1. sempre-audio.at Members Club Abend Vinyl-Tuning

Anlässlich des Record Store Day am 20.April feierte der sempre-audio.at Club am Vorabend gebührend die Schallplatte und dessen erfolgreiches und hartnäckiges Bestehen. In kleiner Runde wurde ausgiebig getestet: wie klingen verschiedene Auflagematten, welche Einflüsse haben unterschiedliche Phono-Vorverstärker. Und was kann man aus einem Schallplatten-Spieler der Einstiegs-Klasse herauskitzeln. Ein gänzlich unwissenschaftlicher Vergleich, der Erstaunliches zu Tage förderte.

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
20.04.2013

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Anlässlich des Record Store Day am 20. April 2013 bot es sich an, am Vorabend, dem Freitag 19. April das Thema Schallplatte im Rahmen des sempre-audio.at Members Club gebührend zu feiern. sempre-audio.at, vertreten durch den Chefredakteur Michael Holzinger in Begleitung seiner Gattin, und Redakteur Jürgen Weber-Rom, und unser Gastgeber Herr H. Huber aus einem kleinen idyllischen niederösterreichischen Ort im Süden Wiens luden hierzu eine kleine Gruppe Vinyl-Fans zu einer Hörprobe und diversen Vergleichen rund um den Pro-Ject Audio Systems Debut Carbon, einigen Zubehör-Artikel und unterschiedlichster Phono-Vorverstärker, ebenfalls aus dem Hause Pro-Ject Audio Systems.

Das Veranstaltungsmotto lautete: Klingen externe Phono-Stufen selbst an einem wirklich preislich sehr attraktiv positioniertem Schallplatten-Spieler auch tatsächlich nachvollziehbar besser, wenn sie teurer werden, und wie sieht es mit den klanglichen Eigenschaften der unterschiedlichen Auflagematten aus? Fragen, die sich schon so mancher gestellt hat - nicht zu Unrecht wie wir meinen - denn mache Utensilien kosten respektable Beträge, und das Angebot ist reichlich genug, um den Interessierten zu verunsichern. 



Die Rahmenbedingungen könnten für eine anspruchsvolle Veranstaltung wie diese nicht besser sein. In einem schicken Einfamilienhaus mit einem großzügigen Wohn/Hörraum fanden die Teilnehmer ein einladendes angenehmes Umfeld vor, um gleich zu den Taten zu schreiten. Der Hausherr, ein leidenschaftlicher Musikgenießer, leistete schon gebührende Vorarbeit. So wurde der Plattenspieler auf einer optimalen Wandkonsole aufgebaut. Also wären von dieser Seite aus keine störenden Resonanzen durch den Boden zu erwarten. Bei einem schwimmend verlegten Holzboden ein nicht zu vernachlässigendes Problem. Die umgebenden Geräte, zum einen ein bärenstarker Denon AV-Receiver, zum anderen der bereits bestehende Phono-Vorverstärker und die Pro-Ject Audio Systems Speed Box für eine bequeme Geschwindigkeitsumschaltung standen gut aufgewärmt bereit. Gehört wurde über famose Canton Lautsprecher aus der respektablen € 4.000,- Klasse. Prädestiniert für anspruchsvolle Hörtests und Vergleiche. Die Lautsprecher waren akribisch in einem klassischen Stereodreieck diagonal im Raum positioniert. Der Hörabstand war für die Raumgröße und die Größe des Lautsprechers mit ca. 3,5 bis 3,8 Meter praxisgerecht und vermittelte ein schönes, breites und sehr genaues Klangbild. Der zugeschaltete Subwoofer noch den famosen Tiefgang und das nur schwer erklärbare Gänsehautgefühl. 



Recht schnell ging es richtig zur Sache. Redaktionsseitig wurde, wie bereist erwähnt, ein Pro-Ject Audio Systems Debut Carbon Plattenspieler aus der Einsteigerklasse zum bereits vorhandenen Pro-Ject Audio Systems Xpression Classic zur Verfügung gestellt. Auf der Seite der Phono-Vorverstärkung standen uns zunächst das Einstiegsmodell Pro-Ject Audio Systems Phono Box S aus der Budget Line, die brandneue Pro-Ject Audio Systems Phono Box DS, und eine vollsymmetrische Pro-Ject Audio Systems Phono Box RS aus der Referenz Serie desselben Herstellers zur Verfügung. 



