Nur wenigen ist es vergönnt, ihren 100. Geburtstag zu feiern. Da hilft wohl auch eine statistisch stets steigende Lebenserwartung wenig. Selbst Unternehmen gelingt es in unserer schnelllebigen Zeit nur sehr selten, wirklich große Jubiläen zu „erleben“. Wie etwa der japanische Unterhaltungselektronik-Konzern Denon, der auf nunmehr über 100 Jahre zurückblicken kann und dies gebührend feierte.
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Von Michael Holzinger (mh) 21.03.2011 |
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...zieht sich das Thema Schallplatten-Spieler durch die Geschichte des japanischen Unternehmens.
So war es ein Grammophon, mit dem die nunmehr 100 Jahre währende Erfolgsgeschichte von Denon im Jahr 1910 begann. Damals firmierte das Unternehmen noch unter dem Namen Nippon Chikuonki Shoukai bzw. Japan Recorders Corporation und entwickelte und produzierte erstmals in Japan Grammophone.
Auch in den folgenden Jahren waren Systeme zur Wiedergabe von Schallplatten stets ein wesentlicher Aspekt des Unternehmens. So stellte etwa die Auslieferung des ersten Platten-Rekorders an den japanischen Radiosender NHK im Jahr 1939 einen weiteren Meilenstein des Unternehmens - nun bereits Denon - dar. 1941 begann das Unternehmen die eigenständige Entwicklung und Produktion von Tonabnehmer-Systemen und im Jahr 1964 brachte Denon das inzwischen legendäre und von Fans nach wie vor hoch geschätzte MC-Tonabnehmer-Systems DL-103 für professionelle Systeme auf den Markt, das gemeinsam mit dem Radiosender NHL entwickelt und in zahlreichen Variationen bis heute nach wie vor erhältlich ist. 1970 entwickelte Denon einen drehmomentstarken Wechselstrommotor für geringe Geschwindigkeiten, bei dem die Kontrolle der Geschwindigkeit über hochpräzise Magnetfeld-Detektion erfolgte. Diese Servo-Technologie bildete die Basis für die über Jahre auf Grund ihrer Zuverlässigkeit und Leistung nicht nur im professionellen Einsatz, sondern auch von Konsumenten hoch geschätzten Plattenspieler von Denon mit Direktantrieb.
Es versteht sich somit als Selbstverständlichkeit, dass eine Anniversary-Serie zum 100. jährigen Firmenjubiläum natürlich auch einen Schallplatten-Spieler sowie ein Tonabnehmer-System umfassen muss, sonst wäre diese schlicht und einfach nicht komplett. Dass es sich dabei um ein ganz außergewöhnliches Modell handelt, das ganz klar in der Tradition des japanischen Unternehmens steht, ist ebenso nachvollziehbar und in Form des Denon DP-A100 sowie dem Tonabnehmer-System Denon DL-A100 im Fachhandel erhältlich.
Nun, nicht in letzter Konsequenz, auch wenn mit dem bislang gesagten schon klar sein sollte, wie das Konzept des Anniversary-Modells, dem Denon DP-A100 aussieht, und wo die Wurzeln des zugehörigen Tonabnehmer-System DL-A100 liegen. Denon beließ es zumindest beim Laufwerk jedoch nicht dabei, einfach eine Neuauflage eines Modells aus der langjährigen Firmengeschichte zu präsentieren. Auch wenn man wohl in keinem anderen Produktsegment der HiFi derart problemlos auf seit Jahrzehnten Bewährtes zurückgreifen kann, wie bei Schallplatten-Spielern, ohne sich dabei auch nur irgendeine Blöße geben zu müssen.
Denon konzipierte mit dem DP-A100 ein eigenständiges Modell, das jedoch seine Wurzeln nie verleugnet und sich somit nahtlos in die Produktfamilie mit makellosem Stammbaum einreiht.
Dass Denon dabei selbstverständlich beherzigte, dass ein gutes Laufwerk vor allem auch ein massives Chassis benötigt, merkt man bereits, wenn man das Prachtstück voller Glück heimträgt. Denn in Anbetracht von rund 16 kg Masse wird die zunächst stolz geschwellte Brust wohl bald einem etwas krummen Rücken weichen.
Einmal aus der Verpackung befreit, präsentiert sich der Denon DP-A100 auch optisch als wahres Prachtstück, das durch ein zeitlos elegantes Design überzeugt. Das mit schwarzem Hochglanz-Lack überzogene Chassis mit edelstem Naturholz-Furnier thront geradezu auf den nicht minder massiven und bedämpften Standfüssen und vermittelt schon dadurch den Eindruck, dass dieses Laufwerk für die Ewigkeit gebaut wurde. Zumindest, bis das nächste Jubiläumsmodell fällig ist.
