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Kleiner Ratgeber Schallplatten-Pflege

Trotz aller Vorteile und all den Möglichkeiten einer vernetzten digitalen Welt ist die Wiedergabe von Schallplatten nach wie vor für viele audiophile Anwender die erste Wahl und auch Neu- oder Wiedereinsteiger finden zurück zur Magie der schwarzen Scheiben. Nur eins kann den Genuss trüben: verschmutze Schallplatten!

Kurz gesagt...

Es muss nicht knacksen und knistern, richtig gepflegte Schallplatten sind die beste Voraussetzung für genussvolle, audiophile Musikwiedergabe auf höchstem Niveau.

Wir meinen...

So manche Schallplatte, die also bereits seit Jahren „ungepflegt“ ihr Dasein fristet, ist also keineswegs minderwertig oder gar kaputt, sie ist schlicht und einfach dreckig und muss gereinigt werden. Wer also glaubt, seine alten Schätze vom Dachboden sind ohnedies nicht mehr zu gebrauchen, der könnte einem großen Irrtum aufsitzen. Eine intensive Reinigung wirkt zumeist Wunder und von der eben noch total verdreckten Platte erklingen nach einer intensiven Reinigung wieder reinste Töne mit immenser Dynamik und zumindest weitgehend frei von störendem Knacksen und Knistern.

Von Michael Holzinger (mh)
25.07.2013

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Nun, so mancher mag der Ansicht sein, das Knacksen, Rauschen und ein wenig Knistern einfach dazu gehört, wenn man Musik von Schallplatte hört. Unvergesslich das Zitat eines treuen Schallplatten-Anhängers in diesem Zusammenhang: „Wenn ich etwas knacksen und knistern hören will, dann nehme ich das Stanniolpapier meines Butterbrots...“

Musik über Schallplatten zu hören, muss also keineswegs mit störenden Nebengeräuschen einhergehen. Vielmehr ist es sogar sehr einfach, zumindest die schlimmsten Störgeräusche zu eliminieren. Oberster Grundsatz ist aber immer der möglichst sorgsame Umgang mit den kostbaren Schallplatten. Die richtige Pflege durchaus sensibler Schallplatten ist dann die beste Voraussetzung, um einen stets ungetrübten Musikgenuss zu garantieren.

Der sicher schlimmste Feind des Vinyl-Freunds ist ganz klar Staub. Schon allein das Material der Schallplatte und dessen elektrostatische Aufladung ist ein wesentlicher Grund dafür, dass diese selbst feinste Staubpartikel geradezu magisch anziehen.

Oberste Regel ist also, Schallplatten niemals länger als notwendig auf dem Schallplattenspieler liegen zu lassen und diese nach dem Abspielen sofort ins schützende Cover zurück zu stecken. Zudem ist es durchaus empfehlenswert, Schallplatten vor allem bei mitunter sehr eng anliegenden Cover mit einer speziellen Innenhülle zu schützen. Diese weisen im Idealfall nicht nur eine Außenhülle etwa aus Papier auf, sondern eine zusätzliche Kunststofffütterung, die antistatisch wirkt. Derartige Hüllen sind um wenig Geld im Fachhandel oder bei Online-Anbietern erhältlich, wie etwa die Protected LP-Innenhüllen Deluxe. Eine derartige Hülle schützt die Oberfläche der Platte beim Einstecken bzw. Herausnehmen der Schallplatte zumeist deutlich effizienter als die Original-Hüllen.

Ein weiteres, geradezu essentielles Werkzeug ist eine so genannte Carbonfaserbürste, mit der man einfach sanft die gröbsten Staubpartikel entfernt, sobald die Schallplatte auf dem Teller des Laufwerks liegt und bevor der Tonarm abgesenkt wird.

Während man oberflächliche, gröbere Verschmutzungen also recht einfach entfernen kann, so sammeln sich feinste Staubpartikel in den Rillen an und sind nicht so ohne weiteres zu entfernen. Mit der Zeit leidet dadurch natürlich die Klangqualität gravierend. Gleichgültig, wie sehr man auch auf seine Schätze aus Vinyl im täglichen Gebrauch achtet, irgendwann ist immer eine etwas umfangreichere Reinigungsprozedur angesagt. Und da führt kein Weg daran vorbei, die Platten zu waschen, so skurril das nun für so manchen auch klingen mag.

Natürlich heisst dies nicht, dass man die schwarzen Scheiben einfach mal eben unter fließendes Wasser hält, aber irgendwie geht‘s schon in diese Richtung.

