Apple iTunes Store - Mastered for iTunes

Seit Jahr und Tag geistern Gerüchte durchs Web, Apple arbeite an Lösungen, um im Apple iTunes Store Musik in deutlich höherer Qualität als bislang anzubieten. Jüngst wurden diese etwa durch Neil Young aufs Neue angefacht, als dieser bekannt gab, Apples charismatischer CEO habe als leidenschaftlicher Musikliebhaber eigentlich das gute, alte Vinyl dem iPod vorgezogen.

Von Michael Holzinger (mh)
23.02.2012

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Wie auch immer man zum Apple iTunes Store steht, Fakt ist, das kalifornische Unternehmen revolutionierte damit die Musik-Distribution, wenn nicht die gesamte Musik-Branche. Ursprünglich startete das Angebot mit Audio-Daten im so genannten AAC-Format und einer Datenrate von 128 kbps. Laut damaligen Aussagen von Apple entspreche dieses Datenformat annähernd CD-Qualität. Doch selbst wenn dieses AAC-Format ein deutlich effizienteres Kompressionsverfahren als etwa MP3 ist, von CD-Qualität sind derartige Daten meilenweit entfernt. Dies lässt sich mit jedem halbwegs vernünftigen HiFi-System im direkten Vergleich klar nachweisen.

Irgendwann erkannte auch Apple, dass dies nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann und führte das so genannte iTunes Plus-Format ein. Dahinter verbarg sich nichts anderes als ebenfalls Daten im AAC-Format, allerdings nun mit der doppelten Datenrate, also 256 kbps. Und nun sollte es tatsächlich CD-Qualität sein, die man hier offerierte. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Nach wie vor werden Millionen an Musiktiteln im AAC-Format mit einer Datenrate von 256 kbps im Apple iTunes Store angeboten.

Dies ist umso amüsanter, da nunmehr bekannt wurde, dass Apples Gründer und langjähriger CEO Steve Jobs offenbar selbst nicht wirklich von diesem Angebot überzeugt war. Dies behauptete jedenfalls Neil Young, der dieser Tage verkündete, dass der inzwischen verstorbene CEO von Apple als wahrer Musikliebhaber viel lieber Vinyl hörte, und dafür den eigenen iPod, den er der ganzen Welt als den ultimativen Audio-Player verkaufte, links liegen lies. Nun, dies mag stimmen, oder auch nicht. Jobs selbst kann wohl kaum mehr dazu Stellung beziehen, klar ist aber, dass Apple tatsächlich alsbald ein immenses Problem rund um den Apple iTunes Store erwachsen könnte, orientiert man sich nicht langfristig anders.

Denn immer mehr Anwender kaufen keine Musik mehr, nicht auf CD, aber auch immer seltener bei Online-Angeboten wie dem Apple iTunes Store. Dafür sorgt das immer größere Angebot an On-demand Diensten, also Musik-Streaming Angeboten im Web, die dank mobiler Devices wie Smartphones ebenfalls nahezu immer und überall verfügbar sind und gegen eine monatliche Gebühr Millionen an Musiktiteln, quasi zur Flatrate, zum Konsum anbieten. Und zwar ebenfalls in einer zumindest adäquaten Qualität, die durchaus an jene des Apple iTunes Store heranreicht. Doch das ist in diesem Fall gar nicht das entscheidende, denn für viele Konsumenten zählt vor allem die Quantität.

Wer hingegen tatsächlich auf Qualität setzt, der findet in den ebenfalls immer zahlreicheren Download-Diensten von Spezialisten wie etwa hdtracks.com das richtige Angebot für seine Bedürfnisse. Hier stehen Audio-Daten nicht nur in CD-Qualität, sondern immer öfter in echter Studio Master-Qualität als hochauflösende, verlustfrei komprimierte FLAC-Dateien zur Verfügung. Mit der rasanten Verbreitung entsprechender Streaming-Systeme auch im Consumer-Segment dürfte diese Distributionsform ebenfalls rasch aus der derzeitigen Nische herauswachsen und wenn schon kein Mainstream, dann zumindest ein am Markt durchaus relevantes Angebot darstellen.

Insofern wird es - natürlich auf lange Sicht gesehen - zunehmend eng für Anbieter wie Apple. Insofern ist es durchaus im Bereich des möglichen, dass das kalifornische Unternehmen zumindest in Teilbereichen die bisherige Strategie ändert und ebenfalls hochauflösende Angebote zur Verfügung stellt.

Ein erster Schritt in diese Richtung dürfte nun vollzogen sein. Ab sofort findet sich im Apple iTunes Store nämlich die Rubrik „Mastered for iTunes“. Was auf den ersten Blick nur wenig spektakulär anmutet - schließlich handelt es sich auch bei diesem Angebot nach wie vor um Audio-Daten im Format AAC mit einer Datenrate von 256 kbps - könnte bei näherer Betrachtung durchaus richtungsweisend für die künftige Entwicklung des Online-Stores sein.

Derzeit spricht Apple offiziell davon, dass Alben, die mit dem Label „Mastered for iTunes“ versehen sind, speziell auf den HiFi Sound von Computern, Stereo-Anlagen und allen Apple-Geräten abgestimmt sein sollen. Es sei ein breites Angebot quer durch alle Genres, und halte Musik bereit, dass speziell für iTunes nachbearbeitet und optimiert sei.

Dies klingt natürlich einmal mehr nach jeder Menge heisser Luft, aber hinter den Kulissen dürfte da bereits einiges im Entstehen sein. So verteilte Apple etwa jüngst ein White Paper, in dem das Unternehmen die optimale Vorgehensweise beim Mastering und Aufbereiten von Audio-Daten für den Apple iTunes Store zusammenfasste. Gleichzeitig stellte das Unternehmen Labels eine neue Version der „Apple Audio Mastering Tools“ zur Verfügung.

In dem White Paper findet sich etwa der vielsagende Satz „Music as the Artist and Sound Engineer Intended“ als Titel und Apple fordert die Labels auf, anstelle wie bisher CD-Master oder gar Audio-Daten im iTunes Plus-Format für den iTunes Store an Apple zu übersenden, Audio-Daten im Format 24 Bit und 96 kHz zu übermitteln. Dazu heisst es aus unternehmensnahen Kreisen, Apple weise die Musikproduzenten und Vertriebe dezitiert darauf hin, Audio-Daten wenn möglich direkt vom Master einzusetzen und, wenn diese analog vorliegen, bereits bei der Digitalisierung auf erstklassige Qualität zu achten. Zudem sollen Audio-Daten mit dem neuen "Apple Audio Mastering Tools" konvertiert werden, um dadurch das Label „Mastered for iTunes“ tragen zu können. Zudem heisst es da, und nun wird es wirklich interessant: „Keeping the highest quality masters available on our systems allows for full advantage of future improvements to your music“.

Steht ein hochauflösendes Format im iTunes Store also unmittelbar bevor? Die Chancen dafür stehen gut, sehr gut sogar. Das entsprechende Datenformat hat Apple mit Apple Lossless bzw. ALAC ja längst. Wagt Apple tatsächlich diesen Schritt, wären damit hochauflösende Audio-Daten samt entsprechender Streaming-Systeme plötzlich doch im Mainstream angekommen und der Stellenwert qualitativ hochwertiger Musikwiedergabe würde schlagartig steigen. Hoffen wir‘s!

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