Zu Besuch bei... Piega SA in Horgen bei Zürich


Wie tiefgreifend kann eine Lautsprecherentwicklung sein, was bedeutet Hochtechnologie bis ins kleinste Detail im Lautsprecherbau, und warum ausgerechnet Aluminium im Gehäusebau. Zehn sempre-audio.at Club-Mitglieder durften einen tiefen Einblick in die Lautsprecher-Entwicklung gewinnen, und bereisten die in der Schweiz ansässige Manufaktur Piega SA Switzerland.

Kurz gesagt...

Schon Nietzsche pflegte zu sagen „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“. Nichts anderes ist für viele Musikliebhaber, aber auch für Piega SA, Programm. Die emotionale Seite der Entwicklung eines Lautsprechers-Portfolios mit einem hohen Alleinstellungsmerkmal

Wir meinen...

Es ist überaus bemerkenswert und beeindruckend, mit welch Liebe zum Detail, aber nicht zuletzt auch Leidenschaft so mancher Hersteller an die Entwicklung seiner Produkte herangeht. Piega SA ist ein derartiges Unternehmen. In Horgen am Zürich See werden außergewöhnliche Lautsprecher-Systeme gefertigt, die in vielerlei Hinsicht aus einem ohnedies immens vielfältigen Angeboten hervorstechen.
Hersteller:Piega SA
Vertrieb:Novis Electronics GmbH

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
05.06.2013

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Der 22. Mai 2013 versprach ein informativer und spannender, aber auch stressiger Tag zu werden. Jeder, der einen Tagestrip in eine andere Stadt miterlebt hat, weiß davon ein Lied zu singen. Dementsprechend rüstete sich jeder Teilnehmer auf seine Art. Dass es dann doch anders kam, und dass Schweizer Uhren scheinbar etwas anders ticken als unsere, sollte sich später herausstellen. Als Treffpunkt war der Wiener Flughafen um ca. 9:30 Uhr vereinbart. Das Boarding um 11 Uhr und der Flug gingen rasch und bequem vonstatten. Gegen Mittag trafen wir am Züricher Flughafen ein, und wurden von Jodok Kaufmann, Repräsentant der Fa. Piega in Österreich und Geschäftsführer der Novis Electronics GmbH, in Empfang genommen.

Eine ca. 40 minütige Bahnfahrt brachte uns unserem Ziel, eine beschauliche Kleinstadt direkt am Züricher See gelegen, näher. Hier war vermutlich auch unser erster Kontakt zur Schweizer Gemütlichkeit. Die freundliche Stimme im Zug, die uns die Stationen mitteilte, wie auch das sehr dezente Rumpeln der Räder der Bahnwagons auf den nahezu perfekten Schienen, vermittelten uns einen ersten Eindruck von Entschleunigung und Entspannung. Ob 40 Schweizer-Minuten anders als 40 österreichische Minuten sind? Wer weiß?

Horgen ist eine beschauliche und blitzsaubere Kleinstadt, welche südlich von Zürich direkt am Züricher See liegt. Bedauerlicherweise spielte das Wetter nicht mit. Die kühlen Temperaturen und der Nieselregen erlaubten es leider nicht, im kleinen nebenliegenden Kaffeehaus, samt angeschlossener Seepromenade, einen kleinen Espresso zu genießen.

Der Firmensitz der Lautsprechermanufaktur Piega SA, so unscheinbar er auch von außen wirken mag, vermittelt die Gemütlichkeit einer kleinen Oase, die sich im rauen Marktalltag unter harten Wettbewerbsbedingungen ihren eigenen Lebensrhythmus und Herzschlag bewahrt hat. Eine Fensterfront, eine große braune Holztür, und ein penibel hergestelltes und montiertes Firmenschild am Anfang des Gebäudes, reichen, um auf die große kleine Piega-Welt hinzuweisen.

Musik, aber auch die Auswahl der eigenen Komponenten und Lautsprecher ist eine höchst individuelle Angelegenheit, und darüberhinaus auch eine Frage, wie viel man für sein Hobby ausgeben möchte. Piega bietet hier erfreulicherweise ein komplettes Produktumfeld an, welche den preisbewussten Käufer ebenso wie den High-End-Kunden, der sich um Geld nicht sorgen muss, anspricht. So konsequent wie das Sortiment, und dessen hohe Qualität in jeder Preisklasse, ist auch der technische Hintergrund. Um es auf den Punkt zu bringen, die Piega-Mannen orientieren sich strikt nach Physik, getreu dem Motto – alles was man hören kann, kann man auch messen. Aber auch immer wiederkehrende Hörtests während der Entwicklung sind ein elementares Element, um den Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden.