Durchforstet man ein wenig die Weiten des Internets zum Thema Reinigung von Schallplatten, so wird man sehr rasch in einschlägigen Foren fündig. Allerdings ist hier das Spektrum der empfohlenen Methoden sehr vielseitig und so manche Lösung erschien zumindest uns als sehr fragwürdig, umständlich bzw. doch etwas sehr, nun ja, abgehoben. So kann es zum Beispiel ja durchaus funktionieren, die Schallplatten einfach in den Geschirrspüler zu stecken und im „Schongang“, also durch reines Spülen ohne (!!!) Erhitzen zu reinigen, und auch so manche „Mixtur“ aus dem Drogeriefachmarkt aufgetragen mit Mikrofasertüchern mag wohl durchaus ihren Sinn erfüllen. Bedenkt man aber, zu welch günstigen Preisen wirklich gut funktionierende, zuverlässige Lösungen bereits erhältlich sind, zahlt es sich unserer bescheidenen Meinung nach nicht wirklich aus, fragwürdige Experimente im Umgang mit wertvollen Vinyl-Schätzen zu riskieren.

Wir raten von diversen im Web publizierten Lösungen zur "einfachen" Schallplatten-Reinigung ab, auch wenn man in Foren noch so oft lesen kann, dass etwa der Waschgang im Geschirrspüler "problemlos" funktioniere. Und auch so manches "Zaubermittelchen" wird's nicht brauchen, denn es sind oft wirklich ganz einfache Lösungen, die zum Ziel führen.

Das Angebot an zumeist sehr einfach zu handhabenden und vor allem sicheren Reinigungs-Systemen für Schallplatten ist sehr groß und vielseitig. In nahezu jeder Preisklasse finden sich Lösungen, die allesamt ihren Zweck erfüllen - manche natürlich effizienter und komfortabler, manche mit etwas mehr Aufwand verbunden und mit nicht immer absolut perfekten, aber durchaus befriedigenden Ergebnissen.

Die wohl günstigsten Lösungen stellen rein mechanische Systeme dar, die mitunter bereits seit Jahrzehnten in völlig unveränderter Form am Markt erhältlich sind und nach wie vor angeboten werden. Bei diesen Systemen muss der Kunde also selbst Hand anlegen, erhält aber alles, was für die Prozedur erforderlich ist. Etwa eine Wasch-Wanne, versehen mit Bürsten, in denen die die Schallplatten gedreht und dabei von einer ebenfalls im Lieferumfang enthaltenen Reinigungsflüssigkeit gesäubert werden.  Diese Reinigungsflüssigkeit  wirkt zumeist auch antistatisch, sodass die damit gereinigten Schallplatten Staub nicht mehr "anziehen". Die durchaus empfindlichen Etiketen werden dabei zumeist von einer Vorrichtung geschützt, in die man die Schallplatte einspannt. Bei manchen Systemen ist dann auch gleich eine Abtropfvorrichtung, zumindest aber ein weiches, nicht fuselndes Tuch zum Trocknen im Lieferumfang enthalten. Die Preise derartiger Lösungen beginnen bei geradeeinmal rund € 30,- wie etwa im Fall des disco-antistat von knosti oder dem System Spin-Clean!, das ebenfalls um sehr günstige € 99,90 im Fachhandel angeboten wird.

Bei Lösungen wie disco-antistat von knosti oder dem System Spin-Clean sollte man aber bedenken, dass alle Verunreinigungen natürlich in der Lösung verbleiben, und daher diese tunlichst regelmässig zu wechseln ist, etwa dann, wenn man eine besonders verschmutzte Platte dem "Waschgang" unterzogen hat. Schließlich will man weitere Platten ja nicht in die trübe Soße eintauchen...

Deutlich kostspieliger sind halbautomatische oder komplett automatische Schallplatten-Waschmaschinen, die ab ein paar Hundert Euro im Fachhandel zu finden sind und mitunter auch um ein paar Tausend Euro angeboten werden. Je nach System, und natürlich auch Preislage, erfolgt hier der Reinigungsvorgang entweder teilweise, oder vollständig automatisch. Im letzteren Fall muss der Anwender nur die Platte auflegen und den Vorgang starten. Bei derartigen Lösungen, vor allem bei den etwas teureren, wird nicht nur die Reinigungslösung effizient samt allen Schmutzrückständen abgesaugt, auch die Reinigung selbst erfolgt mit verschiedensten Vorrichtungen bis hin zu rotierenden Bürsten sehr effizient.