Der erste Aufbau fand mit dem Debut und der Phono Box S als Preiseinstieg statt. Alle Teilnehmer wollten natürlich erfahren, wie sich der Preiseinstieg anhört - wie weit man mit nicht mal € 500,- „Analog-Komplettpaket“ klanglich aufsteigen konnte. Nun, wer hier nur billig vermutet, wurde eines Besseren belehrt. Knackig, sehr differenziert und klangfarbenstark spielte ein Dave Brubeck sein legendäres ORF Panoptikum Intro, sprich „Unsquare Dance“. Alsbald wechselte die Auflage auf dem Plattenteller. Manchem war der Klang des blanken Acryl-Tellers zu analytisch und grobdynamisch. Die Korkmatte brachte hier etwas mehr Substanz und Volumen. Wobei hier den analytischen Hörern wieder etwas Biss im Spiel des begnadeten Jazzers fehlte. Die Filzmatte wurde von allen Zuhörern als zu dämpfend empfunden und fand schnell den Weg zurück in die Verpackung. Das Rennen machte der Acrylteller ohne Auflage, da er doch mehr Informationen in der Wiedergabe förderte, während die Korkmatte als Universalmittel für langzeitstabiles Genusshören gelten darf. Nahezu Unisono stand die Erkenntnis im Raum, das ein kleines Pro-Ject Analog Paket für den Einsteiger auch über den Preis hinaus viel Spaß vermittelt, man mit ein paar kleinen Ausgaben seinen eigenen Sound finden kann, und lange Zeit nicht mehr benötigt wird. Eine weitere Platte der Formation Procol Harum bestätigte die gewonnenen Erkenntnisse und verleitete alle Anwesenden zu ausgiebigem Fußwippen. Nicht nur für Procol Fans sei das Album „Life at Edmonton“ in der Vinyl Ausgabe ans Herz gelegt. Idealerweise die Originalfassung aus dem Jahr 1971, sofern man das Glück hat, diese noch ergattern zu können...

Die zweite Runde wurde nach einer kurzen leiblichen Kräftigung an einer umfangreichen Lieferung einer gebratenen Schweinehälfte eingeläutet. Nach diesen unfassbar phantastischen Rippchen und anschließender gewissenhafter Reinigung der Hände wurde die Pro-Ject Audio Systems Phono Box DS aufgestellt und mit dem Plattenspieler und Verstärker verbunden. Die Phono Box DS rangiert über der Budget Line und ersetzt das Vorgängermodell Pro-Ject Audio Systems Phono Box SE, welche sich seit geraumer Zeit in meinem persönlichen Besitz befindet und welche mit einem schmucken Holz-Case aus fein lackiertem Olivenfurnier zu meinem Plattenspieler passt. Die Phono Box DS lag in meinem persönlichen Fokus, da ich der neuen Funktionalität, nämlich der Auswahl der Anschlusswerte über Taster auf der Frontplatte, sehr zugetan bin. Ein hilfreiches Feature für redaktionelle Testaufbauten. So kann man ohne große Umstände Einstellwerte verändern, ohne hinter das Gehäuse greifen zu müssen um die kleinen kanalgetrennten Jumper umstecken zu müssen. Die DS Gehäuse sind grundsätzlich doppelt so hoch gebaut wie die kleinen „S“ Modelle aus der Budget Line. Zudem kann man die bereits erwähnten schönen Holzgehäuse in verschiedenen Varianten ordern. 



