Apple weitet iTunes Match auf weitere Länder aus

Die Idee klingt verlockend: Musik, die immer und überall verfügbar ist. Kein „lästiges“ Synchronisieren mehr, Musiktitel stehen immer dann sofort zum Abruf bereit, wenn man Lust darauf hat, egal, ob diese nun online gekauft, oder selbst eingerippt wurden. All dies soll Apple iTunes Match bieten, das nun auch in Teilen Europas, nicht aber in Österreich verfügbar ist.

Von Michael Holzinger (mh)
16.12.2011

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Apple iTunes Match wurde bereits vor geraumer Zeit erstmals präsentiert und steht seit einigen Monaten bereits für Kunden in den USA über den Apple iTunes Store zur Verfügung. Die Idee hinter iTunes Match sowie den daran angeschlossenen Dienst Apple iCloud klingt überaus verlockend: Musik wird nicht mehr in erster Linie lokal auf einem Gerät gespeichert, das als Datenquelle für etwa mobile Geräte über die klassische Synchronisation dient, sondern vielmehr in der „Cloud“, bei Apple natürlich der iCloud, also im Web auf einem Server des Anbieters. Gelüstet es den Anwender nach einem speziellen Musiktitel, den er zuvor nicht auf sein mobiles Gerät übertragen hat, so kann er diesen jederzeit aus der iCloud abrufen.

Apple geht sogar soweit, dass diese Musiktitel nicht einmal bei Apple und somit dem Apple iTunes Store gekauft werden müssen, um über diesen Dienst eingebunden zu werden. Auch selbst gerippte CDs sollen über iTunes Match gefunden werden, und danach über iCloud zur Verfügung stehen. Dies setzt natürlich voraus, dass ein Musiktitel also auch im Angebot des iTunes Store verfügbar ist. Ist er dies nicht, so kann der Kunde die eigene Musik auch selbst in die „Cloud“ laden.

Klingt doch alles wunderbar, vor allem, da Apple für diesen Dienst in den USA eine Gebühr von lediglich US$ 24,95 pro Jahr verlangt. Wie so oft verbergen sich die Tücken aber in Details, doch dazu später mehr...

Nun weitet Appe die Funktion iTunes Match also auf weitere Länder aus. So steht Apple iTunes Match ab sofort etwa auch Kunden in der Schweiz und Deutschland zur Verfügung. Österreich wurde vom Konzern aus Cupertino bislang noch nicht bedacht. Im Gegensatz zu entsprechenden Meldungen können Kunden in Österreich diesen Dienst also noch nicht nutzen. Wie so oft wird es wohl auch hierzulande noch an den lokalen Verwertungsgesellschaften scheitern, denn ohne ein Abkommen mit diesen ist ein Dienst wie iTunes Match natürlich nicht durchzubringen.

Kunden in der Schweiz finden jedoch den entsprechenden Menüeintrag ab sofort in ihrer Medienverwaltungs-Software Apple iTunes für Apple MacOS X als auch Microsoft Windows, ebenso Kunden aus Deutschland. Während in Deutschland für die Nutzung dieses Dienstes € 24,99 pro Jahr fällig sind, müssen Kunden in der Schweiz CHF 35,- pro Jahr entrichten, um auf die Möglichkeiten von iTunes Match zugreifen zu können.

Wie funktioniert iTunes Match aber wirklich? Nun, diese Funktion macht zunächst nichts anderes, als das damit die Mediathek des Anwenders durchforstet wird, um die darin enthaltenen Musiktitel zu identifizieren und einen Abgleich mit dem Online-Angebot im Apple iTunes Store vorzunehmen. Wird dabei ein Musiktitel erkannt, so wird er in das Angebot der iCloud aufgenommen. Findet sich kein „Gegenstück“ im Angebot von Apple, so kann der Kunde eigene Musiktitel ebenfalls online stellen, um diese ebenso jederzeit und auf jedem registrierten Gerät abrufen zu können. Der Schlüssel dafür ist also einmal mehr ein Account im iTunes Store, wobei in diesem Fall eine gültige Kreditkarte erforderlich ist, mit deren Hilfe der Kunde auch eindeutig einem Land zugeordnet werden kann. Die oft genutzte Praxis, sich einen Account in einem anderen Land mit Hilfe von Wertkarten zu sichern, dürfte in diesem Fall nicht funktionieren, so erste Erfahrungsberichte von Anwendern.

