Apple iTunes 11 - Nicht alles, aber viel Neues...

Zunächst bereits für Oktober 2012 angekündigt, dann jedoch auf November verschoben, steht nunmehr tatsächlich die neuste Version der Medien-Verwaltungssoftware Apple iTunes für Apple OS X sowie Microsoft Windows in neuer Version zur Verfügung. Apple iTunes 11 zeichnet sich mit einer Vielzahl an Neuerungen aus, allen voran der direkten Verknüpfung mit dem Dienst Apple iCloud und der noch tieferen Verzahnung mit dem Apple iTunes Store.

Von Michael Holzinger (mh)
01.12.2012

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Nach wie vor gilt Apple iTunes als wohl eine der flexibelsten, gleichzeitig auch komfortabelsten Werkzeuge zur Verwaltung von Audio-Daten. Wenn man auf mobile Devices aus dem Hause Apple setzt, so ist es ohnedies nahezu die einzig mögliche Lösung, auch wenn man damit etliche Einschränkungen hinnehmen muss, da dieses Werkzeug natürlich ausschließlich auf von Apple unterstützte Formate beschränkt ist, auf die Interaktion mit Apple Hardware ausgelegt, und direkt mit dem Apple iTunes Store verknüpft ist.

Und daran ändert sich auch mit der neuesten Version rein gar nichts, ganz im Gegenteil. Die nunmehr vorliegende Version Apple iTunes 11 präsentiert sich mit neuer Oberfläche, einer direkten Verknüpfung mit dem Dienst Apple iCloud sowie einer noch tieferen, nahezu nahtlosen Verknüpfung zum Apple iTunes Store.

Erstmals kündigte Apple iTunes 11 im Rahmen eines Events im September 2012 an, und zwar im Zuge der Vorstellung des neuen Apple iPhone 5, dem neuen Apple iPad und Apple iPad mini sowie dem aktuellen Line-up an Apple iPod-Modellen. Damals wurde ein Release im Oktober 2012 in Aussicht gestellt, wobei dieses Versprechen allerdings nicht eingehalten werden konnte. Ende Oktober gab Apple bekannt, dass es zu unvorhergesehen Verzögerung bei der Finalisierung der neuen Version kam. Die zahlreichen versprochenen Neuerungen seien derart umfangreich, dass man sich etwas mehr Zeit erbat, um all dies fertig zu stellen und kündigte eine Veröffentlichung im November 2012 an. Und auch da wurde es vergleichsweise knapp, denn erst nun steht Apple iTunes 11 für Microsoft Windows als auch Apple OS X tatsächlich zum Download bereit.

Auffälligste Neuerung bei Apple iTunes 11 ist natürlich die nahezu komplett überarbeitete Programmoberfläche. So war es das erklärte Ziel der Entwickler, eine klare Übersicht zu schaffen, bei der, so Apple, die Musik und somit die einzelnen Alben im Mittelpunkt stehen sollen. So fehlt zunächst die altbekannte Menü-Leiste, die so genannte Seitenleiste am linken Rand, und allein die Alben werden als Album Cover-Artwork dargestellt. An der Oberseite findet man natürlich nach wie vor die Wiedergabesteuerung, in der Mitte ein Info-Feld in dem etwa der aktuelle Titel angezeigt wird, und rechts davon das bekannte Suchfeld, das aber nun eine deutlich flexiblere Suche erlaubt.

Unter dem Info-Feld kann man die Anzeige nach verschiedensten Kriterien auswählen, und ganz links findet man unter der Wiedergabe-Steuerung ein Drop-Down Menü, um zwischen Musik, Filmen, TV-Sendungen, Hörbüchern und anderen Mediatheken, die über die so genannte Privatfreigabe zugänglich sind, umzuschalten. Diese Auswahl ersetzt also weitestgehend die Seitenleiste.

Mit dieser neuen, sehr reduzierten Ansicht gleicht Apple offensichtlich die Desktop-Version von Apple iTunes jener der Oberfläche von Apple iOS, allen voran natürlich jener für das Apple iPad an.

Neu ist auch, dass ein Klick auf ein Album nunmehr nicht in die bewährte, separate Titel-Ansicht wechselt, sondern stattdessen eine so genannte erweiterte Ansicht nach unten klappt, in der ebenfalls alle Titel des Albums aufgelistet werden. Rechts neben den Titel wird das Cover-Artwork nochmals dargestellt und das Feld ist in der dominierenden Farbe des Covers unterlegt. Dies sieht wirklich überaus schick aus und ist zudem sehr praktisch.

