Bryan Ferry - Dylanesque

Der 1941 im US-Bundesstaat Minnesota geborene Robert Allen Zimmerman gilt als einer der wichtigsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Als Bob Dylan beeinflusste er mit seiner Musik, einer Mischung aus traditioneller amerikanischer Musik von Folk und Country mit Elementen des Blues und Gospel bis hin zu Rock‘n‘Roll und Rock, maßgeblich die gesamte Popmusik. Endlos ist die Liste der Künstler, die Bob Dylan als prägendes Vorbild nennen...

Von Michael Holzinger (mh)
18.11.2009

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Dynamic Range DR08Darunter auch der englische Sänger Bryan Ferry, der mit dem Album „Dylanesque“ dem nur vier Jahre älteren Kollegen Bob Dylan im Jahr 2007 seine Referenz erwies.

Dabei herrscht sicher kein Mangel an Cover-Versionen von Bob Dylans in Musik gehüllten kleinen lyrischen Kunstwerken. Denn wie bereits erwähnt, zahllose Musiker führen Bob Dylan als den Künstler an, der sie in ihrem Schaffen maßgeblich beeinflusste. Zudem bieten die mitunter so schlicht wirkenden Songs ein derart großes Potential, sodass immer wieder Raum für neue Interpretationen bleibt und daher Dylan wohl zu den am meisten gecoverten Musikern überhaupt zählt.

Dazu kommt noch, dass Bob Dylan zweifellos ein genialer Songschreiber und eigentlich ein Poet im wahrsten Sinne des Wortes ist, aber sicher kein begnadeter Sänger. Zwar hat auch sein mit knorriger Stimme, über die Jahre immer nasaler vorgetragener Gesang einen ganz speziellen Reiz, aber bei allem nötigen Respekt vor dem Genie Bob Dylans, aus objektiver, rein musikalischer Sicht stammen die wohl besten Interpretationen von Dylans Werken nicht von Bob Dylan.

Während die meisten Cover-Versionen auch von eingeschworenen Dylan-Fans mit Wohlwollen aufgenommen werden, sorgte das im Jahr 2007 erschienene Album „Dylanesque“ für überaus kontroverse Diskussionen. Denn mit Bryan Ferry nahm sich ein Künstler die Werke Bob Dylans vor, dessen Vortrag, aber auch persönliches Image im Vergleich zu jenem von Dylan wohl nicht unterschiedlicher sein könnte: Bryan Ferry.

Der sich selbst über seine komplette Karriere hinweg durchaus gerne als glamouröser Lebemann präsentierende Engländer Bryan Ferry widmete sich bereits davor dem ein oder anderen Song der US-amerikanischen Folk-Rock-Ikone. So z. B. auf seinem Album "Frantic", das er mit einer beschwingt rockigen Version von "It's all over now, Baby Blue" eröffnete, und dem er ein geradezu zurückhaltend, sehr spärlich instrumentiertes „Don‘t think twice, it‘s alright“ folgen lässt.

Dabei dürfte Ferry endgültig seine Liebe zu Bob Dylans Werken entdeckt haben, denn mit „Dylanesque“ spielte er in Folge ein gesamtes Album ausschließlich mit Cover-Versionen des amerikanischen Kollegen ein.

Für Aufsehen sorgte dabei vor allem auch, dass Ferry sich dafür nicht allzuviel Zeit nahm, denn er spielte das Album in nur wenigen Tagen in den Town House Studios und Studio One in London ein. Dabei stand ihm eine sehr große Riege renommierter Musiker zur Seite, darunter auch alte Wegbegleiter wie Brian Eno oder sein Sohn Isaac Ferry.

Mit ein Grund für die derart kurzen Aufnahmesessions dürfte neben der erstklassigen Musiker-Riege natürlich auch das vergleichsweise „simple“ Material sein. Denn Dylans Musik ist alles andere als komplex, vielmehr liegt genau in dieser Einfachheit im Aufbau, gepaart mit poetischen, überaus feinsinnigen und vieldeutigen Texten das Erfolgsgeheimnis von Dylans Songs.

Auf welch hohem professionellen Niveau die Aufnahmen stattfanden, ist nicht nur anhand der erstklassigen CD selbst zu erkennen, sondern wurde zudem auf der DVD Bryan Ferry "Dylanesque Live: The London Sessions" dokumentiert.

Verantwortlich für die herausragende Klangqualität war übrigens niemand geringerer als Bob Clearmountain, der die Abmischung übernahm. Den finalen Feinschliff nahm eine weitere Legende vor, und zwar Bob Ludwig in den Gateway Mastering Studios in Portland, Maine. Als Produzent fungierte neben Rhett Davies Bryan Ferry selbst.

Eröffnet wird das Album mit einer überaus flotten Version von „Just like Tom Thumb‘s Blues“, gefolgt von einem ebenfalls überaus rockig angelegtem „Simple twist of fate“, das aus der Sicht des Rezensenten eines der Highlights dieses Albums darstellt.

Geradezu mitswingend, mit solidem Groove, präsentiert sich „The times they are a-changin´“, dem nach einer eher unspektakulären Version von „All I really wanna do“ eine ebenso nicht wirklich herausragende Interpretation von „Knocking‘ on heaven‘s door“ folgt. Nach soliden und sehr eigenständigen Versionen der Klassiker „Positively 4th Street“ und „If not for you“ sowie „Baby let me follow you down“ folgt mit „Gates of Eden“ ein weiterer Höhepunkt des Albums. Ferry präsentiert diesen Song sehr getragen, geradezu sphärisch und aus der Welt entrückt, und unterstützt mit diesem, nicht unbedingt komplexen, aber sehr wirkungsvollen Arrangement die Wirkung der Lyrics immens.

Mit einem schon traditionell natürlich wieder sehr rockig angelegten „All along the watchtower“ beschließt Bryan Ferry seine „Dylanesque“ und entlässt den Hörer viel zu schnell aus seiner Interpretation der vielschichtigen und immens vielseitigen Welt von Bob Dylan. Ein paar Songs mehr hätten sich also nicht nur angeboten, sondern hätten zudem problemlos auf dem mit nur 42 Minuten und 29 Sekunden recht kurz geratenen Album Platz gefunden.

Bryan Ferry beweist auf diesem Album eindrucksvoll, dass er ein wahrhaft großer Entertainer im besten Sinne dieser Bezeichnung ist. Ihm gelingt es eindrucksvoll, die scheinbar so einfach gestrickten, aber dennoch auf Grund ihrer sehr tiefgründigen und mehrdeutigen Lyrics überaus vielschichtigen Werke Bob Dylans in völlig neuem Glanz erstrahlen zu lassen, und sie damit in einer Art und Weise zu präsentieren, die sie eigentlich verdienen. Bob Dylan selbst gelingt dies in dieser Form leider nur selten.

Bryan Ferry liefert mit „Dylanesque“ somit überaus hörenswerte, keineswegs revolutionär neue, aber doch sehr persönliche Interpretationen von Dylans Liedern ab und wird dabei von perfekt aufspielenden Musikern begleitet. Das Ergebnis wurde von der Tontechnik in exzellenter Qualität festgehalten.

Michael Holzinger

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