Die Räumlichkeiten der Firma Piega sind schlicht und funktionell. Wir wurden vom Inhaber und Entwickler Kurt Scheuch, Partner von Leo Greiner, freundlich in seinem unfassbar sympathischen „Schwiizerdütsch“ begrüßt und sogleich in den großen Vorführ- und Hörraum gebeten. Der Raum, beinahe 70 Quadratmeter groß, und ausgestattet mit allen Piega Lautsprechern, die derzeit im Sortiment erhältlich sind, und das sind erstaunlich viele Modelle, beherbergte erfreulicherweise eine kleine Espressomaschine und ein paar Snacks für unsere hungrigen Mägen. Nach einer kurzen Stärkung und den ersten unvermeidbaren neugierigen Blicken, ging es sogleich zur Sache. Kurt Scheuch erwies sich als exzellenter Vortragender, der zudem das seltene Talent besitzt, komplexe technische Zusammenhänge auch für Laien verständlich aufzubereiten.

Die Philosophie von Piega ist im Grunde schnell beschrieben – Perfektion und neutraler Klang in jeder Preisklasse. Bedeutungsschwer, und in dieser Konsequenz wahrlich nicht einfach umzusetzen. So gilt es doch für einen Hersteller, den vielschichtigen Geschmack der Kunden zu treffen, und einen Lautsprecher derart zu konstruieren, dass dieser unter vielen verschiedenen Wohnraumbedingungen, aber auch an einer Vielzahl an unterschiedlichen Verstärkern optimal – eben perfekt – aufspielt. Die Besonderheit, so Kurt Scheuch, ist der Umstand, dass das menschliche Gehör die Eigenschaft aufweist, unvollständige akustische Informationen zu einem verwertbaren Gehalt hochzurechnen.

Das bedeutet konkret, dass fehlende Informationen vom Gehirn extrapoliert werden, ähnlich wie eine Fehlerkorrektur bei einem CD-Player. Allerdings bedeutet das Höchstleistungen für unser Gehirn und lässt uns nach einiger Zeit ermüden. Wir empfinden die Hörsituation als anstrengend und belastend. Wir stellen die Lautstärke leiser oder beenden gar den Musikgenuss. Und mal Hand aufs Herz, werte Leserinnen und Leser - wer hat eine derartige Situation noch nicht erlebt, oder im Umkehrschluss, wurde auch nach Stunden des Hörens der Musik nicht überdrüssig. Ein täglicher Beweis dieser Umstände ist unser Mobil-Telefon. Obwohl der kleine Lautsprecher im Gerät nicht in der Lage ist, entsprechende Frequenzumfänge (Oberwellen und Grundtöne) wiederzugeben, ist es die natürlichste Sache der Welt, einen Kontrabass zu erkennen. Und hier setzt die oberste Maxime des Herstellers an:

  • Verzerrungsarmut, soweit es die Physik zulässt
  • Breitbandigkeit und Belastbarkeit, soweit es sinnvoll und technisch machbar ist

Neben dem eingesetzten Chassis ist das Lautsprecher-Gehäuse selbst das wichtigste Element in dieser Gleichung. Es muss mit den enormen Kräften und Druckverhältnissen im Gehäuse umgehen und kann potenziell an allen Ecken und Enden zu resonieren beginnen, und wird damit selbst zur „Schallquelle“. Hier begann Piega anzusetzen, und ersann die Idee mit einem Gehäuse aus Aluminium.

Strangguss-Verfahren kommt hier zur Anwendung. Das Gehäuse wird mit einem geringfügigen Übermaß in einer Strangpresse hergestellt, welches im Anschluss auf ein perfektes endgültiges Maß gereckt wird. Der Grund für die Auswahl von Aluminium als Gehäusematerial hat einen sehr speziellen und logischen Hintergrund. Es ist sehr stabil, und verbraucht weniger umbauten Raum, um ein gewisses Innenvolumen zu erzeugen. Sie erinnern sich, Piega ist ein Hersteller, der sich der Physik verschrieben hat, und dem Musiksignal so wenig wie möglich Hindernisse in den Weg stellen möchte.

