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Accustic Arts Uncompressed World Vol. V - Audiophile Saxophone

Das schwäbische Unternehmen Accustic Arts baut bekanntlich High-end reinsten Wassers. Ob ausladende Verstärker-Aufbauten oder feinste digitale Quellen, es sitzt und passt, versprüht einen besonderen Charme, und bleibt dabei auf der neutralen audiophilen Seite. Die State-of-the-Art Musikproduktionen reihen sich hier perfekt ein. „Uncompressed World“ ist Programm und Namensgeber dieser Serie, natürlich auch für das fünfte Album.

Kurz gesagt...

Bereits vier Alben sind unter dem Label „Uncompressed World“ erschienen. Nun debütiert Volume 5 und verschreibt sich dabei einem der jüngsten Musikinstrumente, dem Saxophon. Ein musikalisches Lehrbuch, welche die verschiedenen Formen und Typen des Saxophons darreichen möchte.

Wir meinen...

„Uncompressed World“ sollten Sie beim Wort nehmen. Auch ein Saxophon vermag es, den Zuhörer vor sich herzutreiben. Die bisweilen schonungslose Antrittsstärke mit der diese High-end Aufnahme nachhaltig um Aufmerksam bittet, ist eine Sonderklasse. Vermutlich der Grund für die Warnung „playback carefully“, zu lesen auf dem Cover der „Audiophile Saxophone – Uncompressed World“…

Von Jürgen Weber-Rom
04.05.2015

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Accustic Arts, eine Marke der Gebrüder Schunk der süddeutschen Manufaktur Schunk Audio Engineering (SAE) hat sich seit geraumer Zeit einen Spitzenplatz unter den Entwicklern allerfeinster High-end HiFi-Lösungen erarbeitet, und genießt nicht nur hierzulande, sondern vom asiatischen Markt bis über den großen Teich auf der anderen Seite der Welt, einen ausgezeichneten Ruf. Die Tugenden hierbei lauten allen voran bestes Ingenieurs-Wesen, was in bestklingende High-end Produkte aus den Bereichen Verstärker und sowie Quellkomponenten mündet, und durchaus als geradezu typisch für das Qualitätsmerkmal „Made in Germany“ stehen darf.

Vielleicht etwas weniger bekannt sind die Musikproduktionen des Unternehmens, welche in den besten Tonstudios der Welt, unter anderem auch den Bauer Studios in Ludwigsburg, aufgenommen wurden. Produziert wird die Uncompressed World Serie im hauseignen Recording- und Musikproduktionsbereich Evolve Studios unter dem audiophilen Musiklabel Accustic Arts Audiophile Recordings.

Wie sehr die Gebrüder Schunk dem Kunden und Musikliebhaber nahe sind, beweist die Tatsache, dass die eigenen Musikproduktionen auf zahlreiche Anregungen der weltweiten Kunden des Unternehmens zurück gehen. Neben Steffen Schunk, einer der beiden Accustic Arts Inhaber, beteiligen sich auch Milan Sajé als Tonmeister, und Rasmus Muttscheller als Artist and Repertoire (A&R) Fachmann an diesem überaus ehrgeizigen Projekt. Alle Beteiligten sind seit Jahrzehnten im Musikgeschäft tätig und zeichnen gemeinsam für die Titelauswahl verantwortlich.

Dass neben der höchstwertigen Produktionstechnik letztlich allen voran die Musik selbst im Mittelpunkt steht, ist gerade im Umfeld audiophiler Produktionen nicht immer als Selbstverständlichkeit anzusehen, leider! Hier aber ist dem so, und zwar aus Prinzip. Dies beweist etwa schon das umfangreiche und edel aufgemachte Booklet, in dem überaus detailliert die Musiker, ihr Schaffen, und die Besonderheiten der einzelnen Tracks beschrieben werden, sowie das Motto, unter dem die jeweilige Kollektion steht.

Bei der neuesten Auflage der Accustic Arts „Uncompressed World“, immerhin bereits die fünfte, werden auf insgesamt 14 Titeln unterschiedliche Ausprägungen und Bauformen eines der jüngsten Instrumente der klassischen Blasinstrumente behandelt und in gewohnt perfekter Art und Weise akustisch in Szene gesetzt. Eine Zeitreise und eine Machtdemonstration eines der beliebtesten Instrumente – dem Saxophon. Es wurde im Jahr 1840 vom Belgier Adolphe Sax erfunden, und etwa sechs Jahr später in Frankreich zum Patent angemeldet. Das Saxophon mutet aber seltsam an, denn es ist kein Blechblasinstrument wie das verwendete Material suggerieren möchte. Die nächsten Verwandten sind nicht die Trompete, Tuba oder Posaune, sondern eigentlich die Klarinette, welche bekanntermaßen als ein Holzblasinstrument gilt. Die Verbindung der Zugehörigkeit erklärt sich mit der Art der Tonerzeugung, welche über das sogenannte Rohrblatt bewerkstelligt wird. Mit dieser entscheidenden Gemeinsamkeit hat es sich dann aber auch. Auch wenn das Saxophon bereits seit 1840 produziert wird, wurde es erst durch die Musikrichtung Jazz richtig bekannt. Und diese entstand in den amerikanischen Südstaaten etwa 60 Jahre später. Weiters sei an dieser Stelle festzuhalten, dass es mehr als zehn verschiedene Bauformen des Saxophons gibt. Die bekanntesten sind wohl das Bass-Saxophon, das Tenor- und Alt-Saxophon, ja bis hin zum Sopranino-Saxophon. Der Klang jedes einzelnen Typen ist dabei so vielfältig wie auch unverwechselbar. Das Besondere vermag dabei auch die Tatsache sein, dass auch der Musiker die Klangvielfalt dieses Instruments sehr stark variieren und somit dem Klang eine sehr individuelle Note verleihen kann.

