The Eagles „Hell freezes over...“

The Eagles „Hell freezes over...“


In den 70igern galten sie als eine der wichtigsten Pop- und Rockbands, die das Genre Country-Rock bzw. California Rock für sich begründeten. Fünf Nummer 1-Singles und sechs Nummer 1-Alben entstanden bis zu ihrer Trennung im Jahr 1981 und Titel wie „Hotel California“, „Desperado“ oder „Life in the fast lane“ gelten auch heute noch als unvergessliche Hits.

Von Michael Holzinger (mh)
02.05.2011

Sag niemals nie! Dieses Sprichwort gilt auch im Musik-Business. So manche kategorisch ausgeschlossene Wiedervereinigung legendärer Formationen wurde nach Jahren mit immensen Wirbel als Come-back Album mit anschließender Tour gefeiert. Um ehrlich zu sein, zumeist ist es dann nicht die neu aufgeflammte „Liebe“ oder die wiederentdeckten Gemeinsamkeiten früherer Tage, sondern ganz nüchterne finanzielle Interessen, die dazu führen, dass sich selbst mitunter heillos zerstrittene Bands nach Jahren wieder für ein gemeinsames Projekt im Studio einfinden und auf Tour gehen.

Es ist also durchaus angebracht, mit entsprechendem Vorbehalt an derartige Come-back Alben bzw. Konzert-Touren heranzugehen. Manchmal aber, da kann wirklich Großes entstehen. Etwa bei jener Band, die in den 1970er Jahren zu den wohl bedeutendsten und nicht zuletzt auch erfolgreichsten Formationen des Pop/ Rock zählte bzw. den Begriff Country-Rock erst prägte, The Eagles.

Es müsse schon die Hölle zufrieren, so die komplett zerstrittene Formation rund um Frontsänger Don Henley, dass er, Glenn Frey, Joe Walsh, Timothy B. Schmit und Don Felder wieder zusammen finden würden. Also ging man nach einem guten Jahrzehnt Band-Geschichte 1981 getrennte Wege. Bis die Hölle 1994 offensichtlich tatsächlich zufror. Für ein im Rahmen der MTV Unplugged-Reihe abgehaltenes Konzert fanden sich die Band-Mitglieder wieder gemeinsam auf einer Bühne ein und hatten - soviel kann man durchaus anhand des ebenfalls erhältlichen DVD-Mitschnitts The Eagles - Hell freezes over... behaupten - sichtlich Spass.

Das man inzwischen all die Querelen und Streitereien der Vergangenheit durchaus selbstironisch nahm, verdeutlicht etwa bereits das Statement, dass Don Henley gleich zu Beginn des Konzerts zum Besten gibt: „For the records - We never broke up, we just had a fourteen-year-vacation...“

Was dann folgt, ist wohl eines der besten Konzert-Mitschnitte überhaupt. Und zwar nicht nur auf technischem Level, sondern auch musikalisch. Zwar lieferten The Eagles bereits in den 70iger Jahren geradezu grandiose Live-Auftritte ab, wie so mancher Live-Mitschnitt, etwa das 1980 erschienene Album "Eagles Live"belegt, aber das Konzert aus dem Jahr 1994 spielt dennoch in einer völlig anderen Dimension. Das mag wohl auch daran liegen, dass die Rahmenbedingungen gänzlich andere waren. Schließlich lautete die Vorgabe des Veranstalters MTV, ein so genanntes Unplugged Konzert zu bestreiten, also die Stromgitarren zuhause zu lassen und stattdessen die Saiten der akustischen Klampfen zu malträtieren. Eine Vorgabe, der die Eagles hier zwar nicht gänzlich nachkamen, jedoch eine Aufgabe, der die Band geradezu virtuos gerecht werden kann. So findet man auf „Hell freezes over...“ wohl eine der besten Versionen ihres bekanntesten Hits „Hotel California“, dem die Interpretationen weiterer „Klassiker“ in nichts nachstehen.

Insgesamt 15 Tracks teils in völlig neuen Versionen finden sich auf dem Album, wobei - trotz Unplugged - keine Rede von Bescheidenheit bei den Arrangements sein kann. So wurden die fehlenden E-Gitarren bei dem ein oder anderen Titel einfach durch ein kleines Orchester ersetzt, aber auch für sich allein verstehen die Eagles samt ein paar zusätzlicher Musiker auch ohne Strom kräftig „aufzugeigen“. Gut, ganz ohne E-Gitarren ging es dann doch nicht, so wird die CD etwa mit "Get over it..." und insgesamt vier neuen Tracks eröffnet, bei denen in bewährter Weise fetzige E-Gitarren die tragende Rolle spielen. Und auch sonst hat sich die ein oder andere an einen Verstärker angeschlossene Gitarre "verirrt", selbst im "Unplugged"-Teil. Auch sonst stimmt die Reihenfolge der Tracks nicht ganz mit dem Live-Mitschnitt auf DVD überein, dies ändert aber nichts an der Qualität und dem besonderen Reiz des Albums insgesamt.



Wirklich erstaunlich dabei ist die erstklassige Qualität, mit der dieses Konzert eingefangen wurde. Obwohl es sich bei den meisten Titeln dieses Albums tatsächlich um Live eingespielte Stücke handelt, besticht diese CD mit einer Präsenz, Klarheit, Detailreichtum und Dynamik, die schlicht begeistert und so mancher Studio-Produktion gut zu Gesicht stünde. Dieses Album kann somit mit Fug und Recht als audiophiles Glanzstück eingeordnet werden. Kein Wunder also, dass die entsprechende DVD dieses Konzerts seinerzeit als Referenz-Produktion für dts herangezogen wurde. Einmal mehr zeigt sich dabei, dass es, wenn es um das Einfangen des speziellen Live-Charakters geht, eines erfahrenen Tontechnikers bedarf, der einfach weiß, wo er eingreifen darf, und wo er besser die Finger davon lässt. Etwa beim letzten Stück "Desperado", wo ganz klar der Regler am Mischpult für eine der E-Gitarren offen war. Das leichte britzeln ist klar zu vernehmen, stört aber in keinster Weise, ganz im Gegenteil. So klingt's halt live...

Für die Live-Tracks zeichnete Elliot Scheiner am Mischpult verantwortlich, die vier neuen, im Studio eingespielten Tracks wurden von Rob Jacobs aufgenommen und abgemischt. Als Produzenten fungierten die Eagles selbst sowie Rob Jacobs und Elliot Scheiner.

Für audiophile Zeitgenossen sei natürlich erwähnt, dass es neben der Standard-Version auf CD natürlich auch entsprechende Reissues gibt, die sich durch eine deutlich bessere Qualität auszeichnen sollen. Allerdings gilt dies unserer Erfahrung nach keineswegs für alle Versionen, die von diesem Album erhältlich sind. So steht das Album der Eagles etwa als "Hell freezes over... (SHM-CD)" als auch als "Hell freezes over... (K2HD Mastering)"zur Verfügung, die durchaus ein Mehr an Detail und Dynamik versprechen, und somit empfohlen werden können, auch wenn diese natürlich entsprechend kostspieliger sind...

Michael Holzinger



The Eagles „Hell freezes over...“
Album:Hell freezes over...
Künstler:The Eagles
Komponist:The Eagles
Label:Geffen (Universal)

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Keywords: Musik-Tipp, The Eagles, Country, Rock, Pop, audiophil

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