Die Pro-Ject Audio Systems Phono Box DS zeigte sehr schnell, dass der höhere Kaufpreis deutlich in ein entsprechendes mehr an Klangfülle mündete. Speziell die Bühnenabbildung und die Bassfähigkeiten legten deutlich zu. Es klang selbstverständlicher und vollständiger. Die Testteilnehmer fieberten dem in der ersten Runde durchgeführten Vergleich der Tellerauflagen entgegen. Ob hier die Unterschiede ebenso deutlicher zu Tage treten würden. Unser legendäre Jazzer Dave Brubeck fand wieder den Weg auf den Plattenteller. Auch hier wieder der Beginn mit der Acryl-Platte ohne weitere Auflage. Ähnlich wie zu Beginn war der nackte Acryl-Teller das Tor in eine sehr detailreiche Welt. Schonungslos wurden der Biss und die beeindruckende Dynamik der Formation rund um Dave Brubeck mit dem Titel „Unsquared Dance“ dargestellt. Die größere Phono-Vorstufe zeigte in rechten Maßstab die Unterschiede der verschiedenen Matten auf. Die Kork-Auflage präsentierte eine dezente Verschiebung in Richtung warm und sonor, ohne allzu sehr Details zu verschlucken. Ein Eindruck, der leider entstehen könnte, wenn man sich nicht ausreichend Zeit für den Vergleich nimmt. Der erste Eindruck täuscht tatsächlich etwas, denn es geht kein Detail verloren. Das Klangbild ist den vielleicht bei einigen Teilnehmern als etwas nervös empfundenen „Unterton“ los. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase stellt sich die erwartete Opulenz in Klangfarben und Detailreichtum schnell ein. Die Filz-Auflage ist nicht per se die schlechtere Wahl, wurde aber doch auch in dieser Runde als abgeschlagen empfunden. Die Dämpfungs-Eigenschaften sind dann doch etwas zu viel für den Acryl-Teller. Ein Alu-Teller, der die Erkenntnisse abrunden hätte können, war in der Kürze leider nicht zu beschaffen. 



Die Krönung des Abends war natürlich die Referenz-Vorstufe aus der neuen Pro-Ject Audio Systems RS Serie, die vom Hersteller - wie berichtet - demnächst komplettiert wird.

Es ist schlicht ein Erlebnis das kleine „große“ Gerät aus dem Karton zu nehmen und ehrfürchtig in der Hand zu halten. Die Alu-Platten sind schlicht perfekt in der Verarbeitungsgüte, die Spaltmaße derart eng toleriert, dass manche andere Metall-verarbeitende Branche neidisch in „unsere“ Richtung schielen müsste. Die Pro-Ject Audio Systems Phono Box RS ist strikt symmetrisch aufgebaut und ermöglicht innerhalb der eigenen Geräte-Serie eine durchgängige symmetrische Signalverarbeitung vom Tonabnehmer bis zum Lautsprecher. Bei weitem nicht üblich in der restlichen HiFi-Landschaft, und erst recht nicht in dieser Preisklasse. Kurzum – der Karton wurde geöffnet und eine begeisterte Schar Musikliebhaber versammelte sich schlagartig um die recht unscheinbare Verpackung. 



Klanglich eröffneten sich neue Dimensionen. Das räumliche Klangbild erwies sich als Erz-stabil und warb mit nur schwer vermittelbarer Ruhe und Selbstverständlichkeit um die Gunst des Zuhörers. Ein direkter Bezug zu den vorher gehörten Komponenten ließ sich nur unzureichend herstellen, da die Referenz Phono-Vorstufe scheinbar weit außerhalb einer Vergleichbarkeit zu rangieren schien. Die Unterschiede zu den verschiedenen Auflagen schien bemerkenswerter Weise wieder etwas zu verschleifen. Der erste Eindruck täuschte allerdings auch diesmal, denn die große RS Phono-Vorstufe ermöglicht das Ausreizen der vorhandenen Reserven und zeigte ein wesentlich genaueres Bild und die offenbar doch engeren tatsächlichen Unterschiede auf einem nicht mehr preiskonformen höheren Niveau. Über die Preisklassen hinaus scheint die große Referenz-Vorstufe so manchen internationalen „Kollegen“ kräftig das Wasser abgraben zu können. Die einfache Bedienung und Einstellung, samt variablem per Widerstands-Regelwerk einstellbarem Abschlusswiderstand, sowie die außergewöhnliche liebevolle Verarbeitung tun ein Übriges. Wohlgemerkt, der hier eingesetzte Schallplatten-Spieler Pro-Ject Audio Systems Debut Carbon konnte natürlich nicht alle Feinheiten der Pro-Ject Audio Systems Phono Box RS ausspielen, also wurde rasch zum Pro-Ject Audio Systems Xpression Classic gewechselt, und auch darüber wäre noch viel, viel Spielraum vorhanden, um an die tatsächlichen Grenzen dieser Phono-Vorstufe zu stoßen...


