Aus und vorbei... Philips verabschiedet sich komplett aus der Unterhaltungselektronik

Ein weiterer Knalleffekt bei Philips: Nachdem man sich bereits von der kompletten TV-Sparte verabschiedete, folgt nun die komplette Unterhaltungselektronik, dies wurde heute im Rahmen einer Konferenz anlässlich der Quartalsbilanz des Konzerns bekannt gegeben. Philips CEO Frans van Houten gab in diesem Rahmen bekannt, dass die komplette Audio- und Video-Sparte an das japanische Unternehmen Funai Electric verkauft wird.

Von Michael Holzinger (mh)
29.01.2013

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Vor rund zwei Jahren startete der niederländische Unterhaltungselektronik-Konzern Philips mit viel Ambitionen die Kampagne „Obsessed with sound“, und wollte damit, nach eher durchwachsenen Jahren, wieder mit aller Kraft zurück in den scheinbar besonders lukrativen Markt rund um Audio-Lösungen. Ziel war es damals, eine wahre Produkt-Offensive zu initialisieren und eine Reihe von Audio- und Heimkino-Systeme auf dem Markt zu bringen, die besten Sound für die unterschiedlichsten Bedürfnisse bieten sollen. Diese Systeme, so Philips seinerzeit, sollten sich durch eine besonders detailreiche und natürliche Wiedergabe auszeichnen, die Filme und Musik zu emotionalen, leidenschaftlichen Erlebnissen werden lassen.

Und tatsächlich, das Unternehmen präsentierte in den letzten Monaten überaus spannende Lösungen, die nicht zuletzt von der Fachpresse teils in höchsten Tönen gelobt, und teils sogar als Wiedereinstieg Philips in die Welt der HiFi gefeiert wurden. Selbst zur IFA 2012 im Herbst letzten Jahres zeigten sich die Holländer in diesem Segment voller Euphorie, schlussendlich hatte man gerade die Trennung von der TV-Sparte halbwegs verdaut, und sah vor allem im Audio-Segment die Zukunft für das Unternehmen. Etliche neue Produkte wurden für den Herbst 2012 bzw. bereits mitunter für Winter bzw. Frühjahr 2013 angekündigt, und somit jetzt erst teils brandneu am Markt.

Doch während das Aus für die TV-Sparte bei Philips, die nunmehr unter TP Vision firmiert, zumindest für Brancheninsider nicht gänzlich überraschend kam, ist das nunmehr von Philips CEO Frans van Houten angekündigte Aus im gesamten Audio- und Videosegment dann doch eher unerwartet.

Grund für diesen doch recht harten Einschnitt dürften die nach wie vor nicht gerade rosigen Bilanzen des Konzerns sein. Somit würde der strickte Konzernumbau weiter fortgesetzt und in diesem Zusammenhang sei es nötig, sich auch von diesem, nach TV- einem weiteren geradezu traditionellen Segment bei Philips, zu trennen.

Somit geht die komplette Audio- und Videosparte von Philips um 150 Millionen Euro an den japanischen Konzern Funai Electric. Was dies konkret für den lokalen Markt bedeutet, für die bestehenden Vertriebsstrukturen, für den Fachhandel, ja nicht zuletzt für die Belegschaft des Konzerns selbst, steht derzeit noch nicht fest. Im Gespräch mit sempre-audio.at bekräftigte Konzernsprecherin Mag. Ingun Metelko jedoch, dass man alles daran setze, einen reibungslosen Übergang für den Fachhandel als auch den Konsumenten sicher zu stellen. Spruchreif wird dies wohl alles Mitte des Jahres. Zudem betreffe der Verkauf zunächst nicht den Bereich Video, was etwa Blu-ray und DVD-Lösungen umfasse. Hier bestünden noch langfristige Lizenzvereinbarungen, sodass dieser Bereich erst im Jahr 2017 vollständig an Funai Electric übergehe.

Philips will sich künftig ausschließlich auf profitable Geschäftsbereiche konzentrieren. Dies bedeutet aber nicht, dass es in Kürze nur noch so genannte Personal Lifestyle-Produkte,  also Rasierapparate, Haarföhns und elektrische Zahnbürsten, sowie Kaffeemaschinen der Marke Saeco und weitere Küchengeräte sowie Lichtsysteme aus dem Hause Philips im Fachhandel geben wird. Auch die bisherigen Produktbereiche werden wohl auch weiterhin unter der Marke Philips im Rahmen einer Lizenzvereinbarung mit Funai Electric vertrieben werden, selbst wenn diese nicht mehr von Philips selbst entwickelt, gefertigt und vermarktet werden. Für den niederländischen Konzern bleiben dann zudem noch das stark florierende Segment der Beleuchtungssysteme und Medizin-Technik, die nach Ansicht des Unternehmens die verbleibenden Segmente im Consumer-Segment perfekt ergänzen.

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