Apple - Es hat sich aus (ge)Ping(t)

Schon zum Start war unklar, was Apple mit Ping bezweckt und vor allem, wer dies nutzen solle. Nun muss offensichtlich auch Apple einsehen, dass Ping als weiteres so genanntes soziales Netzwerk keine Zukunft hat, und zieht die Notbremse. Spätestens im Herbst soll Ping nicht mehr in Apple iTunes verfügbar sein.

Von Michael Holzinger (mh)
14.06.2012

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Im September 2010 führte Apple den Dienst Ping ein. Ziel war es, ein weiteres soziales Netzwerk zu etablieren, bei dem sich alles um Musik drehen sollte. Das Konzept sah vor, dass Anwender hier ihre musikalischen Vorlieben offen deklarieren konnten, Musikern und Bands folgen und somit über deren Schaffen bestens informiert sein können, und all dies mit weiteren „Freunden“ teilen und sich darüber austauschen. Prinzipiell ja eine durchaus sympathische Idee, vor allem für musikbegeisterte Menschen. Allerdings hatte und hat die Sache einige Schönheitsfehler.

Schon zum Start waren die Reaktionen auf das neue Social Network im besten Fall verhalten, zumeist aber überaus kritisch, denn zu offensichtlich waren die Schwachstellen, aber vor allem die wahren Ziele Apples hinter diesem Projekt ersichtlich.

So war von Anbeginn an klar, das es sich bei Ping sicher nicht um ein herkömmliches Social Network handeln soll, sondern lediglich um ein als solches verpacktes Marketing-Instrument von Apple. Denn alles war und ist allein auf dem Apple iTunes Store ausgelegt, der für Ping die zentrale Schnittstelle darstellt. Wer dieses Angebot also nutzen wollte, der musste Kunde im Apple iTunes Store sein. Auch das ist ja noch irgendwie legitim, aber was bringt‘s, wenn man sich dann nur mit anderen „Freunden“, also in Wahrheit mit anderen Kunden, allein über das jeweilige Kaufverhalten austauschen kann? Und mehr gab‘s da nicht...

Ebenso fehlte eine Option, sich mit anderen etablierten Social Networks auszutauschen, also etwa Freunde direkt aus Facebook „anzusprechen“ und einzubinden. Klar, Apples Ziel war es ja auch, möglichst viele Nutzer an den iTunes Store zu binden, wen interessiert da der Rest? Einzig eine Anbindung an den Kurznachrichten-Dienst Twitter wurde relativ rasch implementiert, aber dann tauchten im Newsfeed eben nur die Aktionen aus Ping auf, etwa die eigenen Einkäufe, also wieder nichts anderes als kostenlos von den Anwendern für Apple betriebenes Marketing.

Der ein oder andere verirrte sich zunächst dennoch in das neue Projekt Apples, die meisten davon verloren aber recht rasch das Interesse, denn eigentlich gab‘s bei Ping nichts, was sich nicht anders flexibler und vielseitiger kommunizieren ließe. Heute gleicht Ping wie so manch anderes gescheiterte Social Network einer virtuellen Geisterstadt, sodass Apple nunmehr offensichtlich selbst eingestehen muss, hier kläglich gescheitert zu sein.

Zumindest wollen dies Insider erfahren haben, die nunmehr davon ausgehen, dass Apple Ping mit dem nächsten größeren Update von Apples Medienverwaltungs-Software Apple iTunes im Herbst 2012 sanft entschlafen lasse und einfach nicht mehr anbiete.

Spätestens mit der nunmehr von Apple angekündigten weitgehenden Integration des Social Networks Facebook in die kommende Version des Betriebssystems für mobile Devices Apple iOS 6, das für Herbst 2012 angekündigt wurde, ist klar, dass die ohnedies nicht vielen Funktionen, die Apple Ping bietet, längst durch andere Mittel abgebildet werden. Ein Fakt, der eigentlich auch schon bislang klar war, aber nun auch von Apple eingestanden wird.


Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Apple ja bereits im Zuge der Einführung von Ping durchaus mit Facebook über eine Zusammenarbeit verhandelte, die aber offensichtlich in letzter Minute scheiterte, sodass Ping ohne Facebook-Anbindung startete. Und auch jetzt war im Rahmen der WWDC 2012 in San Francisco von Apple zu hören, dass sich die Verhandlungen mit Facebook über eine sehr umfangreiche Kooperation, wie es etwa die Integration des Dienstes direkt in das Betriebssystem Apple iOS 6 darstellt, über einen sehr langen Zeitraum hinzogen. Allerdings dürfte sowohl für Apple als auch Facebook nunmehr vor allem der gemeinsame „Kampf“ gegen Google im Mittelpunkt stehen, denn der Internet-Gigant „pfuscht“ ja nun beiden Unternehmen gewaltigst ins Handwerk. So ist Apple allen voran Google Android ein Dorn im Auge, und Facebook muss sich langfristig gegenüber Google+ behaupten, selbst wenn dieses Social Network von Google bislang keineswegs auch nur annähernd an die Macht Facebooks heranreicht. Aber in der schnelllebigen IT-Welt ist eben nichts in Stein gemeisselt und die Geschichte zeigt, dass selbst die größten Giganten in einem Marktsegment sehr rasch wieder in die Bedeutungslosigkeit absinken können.

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