Das Aluminiumgehäuse mit seinen ca. 5 Millimeter Gehäuse-Wandungen ist so stark und stabil wie ein vergleichbares 4 Zentimeter starkes MDF-Gehäuse. Ein angenehmer Nebeneffekt ist der Umstand, dass für ein äquivalentes Volumen „weniger“ Lautsprecher im Raum steht. Denn, nicht jeder ist bereit, eine kleine Telefonzelle in sein schickes Wohnzimmer zu stellen.

Der aufmerksame und kundige Hi-Fi-Liebhaber wir spätestens hier bemerken, dass die Verwendung von Metall im Gehäusebau auch Probleme verursachen kann. Hier ist die Eigenschaft des Metalls festzuhalten, dass es akustisch nicht tot ist, auch wenn mit Metall ein hohes spezifisches Gewicht Einzug hält. Die Schallgeschwindigkeit im Aluminium beträgt 6,38 Kilometer in der Sekunde, während diese bekannterweise in der Luft nur 0,33 Kilometer beträgt. Ein weiteres Problem eröffnet sich mit dem Umstand, dass fast keine innere Dämpfung vorhanden ist.

Wodurch Aluminium auch immer angeregt wird - es wird sehr schnell weitergeleitet und erfährt fast keinen natürlichen Abbau. Hier muss natürlich zusätzlich eingegriffen werden. Kurt Scheuch verwendet hierzu innen angebrachte Dämpfungsstreifen, die an sogenannte Schwerfolien erinnern, wie sie im Automobilbau, aber auch im Sanitärbereich verwendet werden. Allerdings handelt es sich hierbei um ein auf das Gehäusematerial abgestimmtes Produkt. Ein Klopftest gegen die Gehäusewand verursacht wunde Fingerknöchel und ein dumpfes „Tock“, und demonstriert die Effizienz der Maßnahme.

Kurt Scheuch zeigte uns während der Führung durch die Produktionsstätten verschiedene Ausbaustufen der edlen Gehäuse.

  • Rohgehäuse bei Anlieferung auf Paletten
  • Rohgehäuse ohne dämpfende Maßnahmen und ohne Innenschallwand auf Montageplatz
  • Gehäuse mit eingeklebten Dämpfungsstreifen Gehäuse mit eingeklebten Deckel und Boden

Die einzelnen Arbeitsbereiche gliedern sich in Treibermontage, jeweils eigene Bereiche für die Hochtöner und die koaxialen Mittelton-/Hochtoneinheiten. Gefolgt von der Bearbeitung mit der Gehäuse-Bedämpfung und Komplettierung der Gehäuse. Die Rohgehäuse werden nach der Anlieferung mit einer von innen montierten MDF-Frontplatte ausgestattet, auf welcher die Chassis festgeschraubt werden und der Bassreflexkanal positioniert ist, sowie mit einem zusätzlichen Versteifungsbrett, das die Frequenzweiche beherbergt, versehen. Nach dem Austrocken der angeklebten Baugruppen wird der fertige Lautsprecher nochmal umfassend kontrolliert.

Ein Lautsprecher besteht ja nicht nur aus einem ausgeklügelten Gehäuse, sondern auch aus den eingesetzten Treibern. Einmal die zugekauften Basstreiber, welche nochmal strengstens selektiert werden, und zum anderen die Mittelton-/Hochton-Einheiten aus eigener Entwicklung und Fertigung.

Offengestanden hatte ich hier meine ersten Bedenken. Denn ich bin wahrlich kein Fan der Geschäftsidee, alles, oder zumindest teilweise alles im eigenen Hause entwickeln zu müssen. An dieser Stelle möchte ich gerne einen Querverweis einbringen, nämlich die Automobilbranche. Hier ist es üblich, ganze Baugruppen fremdfertigen zu lassen. Sei es der Reifen, oder die Lichtmaschine, oder die Scheibenwischerblätter. Das können die hochspezialisierten Fremdbetriebe wesentlich besser und damit entscheidend günstiger.

