Arcam Solo rDAC im Test - Allrounder aus Cambridge

Die Kategorie der D/A-Wandler fristete lange Zeit ein Schattendasein. In den letzten Jahren aber erinnerte man sich wieder an die Tugenden dieser überaus flexiblen Werkzeuge wenn es darum geht, Geräten der Unterhaltungs-Elektronik aus dem Mainstream-Segment etwas auf die Sprünge zu helfen und diese in völlig neuen Klangregionen aufspielen zu lassen.

Von Michael Holzinger (mh)
26.01.2011

Share this article



sempre-audio.at Empfehlung der Redaktion
Es gibt zwei wesentliche Gründe dafür, dass die Kategorie der externen D/A-Wandler aus ihrem langjährigen Schattendasein in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist. Da wäre zunächst der Bedarf an Lösungen, um Geräte wie etwa SAT-Receiver, Settop-Boxen von Kabel TV-Anbietern oder aber auch DVB-T Receivern etwas auf die Sprünge zu helfen und diesen - zumindest die Audio-Qualität betreffend - eher unterdurchschnittlichen Komponenten im AV-Rack eine adäquate Qualität zu entlocken. Ähnliches gilt für die zahllosen Audio-Streaming Lösungen im unteren und mittleren Preisbereich. Diese überzeugen zwar zumeist mit einer enormen Flexibilität und sehr hohem Bedienkomfort, wenn es aber um die Klangqualität geht, da kann ein zusätzlicher D/A-Wandler eines HiFi-Spezialisten mitunter wahre Wunder bewirken.

Jüngst half ein zweiter Trend, die Bedeutung an externen D/A-Wandler deutlich zu steigern. Immer mehr setzen selbst anspruchsvolle Anwender auf PCs als weiteren Zuspieler oder gar als zentrale Schnittstelle in ihrem HiFi-System. Es steht außer Frage, dass die in herkömmliche PC-Systeme oder Notebooks integrierten Audio-Interfaces für diese Aufgabe niemals genügen können, sodass etwa ein D/A-Wandler mit USB-Interface als hochwertige Audio-Schnittstelle eine interessante Lösung darstellt.

Mit dem Arcam Solo rDAC bietet die im englischen Cambridge ansässige etablierte HiFi-Schmiede Arcam eine Lösung, die - das ist bereits unmittelbar auf den ersten Blick ersichtlich - nicht nur besonders kompakt ist, sondern bestens für beide zuvor skizzierten Anwendungs-Szenarien geeignet ist. Dabei haben bei Arcam D/A-Wandler eine durchaus lange Tradition. So verweist das Unternehmen auf seiner Webseite nicht ohne Stolz darauf, dass man mit zu den Begründern dieser Produktkategorie zählte. Damals, als die CD eben zu ihren Siegeszug antrat und im High-end Segment erstklassige Wandler gefragt waren, um dem als zu kalt und steril empfundenen Klangbild der meisten Player etwas Leben einhauchen zu können. Kurzum, die englische HiFi-Schmiede kann auf eine langjährige Erfahrung verweisen, wenn es um die Entwicklung von D/A-Wandler geht.

Wie gesagt, der Arcam Solo rDAC präsentiert sich als sehr kompakte Lösung. Mit Abmessungen von 160 x 111 x 40 mm findet er problemlos seinen Platz, selbst im noch so überfüllten AV-Rack. Verstecken muss man diese Lösung aber keineswegs, denn der Arcam Solo rDAC präsentiert sich als bereits optisch durchaus ansprechendes Gerät mit einem schicken Finish des Aluminium-Gehäuses. An der oberen Kante der Frontseite finden sich vier eingefräste dünne Schlitze mit Status-LEDs, die den jeweils aktiven Eingang anzeigen und selbstverständlich gut sichtbar beschriftet sind. Zwischen den Eingängen schaltet man mittels eines kleinen Tasters an der Oberseite um. Der Hauptschalter findet sich an der Rückseite.

