Allan Taylor - Down the years I travelled...

Seit Jahr und Tag begeistert der englische Singer/ Songwriter Allan Taylor mit seinen Werken, die zumeist direkt aus dem Leben des Künstlers entspringen. Insofern ist auch das neueste Doppel-Album sehr von persönlichen Eindrücken und Begebenheiten geprägt und trägt nicht von ungefähr den Titel „Down the years I travelled“.

Von Michael Holzinger (mh)
25.10.2012

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Es sind vor allem die Einblicke in sein Leben, die der englische Singer/ Songwriter Allan Taylor immer wieder aufs Neue dem Zuhörer durch seine Lieder gewährt, die maßgeblich zu dessen, nunmehr über Jahrzehnte andauerndem Erfolg beitragen. Die kleinen Geschichten, die das Leben selbst schreibt, und die der 1945 im englischen Brighton geborene Künstler in unvergleichlich intimer Art und Weise zu kleinen Kunstwerken verpackt, und mit einer unverwechselbar charmanten Art und Weise vorträgt, als würde er diese einem Freund bei einem gemütlichen Glas Bier in der Bar am Eck erzählen.

Einen überaus spannenden, sehr vielseitigen Rückblick in das Schaffen der Jahre von 1984 bis 1995 gewährt dieses nunmehr vorliegende Doppel-Album, das somit einen mehr als breit gefächerter Querschnitt der in diese Zeit entstandenen Alben von Allan Taylor darstellt.

Allan gibt zu Protokoll, dass dies für ihn wohl eine seiner kreativsten Schaffensperioden war, in der er nicht nur diverse Projekte für die englische BBC realisierte, sondern vor allem immens viele Touren mit Auftritten in Clubs und auf diversen Festivals absolvierte. Dementsprechend gab es in dieser Zeit natürlich reichlich Erlebnisse und Geschichten, die in Songs verpackt, und auf Tonträger verewigt wurden. Bereits damals genoss Allan Taylor, nach seinen Worten, das große Privileg, den gesamten Schaffensprozess selbst in der Hand zu haben. Der kommerzielle Erfolg, so versichert der Künstler glaubhaft, stand dabei niemals im Vordergrund, vielmehr ging es ihm allein darum möglichst perfekte Aufnahmen zu realisieren. Und nach wie vor ist Allen überaus zufrieden mit der seinerzeit erzielten Qualität, und wer die aktuellen Alben des englischen Künstlers kennt, der weiss, dass Allan nicht weniger als ein Perfektionist ist. Nicht umsonst zählen aktuelle Aufnahmen, die seit geraumer Zeit beim deutschen Label Stockfisch Records entstehen, zu den Standard-Werken in audiophilen Kreisen, die mitunter fast zu oft als Messlatte für HiFi-Systeme der absoluten Referenz-Klasse herhalten müssen, denn dabei bleibt vielfach schlicht die Musik auf der Strecke.

Prinzipiell gäbe es also keinen wirklichen Grund, die „alten“ Meisterwerke in neuer Form zu präsentieren, aber wie bereits erwähnt, Allan Taylor ist Perfektionist, und so war es Zeit, ausgewählte Schätze in neuem Glanz zu präsentieren. Zumal dies, wie bereits ebenfalls angeführt, die beste Gelegenheit ist, eine kleine Retrospektive einer für Allan Taylor sehr wichtigen Schaffensperiode zu schaffen.

Die technische Qualität der Aufnahmen aus dieser Zeit sei durchaus als superb zu bezeichnen, so Allan Taylor, aber es haben sich eben ein paar Dinge geändert. Etwa die Art und Weise, wie Aufgenommen wurde, oder der Einsatz und die Art von Effekten wie etwa Hall. Dementsprechend betraute er bestens beleumundete Profis mit der Aufgabe des Remastering, und zwar jene Herrschaften, die auch für seine aktuellen Alben verantwortlich zeichnen, das Team des deutschen Labels Stockfisch Records. Allan wählte aus den zahlreichen Alben dieser Zeit jene Lieder aus, die dem feinsinnigen Poeten nach wie vor persönlich am wichtigsten erschienen, und charakteristisch für die jeweilige Phase seines Lebens sind. Günter Pauler, Hans-Jörg Maucksch und Inés Breuer von Stockfisch Records nahmen sich dieser Stücke mit der gewohnten Professionalität und Akribie an. Und das Ergebnis ist wahrlich hörenswert.

Auf zwei CDs finden sich aber nicht nur Eigenkompositionen, auch die ein oder andere Cover-Version ist darauf zu finden, die sich in der speziellen Interpretation von Allan Taylor aber perfekt ins Gesamtbild einfügen und einen wunderbaren Spannungsbogen über die zwei Alben aufbauen. Allein ein Stück sticht dabei heraus, und zwar das namensgebende erste Lied, das Allan Taylor gemeinsam mit Lutz Möller am Klavier komplett neu einspielte. Und der Titel für diesen Rückblick könnte nicht besser gewählt sein - „Down the years I travelled...“

Begleitet wird das Doppelalbum von einem umfangreichen Buch, anders kann man das fast 60 Seiten starke Booklet mit Songtexten, einer ausführlichen Erläuterung von Allan Taylor samt jeweils passenden Fotos nicht bezeichnen. Es wäre perfekt dazu geeignet, parallel zu den Liedern gelesen zu werden, aber das wird wohl nicht klappen. Zu mitreissend sind die Songs aus Allan Taylors „Wanderjahren“, zu sehr ziehen sie den Zuhörer in den Bann, sodass man diese einfach nur genießen sollte. Kurzum, eine Retrospektive, die selbst dann lohnt, wenn man bereits das ein oder andere Album des Künstlers aus dieser Periode sein Eigen nennt.

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