Warum aber entwickelt und fertigt Kurt Scheuch mit seinem Partner und Mitarbeitern den klangbestimmenden Treiber in seinem Hause? Die Antwort darauf ist einfach, aber konsequent. Es kann niemand außer uns so gut! Wie es zustande kommt, und vor allem, warum, zeigte sich bei der angeschlossenen Führung durch den entsprechenden Fachbereich. Kurt Scheuch nahm sich viel Zeit, um stolz die eigentliche Innovation im Lautsprecherbau mit vielen Musterteilen unterschiedlichster Fertigungszustände zu erklären.

Kurt Scheuch hat einen plausiblen (und wieder mal) wissenschaftlichen Ansatz zur Hand. Es geht um nichts weniger als die sogenannte Punktschallquelle. Der zufolge das Schallereignis im eigenen Wohnzimmer an einem Punkt entstehen soll, quasi eine Art „atmender“ Kugellautsprecher. Da sich eine vollständige Punktschallquelle mit heutiger Technologie wirtschaftlich nicht sinnvoll realisieren lässt, soll zumindest der entscheidende Anteil am Spektrum eines Lautsprechers umgesetzt werden. Herkömmliche Lautsprecher haben, meist von oben herab aufgebaut, einen Hochtöner, einen oder mehrere Mitteltöner und einen Basstreiber, eventuell auch noch einen Subbass-Treiber. Alle beteiligten Treiber strahlen von einer, aus vertikaler Sicht, unterschiedlichen Position aus. Das bedeutet, dass ein Sänger aus mindestens zwei Chassis wiedergegeben wird.

Die Oberwellen der Stimme ragen bis in den Hochtonbereich hinein, welche dann möglicherweise nicht nur vom Mitteltöner sondern auch vom Hochtöner ein paar Zentimeter weiter oben abgestrahlt werden, während der Grundtonbereich der Stimme aus dem Mitteltöner stammt, aber auch bis in den Lautsprecher-Grundton-Bereich ragen kann, demzufolge vom Tiefmitteltöner oder vom Tieftöner wiedergegeben werden kann.

Sie können abschätzen, welche Probleme sich daraus ergeben können. Das Signal der Stimme wird nicht nur von einer Frequenzweiche zerstückelt und mit Phasendrehungen belegt, sondern auch noch zu allem Überfluss von zwei unterschiedlichen Orten aus wiedergegeben. Fehlende zeitrichtige Abstrahlung betreffend Tiefenachse und vertikaler Achse sind die Folge. Isoliert betrachtet, kann man bei einem Lautsprecher leider nicht alles zur Perfektion treiben, aber zumindest große Teile der Fehler vermeiden. Kurt Scheuch meint hierzu, dass eine ideale Punktschallquelle einen signifikanten Beitrag zum stressfreien Hören beiträgt, und damit die Fehlerkorrektur des menschlichen Gehirnes, wie eingangs erwähnt, auf ein Minimum reduzieren kann. Der verwendete Treiber wäre übrigens der einzige am Markt, der die Punktschallquelle aus allen drei Achsen annäherungsweise perfekt nachbildet.

Es gäbe viele koaxiale Systeme, natürlich auch sehr gute, aber eben nur eine Punktschallquelle, die auf allen drei Achsen zeitrichtig abstrahlt. Im Fachbereich Coaxial-Chassis sahen wir zum ersten Mal einen Bändchen-Treiber für den Mittelton- und Hochtonbereich. Faszinierend zu sehen, wie viele Bauteile hier mit höchster Präzision zusammengefügt werden. Der Treiber besteht aus folgenden Baugruppen:

  • Frontplatte mit aufgeklebten Magnetstäben
  • Rückwandplatte mit aufgeklebten Magnetstäben
  • vorderer Innenrahmen
  • hinterer Innenrahmen Membranfolie

Ein Bändchen-Lautsprecher unterscheidet sich entscheidend von einer Kalotte oder gar einem Konus-Lautsprecher-Chassis. Während eine Kalotte, aber auch ein Konus, von einer Schwingspule, welche in einen Magnetspalt eintaucht, angetrieben wird, ist das Bändchen gleichzeitig Membran und Schwingspule. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass hier Masse- und Antriebskräfte in einem viel günstigeren Verhältnis stehen, und somit das gesamte System wesentlich weniger Gewicht aufweist.