Hier stehen auch alle Anschlüsse zur Verfügung, allen voran natürlich der für die Spannungsversorgung. Diese Aufgabe wird beim Arcam Solo rDAC einem externen Netzteil zuteil. Um digitale Signalquellen anschließen zu können steht sowohl ein optischer TOS-Link Eingang als auch ein koaxialer S/PDIF-Eingang zur Verfügung. Darüber hinaus findet man einen USB-Anschluss an der Rückseite des Arcam Solo rDAC. Analoge Signale verlassen das Gerät über ein typisches Cinch-Buchsenpärchen. Selbstverständlich sind alle Cinch-Buchsen vergoldet und fest mit dem Gehäuse verschraubt. Auch die optische TOS-Link Buchse und der USB-Port hinterlassen einen sehr soliden Eindruck.

Den Vermittler zwischen der digitalen und analogen Welt spielt in diesem Fall ein 8741 24 Bit Multilevel Delta-Sigma DAC aus dem Hause Wolfson Microelectronics. Dieser verarbeitet digitale Signale mit bis zu 24 Bit und 192 kHz. Die volle Auflösung kann aber nur über die koaxiale S/PDIF-Schnittstelle genutzt werden. Über die optische TOS-Link verarbeitet der Arcam rDAC Signale nur mit einer Sampling-Frequenz von 44,1 und 48 kHz.

Und dann ist da ja noch der USB-Anschluss auf der Rückseite des Arcam Solo rDAC, der dafür sorgt, dass dieser D/A-Wandler aus dem inzwischen sehr umfangreichen Angebot am Markt positiv heraussticht. Doch dazu muss man ein wenig ausholen...

Eine Vielzahl an externen D/A-Wandlern bietet inzwischen einen derartigen USB-Anschluss, über den sich ein PC oder Mac problemlos und ohne zusätzliche Treiber anschließen lässt, sodass der D/A-Wandler als Audio-Interface dient. Allerdings hat die Sache einen Haken.

Zwar werden über USB in jedem Fall alle Daten akkurat vom PC auf den externen Wandler übertragen, allerdings hat dabei zumeist der PC das Sagen. Erfolgt die Datenübertragung im so genannten adaptiven Modus, in dem der externe D/A-Wandler nicht anders kann, als dem Takt des PCs zu folgen - bedingungslos - führt dies dazu, dass der Wandler natürlich auch den mehr als instabilen Takt des PCs als Maßstab für die Wandlung der Audio-Signale übernimmt. Daraus resultieren mitunter abstrus hohe Jitterwerte und diese wiederum schlagen sich direkt in einer zumeist sehr bescheidenen Klangqualität nieder.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich Lösungen, bei denen der PC bzw. das Betriebssystem zumindest bei der Übertragung von Audio-Daten über USB defakto entmündigt werden, indem Hersteller auf eigene Treiber setzten. Diese Lösungen sind allerdings nicht so flexibel, da natürlich auch die Applikationen selbst diese Schnittstellen bzw. Treiber unterstützen müssen. Eleganter ist daher die Datenübertragung über USB im so genannten asynchronen Modus. Und genau darauf setzt auch Arcam beim Solo rDAC.

Auch hierbei werden keine speziellen Treiber benötigt, da sowohl Microsoft Windows als auch Apple MacOS X derartige USB Audio-Interfaces anstandslos erkennen und somit unmittelbar nutzen können. Allerdings erfolgt hier die Datenübertragung unter alleiniger Kontrolle des externen D/A-Wandlers. Der PC oder Mac wird somit zum reinen Datenlieferant degradiert, der nunmehr blind dem Takt des Wandlers zu folgen hat.

Arcam arbeitet hier mit einem der renommiertesten Unternehmen in diesem Bereich zusammen, der ebenfalls im englischen Cambridge angesiedelten Data Conversion Systems Ltd., kurz dCS. dCS hat sich auf die Entwicklung und Produktion digitaler High-end HiFi-Lösungen spezialisiert bereits in der Vergangenheit vielfach mit Arcam zusammengearbeitet.

