Gern kokettiert Paul Roland mit dem Ausspruch, er wäre Englands „Psych-Pop-Guru“ oder die männliche Kate Bush, wie er einst von einem Kritiker beschrieben wurde. Seit den frühen 80iger Jahren produziert der aus Kent stammende Paul Roland in Eigenregie und zumeist nur sehr kleinen Auflagen außergewöhnliche Alben. Mit „Duel“ erscheint nun ein Remaster des 1989 erstmals aufgelegten Werks.
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Von Michael Holzinger (mh) 24.04.2010 |
Paul Roland liebt das Mystische und den Okkultismus. Mit Hingabe beschäftigt er sich in seinen Liedern mit verschrobenen, exzentrischen Einzelgängern und obskuren, fantastischen Ereignissen und Phänomenen. Das Übersinnliche, das Unerklärliche, die Magie hat es ihm angetan. Kein Wunder also, dass der aus Kent stammende Musiker vor allem in der entsprechenden englischen, aber auch amerikanischen Literatur des 19. Jahrhunderts ein geradezu unerschöpfliches Repertoire als Basis für sein Schaffen fand.
Ob es nun Howard Phillips Lovecraft, Edgar Allan Poe oder das breite Spektrum des sogenannten Gothic fiction, einer in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts überaus populären Stilrichtung in der Literatur, ist, hier findet Paul Roland genau die Themen, die er in seinen Alben in Form von kleinen Geschichten verarbeitet.
Dabei geht es im keineswegs um eine möglichst authentische Umsetzung oder gar direkte Bezüge auf ein reales Ereignis. Paul Roland nutzt vielmehr einzelne Zitate, die Bestandteil seiner eigenen Welt werden, auch wenn er den Schriftstellern Edgar Allen Poe als auch H. P. Lovecraft mit "Nevermore" bzw. "Re-Animator (Bonus CD Edition)"
jeweils eigene Alben widmete.
Auch wenn der am 6. September 1959 geborene Roland angibt, bereits mit 14 seine erste Gitarre gekauft und auf der Basis von lediglich drei Akkorden erste Lieder komponiert zu haben, im Alter von 19 Jahren die erste Single, und kurz darauf das erste Album aufgenommen zu haben, so gilt seine ganze Liebe zwar der Musik, dennoch ist sie im Leben von Paul Roland über die Jahre gesehen nicht sein Hauptbetätigungsbereich.
Als Independent Musiker, der sich stets aktuellen Strömungen und Trends verweigerte, und seine Alben lediglich auf kleinen Labels veröffentlichte, konnte er mit seiner Musik - trotz aller Begeisterung und immensen persönlichem Engagement - nie wirklich größere kommerzielle Erfolge feiern, auch wenn etliche seiner inzwischen zahlreichen Alben von Kritikern, vor allem in Europa, in höchsten Tönen gelobt wurden und er nach wie vor auf eine überaus treue Fangemeinde zählen kann.
So war er zunächst Journalist im Bereich Musik und Film, verfasste Fachbücher und Romane, beschäftigte sich aber zunehmend mit verschiedenen Bereichen des Okkultismus, wobei er auch hier diverse Bücher über Meditation und Entspannung sowie Kaballa Karten verfasste, die aber eher nicht immer in den Bereich der Fachbücher, sondern zumeist ganz klar in den Bereich der Esoterik zuzuordnen sind.
So ist es nicht weiter erstaunlich, dass die wirklich bis ins Detail ausgefeilten Texte, die für sich allein bereits perfekte Stimmungsbilder vermitteln können, ein essentieller Bestandteil der Lieder Paul Rolands sind. Musikalisch bewegt sich Paul Roland irgendwo zwischen Psychodelic Rock über Folk bis hin zu barocker Musik. Aus dieser wirklich bunten Mischung entwickelte Roland seinen ganz eigenen, mitunter durchaus eigenwilligen, aber in jedem Fall unverkennbaren Stil. So stellen vor allem ruhige, in lediglich kleiner Besetzung arrangierten Stücke die Basis für seine mystischen Geschichte, vorgetragen mit einer ebenfalls sehr typischen Stimme, dar.
Das ursprünglich 1989 veröffentlichte Album „Duel“ stellt dabei durchaus eine Ausnahme dar. Während die Geschichten und Personen, über die Paul Roland in seinen Songs erzählt, vor allem im 19. Jahrhundert angesiedelt sind, bildet bei „Duel“ das düstere Mittelalter zumindest für die meisten Stücke die durchaus teils schaurige Kulisse.