Dazu passt auch, dass alle „Aufbauten“ einen sehr soliden, keineswegs filigranen Eindruck hinterlassen. Denn im Vergleich zu manch anderer Konstruktion, die man ob geradezu feinster Bauteile beim Tonarm und der entsprechenden Aufhängung nahezu nicht wagt anzufassen, vermittelt hier der Tonarm und dessen Aufhängung einen ungleich solideren Eindruck, wenngleich natürlich auch beim Denon DP-A100 meisterhafte Feinmechanik im Spiel ist. Für höchste Stabilität und um Vibrationen zu verhindern ist der Tonarm auf einer Basis aus Aluminium-Druckguss montiert und kann um sechs Millimeter in der Höhe variiert werden.
Vor Staub schützt eine Abdeckung aus Kunststoff, auf die Puristen natürlich auch verzichten können. Mit geschlossener Haube misst das Laufwerk 490 x 213 x 400 mm, mit geöffneter Haube beträgt die Höhe 513 mm und die Tiefe 460 mm. Insofern sollte man dem Denon DP-A100 durchaus ausreichend Stellfläche gönnen.
Der Denon DP-A100 ist - wie könnte es anders sein - als Laufwerk mit so genanntem Direkt-Antrieb oder Direct Drive konzipiert. Dies war seit jeher, wie bereits einleitend erwähnt, eine der Stärken Denons, da man ja zunächst Laufwerke vor allem für den professionellen Einsatz konzipierte. Und in diesem Metier haben Direkt-Antriebe zweifellos Vorteile gegenüber den derzeit in der Überzahl am Markt erhältlichen Laufwerken mit Riemenantrieb.
Allerdings setzt Denon beim DP-A100 nicht auf einen Motor im Gehäuse, der über die zentrale Achse den Plattenteller antreibt, sondern teilt den Motor defakto auf das Chassis und den Plattenteller auf.
Im Chassis befinden sich insgesamt zwölf Antriebsspulen, die kranzförmig um die Mittelachse angeordnet sind. Auf der Unterseite des Plattentellers ist ein Magnetring aufgeschraubt, der als Gegenstück zu den Antriebsspulen im Chassis fungiert und somit in Summe den Direktantrieb des Denon DP-A100 darstellt. Die Edelstahl-Achse mit massivem, eng toleriertem Lager dient in diesem Fall also allein der Führung, und nicht der Kraftübertragung. Für eine stets präzise Drehzahl sorgt ein Quartz-stabilisierter Servo, der die Rotationsgeschwindigkeit über Lichtimpulse, erzeugt durch einen Spalt im Motor kontrolliert.
Der Plattenteller ist aus Aluminium-Druckguss gefertigt und weist an seiner Rückseite Silikon-Gummifüsse auf, die Vibrationen wirkungsvoll absorbieren. Zusätzlich liegt auf dem Plattenteller eine Gummi-Matte, wobei der Plattenteller mit einem Durchmesser von 331 mm deutlich darüber hinaus ragt.
Die Drehzahl wird in diesem Fall natürlich über einen Wahlschalter eingestellt, der ebenso wie alle anderen Tasten sowie der Tonarm und der Plattenteller in dezentem Gold/Silber-Metallic-Look ausgeführt sind.
Selbstverständlich könnte man sich für ein Laufwerk dieses Kalibers aus dem reichhaltigen Sortiment an Tonabnehmer-Systemen verschiedenster Anbieter bedienen, aber wer will das in diesem Falle schon? An den S-förmig geformten Static-Balance-Tonarm mit einer effektiven Länge von 244 mm muss natürlich ein System aus dem Hause Denon. Und zwar nicht irgendeins, sondern selbstverständlich die Legende schlechthin, ein Denon DL-103. Und genau dieses System findet sich auch als „Beigabe“ im Karton des Denon DP-A100, auch wenn der Hersteller es in diesem Fall Denon DL-A100 taufte, sodass sich auch dieses Tonabnehmer-System, das auch als separates Produkt angeboten wird, nahtlos in die A-100 Produkt-Familie anlässlich des 100. jährigen Jubiläums einfügt.
Das nunmehr Denon DL-A100 getaufte Tonabnehmer-System basiert im Wesentlichen auf dem originalen DL-103, und zwar auf jenem ursprünglichen System, das zunächst mit transparentem Gehäuse als Prototyp entwickelt, und in dieser speziellen Form niemals auf den Markt kam. Insofern stellt das Denon DL-A100 auch für sich alleine ein interessantes Sammlerstück dar, ist aber prinzipiell am Besten am Tonarm des Denon DP-A100 aufgehoben.
Das System ist als Moving Coil-System aufgebaut und mit einer Nadel mit 16,5 µm und rundem Schliff bestückt. Nach Herstellerangaben weist es eine Ausgangsspannung von 0,3 mV bei einer Ausgangs-Impedanz von 40 Ohm auf. Das Tonabnehmer-System wiegt 8,5 g und weist eine Lastimpedanz von > 100 Ohm sowie einen Frequenzgang von 20 Hz bis 45 kHz auf. Die empfohlene Auflagekraft gibt der Hersteller mit 2,5 g und einem Spielraum von ± 0,3 g an.
