Muriel Emily Herbert

Songs of Muriel Herbert

Muriel Emily Herbert, geboren 1897 im englischen Sheffield, zählt zu den wenigen modernen britischen Komponistinnen des frühen 20. Jahrhunderts. Mit der Aufnahme „Songs of Muriel Herbert“ setzt ihr das schottische Label Linn Records nun ein musikalisches Denkmal.

Von Michael Holzinger (mh)
27.04.2009


Die Sopranistin Ailish Tynan, der Tenor James Gilchrist und der Pianist David Owen Norris zeigen mit der Aufnahme „Songs of Muriel Herbert“, welche Perlen bislang unentdeckt in der Sammlung ihrer Tochter schlummerten.

Es ist auch ihre Tochter, die im sehr ausführlichen Booklet zu dieser Aufnahme die Geschichte ihrer Mutter in Erinnerung ruft. Muriel Emily Herbert wurde im Jahr 1897 in Sheffield geboren, wuchs danach aber in Liverpool auf. Hier leitete ihre Mutter den Chor einer kleinen Kirchengemeinde. So entdeckte Muriel Herbert früh die Welt der Musik, und auch ihr ältester Bruder Percy, selbst Pianist, förderte das offensichtliche Talent seiner Schwester.

Muriel Herbert lernte Klavier und Gesang, und begann früh, eigene Kompositionen zu verfassen. Bereits in ihren ersten Werken kam ihre Liebe zur Poesie zur Geltung. Sie widmete sich dem intensiven Studium der Werke Ravels, Debussy und Richard Strauss, und setzte dies in eigenen Liedern mit Texten von Robert Herrick, William Blake, Christina Rossetti, George Gordon Noel Byron, Robert Bridges, und A.C. Swinburne um.

Nach einer schweren Kindheit - ihr Vater starb früh, sodass ihre Mutter in der schwierigen Zeit des 1. Weltkriegs auf sich allein gestellt war - gelang es Muriel Herbert im Jahr 1917 am Royal College of Music in London aufgenommen zu werden. Hier konnte sie nicht nur ihre Klavierspiel- und vor allem Kompositionskunst vertiefen, vor allem die Gemeinschaft mit anderen Künstlerinnen im Queen Alexandra's House in South Kensington war für Muriel Herbert genau die richtige Umgebung, um sich weiter zu entfalten.

In den frühen 1920igern veröffentlichte Muriel Herbert erste Werke, gab gelegentlich Konzerte und unterrichtete Gesang und Klavier, teils an der Wycombe Abbey School for girls oder privat, bevor sie im Jahr 1925 Emile Delavenay kennenlerne, den sie 1928 heiratete. Während ihrer Hochzeitsreise lernte sie James Joyce in Paris kennen, dessen Werke die Grundlage für etliche Lieder Herberts darstellten.

Joyce war begeistert, und gab seine Einwilligung zur Veröffentlichung von Muriel Herberts Liedern. Doch auch die Unterstützung durch James Joyce half wenig. Zu gering war die Bedeutung zeitgenössischer Komponistinnen zu dieser Zeit, sodass Herbert sich zunehmend ihrer Familie widmete. 1929 wurde ihre erste Tochter, 1933 ihre zweite Tochter geboren, für die Muriel Herbert eine Reihe an Liedern komponierte.

Auch wenn in den folgenden Jahren einige ihrer Kompositionen veröffentlicht wurden, und sie neben ihrer Lehrtätigkeit an diversen Schulen auch gelegentlich Konzerte gab, mehr als kleine Achtungserfolge wurden Muriel Herbert zu Lebzeiten nicht zuteil. Selbst ihre jüngste Tochter, die Autorin und Journalistin Claire Tomalin, die die Werke ihrer Mutter nach deren Tod im Jahr 1984 an sich nahm, musste feststellen, dass dem umfassenden Schaffen ihrer Mutter sehr wenig Beachtung entgegengebracht wurde.

Als allerdings ein ehemaliger Schüler von Muriel Herbert, Bill Lloyd, eine Radiosendung über Muriel Herbert produzierte, wurde das Interesse an dem Schaffen der englischen Komponistin geweckt. Dies führte dazu, dass Bill Lloyd das nun vorliegende Album produzieren konnte. Mit den Sängern Ailish Tynan und James Gilchrist sowie dem Pianisten David Owen Norris fand er genau die richtige Besetzung, um die kleinen Kunstwerke Muriel Emily Herberts endlich in adäquater Weise einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Aufgenommen wurde das Album im Mai 2008 in den Wyastone Studios in Monmouthshire von Matt Parkin. Gemeinsam mit dem Produzenten Bill Lloyd gelang es, die Feinheiten im Schaffen Muriel Herberts aufzuzeigen, die trotz einer natürlich vorhandenen Reminiszenz an ihre Vorbilder, eine klare, eigenständige Handschrift der Komponistin belegen.

Ihre feinfühlige, geradezu intuitive musikalische Interpretation der Werke von Joyce, Herrick, Ada Harrison, W.B. Yeats und vieler anderer kommt auf diesem Album überaus eindrucksvoll zur Geltung. Hier finden sich sehr stimmungsvolle, einmal melancholisch, ein andermal fröhlich, aber immer sehr feinsinnige Lieder, die sicher sehr bald im Repertoire von so manchem Sänger auftauchen werden.

Ist dies der Fall, so ist es dem schottischen Label Linn Records mit der Aufnahme „Songs of Muriel Herbert“ wohl perfekt gut gelungen, dem bislang nicht wirklich gewürdigten Werk der Komponistin Muriel Emily Herbert ein würdiges Denkmal zu setzen.

In jedem Fall ist den Künstlern Ailish Tynan, James Gilchrist und David Owen Norris sowie dem Produzenten Bill Lloyd für dieses beeindruckende Album höchste Anerkennung zu zollen. Es bedarf Mut, sich dem Werk einer bislang im Prinzip völlig unbekannten Komponistin mit derartiger Hingebung zu widmen. Das Album überzeugt nicht nur durch seine erstklassige Aufnahmequalität (es liegt als HDCD vor und wird online als hochauflösendes FLAC angeboten). Dieses Album überzeugt vor allem durch die in jedem Stück hörbare Begeisterung aller Mitwirkenden, durch dieses Album der Komponistin die ihr zustehende Anerkennung zuteil werden zu lassen.

Michael Holzinger



Ailish Tynan, James Gilchrist & David Owen Norris
Album:Songs of Muriel Herbert
Künstler:Ailish Tynan, James Gilchrist und David Owen Norris
Komponist:Muriel Emily Herbert
Label:Linn Records
Jahr:2009
Format:HDCD, Download

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