Abschließend stand weitgehend einheitlich die Meinung fest, dass schon zum günstigen Preis der Budget Line eine Vinyl-Kette deutlich mehr Spielwitz und Finesse ins Wohnzimmer zaubern kann, als so manche respektable „Digitalanlage“ es vermag. Ohne direkten Vergleich zu teureren Systemen, so der Eindruck nach der ersten Runde, wird schlicht rein gar nichts vermisst. Der Vergleich mit den nachfolgenden Produktlinien zeigte deutlich, dass sich eine Mehrausgabe dennoch lohnt, und man sich so nach und nach eine Qualitätsstufe nach der anderen hocharbeiten kann. Das Thema Vinyl ist also, neben der Tatsache, dass es einfach viel Spaß macht, noch immer ein ernstzunehmendes Medium, selbst in hochdigitalen Zeiten wie heute, und das insbesondere auch für Anfänger.

Der Plattenspieler ist ein feinmechanisches Kunstwerk, auch in den einfachen Einsteiger-Preisklassen. An einer fundierten klugen Aufstellung führt hier kein Weg vorbei, sonst ist es ein nicht konkurrenzfähiges Medium. Eine einheitliche Vorgehensweise gibt es an dieser Stelle nicht, aber die Grundregel, dass die Komponenten nicht auf einer resonanzanfälligen Unterlage aufgestellt werden dürfen. Die Tonabnehmer-Nadel vollführt nur minimalste Auslenkungen in der Rille, und übertragene Resonanzen aus dem Boden oder der Stellfläche selbst, können schnell gleichwertige Amplituden-Ausschläge verursachen. Die Konsequenz seinen Plattenspieler auf eine stabile Wandkonsole an einer soliden Ziegelwand zu montieren, ist bei unserem Gastgeber an diesem Abend wohl gewählt, und ermöglichte erst die hochwertigen Testergebnisse, die im Rahmen dieser Veranstaltung gewonnen wurden. 



Die Wahl der richtigen Auflagematte ist ein weiteres entscheidendes Kriterium. Zu den unterschiedlichen Materialien, aus denen ein Plattenteller gefertigt wird, sollte man sich etwas Zeit nehmen und eine passende Auflagematte aussuchen. Auch wenn es hier kein grundlegendes „Falsch oder Schlecht“ gibt, so beeinflusst eine Matte hörbar das Klangbild, wie sich zeigte, selbst auf günstigen Modellen. Hier bietet sich eine weitläufige Spielwiese zum Feintuning an, die defakto „nichts“ kostet. Eine stark dämpfende Auflage kann für den einen oder anderen Hörgeschmack ein Zuviel des Guten sein, und den Klang ins Detailarme und Dumpfe driften lassen. Das Gegenteil ist natürlich das Abspielen ohne Matte. Hier muss sich der direkte unbedämpfte Kraftschluss zum Plattenteller nicht zwangsläufig zum rechten Maß an Analytik führen. Richtig ist somit einzig und allein was gefällt. 



Abschließend nochmals vielen Dank an den Gastgeber Heinz und die Teilnehmer Peter, sowie Andreas. Fest steht bereits, dass dieser Abend nicht der letzte dieser Art war, sondern vielmehr nur der Startschuss zu vielen weiteren. Etwa am Abend des 16. Mai, soweit der vorläufige Plan.  Es gibt noch soviel auszuprobieren... Mehr dazu finden Sie in unserem Forum.

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