Accustic Arts Audiophile Recordings präsentiert mit den 14 Tracks eine große Bandbreite des vielschichtigen Instruments, dessen Beschreibung durchaus mehrere Bücher füllen vermag. Wir haben uns drei feine Titel aus diesem Album herausgesucht.

Titel Zwei „Sie sSieht mich nicht“ wurde 2004 in den Bauer Studios in Ludwigsburg, Deutschland, eingespielt. Das Cologne Saxophone Quintet wurde im Studio kreisförmig mit sehr geringer akustischer Trennung zwischen den Musikern positioniert und sorgt so für ein sehr harmonisches, ganzheitliches Klangbild. Das sonore Bariton-Saxophone, gespielt von Alexander Reffgen, das quirlig anmutende Sopranino-Sax von Christian Torkewitz gespielt, sowie die beiden Klarinetten von André Cimiotti und Gerit von Stockhausen gespielt, gehen in diesem Werk eine beinahe symbiotische Einheit ein. Die volltönende, lieblich harzige Bass-Klarinette von Francois de Ribaupierre aus der Selmer T-Serie vermag hier ein klangliches Highlight zu setzen und kokettiert mit den beiden Saxophonen.

„Eternity“ steht für Titel 10 und wurde im „direct recording“ Aufnahmeverfahren erstellt. Die Musiker Jörg Reiter am 1958er Steinway Grand Piano und Klaus Graf am Saxophon produzierten diesen außergewöhnlich geschlossenen und authentischen Titel in Jörg Reiters Privat-Studio. Hierbei wird das Musikstück ohne Nachbearbeitung und getrennten Einzelaufnahmen in einem Stück durchgespielt und aufs Medium gebannt. Die Aufnahme vermag bis tief in die feinsten Mikrostrukturen das musikalische Geschehen aufzudröseln. Sei es feinste Klappengeräusche, oder hauchzartes Ausschwingen im Klavier. Die Durchhörbarkeit der Aufnahme folgt dem hohen Qualitätsstandard der gesamten Produktion, erdrückt aber trotzdem nicht das geniale Zusammenspiel der beiden grandiosen Musiker.

„Far and near“ vermag hier im Wortsinne nah am Album-Inhalt sein, und ist dabei doch gleichsam entfernt. Es ist das einzige Stück auf diesem Album, welches mit einem geradezu fulminanten Bassfundament aufwarten kann. Nicht, dass es bei den verbleibenden 13 Tracks fehlt, aber hier geht es nochmals deutlich tiefer zur Sache, und es tut richtig gut, wie hier die Speaker auch in diesem Frequenzspektrum richtig gefordert werden. Klaus Graf brilliert am Saxophone und wird perfekt begleitet von Olaf Polziehn am Steinway. Das Musikstück stellt dabei eine Hommage an die Eltern Klaus Grafs dar, welche im Jahr 2003 die irdische Welt verließen. Eine tief empfundene Emotionalität lässt „Far and near“ zu einem außergewöhnlichen Stück werden, welches man immer wieder gerne hört.

Diese fünfte Auflage der „Uncompressed World“ von Accustic Arts darf gerne auch als Leistungsschau eines um reinste Klangqualität bemühten Labels verstanden werden. Die „Handwerker“, die für dieses Album verantwortlich zeichnen, stammen nicht nur aus der Musik-Welt, sondern fühlen sich den Herzen der Hi-Fi Fans verbunden. So mag es nicht verwundern, dass auch der technikverliebte Musikliebhaber auf seine Kosten kommt.

Die räumliche Aufteilung der Protagonisten erscheint schlicht perfekt, und zwar bei jedem Track. Die Bühnendarstellung lässt dem Zuhörer die Illusion, dass man vermeintlich um die Musiker herum spazieren könne. Ein beschwingtes Luftstoßen in das Mundstück eines Saxophones vermag durchaus ein Kraftakt für den Musiker sein – das „sieht“ man auf der virtuellen Bühne im Wohnzimmer. Die Tonalität und die exemplarische Klangfarbentreue macht dieses Album vermutlich zu einem der Besten, was der Markt derzeit zu bieten hat. Sagte man nicht bisweilen, dass die grandiosen und klanglich besten Werke, die dies in einer derartigen Direktheit und Klarheit, mit einer derartig unmmittelbaren, unverfälschten Dynamik rund um die 50er und 60er Jahre entstanden? Nun, dem wollen wir nicht gänzlich widersprechen, aber mit der universellen Allgemeingültigkeit scheint es vorbei zu sein.

„Uncompressed World“ sollten Sie beim Wort nehmen. Auch ein Saxophon vermag es, den Zuhörer vor sich herzutreiben. Die bisweilen schonungslose Antrittsstärke mit der diese High-end Aufnahme nachhaltig um Aufmerksam bittet, ist eine Sonderklasse. Vermutlich der Grund für die Warnung „playback carefully“, zu lesen auf dem Cover der „Audiophile Saxophone – Uncompressed World“…

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Facts

Album

Accustic Arts Uncompressed World Vol. V - Audiophile Saxophone

Künstler

Diverse

Komponist

Diverse

Genre

Jahr

2015

Format

Audio CD