Aber auch musikalisch sticht „Duel“ ganz klar aus dem übrigen Œuvre des Künstlers hervor, denn bei vielen Stücken dieses Albums spielen die Musiker in nahezu klassischer Rock-Besetzung, also mit durchaus heftig angezerrten E-Gitarren, treibenden Rhythmen des Schlagzeugs und des Bass. Aber natürlich finden sich auch auf diesem Album die typischen, geradezu als Balladen vorgetragenen Geschichten, die Paul Roland mit vor allem Solo-Streichern, Flöten und Lauten bereichert. Wer aber nun davon ausgeht, eines der geradezu inflationär unters Folk gestreuten Mittelalter-Gedudel-Alben vor sich zu haben, der irrt.
Vielmehr handelt es sich auch bei diesem Album um eine geradezu meisterhaft kombinierte Mischung aus Folk mit Elementen der Kammermusik, aber eben angereichert mit einer Menge klassischem Rock, aber nahezu komplett frei von elektronischem Beiwerk, das so gar nicht in das bis ins letzte Detail ausgemalte Stimmungsbild passen würde.
Auf Duel entführt uns Paul Roland, wie gesagt, ins tiefe Mittelalter und weiss über Ritter und Könige zu berichten. Allerdings finden sich dazwischen immer wieder auch „vertraute“ Gestalten, wie etwa in einer Geschichte über einen Giftmörder im London des 19. Jahrhunderts in „The crimes of Dr. Cream“, einer Reminiszenz an Lewis Caroll‘s Alice im Wunderland in „Alice‘s house“ sowie Vampirismus in - wie könnte es anders sein - „Nosferatu“
Paul Roland wollte dieses Album bereits im letzten Jahr, und somit als echtes 20th Anniversary Release veröffentlichen, was aber aus diversen Gründen offensichtlich nicht ganz klappte. Überhaupt musste der Musiker bei der Produktion von so manchem Album im Laufe seiner Karriere vielfach Abstriche hinnehmen und Zugeständnisse machen, die er - sofern irgendwie möglich - in Form neuer Versionen einzelner Songs auf weiteren Alben versuchte „auszubessern“.
Im Fall von „Duel“ ist es ähnlich. Duell erschien 1989 natürlich nur als Vinyl, ein paar Jahre später zudem, angereichert mit einigen Bonus-Tracks, aber sonst in bekannter Form auf CD. Im Jahr 2003 brachte Paul Roland eine neue Version des Albums auf den Markt, bei denen er einige Songs um zusätzliche Elemente wie teils gedoppelte Vocals, zusätzliche Gitarren-Spuren und Ähnliches erweiterte.
Beim nunmehr veröffentlichten 20th Anniversary Release hielt es Paul Roland auch so, dass er sich einige Songs nochmals vornahm und versuchte, diese, soweit als irgendwie möglich, seinen ursprünglichen, aber mitunter auch heutigen Ansprüchen anzupassen. Paul Roland ging dabei sehr behutsam vor, sodass in jedem Fall der ursprüngliche Charakter der Lieder voll erhalten blieb, durch die wenigen Detailverbesserungen aber deutlich dazu gewonnen haben.
Abschließend sei gesagt, dass natürlich auch diese CD nur in sehr kleiner Auflage produziert wurde und daher lediglich über einige wenige Versender erhältlich ist, die aber mitunter auch direkt z. B. bei Amazon.de gelistet sind (siehe unser Amazon-Kasten am Beginn dieser Rezension). Neben dieser Standard-Version wird das Album zudem als "Duel (Limited Edition)" mit einem Buch angeboten. Bei diesem Buch handelt es sich um die original englische Fassung der Novelle „The Magician of Grimm“, die Paul Roland anhand der Texte auf „Duel“ verfasste.
Dieses Album wird somit mit Sicherheit, wie viele Alben von Paul Roland, sich über die Jahre zu einem echten Sammlerstück entwickeln, wobei der Künstler selbst sein Möglichstes dafür tut, dass die Preistreiberei im Web durch selbsterstellte Kopien des offiziellen Fan-Clubs zum Selbstkostenpreis keine allzugroßen Ausmaße annimmt.
In jedem Fall findet sich, bis auf wenige Ausnahmen, das komplette Schaffen Paul Rolands inzwischen unter anderem in Apples iTunes Store. So auch das aktuelle Album (siehe Kauflink im Info-Kasten), das hier zudem direkt mit den alten Versionen verglichen werden kann.

| Album: | Duel 20th Anniversary Reissue |
| Künstler: | Paul Roland |
| Komponist: | Paul Roland |
| Label: | Syborg Music |
| Jahr: | 2010 |
| Format: | Audio CD, Download |
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