieferbar.

Share this article