Allan Taylor "Leaving at dawn"

Begibt man sich auf eine Reise, so gehört die Gewissheit dazu, dass alle Etappen der Wanderschaft nur Stationen sind, an denen man kurz verweilt, um dann weiter zu ziehen, wenn die Zeit dafür gekommen ist, Neues zu entdecken.

Von Michael Holzinger (mh)
05.03.2009

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„I‘ll be leaving at dawn. When the light hits the sea. When you‘ve taken the sleep from your innocent eyes. Don‘t come looking for me.“ Wie ein Seemann, der nach langer Reise zuhause angekommen, seinen Seesack voll von Mitbringsel leert, die seiner Familie und Freunden von fernen Ländern erzählen, so sollen die Lieder auf dem neuen Album von seiner Reise berichten, schreibt Allan Taylor als Einleitung zu seiner neuen CD. Die Lieder auf „Leaving at dawn“ sollen Geschichten erzählen, über Orte, Ereignisse, Menschen und Gefühle, und den Zuhörer auf seiner eigenen Reise begleiten.

Allan Taylor, geboren 1945 im englischen Brighton, gilt seit Jahren als einer der wichtigsten Vertreter der britischen Singer/Songwriter-Szene, und erarbeitete sich auch international in seiner über 40jährigen Karriere einen exzellenten Ruf als feinsinniger Poet, der in seinen Liedern, vorgetragen mit warmer, sonorer Stimme, und begleitet von seinem eindrucksvollen Gitarrenspiel und einiger weniger weiterer Instrumente, die Lebenswelten der unscheinbaren Helden des Alltags festhält.

Das Album „Leaving at dawn“ ist wie bereits erwähnt eine Art Reisebericht über Stationen aus Taylors Leben, über Menschen, die er traf, und durchlebte Emotionen. Eine Reise, die für Allan Taylor, der mit bereits 17 Jahren seinen ersten Auftritt im Stanfort Arms Folk Club hatte, mit einer Reise durch Schweden begann, wo er als Strassenmusiker auftrat. New York, Amsterdam und Brighton Beach waren weitere wichtige Stationen auf Taylors Reise, von denen er auf „Leaving at dawn“ erzählt.

Das Album umfasst 12 sehr bewegende und ergreifende Lieder, die einen tiefen Einblick in die Erfahrungen und Gefühlswelt des Poeten erlauben. Der intime Rahmen dieses Albums wird durch die schlichten Arrangements gewahrt, die die Lieder des Albums in voller Kraft erstrahlen lassen. Im Mittelpunkt steht so allein Taylors wunderbar ergreifende Stimme, deren Ausdruck und Wahrhaftigkeit allein für Authentizität des Vortrags bürgt.

Bis auf zwei Lieder stammen alle Werke dieses Albums von Allan Taylor. „It could have been“ entstand gemeinsam mit Ulli Bögershausen, und bei dem letzten Titel des Albums „Red on green“ stammt das Original von Massimo Bubola. Dieses von Allan Taylor ins Englische übersetzte Stück hat eine besonders ergreifende Vorgeschichte. Der Originaltext stammt von Ottorino Bubola, dem Onkel von Massimo. Es handelt sich dabei um einen Liebesbrief, der bei ihm gefunden wurde, als er im 1. Weltkrieg umkam. Ein Stück, das auf Grund seines zutiefst ergreifenden Textes und der einfühlsamen Interpretation von Allan Taylor dieses Album perfekt abschließt.

Die Quintessenz des Albums allerdings stellt das Stück „The almost man“ dar, ein Lied, das Allan Taylor für seinen Vater schrieb, und die Erkenntnis widerspiegelt, die Taylor aus seinem bisherigen überaus bewegten Leben gewonnen hat. Als typischer Vertreter der 68iger Generation stand für ihn die Rebellion gegen Bestehendes im Mittelpunkt seines Lebens. Erst am Sterbebett seines Vaters erkannte Taylor, dass es die Generation seiner Eltern war, die die Grundlage für all die Freiheiten und Möglichkeiten schuf, die er in vollen Zügen genoß. Und zwar auf Kosten ihrer eigenen Wünsche und Vorstellungen. Die überaus bewegende Lehre, die Allan Taylor aus dieser Erkenntnis zog, können Sie im Booklet der CD nachlesen. Dort findet sich auch der Satz, der alle Lieder des Albums eint: „Don‘t wait to fulfil your dreams, because life passes so quickly.“

Wie bereits erwähnt, steht auch bei diesem Album vor allem Allan Taylors Stimme im Mittelpunkt. Begleitet wird sein Gesang und Gitarrenspiel von einer kleinen Schar Musiker. Ein wenig Percussion, dezente Gitarrenbegleitung, Akkordeon, Banjo oder zweite Gesangstimme, sowie einzelne von Solo-Instrumenten, wie einer Violine oder Mundharmonika, gesetzte Kontrastpunkte bilden die ruhigen und eindringlichen Arrangements des Albums.

Aufgenommen wurde das Album in den Studios von Pauler Acoustics unter der Leitung von Günter Pauler. Den Surround-Mix und das Mastering übernahm Hans-Jörg Maucksch. Das Ergebnis kommt auf dieser Hybrid-SACD mit 5.1 Surroundabmischung und einer DSD-Stereo-Spur perfekt zur Geltung. Natürlich kann diese CD auch auf einem normalen CD-Player bereits überzeugen.

Auch wenn jedes Lied des Albums bereits für sich allein beeindruckt, erst die Summe ergibt ein wie aus tausenden Puzzleteilen zusammengesetztes, wunderbares Bild. Auf „Leaving at dawn“ offenbart ein wahrer Poet seine Lebenserfahrung in ergreifender, wunderbarer Weise, ohne dabei belehrend wirken zu wollen. Taylor tut einmal mehr das, was er am besten kann: er erzählt Geschichten in bravouröser Manier, nicht mehr und nicht weniger. “Sit back and enjoy the journey.”

Michael Holzinger

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