Die so genannte Box Design-Serie von Pro-Ject Audio Systems zeichnet sich normalerweise dadurch aus, dass es sich um wahre Spezialisten handelt, die auf das Wesentliche reduziert, ihre primäre Aufgabe möglichst perfekt erfüllen. Mit der Pro-Ject Receiver Box aber geht die HiFi-Schmiede Pro-Ject einen anderen Weg. Klein ist auch dieses Gerät, aber vollgepackt mit einem FM-Tuner, einem Vorverstärker und einer Endstufe.
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Von Michael Holzinger (mh) 07.06.2010 |
Erzielt wird dies durch eine Reduktion auf das Wesentliche. Hochspezialisierte Komponenten also, die ihre ihnen zugedachte eigentliche Aufgabe perfekt erledigen, anstatt viele Funktionen nur irgendwie zu bewältigen. Mit der Receiver Box verlässt man diesen eingeschlagenen Weg zwar ein wenig, bleibt sich aber dennoch treu. Denn auch hier versuchte man keineswegs, blindlings möglichst viele Features in ein Gerät zu packen, sondern drei Funktionsgruppen sinnvoll in einem Gerät zu kombinieren. Dabei beschränkt man sich ebenfalls auf ein paar essentielle Funktionen, sodass das oberste Ziel der Box Design-Serie, beste Qualität zu attraktiven Preisen, ebenfalls erreicht werden kann und zudem, trotz des kleinen Formfaktors, eine möglichst komfortable Bedienung möglich ist.
Pro-Ject spricht demzufolge auch von einem überaus ehrgeizigen Projekt, das eine große Investition bei der Entwicklung erforderte. Zwar entsprechen die hier eingesetzten Bausteine laut Hersteller sowohl in Klang als auch Funktion den bereits seit geraumer Zeit erhältlichen Komponenten Pro-Ject Pre Box, Pro-Ject Tuner Box und Pro-Ject Amp Box, allerdings konnte man diese natürlich nicht 1:1 übernehmen. Denn es galt, alle wichtigen Baugruppen nochmals einer radikalen Verkleinerung zu unterziehen, dabei aber keinerlei Kompromisse bei der Qualität einzugehen.
Keine einfache Aufgabe für die Entwickler von Pro-Ject, wie sich bereits auf den ersten Blick zeigt. Denn die neue Receiver Box von Pro-Ject kommt mit nur einem Drehgeber sowie einem kleinen Display aus, über die alle Funktionen des Geräts zugänglich sind. Doch dazu etwas später mehr.
Natürlich präsentiert sich auch die neue Receiver Box von Pro-Ject, wie alle anderen Komponenten der Box Design-Serie auch, in einem überaus kompakten, ja geradezu als klein zu bezeichnendem Gehäuse. Dieses Gehäuse ist natürlich komplett aus Metall gefertigt und mit einer schicken Front aus gebürstetem Aluminium versehen. Während das Gehäuse in jedem Fall mit mattem schwarzen Lack überzogen ist, hat man bei der Front die Wahl zwischen einer ebenfalls schwarzen, oder aber silberfarbenen Ausführung.
Welche Leistung die Entwickler von Pro-Ject tatsächlich vollbracht haben wird schon anhand der Abmessungen der Pro-Ject Receiver Box klar. Das Gerät misst geradeeinmal 103 mm in der Breite, ist 71 mm hoch und lediglich 168 mm tief. Ein paar Zentimeter Spiel sollte man natürlich für Kabel einkalkulieren, denn auf der Rückseite finden sich vergleichsweise viele Anschlüsse.
Da wäre natürlich zunächst der Stromanschluss für das im Lieferumfang enthaltene externe Netzteil, das fast halb so groß ist, wie die Pro-Ject Receiver Box selbst. Aber es muss ja schlussendlich genügen Leistung für den integrierten Verstärker liefern und dementsprechend großzügig ausgelegt sein.
Beispielhaft dafür, wie eng es hier zugeht, ist die Tatsache, dass lediglich einer der beiden zur Verfügung stehenden Stereo Line-Eingänge als typisches Chinch-Buchsenpärchen ausgeführt werden konnte. Für den zweiten Eingang mussten die Entwickler von Pro-Ject improvisieren und auf eine 3,5 mm Stereo Mini-Klinkenbuchse setzen. Für mehr war einfach kein Platz mehr. Denn in der Mitte der Rückseite findet sich der Antennenanschluss für den integrierten FM-Tuner und die rechte Seite wird von den soliden Lautsprecher-Anschlüssen in Beschlag genommen. Allerdings sind auch diese ziemlich dicht gedrängt, sodass man hier unbedingt auf Bananas setzen sollte, auch wenn die Anschlüsse als Schraubklemmen ausgeführt sind und somit prinzipiell auch blanke Kabel aufnehmen würden.