Hier kann man natürlich wie gehabt Titel zu Wiedergabe auswählen, neu ist aber, dass man nunmehr über ein kleines Pfeil-Symbol neben dem Titel eines gesamten Albums oder auch einzelner Tracks ein Menü aufrufen kann, um etwa alle bzw. einen Titel einer Playlist hinzuzufügen, aber ebenso diese für die Wiedergabe als nächster Titel zu definieren.

Es ist somit mit Apple iTunes 11 möglich, noch während ein anderer Titel läuft zu bestimmen, welcher Titel als nächstes erklingen soll. Praktisch! Die auf diese Art erstellte „Warteliste“ ist direkt im Info-Feld oben rechts ersichtlich.

Als weitere Neuerung bietet Apple iTunes 11 einen überarbeiteten Mini-Player, der nunmehr weit mehr kann, also lediglich die Wiedergabe zu steuern. So kann man etwa auch hier auf die bereits erwähnte Liste nächster Titel zugreifen und diese direkt auswählen, ohne dafür in die große Ansicht zurück wechseln zu müssen. Auch die Suchfunktion steht hier zur Verfügung.

Ach ja, bevor wir‘s vergessen, selbstverständlich kann man die altbewährte Oberfläche natürlich auch weiterhin nutzen, also die Seitenleiste einblenden. Die entsprechende Option findet sich in den Darstellungsoptionen in der Menüleiste von Apple iTunes. Dann präsentiert sich die Oberfläche von iTunes auch in der Version 11 nahezu im bekannten Look & Feel. Aber das beliebte Cover des aktuell ausgewählten oder abgespielten Titels an der linken unteren Ecke bleibt auch dann ab Version 11 verschwunden... Ebenso sucht man die ebenfalls bei vielen beliebte "DJ-Funktion", die eine bunt zusammen gestellte Playlist generierte, in Apple iTunes 11 vergeblich.

Besonders erstaunlich ist zudem, dass mit Apple iTunes 11 eine von vielen Anwender überaus geschätzte Darstellung schlichtweg wegfiel, und zwar die Option Cover Flow. Diese mit viel Getöse von Apple vor einigen Versionen eingeführte Darstellung diente dazu, um optisch überaus nett aufbereitet, in der eigenen Mediathek zu stöbern, fast so, als würde man tatsächlich in einem Stapel CDs gustieren. Mit iTunes 11 gibt es diese Darstellung nicht mehr. Warum, das weiss wohl nur Apple selbst.

Eine weitere wesentliche Neuerung von Apple iTunes in der nunmehr aktuellen Version 11 ist die noch direktere Einbindung des Apple iTunes Store. So kann man nunmehr bei der bereits beschriebenen erweiterten Album-Ansicht direkt in den iTunes Store wechseln, um sich ähnliche Musik-Titel bzw. Alben vorschlagen zu lassen.

Ebenfalls neu ist, dass nunmehr auch Titel angezeigt werden, die sich noch nicht in der lokalen Mediathek befinden, aber bereits über den Apple iTunes Store gekauft wurden. Diese werden in der Mediathek mit einem kleinen Wölkchen auf dem Cover dargestellt, und können direkt abgespielt, aber ebenso direkt heruntergeladen werden.

Diese Funktion ist allerdings mitunter ein wenig gewöhnungsbedürftig, wie sich in der Praxis zeigt. Denn wer penibel darauf bedacht ist, dass die eigene Mediathek bestmöglich „gewartet“ ist und feinsäuberlich darauf achtet, dass Musiktitel mit dem korrekten Namen, dem exakten Genre versehen sind, kann sich durch diese unmittelbare Integration der Cloud ein wenig Chaos einhandeln. Denn mitunter wird ein Titel, den man kaufte, herunter geladen, und danach richtig zugeordnet hat, über diese Funktion doppelt, und somit erneut an der falschen Stelle der Mediathek angezeigt. Erfreulicherweise kann man diese Option aber ebenfalls ausblenden, auch dies kann in den Darstellungsoptionen festgelegt werden. Einfach „Musik in der Cloud ausblenden“, und alles wird gut...

Apple suggeriert diesbezüglich zwar bereits jetzt, dass diese Funktion auch für Filme und TV-Serien angeboten wird, dem ist aber nicht so. Erstens stehen etwa TV-Serien im österreichischen iTunes Store noch gar nicht zur Verfügung, und die Option, Filme und TV-Serien erneut über die Cloud laden zu können, gibt es derzeit weder in Deutschland, der Schweiz, noch in Österreich.

Was allerdings im Zusammenhang mit Filmen neu ist, ist die Möglichkeit, Filme etwa am iPad zu starten, und danach unmittelbar an der gleichen Stelle am PC oder Mac fortzusetzen. Die entsprechende Information wird über die Cloud direkt synchronisiert.