Auch in einem kleinen System, wie einem Hochtöner, wirkt die sogenannte Masseträgheit. Während eine leichte Kalotte mehrere Gramm wiegt, so wiegt ein hochwertiges Bändchen-System um den Faktor 10 weniger. In diesem Masseunterschied spiegelt sich das exemplarische Ein- und Ausschwingverhalten wieder, welches sich für den dramatischen und ansatzlosen explosiven Mittel-/Hochtonbereich verantwortlich zeigt.

Auf der Frontplatte, wie auch auf der Rückwand der Treiber-Einheit, sind in exakt definierten Abständen Magnetstäbe aufgeklebt, welche die Folienmembran im Takt und Amplitude der Musik schwingen lassen. Das verwendete Magnetmaterial ist Neodym, und damit das stärkste (und teuerste) Magnetmaterial, dass am Weltmarkt erhältlich ist.

Aber selbst dieses State of the Art Material genügt noch nicht den Anforderungen Kurt Scheuchs. Um die Effizienz zu steigern und das Magnetfeld weiter zu verdichten, wurden die Magnete auf der hinteren Polplatte des Treibers gleichphasig angebracht. Das bedeutet, dass sich die Magnete abstoßen und durch diesen Trick das Magnetfeld weiter „verdichtet“ wird. Die dabei auftretenden abstoßenden Kräfte beider Magnetfelder sind dermaßen kraftvoll, dass sich sogar das Metall (5 mm dicker Stahl) der Polplatten bis in den Millimeterbereich verbiegt.

Erst ein eigens entwickelter Kleber und eine eigens entwickelte Farbe für die Metallplatten machten einen dauerhaften stabilen Einsatz möglich. Nun, das Verfahren ist natürlich kein Geheimnis, zeigt aber die enorme Konsequenz Kurt Scheuchs auf, mit der ein Treiber leistungsmäßig auf die Spitze des Machbaren getrieben wird, um ein ausgewogenes neutrales System zu schaffen, das nur ein Ziel hat - reinsten unverzerrten Klang.

Die Montage geschieht in einem Arbeitsschritt. Die Folie wird mit bereits aufgelöteten Kontaktfahnen auf einen Rahmen gespannt, auf diesem fixiert und von Hand mit viel Erfahrung unter einen exakt definierten Zug gebracht. Auf diese vorgespannte Folie wird nun der hintere Rahmen aufgelegt, und im eigens maßgefertigten Werkzeug unter Zug verklebt und getrocknet. Während der gesamten Produktion ist es strikt verboten, die Leiterbahnen auf der Folie mit bloßen Händen zu berühren. Ausschussware wäre die Folge. Auch in diesem Arbeitsschritt wird das Chassis nach seiner Fertigstellung wieder gemessen und paarweise selektiert, und steht dann für den Einbau in einen Piega-Lautsprecher bereit.

Nach dieser Führung wurde den Teilnehmern bewusst, wie konsequent der Hersteller an den Lautsprecher-Kreationen arbeitet, um die vielschichtigen Ansprüche in jeder Preisklasse zu erfüllen. Dem Umstand, dass jeder Musikhörer seine eigenen Präferenzen hat, die Anlagen in so vielen unterschiedlichen Weisen aufgestellt werden, und verschiedensten akustischen Bedingungen ausgesetzt sind, trägt Kurt Scheuch mit einem entscheidenden Kriterium Rechnung - perfekte Herstellung und Ausrichtung auf möglichst hohe Verzerrungsfreiheit.

Der anschließende Hörtest ließ den Worten akustische Taten folgen. Die Tische wurden zwischenzeitlich beiseite geräumt und wichen zwei Reihen Sesseln, um den ungeduldig scharrenden Besuchern optimale Plätze zu bieten.

Im Hörraum befanden sich neben den ausgestellten Modellen auch ein Paar Lautsprecher einer sogenannten Null-Serie. Ein State of the Art Konstrukt, das weit außerhalb jeglicher normalen Vergleichbarkeit positioniert ist, ein System, für das es noch keinen Verkaufspreis gibt, und von dem bereits die gesamte Auflage von 10 Paaren verkauft ist.

