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Bauchklang „Live in Mumbai“

Fünf Vokalakrobaten, fünf Mikrofone, und einen Club vollgefüllt mit begeisterungsfähigen Menschen, das ist alles, was es bei der Formation Bauchklang für einen erfolgreichen Live-Auftritt braucht. Da liegt es nahe, diese Faszination auch mal auf Tonträger festzuhalten. Aber warum müssen fünf Herren aus Niederösterreich das ausgerechnet in Indien machen?

Kurz gesagt...

Was bewegt fünf Niederösterreicher dazu, ihr erstes Live-Album ausgerechnet in Indiens Metropole Mumbai aufzunehmen?

Wir meinen...

„Live in Mumbai“ ist nicht nur einfach ein Appetithäppchen für das alsbald erwartete neue Studioalbum „Signs“ der Formation Bauchklang, sondern ein erstklassiges Dokument für die energiegeladene, packende und mitreissende Live-Performance der Band. All jene, denen der Sound allein nicht reicht, können zur limitierten Erstauflage des Albums greifen, die eine DVD mit einem kurzen Live-Mitschnitt der Konzerte enthält. In jedem Fall ist „Live in Mumbai“ der perfekte Einstieg, um die einzigartige Welt der Vokalbeats Marke Bauchklang für sich zu entdecken.

Von Michael Holzinger (mh)
27.07.2009

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Januar 2009, Schauplatz Mumbai, Indien: In einem der angesagtesten Clubs der Millionenmetropole geben fünf Herren aus dem fernen Austria ihr Konzert-Debüt auf dem indischen Subkontinent. Mumbai, wohl bekannter unter der alten Bezeichnung Bombay, ist eines der pulsierenden Zentren Indiens, wenn nicht aus wirtschaftlicher Sicht die wahre Hauptstadt des aufstrebenden Landes. Mit einer Einwohnerzahl von rund 13,7 Millionen Einwohnern im eigentlichen Stadtkern und gar 20,9 Millionen - ein paar Hunderttausend auf oder ab, je nach Schätzung - zählt dieser Moloch zu den größten Städten der Welt und ist nicht nur Indiens wirtschaftlich wichtigste Region, sondern auch wichtigste Universitäts-Stadt sowie kulturelles Zentrum.

Somit ist sie nicht nur für Indien selbst ein wahrer Schmelztiegel der zahllosen Kulturen, sie ist auch die Schnittstelle zum westlichen Kulturkreis. Denn abgesehen von den Millionen, die auch hier auf der Suche nach ihrem kleinen Stück vom Glück gestrandet sind und in den Slums dahinvegetieren, bildete sich eine im Vergleich dazu geradezu unverschämt wohlhabende Oberschicht, die Tür an Tür mit dem Elend ihren Lebensstil im Überschwang zelebriert, der sich aus dem Sammelsurium einer Vielfalt von über 200 Sprachen und Dialekten, aus Religionen wie dem Christentum, dem Judentum, dem Buddhismus, Hinduismus, Islam und zahllosen Minderheiten und deren Kulturen und Traditionen immer mehr vermischt und sich mit westlichen Einflüssen zusammensetzt.

Eines der Zentren, für diese neue Elite ist der Club Blue Frog, der im Januar 2009 drei Abende lang von der Formation Bauchklang aus dem fernen Österreich bespielt wurde. Dabei fällt es uns bereits schwer, mit dem uns offensichtlich zutiefst verwurzelten Schubladendenken dass, was Bauchklang vollführt, mit den treffenden Namensschildern zu versehen. Beatboxing, Dub, Hip-Hop, Reggea, Trance, Folk, Ethno, Ambient, und vielleicht noch eine Spur Drum‘n‘Bass... was soll‘s denn sein?

Fakt ist, die fünf Herren aus St. Pölten haben ihre ganz eigene Sprache gefunden. Ihr Equipment sind ihre Stimmen, ihr Körper und fünf Mikrofone, um diese Klangmischung mit all ihren Nuancen zu Gehör zu bringen. Zumindest bedurfte es für den Trip nach Indien also keiner ausgetüftelten Logistik. Fünf Flugtickets und die Mikrofone im Handgepäck waren zumindest fürs „Equipment“ alles, was es zu bewältigen galt.

Wer sich nun aber Vokalharmonien auf Basis Allerwelt-Hits der Kategorie Flying Pickets erwartet, der wird sicher nicht schwer enttäuscht, sondern erfreulich verzückt und begeistert sein. Denn Lead-Vocalist Andreas Fränzl, die Human Beatbox Gerald Huber, Christian Birawsky mit einem kompletten Percussion-Set auf der Zunge, Mister Bassman Alex Boeck und der Mundakrobat Philipp Sageder lassen es im wahrsten Sinne des Satzes so richtig Krachen und drehen den Beatzähler schon mal bis zum Anschlag.

Sanfte Töne, das ist auf dieser CD nicht das Metier der St. Pöltner, die dem hörbar begeisterten Publikum im Blue Frog eine energiegeladene Mischung aus Vokalsamples made by „Sampler“ Mensch über ihre Mikrofone direkt und unmittelbar entgegenschleuderten.

Aufgezeichnet wurde das vorliegende Live-Album an insgesamt drei Abenden, wobei das Quintett aus Niederösterreich bei zwei Sessions von dem Tabla-Meister ustad Zakir Hussain und dem Percussionisten Taufiq Qureshi begleitet wurden. Eine Session, die der Formation so ganz nebenbei den „indiecision best gig international award“ für die beste indische Live-Performance des Jahres 2008 einbrachte, der von einer der wichtigsten indischen Webseite für Independent Music vergeben wird. Der Grund für diese Auszeichnung ist eindrucksvoll auf dieser CD nachzuhören!

Für die Aufnahme im Blue Frog war Bernhard Schedelberger verantwortlich, der gemeinsam mit Andreas Fränzl und Gerald Huber auch die Abmischung übernahm. Das Mastering wurde von Martin Scheer perfekt umgesetzt.

Bleibt abschließend immer noch die Frage unbeantwortet, warum fünf Herren aus St. Pölten ausgerechnet in Mumbai ihr erstes Live-Album aufzeichnen müssen? Wer allerdings die Reise des Quintetts anhand dieser CD nachvollzieht, wird die Antwort auf diese Frage nicht mehr suchen. Vielleicht ist eine Millionenmetropole wie Mumbai mit ihrer bunten Mischung der verschiedensten Kulturen genau der richtige Ort für ein Projekt wie Bauchklang, das so gar nicht in eine unserer westlichen Schubladen passt.

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Cover

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Facts

Album

Live in Mumbai

Künstler

Bauchklang

Komponist

Bauchklang, Diverse

Genre

Vocal, World

Jahr

2009

Format

Audio-CD, Download

Photo highlights

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Bauchklang „Live in Mumbai“
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Bauchklang „Live in Mumbai“