Es ist schier beeindruckend, welche Kraft und Energie, welch Druck allein die menschliche Stimme entfalten kann. Zu hören etwa auf dem Album „Tande-la“ der Formation The Creole Choir of Cuba.
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Von Michael Holzinger (mh) 30.01.2011 |
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The Creole Choir of Cuba versuchen aber zurück zum Ursprung zu gelangen und die Revolutionslieder und Klagelieder in ihrer möglichst ursprünglichen Form im Stil des beginnenden 19. Jahrhunderts umzusetzen.
Die Musik der Formaten hat also so überhaupt nichts damit gemein, was man hierzulande sehr oft als typisch kubanische Musik ansieht. Ja, auch hier bestimmt ein lebendiger, energiegeladener Rhythmus die Lieder, aber mit dem ansonst üblichen Touristen-Klischee und Kitsch a la Tropicana-Show hat diese Musik nichts gemein.
Wie bereits erwähnt stammt The Creole Choir of Cuba aus der drittgrößten Stadt der karibischen Insel, dem wunderschönen und seit 2008 als Weltkulturerbe der UNESCO anerkannten Ort Carmagüey. Gegründet wurde der Chor bereits im Jahre 1994, wobei die Idee dazu vor allem auf Grund der trüben Zukunftsperspektiven auf Kuba zu dieser Zeit entstand. Mit dem Wegfall der UDSSR und somit der Wirtschaftshilfe für die Freunde auf Kuba war auch das Regime von Fidel Castro im Jahr 1993 defakto am Ende, ohne jedoch diese Tatsache als solche zu akzeptieren. Dementsprechend trist präsentiert sich seitdem der Alltag auf Kuba abseits der typischen Hochburgen für Pauschal-Touristen.
Mit Hinblick auf die sich ständig verschlechternden Lebensumstände beschlossen einige Musiker des Chors der Stadt ein neues Projekt zu gründen, das sich ausschließlich mit der Musik ihrer Vorfahren beschäftigen sollte, den Sklaven aus Haiti, die seit dem Ende des 18. Jahrhunderts nach Kuba flüchteten und unter ebenso ärmlichsten Bedingungen auf Kubas Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen arbeiteten mussten.
Die zehn Mitglieder des Chores setzen sich aus fünf Frauen und ebenso fünf Männern zusammen, die allesamt auf eine fundierte musikalische Ausbildung verweisen können und somit über die beste Basis für die Aufarbeitung ihrer musikalischen Geschichte verfügen. „La Cancionistica“, das ist ihre Musik, die ihre Wurzeln ganz klar in Westafrika hat, aber durchaus ein paar typisch karibische Einflüsse aufweist und mit Texten auf Kreolisch versehen sind. Darin wird zumeist der triste Alltag beklagt, aber viel öfter ganz offen der Wut und Verzweiflung über die Lebensumstände freien Lauf gelassen.
Entsprechend energiegeladen präsentieren sich die Stücke der neuesten CD der Formation. „Tande-la“ steht dabei als Aufforderung für „hör zu“ bzw. „zuhören“, wobei man bereits nach nur wenigen Takten des ersten Stücks derart gebannt von dieser puren Energie ist, dass man ohnedies nicht anders kann.
Nahezu die komplette CD mit insgesamt zwölf Stücken bringt diese Kraft und Leidenschaft zum Ausdruck. Denn selbst die deutlich sanfter vorgetragenen Klagelieder gewähren dem Zuhörer gerade ausreichend Zeit, um kurz Durchatmen zu können, bevor auch diese zumeist in eine mitreissende Mischung aus verschiedensten Percussions-Instrumenten und Stimmen münden. So zieht das Album einen gewaltigen Spannungsbogen auf, der von den ersten bis zu den letzten Takten anhält und fesselt.
Perfekt produziert entfaltet das Album eine immense Kraft und Klangfülle, was umso beeindruckender ist, da bis auf wenige Percussion-Instrumente ausschließlich Stimmen zu hören sind. The Creole Choir of Cuba entführt mit dem Album „Tande-la“ all jene in eine andere Welt, die sich auf die Aufforderung des Chors „zuzuhören“ einlassen.

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