Nils Landgren „Funky Abba“

Nils Landgren „Funky Abba“

Nils Landgren und die Pop-Legenden Abba sind sicherlich gegensätzlich wie etwas nur gegensätzlich sein kann. Ob man das gegenständliche Album ein Crossover, oder ein Cover nennt, soll hier nicht entscheidend sein. Egal, ob Nils Landgren oder Abba gefällt, dieses Album darf in keiner Sammlung fehlen.

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
05.02.2013

Über Abba zu schreiben, hieße auch die oft zitierten Eulen nach Athen zu tragen, was ich mir somit erspare. Das gegenständliche Album umfasst Cover-Versionen der besten Hits der schwedischen Gruppe Abba. Allerdings sei hier eher dazu geraten, dieses Album als so genanntes Crossover-Projekt zu betrachten. Nils Landgren, ein schwedischer Posaunist und Sänger, versteht es zwei Welten zu verschmelzen, ohne dabei Identitäten aufzugeben. Landgren nahm sich den Abba Werken im Jahr 2004 an, und transferierte den Pop-Glamour in ein charmantes Jazz-Werk, das massiv mit Funk und Hip Hop-Elementen kokettiert.

Nils Landgren wurde in einer musikalischen Familie im Jahr 1956 geboren. Der Vater war ein bekannter Jazz-Kornettist und förderte den Filius seit frühester Kindheit - Nils Landgren begann bereits im zarten Alter von sechs Jahren mit Schlagzeug und erweiterte seine Fertigkeiten mit der Posaune. In den Jahren 1972 bis 1978 studierte der angehende Künstler klassische Posaune in Karstad und Arvika. Spätere Begegnungen mit Bernd-Arne Wallin und Eje Thelin führten ihn zum Jazz. Auch wenn der internationale Durchbruch erst später und auf Etappen folgte - er gründete 1992 die „Nils Landgren Unit“ und trat 1994 auf dem deutschen „JazzBaltica-Festival“ in Salzau auf - begleitete er bereits viele bekannte Künstler. Aber auch seine rote Posaune war ein auffälliges Alleinstellungsmerkmal und trug Nils Landgren alsbald den Spitznamen „Mr. Red Horn“ ein. Zwischenzeitlich änderte er seinen Gruppennamen in das doch eher passendere „Nils Landgren Funk Unit“. Ab 1998 fand Nils Landgren eine feste Anstellung als Posaunist bei der NDR Bigband, und wurde ab 2001 als künstlerischer Leiter des JazzFest Berlin bestellt. Ab 2002 konzentrierte sich der Schwede auch auf seine Solokarriere und die Arbeit mit der Nils Landgren Funk Unit Formation.

Möglicherweise ist der Grund dafür, dass wir dieses Abba Funky-Album vor uns liegen haben, dass Benny Anderson vor vielen Jahren Landgren ins Studio bat, um den Abba Titel „Voulez-Vous“ mit seiner Posaune zu untermalen. Ich hatte anfangs als großer Abba-Fan meine Bedenken meinem Chefredakteur Michael Holzinger mitgeteilt, dass die schwedische Kult-Formation im Grunde nicht „coverbar“ ist, so haben sich schon so manche daran versucht, und sind in vieler Fans Augen kläglich gescheitert. Nach den ersten Hörproben musste ich aber zugeben, dass Landgren sich genial aus der Affäre gezogen hat. Das Album „Funky Abba“ macht dem Titel alle Ehre. Aber auch Jazzharmonien, wie auch kontroverse Stimmen sind enthalten. So hat den coolen Sprechgesang Magnum Coltrane Price beigesteuert. Weibliche Gesangparts stammen von den bemerkenswerten Damen Sharon Dyall und Victoria Tolstoy, aber auch Nils Landgrens zerbrechliche Stimme spielt eine tragende Rolle. Und auch der deutsche Star-Trompter Till Brönner ist als Gast mit einem gelungenen jazzigen Trompeten-Arrangement im Titel „Knowing me, knowing you“ mit von der Partie.

Ich erwähnte Eingangs, dass man die Titel des Albums nicht nur als Cover-Version, sondern durchaus schon als Crossover bezeichnen soll. Nach meinem Dafürhalten sähe ich in „Funky Abba“ eher ein geniales Crossover, denn zu sehr entfernt sich Nils Landgren von dem Original. Im vorliegenden Album wirken die Originalsongs wie Rohvorlagen, die gekonnt in andere musikalische Welten transferiert werden. Jazz – Funk – aber auch Hip Hop lassen sich erkennen. Und doch wird vermutlich kein hartgesottener Abba-Fan trockenen Fußes das Tanzparkett verlassen. Auch wenn die Abba-Originale eingängige Ohrwürmer darstellen und mit ihrer Magie und Raffinesse unsterblich wirken, finden sie hier eine glaubhafte Ergänzung.



Klanglich hat Landgren ganze Arbeit geleistet. Das Album wirkt klar strukturiert und frönt keiner speziellen Vorlieben, außer, dass das Klangbild selbst Erz-stabil im Raum steht. Das Instrumentarium ist gekonnt aufeinander abgestimmt. Nils Landgren versteht es auf unnachahmliche Weise, nicht nur den Zuhörer und den Abba-Liebhaber zu versöhnen, sondern musikalische Welten zu verbinden. Dass dabei das audiophile Herz ob der phantastischen Klangqualität im Abba-Takt Luftsprünge vollführt, sei nur am Rande erwähnt. Wenn Sie, verehrter Leser, den modernen Medien mehr zugetan sind, als physischen Datenträgern, so rate ich Ihnen unbedingt zu einem möglichst hochwertigen Download. Unser Review Material stammt vom deutschen Anbieter highresaudio.com und hatte meine, seit etlichen Jahren vorhandene CD, von der ersten Minute an, klanglich deklassiert. Sie finden keine aberwitzigen subsonische Tiefbass-Orgien oder andere Aufmerksamkeit heischende Effekte, sondern „nur“ ein solide produziertes Album, das Ihnen auch in treibend schwungvollen Passagen feinste Informationen anbietet, und Sie in zwei Welten gleichzeitig eintauchen lässt.

Haben Sie viel Spass, ich hatte und habe diesen mit "Funky Abba"...


Nils Landgren „Funky Abba“
Album:Funky Abba
Künstler:Nils Landgren, Nils Landgren Funky Units
Komponist:Benny Anderson, Rice Ulvaeus
Label:Act (Edel)
Jahr:2004
Format:Audio CD, High Res-Download, iTunes, Vinyl

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Keywords: CD-Review, Nils Landgren, Abba, Funk, Pop, Jazz, Hip Hop, Crossover