Blues im Glashaus: Meena Cryle, Chris Fillmore, Miki Liebermann und Marlene Lacherstorfer


Feinsten Blues, dargebracht an einer sehr außergewöhnlichen Location, gab es am Sonntag, dem 23. Februar 2014 in der niederösterreichischen Gemeinde Pernitz zu erleben. Die Familie Hebenstreit lud in ihre Gärtnerei zu einem weiteren Konzert-Abend der Reihe „Blues im Glashaus“. Diesmal bestritten den Abend Meena Cryle, Chris Fillmore, Marlene Lacherstorfer und quasi als Special Guest Miki Liebermann.

Von Michael Holzinger (mh)
24.02.2014

Share this article


Es gibt Event-Locations, die gelten als Fixpunkt einer gewissen Szene, teils auch als Garant für die Qualität der dort auftretenden Künstler. Manche sind ein Geheimtipp, manche seit Jahr und Tag fest in der Musiklandschaft etabliert. Darunter finden sich auch immer wieder ungewohnte Lokalitäten, aber selbst in dieser Kategorie sticht eine Gärtnerei dann doch ganz klar hervor.

Oskar Hebenstreit betreibt gemeinsam mit seiner Familie im niederösterreichischen Pernitz, idyllisch gelegen im Piestingtal in den Gutensteiner Alpen, knapp 45 Minuten Fahrzeit von der südlichen Stadtgrenze Wiens entfernt, eine bestens sortierte Gärtnerei. Die als traditioneller Familienbetrieb geführte Gärtnerei Hebenstreit beschäftigt sich jedoch nicht nur mit Blumen und Pflanzen jedweder Art, man bietet auch alles an Produkten und Dienstleistungen an, die irgendwie dazu gehören, um den Garten, die Terrasse, oder den Wohnraum entsprechend zu gestalten. Man ist also den schönen Dingen des Lebens zugetan.

Für Oskar Hebenstreit gehört dazu auch - ganz offensichtlich - feinste Musik. Denn am Abend des 23. Februar 2014 lud er und seine Familie bzw. Team nicht zum ersten Mal zum so genannten „Blues im Glashaus“. Für diesen Abend konnte er Musiker gewinnen, die ebenfalls nicht das erste mal zu Besuch waren. Bereits im vergangenen Jahr gastierten einige davon in etwas anderer Besetzung in der niederösterreichischen Gemeinde, wenngleich damals niemand geringerer als Hans Theessink im Mittelpunkt stand. Als The Valentinos allerdings fungierten schon im vergangenen Jahr allen voran Meena Cryle und Chris Fillmore als kongeniale Unterstützung für die Blues- und Roots-Legende.

In diesem Jahr jedoch, da war es Meena Cryle selbst, die für „Blues im Glashaus“ sorgte, natürlich gemeinsam mit ihrem langjährigen Kollegen Chris Fillmore an der Gitarre, und Marlene Lacherstorfer am Bass. Als ganz besonderen Gast begrüsste man an diesem Abend zudem Miki Liebermann.

Es war wohl nicht allein dieser hochkarätige Besetzung zu verdanken, dass das Glashaus tatsächlich bis auf den allerletzten Platz gefüllt war, sondern ebenso dem persönlichen Engagement der Veranstalter, die dies allein aus Leidenschaft und Begeisterung für die Musik auf die Beine stellen, und somit das bestmögliche Umfeld schaffen, um den Musikern, aber ebenso ihren Gästen, ein herausragendes Erlebnis zu ermöglichen. Umringt von einer Blumenpracht, bescherten somit die fünf Musiker auch in diesem Jahr den Besuchern ein Erlebnis der ganz besonderen Art, denn es bedurfte keines „Openers“, der das Publikum schön langsam in die richtige Stimmung bringt, die war vielmehr vom ersten Takt an zu spüren.

Meena Cryle und Chris Fillmore werden hinlänglich in die Kategorie Blues eingeordnet, und dies trifft es wohl auch weitestgehend. Zumindest kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Meena Cryle wohl eine der schlichtweg besten Blues-Sängerinnen Österreichs, wenn nicht gar im deutschsprachigen Raum ist. Allerdings greift dies viel zu kurz, denn wie erläuterte Meena dies so treffend: „Mir ist das eigentlich ziemlich egal, was das nun ist. Blues, Jazz… Wenn es mir gefällt, dann spiel ich´s!“ Und genauso bunt und vielfältig wie die Blumenpracht rund um sie, gestaltete sie auch das Programm, wobei es einmal mehr erstaunlich war, welch Spektrum diese Sängerin scheinbar mühelos hervorzaubert, und damit ihre Zuhörer auf eine wahre Berg- und Talfahrt der Gefühlswelt entführt, nein, eigentlich mitreisst. Eben noch herzzerreissend, abgrundtief traurig intonierend, als würde der ganze Weltenschmerz auf ihren Schultern lasten, und dann das verschmitzte, geradezu lausbubenhafte Lächeln, das Augenzwinkern, das sofort beruhigend zum Ausdruck bringt: alles in Ordnung, alles halb so schlimm - das Leben ist schön! Diesen Gefühls-Rodeo vollzog Meena Cryle mit zahlreichen eigenen Nummern, die gemeinsam mit Chris Fillmore entstanden, und etliche davon bereits vom neuesten Album entnommen, das in wenigen Wochen erscheint, aber ebenso mit zahlreichen Cover-Versionen, denen sie aber immer ihren ganz eigenen Stempel aufdrückt.

Überaus bemerkenswert war an diesem Abend das perfekte Zusammenspiel aller Musiker auf der Bühne. Natürlich, mit Chris Fillmore herrscht ganz offensichtlich ein einzigartiges Verständnis, das sich nicht nur auf den Aufnahmen, sondern allen voran natürlich live bemerkbar macht. Und auch die Bassistin Marlene Lacherstorfer ist bereits langjährige Begleiterin, sodass auch hier eine stets spürbare Harmonie herrscht. Ganz besonders faszinierend war daher, wie kongenial die Gitarristin Miki Liebermann in diese Gruppierung integriert wurde, als würde man ebenfalls seit Jahr und Tag in keiner anderen Formation spielen. Da war es ein Wechselspiel der Gitarren, zwischen Chris und Miki, wobei nicht immer klar auszumachen war, wer nun die Begleitung, wer die Solis beisteuerte, denn vielfach war es eins, ein Fluss, wunderbar untermauert vom Bass, wobei aber immer noch viel Raum für die Stimme Meenas blieb, die diesen kongenial zu füllen wusste.

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, es war schlichtweg ein Erlebnis, ein Erlebnis der ganz besonderen Art, an einer außergewöhnlichen Location! Mehr gibt es dazu nicht zu sagen!