Nun kommt aber einer der bereits angekündigten Nachteile: Apple iTunes Match akzeptiert lediglich maximal 25.000 Titel, was zunächst recht viel anmutet, in der Praxis aber bald erreicht ist. Vor allem dann, wenn man Musikliebhaber ist und durchaus ein paar hundert CDs sein Eigen nennt. Mit einer Ausnahme, aber zu der kommen wir gleich.

Eine andere Geschichte ist die Qualität der Daten. Um „bösen Buben“, von der Industrie so gerne als „Raubkopierer“ bezeichneten Zeitgenossen einen Riegel vorzuschieben, und deren Material zweifelhafter Herkunft zumindest nicht vollständig mit einem Mausklick zu legalisieren, müssen Audio-Daten zumindest mit einer Auflösung von 96 kbps vorliegen. Lächerlich, denn leider weisen mitunter illegale Angebote im Web eine deutlich bessere Qualität auf, als die offiziellen, legalen Download-Angebote.

Ist iTunes Match aktiviert, so kann die darin abgelegte Musik auf bis zu 10 Geräten geladen werden. Voraussetzung dafür ist ein mobiles Gerät aus dem Hause Apple mit dem Betriebssystem Apple iOS ab Version 5. Damit steht der Dienst Apple iPhone, iPod touch und iPad zur Verfügung, aber ebenso auf jedem PC oder Mac mit Apple iTunes in der aktuellen Version.

Während die Identifizierung der Musik-Titel über iTunes Match erfolgt, kommt hier der bereits angeführte Dienst iCloud zur Anwendung, der übrigens auch ohne iTunes Match genutzt werden kann. Hier sind finden sich nämlich im Prinzip alle bereits im Apple iTunes Store gekauften Titel wieder. Bislang fand man hier aber lediglich Apps und eBooks, in Ländern mit iTunes Match stehen zudem auch Musiktitel zur Verfügung. In den USA findet man etwa bereits auch Fernsehserien, nicht aber Filme über diese Funktion „Gekaufte Artikel“. Mit iTunes Match gehören dann eben auch alle von dieser Funktion erkannten Titel zu den „bereits gekauften“ Musiktitel, und stehen somit in AAC mit 256 kbps zur Verfügung. Und natürlich auch Titel, die tatsächlich im iTunes Store gekauft wurden, wobei hier die zuvor erwähnte Grenze von 25.000 Titel selbstverständlich nicht zum Tragen kommt.

Und damit wären wir bei einem weiteren entscheidenden Nachteil dieser Funktion: Wer etwa Musik fein säuberlich in wirklicher „CD-Qualität“, also etwa Apple Lossless, WAV oder AIFF rippt, der wird wohl kaum erpicht sein, diese durch Titel in schlechterer Qualität, nämlich AAC mit 256 kbps auszutauschen. Auch nicht auf einem mobilen Device. Aber genau das macht Apple iTunes Match! So übernimmt nach der Aktivierung von iTunes Match diese Funktion die Kontrolle über die Musik-Bibliothek des Apple iPhone, des iPod touch oder des iPad und füllt diese mit Titeln aus dem iTunes Store in der dabei maximal erhältlichen Qualität von 256 kbps.

Abschließend kann man somit klar festhalten, dass Apple mit der Funktion iTunes Match einmal mehr eine Option für den Massenmarkt, nicht aber für Musikliebhaber vorstellt. Was zunächst so wunderbar verlockend erscheint, ist bei genauerer Betrachtung ein absolutes „No-go“ für Musikfreunde, die stets selbst die volle Kontrolle über ihre fein säuberlich erstellte Musikbibliothek bewahren wollen, und zwar auf jedem Gerät.

Wer jedoch ohnedies Musik im Apple iTunes Store kauft und mit der hier gebotenen Qualität zufrieden ist, der findet in Apple iTunes Match eine sehr komfortable Lösung, um Musik wirklich jederzeit abrufen zu können und sich dabei nur wenig Gedanken darüber machen zu müssen, ob denn nun tatsächlich alle Lieblingstitel auch bei der letzten Synchronisierung bedacht wurden.

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