Schon allein auf Grund der vergleichsweise hohen Anschaffungskosten muss man aber klar sagen, dass derartige Lösungen vor allem für jene geeignet sind, die entweder wirklich viele Schallplatten ihr Eigen nennen und diese auch intensiv nutzen, oder sich sehr oft mit neuen Schätzen auf Tauschbörsen und Flohmärkten eindecken.

Viele Fachhändler bieten übrigens das Reinigen von Schallplatten auch als Dienstleistung an, sodass man für gelegentliche „Härtefälle“ also durchaus nicht selbst die Anschaffung einer vergleichsweise teuren Schallplatten-Waschmaschine in Betracht ziehen muss, sondern dafür die Dienste des Fachhandels zu sehr moderaten Kosten von ein paar Euro im Anspruch nehmen kann. Die „alltägliche“ Basis-Reinigung kann man ja dann durchaus mit einer günstigen manuellen Lösung bewerkstelligen.

Ein Wort noch zum Abschluss: Wenn wir schon von der sorgfältigen Reinigung von Schallplatten sprechen, dann sollte man natürlich nicht auf den Tonabnehmer vergessen. Auch dieser sollte von Zeit zu Zeit mit einer speziellen Bürste vom Staub befreit werden. Diese Bürstchen liegen so manchen Tonabnehmern bei oder sind im Fachhandel erhältlich. Zur Not reicht auch ein nicht zu weicher, aber eben auch nicht zu harter Pinsel aus dem Bastelmarkt. Ab und an kann man zudem einen speziellen Nadelreiniger nutzen, um auch hartnäckig anhaftende Schmutzpartikel zu entfernen, wenngleich die Meinungen zu Lösungen wie etwa dem durchaus sehr verbreiteten Nadelreiniger von Dynavox unter Vinyl-Freunden unterschiedlich ausfallen und deren Einsatz sehr kontroversiell diskutiert wird.

Schallplatten erfordern eine durchaus sensible Handhabung, um ihr volles Potential möglichst lange ausspielen zu können. Allerdings zeichnen sich Schallplatten aber durch eine erstaunliche Robustheit aus, die etwa moderne Datenträger wie optische Medien, sei es nun CD, DVD oder Blu-ray, aber natürlich auch Festplatten in keinster Weise aufwarten können. Es ist erstaunlich, was man mit einer intensiven Reinigung selbst aus sehr alten Schallplatten im wahrsten Sinne des Wortes noch herauskitzeln kann.

So manche Schallplatte, die also bereits seit Jahren „ungepflegt“ ihr Dasein fristet, ist also keineswegs minderwertig oder gar kaputt, sie ist schlicht und einfach dreckig und muss gereinigt werden. Wer also glaubt, seine alten Schätze vom Dachboden sind ohnedies nicht mehr zu gebrauchen, der könnte einem großen Irrtum aufsitzen. Eine intensive Reinigung wirkt zumeist Wunder und von der eben noch total verdreckten Platte erklingen nach einer intensiven Reinigung wieder reinste Töne mit immenser Dynamik und zumindest weitgehend frei von störendem Knacksen und Knistern. Insofern darf man sich also auch durchaus recht unbeschwert am Gebrauchtmarkt umsehen. Zumeist reicht auch hier eine intensive Reinigung, und schon präsentiert sich so manches Schätzchen wie neu.

Abschließend muss man sich aber klar eingestehen, dass auch größte Sorgfalt und selbst mit höchster Akribie betriebene Pflege nicht alle störenden Einflüsse, natürlich allen voran Staub vermeidet. Die Wiedergabe von Schallplatten ist nunmal eine sehr sensible Angelegenheit, vor allem dann, wenn man dies auf höchstem Niveau betreibt. Ein gelegentlicher Knackser, hin und wieder ein dezentes Knistern gehört dann doch irgendwie dazu. Dafür wird man selbst bei sehr günstigen Schallplattenspielern eines renommierten Herstellers mit einer unvergleichlichen Klangqualität, einer erstaunlichen Dynamik und einer immensen Feinzeichnung belohnt, die man zu vergleichbaren Kosten mit digitalen Lösungen nicht erwarten darf. Nach wie vor gilt die Wiedergabe von Schallplatte somit völlig zu Recht als die günstigste Art und Weise für eine audiophile Musikwiedergabe. Insofern lohnt es sich in jedem Fall, den schwarzen Scheiben etwas mehr Aufmerksamkeit und Sorgfalt zuteil werden zu lassen. Schließlich ist dies ja auch mit ein Teil der Faszination, die das Thema Vinyl ausmacht.

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