Nun, ganz so einfach geht es bei Schallplatten-Spielern natürlich nicht, wenngleich die in diesem Falle nötigen Arbeitsschritte zur Konfiguration des Systems absolut unproblematisch sind und, mit Hilfe der Anleitung oder der fundierten Unterstützung durch einen Fachhändler, binnen kürzester Zeit erledigt sein sollten.
Zunächst gilt es, alle Bestandteile des Laufwerks zusammen zu fügen und das Tonabnehmer-System zu installieren sowie das Laufwerk an seinem Bestimmungsort korrekt zu platzieren, kurz, absolut waagrecht aufzustellen. Danach geht es ans Ausbalancieren des Tonarms und die Einstellung der korrekten Auflagekraft sowie des Anti-Skating.
Sind diese Arbeitsschritte erledigt und der Denon DP-A100 an eine möglichst hochwertige Phono-Vorstufe angeschlossen, so ist das Schmuckstück bereit für die erste Vinyl-Scheibe. Wobei natürlich der unmittelbare Vorteil eines Direkt-Antriebs nicht unerwähnt bleiben darf. Das Laufwerk ist, im Gegensatz zu seinen riemengetriebenen Kollegen, sofort „auf Drehzahl“, sobald man den Start-Knopf drückt. Wie bereits erwähnt ist dies einer der Gründe, warum derartige Systeme im professionellen Umfeld eingesetzt wurden und nach wie vor werden. So erspart man sich etwa „Zielübungen“, wenn man bestimmte Passagen exakt anfahren will. Man setzt den Tonarm einfach an die richtige Stelle, senkt ihn sanft ab, und startet die Wiedergabe.
Wir ersparen Ihnen an dieser Stelle eine detaillierten Beschreibung des Exkurs quer durch unsere Plattensammlung, die wir mit Hilfe des Gespanns von Denon vollzogen. Wesentlich ist ja vor allem, dass der Denon DP-A100 im Zusammenspiel mit dem Tonabnehmer-System DL-A100 bei jedem Genre, bei kleiner als auch großer Besetzung, bei glockenreinen weiblichen als auch sonoren männlichen Stimmen zu begeistern wusste. Ausgewogen, ohne allzu ausgeprägter persönlicher Färbung zeichnete er wunderbare Klangbilder in den Raum, die keinerlei Details vermissen ließen und mit dynamischer, nein, vielmehr musikalischer Finesse überzeugten. Um keinerlei Missverständnisse aufkommen zu lassen, selbstverständlich liefert so manch andere Kombination ein mehr an exakt konturiertem Bass, kann noch mehr Präzession in den Höhen abbilden und Sänger noch mehr in den Mittelpunkt der Abbildung rücken, aber nicht zu dem hier aufgerufenen Preis. Der Denon DP-A100 zeichnet sich somit im Zusammenspiel mit dem Tonabnehmer-System Denon DL-A100 durch seine Vielseitigkeit und, ja, unaufdringliche Spielart aus, bei der die Musik selbst im Mittelpunkt steht.
Nicht zuletzt aus diesem Grund kommen wir nicht umhin, als Fazit unseres Tests dieser Kombination aus dem Hause Denon eine Empfehlung der Redaktion zu verleihen. Dies ist ein mehr als würdiges Anniversary-Modell, das der langjährigen Tradition von Denon zur Ehre gereicht. Leider handelt es sich „nur“ um ein streng limitiertes Modell, denn dieses Laufwerk, ausgestattet mit einem Tonabnehmer-System vom Kaliber eines DL-A100 würde perfekt ins reguläre Produktsortiment von Denon passen und den Markt durchaus bereichern.
Diese Ansicht teilt auch der österreichische Vertrieb Digital-Professional-Audio Vertriebsgesellschaft m.b.H. (DPA) und dem Vernehmen nach auch zahlreiche weitere Vertriebe von Denon. Noch ist allerdings nicht davon auszugehen, dass deren Wünsche im fernen Japan erhört werden, sodass man keineswegs damit spekulieren sollte, dass es ohnedies in Bälde ein entsprechendes Seriengerät geben könnte. Denn wenn dem nicht so ist, dann könnte es zu spät sein und keine Chance mehr bestehen, ein Gerät zu ergattern. Zumal, ein Jubiläumsmodell vom Kaliber eines Denon DL-A100 ist in jedem Fall eine über zig Jahre wertbeständige Investition. Mit einem empfohlenen Verkaufspreis von € 2.499,- zudem eine durchaus leistbare. Das Tonabnehmer-System Denon DL-A100 ist zum empfohlenen Verkaufspreis von € 499,- im Fachhandel erhältlich.
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