Derzeit befindet sich die Mittelhochton-Einheit, eine Art flaches Segel aus massiven Aluminium, mit unzähligen dieser kostbaren einzelnen Treiber-Einheiten bestückt, in der finalen Entwicklungsstufe. Erstaunlich war auch, festzustellen, dass die Frequenzweiche lose auf dem Boden liegend und frei verdrahtet für weitere Modifikationen leicht zugänglich war. Ein chaotischer Anblick bei einem Extremprodukt, das man in dieser Form als Laie nicht erwartet hätte. Die dazugehörigen Bass-Säulen, mit jeweils 6 Stück Bass Treibern im beeindruckenden 23 Zentimeter Format ausgestattet, lagen seitlings auf dem Boden, und wurden während dieser Tage mit massiven Sicht-Aluplatten beklebt. Mit Akribie klebte ein Mitarbeiter ungestört von den Besuchern dicke Aluplatten auf das Grundgehäuse. Minutenlanges Positionieren mittels Schablone, sodass auch ein Herr Piëch, bewundernd ob solcher perfekten Spaltmaße, anerkennend genickt hätte.

Bedauerlicherweise konnten wir dieses Null-Serien-Projekt nicht hören. Stattdessen war eine Coax 90.2 an einen prominenten Platz nahe der Raummitte aufgestellt. Einige der Anwesenden waren etwas enttäuscht, dass wir nicht mal die Coax 120.2, oder gar eine Master One, hören konnten. Es stellte sich aber sehr schnell heraus dass die 90.2 die Hörer verblüffte, und den Wunsch nach einem Spitzenmodell schnell als obsolet erklärte.

Angetrieben von einer nicht minder beeindruckenden Vor-/Endverstärker-Kombination von Marantz, es waren tatsächlich die seltenen und legendären Modelle SC7 und MA9, eröffnete sich ein brutaler aber auch fein dynamisch ausgefeilter Auftritt. Die Musik vom Zuspieler aus gleichem Hause zweigte sich hochdynamisch mit scheinbar nicht anwesenden Pegelgrenzen, welche absolut stressfrei dargeboten wurden. Während die Stimme der Vokalistin schwerelos und klar umrissen vor dem geistigen Auge entstand, blieb das Instrumentarium unbeeinflusst etwaiger Bassschläge nachvollziehbar im virtuellen Raum positioniert.

Zu keiner Zeit entstand auch nur ansatzweise der Eindruck, es gäbe Pegellimits, Verzerrungen oder sonstigen Ballast. Das Orchester wirkte nicht skizziert und irgendwie in den Raum platziert, sondern in einem korrekten Maßstab auf der virtuellen Bühne dargestellt. Eine Klasse für sich war die Fähigkeit, Klanggemälde mit allen Feinst-Informationen im dichten Klangteppich hörbar zu machen, und so dem Zuhörer einen tiefen Einblick in die Grobdynamik zu gewähren, und dabei kleine Makroaufnahmen gleichberechtigt ins Geschehen zu stellen. Eine Klanglupe, die dem Betrachter die Welt der Mikroben eröffnet und gleichzeitig die Sterne zum Angreifen vom Himmel holt.

Steigerungsform? Keine Ahnung. Vielleicht eine Master One, oder eben die Null-Serie, die man sich als Normalverdiener definitiv nicht leisten wird können. Eine Steigerungsform könnte sich aber auch derart zeigen, dass diese brachialen Tugenden nicht nur den Top-Modellen vorbehalten sind, sondern auch in leistbaren Lautsprechern für Sie und mich erhältlich sind. Es zeichnet Piega und die Handvoll Köpfe dahinter aus, dass es gelungen ist, eine Art Famillienklang zu entwickeln.

Zeitrichtige Wiedergabe ist als Einzelereignis nicht zu hören. Dazu ist unser Gehör nicht in der Lage. Aber das Gesamtergebnis, die perfekte Kombination aller beteiligten Baugruppen, welche zu einer zeitrichtigen Wiedergabe führen, hört man auf den ersten Ton, und hat per se nichts mit dem Preis zu tun, sondern mit der Philosophie, einen preiswerten Lautsprecher mit der gleichen Akribie zu bauen wie ein Modell am anderen Ende der Preisliste.

Kompliment an Kurt Scheuch und seine fleißigen akribischen Köpfe in der Produktion und in der Chassis-Fertigung für die feinen Produkte. Abschließend nochmals vielen Dank an Jodok Kaufmann von Novis Electronics GmbH für die gelungene Organisation dieser Veranstaltung.

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