Abschließend sei noch erwähnt, dass auch der Apple iTunes Store ein komplettes Re-Design erfuhr und somit nahezu der lokalen Mediathek entspricht. Auch hier zieht Apple nunmehr mit der entsprechenden App für Apple iOS gleich.

Abgesehen von den kosmetischen Maßnahmen weist der Apple iTunes Store ein paar praktische Neuheiten auf. Etwa die Möglichkeit, über einen so genannten Vorschauverlauf Titel wiederzufinden, die man sich bereits auf irgendeinem Gerät - Apple iPhone, iPod touch oder iPad bzw. Mac oder PC - schon einmal angesehen hat.

Auch wenn Apple von einer geradezu revolutionären neuen Version spricht, so handelt es sich unterm Strich um ein in vielen Bereichen sehr gelungenes, aber dennoch nicht mehr als kosmetisches Update. Die neue Darstellung der Mediathek ist durchaus sehr übersichtlich und erlaubt den schnellen Zugriff, und auch der neue Mini-Player kann überzeugen. Für all jene, die Apple iTunes zur Verwaltung wirklich umfangreicher Mediatheken nutzen, ist auch die nunmehr verbesserte Suchfunktion interessant. Auch die Möglichkeit, die nächsten Titel für die Wiedergabe auf einfachste Art und Weise festlegen zu können, ist überaus praktisch. Etwas unübersichtlich hingegen kann es sein, wenn man sich Titel aus der Cloud einblenden lässt. Hier sind Dubletten geradezu vorprogrammiert, wenn man penibel darauf achtet, auch online gekaufte Titel korrekt zu benennen und einzusortieren. Warum Apple mit iTunes 11 die Option Cover Flow nicht mehr anbietet, ist nicht nachvollziehbar und stößt auf wenig Gegenliebe in einschlägigen Foren.

Die noch direktere Integration des Apple iTunes Stores ist natürlich Wasser auf die Mühlen jener, die genau aus diesen Gründen eine Aversion gegen die Software und Lösungen von Apple im Allgemeinen haben. Diese fühlen sich wohl darin umso mehr bestärkt, da Apple es auch mit diesem angeblich „großen“ Update einmal mehr verabsäumt hat, endlich nicht nur auf das verlustbehaftete AAC-Format zu setzen, sondern zumindest für qualitätsbewusste Anwender auch Apple Lossless anzubieten. Dass Apple irgendwann auch mal FLAC zur Kenntnis nimmt und entsprechend implementiert, dürfte ohnedies nicht mehr als ein Wunschtraum sein.

Somit werden all jene, die schon bislang auf Apple iTunes für Apple OS X als auch Microsoft Windows setzten, sich über die durchaus sinnvollen Neuerungen und die schicke neue Oberfläche freuen, all jene, die schon bislang keinen Gefallen an der Lösung aus dem Hause Apple fanden, werden wohl auch weiterhin andere Werkzeuge bevorzugen. Wie gesagt, keine Revolution, aber ein weitgehend durchaus gelungenes Update.

Nicht nachvollziebar ist aber, warum sich Apple dazu entschloss, viele von Anwendern durchaus sehr geschätzte Funktionen ersatzlos zu streichen, obwohl diese eigentlich in keinster Weise mit neuen Funktionen kollidieren, oder aber von diesen gleichwertig ersetzt würden. Etwa die sehr beliebte Cover Flow-Ansicht. Ebenso ist es nicht nachvollziehbar, warum die DJ-Funktion auf einmal nicht mehr vorhanden ist, und ein paar weitere Details. Hier sollte Apple schleunigst nachbessern, und diese wieder in ein hoffentlich bald erscheinendes Update reinpacken.

Natürlich steht auch Apple iTunes 11 für Microsoft Windows sowie Apple OS X kostenlos zur Verfügung.

Auf den Punkt gebracht

Sicher alles andere als eine Revolution, aber ein sehr gelungenes Update, das mit frischem, klaren Look überzeugt und mit so manchem praktischem Feature aufwartet. Auch diesmal verabsäumt Apple - trotz neu gestaltetem iTunes Store - das Upgrade auf Apple Lossless für anspruchsvolle Kunden.

7,0 (Sehr Gut)

The Good

  • Sehr gelungene Überarbeitung der Programm-Oberfläche
  • die nunmehr stark an die App für Apple iOS erinnert
  • direkte Integration von iCloud
  • neuer Mini-Player
  • direkte Verknüfpung mit Apple iTunes Store

The Bad

  • Direkte Verknüfpung mit Apple iTunes Store
  • Titel über iCloud können zu Dubleten in der Mediathek führen
  • Keine Cover Flow-Darstellung mehr

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