Mit Hilfe von dCS kann der Arcam Solo rDAC also über USB Audio-Daten mit bis zu 24 Bit und 96 kHz entgegennehmen, und zwar von PCs mit Microsoft Windows als auch Apple MacOS X als Betriebssystem und ohne zusätzlicher Treiber.

Und das erledigt er ebenso mit Bravour, wie Signale, entgegengenommen von TOS-Link oder S/PDIF in die analoge Welt zu wandeln. Für diesen Test wurde der Arcam Solo rDAC zunächst einfach an eine aktuelle Apple TV angeschlossen, und zwar mittels Lichtleiter-Kabel. Eine andere Option steht beim Apple TV ja schließlich nicht zur Verfügung. Und siehe da, plötzlich überzeugt das kleine schwarze Kästchen aus dem Hause Apple nicht nur durch eine unübertroffene Flexibilität und Komfort, sondern mit einer sehr guten Klangqualität. Musik, über Apple AirPlay direkt vom Apple iPhone auf die Apple TV gestreamt - natürlich im Apple Lossless-Format - macht mit einem Wandler vom Kaliber des Arcam Solo rDAC wirklich Spass. Auch einer Logitech Squeezebox Touch verhalf der Arcam Solo rDAC zu einer irgendwie detailreicheren, durchaus auch dynamischeren, aber in jedem Fall natürlicheren, stimmigeren Wiedergabe. Vor allem bei hochauflösenden FLAC-Dateien mit 24 Bit und 96 kHz. Den USB-Port bediente unser Apple MacBook Pro und wahlweise Apple iTunes sowie das Open Source Programm Songbird, das im Gegensatz zum Tool von Apple auch mit hochauflösenden FLAC-Dateien umzugehen weiß.

In jedem Fall war der Vortrag des Arcam Solo rDAC tadellos und überzeugend. Das winzige Gerät verhilft Streaming-Clients, etwa aus dem Hause Logitech, Sonos oder Apple, aber auch SAT-Receivern und Settop-Boxen zu einem deutlich natürlicheren, dynamischeren und detailreicheren Klangbild. Hier sticht er jedoch nicht so aus dem Angebot in seiner Preisklasse hervor, sondern reiht sich vielmehr nahtlos in die Riege an D/A-Wandlern von Cambridge Audio, Musical Fidelity und vielen weiteren ein. Seine große Stärke aber ist die Anbindung an PCs. Hier kann diese Lösung von Arcam so richtig auftrumpfen. Der Arcam Solo rDAC verwandelt jeden PC nicht nur in einen ernstzunehmenden Zuspieler, sondern kann ohne Zweifel selbst wirklich anspruchsvolle Musikfreunde überzeugen. Übrigens, ein nicht uninteressantes Ausstattungsmerkmal haben wir Ihnen bislang unterschlagen. Gegen Aufpreis bietet Arcam den Solo rDAC auch als so genannten Arcam Solo rDACw mit drahtloser Signalübertragung an. Mit Hilfe des USB-Dongles Arcam rWAVE werden Audio-Signale somit über Funk übertragen. Hier setzt Arcam auf die Wireless Audio-Technologie von Kleer bzw. SMSC.

Weitere Informationen zum Arcam Solo rDAC bzw. dem Arcam Solo rDACw erhalten Sie beim österreichischen Vertrieb R.M.S. State of the Art Audiovisual Products. Das Gerät ist zum empfohlenen Verkaufspreis von € 350,- im Fachhandel erhältlich.

Michael Holzinger

Auf den Punkt gebracht

Ein kleiner, sehr flexibler D/A-Wandler, der vor allem an einem PC oder Mac dank asynchronem USB-Modus selbst die Kontrolle übernimmt und somit eine erstklassige Qualität aufweist.

7,0 (Sehr Gut)

The Good

  • Überzeugende Klangqualität
  • vor allem über USB sehr natürliche und detailreiche Wiedergabe

The Bad

  • Wireless-Option nur gegen Aufpreis

Share this article

Related posts