Im Rahmen seiner Welttournee machte Leonard Cohen letztes Jahr auch Station in Wien. Im, bis auf den letzten Platz trotz recht stolzer Eintrittspreise, ausverkauften Konzerthaus begeisterte Cohen das Publikum. Für all jene, die dies nicht miterleben konnten, oder als würdige Erinnerung an einen sicher unvergesslichen Abend, steht nun eine Aufzeichnung eines Konzerts dieser Tour in Form einer Doppel-CD sowie einer Live-DVD zur Verfügung.
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Von Michael Holzinger (mh) 14.04.2009 |
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Cohen präsentiert auf dieser Live-Aufnahme fast alle Hits seiner bereits über 40 Jahre währenden Karriere. Das Erstaunliche daran ist, dass hier ein Mann auf der Bühne steht, der im September dieses Jahres 75 wird. Und ja, Cohen ist ruhiger geworden, bedächtiger, gelassener, aber keineswegs alt. Immer noch blitzt nicht nur in den Ansagen zwischen den Liedern sein trockener, subtiler Humor durch.
Es sei schön, nach so langer Zeit wieder in London zu spielen, meint Leonard Cohen zum Beispiel. 14 oder 15 Jahre sei es her, dass er das letzte Mal in dieser Stadt auf der Bühne stand. Damals sei er noch ein kleiner Junge gewesen, mit einem verrückten Traum... In der Zwischenzeit habe er viel Prosac genommen...
„Live in London“ enthält auf zwei CDs 24 Lieder aus der langen Karriere Leonard Cohens in teils völlig neuem Gewand. Nicht nur Cohen ist weiser und ruhiger geworden, auch seine Lieder sind über die Jahre wie guter Wein gereift. Cohen trägt diese zwar wie immer mit sonorem Sprechgesang vor, setzt aber teils gänzlich andere Höhepunkte, legt noch mehr Wert auf Pausen, nimmt sich selbst zurück, und lässt seiner erstklassigen Band und vor allem den Background-Sängerinnen viel Raum.
Cohen selbst greift für etliche Nummern zur Gitarre, Bob Metzger spielt Lead-Gitarre und Pedal-steal Gitarre. Javier Mas spielt neben einer 12saitigen Gitarre auch Laute und Bandura, Neil Larsen sitzt an den Keyboards und Rafel Bernardo Gayol sorgt am Schlagzeug und der Percussion gemeinsam mit Roscoe Beck am Bass für ein sehr dezentes, solides Rhythmusfundament. Dino Soldo sorgt mit Klarinette, Saxophon, Harmonika, Keyboard u.v.m. für Soloeinlagen, und singt ebenso wie Charley Webb, Sharon Robinson und Hattie Webb die Background-Vocals.
Die neuen Arrangements überzeugen bei allen Nummern. So präsentieren sich Titel wie „Suzanne“, „Bird on the wire“ oder „Sisters of mercy“, die ursprünglich fast nur mit Gitarre und Gesang eingespielt wurden, nunmehr deutlich farbiger und erlauben eine vielseitigere Interpretation der Band.
Titel wie „First we take Manhattan“ vom Album „I‘m your man“, im Original mit den typischen, teils etwas nervigen, aber sicher sehr flach klingenden Synthesizer-Sounds der 80iger eingespielt, erstrahlen nun ebenso in einem jazzigen Klanggebilde wie „The future“ vom gleichnamigen Album oder „Dance me to the end of love“. „Anthem“ baut sich zum Klanggebilde auf, das von Synthesizerflächen und dem engelsgleichen Background-Gesang getragen wird. Jede Silbe sorgt spätestens hier für Gänsehaut.
Das gesamte Konzert wurde perfekt von der Tontechnik eingefangen. Stephen J. Spencer und Michael Brauer haben ganze Arbeit geleistet, und setzen Cohens markante, tiefe und warme Stimme perfekt in das Klangbild der Band. Diesem Rohdiamanten verlieh Bob Ludwig den richtigen Schliff, um einen wahren Brillanten zu erhalten.
Dies gilt leider nicht ganz für das Bild der DVD. Hier beschränkte sich das Produktionsteam mehr oder weniger auf das reine Abfilmen des Geschehens auf der Bühne. Keiner würde hier ausgefeilte Videoschnitte erwarten, aber ein wenig mehr Kreativität bei der Platzierung der Kameras und stimmungsvoll gesetzte Überblendungen zwischen den Musikern wären problemlos möglich gewesen, und hätten der historischen Bedeutung dieser DVD entsprochen. Die Hoffnung bleibt, dass es in Kürze eine Blu-ray geben wird, bei der dies besser gelöst ist, und die dann auch nicht nur Video im 4:3 Format enthält.
„Live in London“ ist das Album, auf das Leonard Cohens Fangemeinde lange warten musste. Es enthält fast alle großen Werke des kanadischen Poeten in neuen, sehr bewegenden Arrangements, erstklassig interpretiert, und in ausgezeichneter Weise auf CD festgehalten. Das Album ist also ein Muss, die DVD eine nette Zugabe. Beide zeigen einen weisen Mann, bei dem die Schwermut früherer Tage längst einer inneren Zufriedenheit Platz machte, und der dies in jeder Textzeile zum Ausdruck bringt.

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Bewertung von: g-man
aus Wien
Datum: 23.04.2009




Sehr cool. Mehr davon!!!
Bewertung von: Anonymous
Datum: 23.04.2009




Eine der besten Live-CDs mit viel Charme. LC kann es eben immer noch!!!
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