Die Frontseite der Pro-Ject Receiver Box haben wir eigentlich bereits abgehandelt. Hier findet sich ein gerasterter Drehgeber, der gleichzeitig auch als Drucktaster fungiert und das einzige Bedienelement an der Frontseite darstellt. Ein kleines, aber stets gut ablesbares OLED zeigt je nach Betriebsart alle relevanten Informationen an.
Natürlich ist im Lieferumfang aber auch eine Infrarot-Fernbedienung im Scheckkartenformat enthalten, die die Steuerung aller Funktionen des Geräts auf komfortabelste Art und Weise erlaubt.
Ein Blick ins Innere verrät, dass trotz feinster SMD-Bauweise mit kürzesten Signalwegen wirklich kaum freier Platz in dem kompakten Gehäuse blieb. Die größte Herausforderung für die Entwickler war natürlich die Endstufe. So musste der, ursprünglich von Flying-Mole entwickelte Endstufenbaustein der Pro-Ject Amp Box Stereo nochmals geschrumpft werden, sodass er nun auch in der Receiver Box seinen Dienst verrichten kann. Dieser Baustein verbirgt sich aber unter einem kleinen, und wie unser Praxistest zeigte, mehr als ausreichend groß dimensionierten Kühlkörper, der einen überwiegenden Teil des Platzes im Inneren des Geräts einnimmt.
Einmal mehr gilt, dass man sich von den kompakten Abmessungen des Geräts nicht in die Irre führen lassen darf. Die Endstufe der kleinen Box liefert an 4 Ohm satte 30 Watt pro Kanal und an Speakern mit einer Impedanz von 8 Ohm immer noch mehr als ausreichende 20 Watt pro Kanal. Setzt man auf entsprechend wirkungsgradstarke Lautsprechersysteme, so wird man mit einem wirklich sehr satten, und wenn es denn sein muss, auch druckvollen Klang belohnt.
Wir haben die Pro-Ject Receiver Box in einer kleinen, aber umso feineren Kombination getestet. So diente uns die Pro-Ject Dock Box FI als zusätzlicher Zuspieler für Musik von Apples iPhone und als Speaker kamen die kleinen italienischen Kunstwerke von Sonus Faber, die edlen Toy Speaker zum Einsatz.
Zunächst überzeugte uns bereits der integrierte FM-Tuner, der sich als überaus ansprechender, sehr leistungsstarker und musikalisch aufspielender Empfangsteil für Radio-Freunde entpuppte. Allerdings war dieses Ergebnis keineswegs erstaunlich, zeichnet sich doch bereits die separat erhältliche Tuner Box von Pro-Ject Audio Systems durch die genannten Eigenschaften aus.
Sehr wohl erstaunlich aber war die Erkenntnis, dass es den Entwicklern von Pro-Ject Audio Systems tatsächlich gelungen ist, die erstklassigen Leistungsdaten der Pre Box als auch Amp Box in der kleinen Receiver Box zu kombinieren.
Damit hat Pro-Ject Audio Systems ein wahrlich ganz heißes Eisen am Start. Denn diese kleine Box aus der gleichnamigen Serie glänzt in Kombination mit den richtigen Speakern mit einer Klangqualität, die man von einer derart kompakten Lösung niemals erwarten würde und die auch hohen Ansprüchen mühelos gerecht werden kann.
Somit ermöglicht die Receiver Box im Zusammenspiel mit lediglich ein, zwei weiteren Komponenten aus der Box Design-Serie den Aufbau eines erstklassigen HiFi-Systems in Miniaturform, das keine Wünsche offen lässt.
Und auch der Komfort kommt natürlich nicht zu kurz, denn die Receiver Box von Pro-Ject hat man mit der im Lieferumfang enthaltenen kleinen Fernbedienung voll im Griff.
Gönnt man sich z.B. noch, je nach Bedarf, eine Dock Box FI, eine CD Box oder eine USB Box zur Integration eines PCs bzw. eine DAC Box FI oder DAC Box USB für Streaming-Clients, so bieten sich alle Möglichkeiten einer „ausgewachsenen“ HiFi-Anlage, allerdings auf allerkleinstem Raum. Verpackt man die Elektronik dann noch in ein schickes Mini HiFi-Rack z.B. aus der the>rack.at Serie von Azur, so dürften auch aus ästhetischer Sicht keinerlei Wünsche offen sein.
Kurzum, Pro-Ject Audio Systems liefert mit der Pro-Ject Receiver Box eine erstklassige, sehr flexibel einsetzbare Kombination aus Vorverstärker, Tuner und Leistungsverstärker in Miniaturformat ab, die komfortabel zu bedienen, und zu einem, gemessen an den Qualitäten äußerst attraktiven Preis von € 399,- vom österreichischen Vertrieb Audio Tuning Vertriebs GmbH im Fachhandel angeboten wird. Eigentlich wäre somit ein „Preis/Leistungs“ Award angebracht, die gebotene Leistung rechtfertigt aber eine glatte „Empfehlung der Redaktion“.
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