Bryston B100 SST Integrated Amplifier im Test

Verstärker, das sind die Haupt-Domäne des im kanadischen Peterborough beheimateten Unternehmens Bryston Ltd. In diesem Segment kann man auf eine jahrelange Erfahrung verweisen. Und zwar nicht nur im HiFi-Segment, sondern auch im professionellen Umfeld als Ausstatter für Tonstudios und Rundfunkanstalten. Von den hier gewonnenen Erkenntnissen profitieren selbstverständlich auch private Kunden.

Von Michael Holzinger (mh)
08.03.2010

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Denn ein Hersteller Bryston Ltd., der sich tagein, tagaus den im professionellen Umfeld geforderten hohen Ansprüchen seit Jahr und Tag erfolgreich stellt, der kann diese Erfahrungen natürlich auch im HiFi-Segment nutzen. Zumal die Anforderungen so unterschiedlich gar nicht sind, ganz im Gegenteil. In beiden Fällen ist es die oberste Prämisse, Musik in möglichst unverfälschter Form wiederzugeben. Diese Aufgabe gilt es sowohl am Anfang der „Kette“ zu meistern - im Tonstudio - als auch an deren Ende, bei der Wiedergabe im Wohnzimmer.

Allerdings werden Komponenten im Studioalltag, an Schnittplätzen oder im Regieraum von Sendeanstalten ganz anders gefordert als im Wohnzimmer als Teil eines HiFi-Systems. Im professionellen Umfeld müssen sie ihren Dienst im schlimmsten Fall rund um die Uhr zuverlässig verrichten, und das über Jahre. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Qualität der Komponenten. Auch davon profitiert letztendlich der private Anwender, selbst wenn er seine Schätze selbst bei intensiver Nutzung niemals auch nur annähernd derartigen Belastungen aussetzt.

Doch widmen wir uns nun, nach diesen allgemeinen, einleitenden Betrachtungen, unserem aktuellen Testgerät. Sieht man sich das vielfältige Angebot des kanadischen Herstellers Bryston Ltd. im Bereich Verstärker an, so nimmt der Bryston B100 SST doch eine gewisse Sonderstellung ein. Es handelt sich nämlich um einen der raren Vollverstärker im Produktsortiment von Bryston, ein Gerät also, das die Funktionalität eines Vorverstärkers und eines Leistungsverstärkers in einer Komponente vereint. Und das ist bei weitem nicht alles, was den Bryston B100 SST so interessant macht, kann er doch überaus flexibel eingesetzt, und sogar erweitert werden.

Keinerlei Kompromisse

Auch wenn der kanadische Hersteller normalerweise auf das Konzept getrennter Komponenten setzt, so verspricht Bryston auch beim B100 SST keinerlei Kompromisse eingehen zu müssen. Es soll vom B100 SST die gleiche Funktionalität, Flexibilität und Leistung geboten werden, als würde man auf eine Vor- und Leistungsverstärker-Kombination setzen.

Klassisches Design...

Eins muss man klar feststellen: wer für sein HiFi-System Komponenten mit möglichst ausgefallenem Design sucht, wird bei Bryston nicht fündig werden. Die Kanadier haben hier einen, nun ja, eher konservativen, sehr praxisorientierten Zugang und setzen daher auf ein eher schlichtes Äußeres ihrer Komponenten. Durch ihre dezente Zurückhaltung unterliegen die Komponenten aber keinerlei kurzfristigen Modetrends und überzeugen daher sicher auch nach Jahren mit ihrer einfachen, aber durchaus eleganten Erscheinung.

Die Frontseite des Bryston B100 SST präsentiert sich also sehr aufgeräumt. Lediglich ein Lautstärkeregler sticht markant hervor, während die zahlreichen Taster durch eine Einfräsung in der aus Aluminium gefertigten Frontblende dezent etwas nach hinten versetzt sind. Nahezu jedem dieser natürlich ebenfalls aus Metall gefertigten Taster ist eine LED zugeordnet, die weithin sichtbar die jeweilige Einstellung verrät.

Ein Kopfhörer-Ausgang, eine Infrarot-Diode sowie ein durchaus selbstbewusst ins Volle gefräste Bryston-Logo komplettieren die Frontseite des Geräts.

Natürlich setzt der kanadische Hersteller auch beim Rest des Chassis auf Metall, wobei geradezu massives Stahlblech zum Einsatz kommt, das tadellos verarbeitet ist. Die Seitenflächen werden lediglich von ebenfalls sehr massiven Kühlkörpern unterbrochen, die durch ihre nach innen versetzte Anordnung zwar unter besten Voraussetzungen ihrer Aufgabe gerecht werden können, aber defakto nicht zu sehen sind.

Bryston bietet den Vollverstärker B100 SST übrigens in zwei Farbvarianten an. So steht neben einer Version mit schicker silberner Front auch eine komplett in Schwarz gehaltene Version zur Auswahl. Der Vollständigkeit wegen sei zudem erwähnt, dass es dieses Gerät, wie alle anderen Bryston Vorverstärker und Leistungsverstärker, auch in einer 19 Zoll Rack-Version gibt.

Unser Testgerät aber war in der Variante fürs HiFi-Rack mit einer 17 Zoll Frontblende versehen und brachte es mit Abmessungen von 43,18 x 11,43 x 26,67 cm auf ein Gewicht von 8,5 kg.

Klassischer Aufbau...

Nicht nur beim Design der Komponenten bevorzugt Bryston klassische Werte, auch im Inneren der Komponenten setzen die Entwickler bevorzugt auf bewährte Konzepte, die aber um die Möglichkeiten moderner Technologie erweitert werden.

So präsentiert sich das Innere des Bryston B100 SST im diskreten analogen Aufbau, bestückt mit allerfeinsten Bauteilen. Die Entwickler setzten dabei auf ein Konzept, das Bryston Software-control nennt. Damit sollen die Vorteile zweier Welten kombiniert werden, und zwar die einer komplett analogen Signalverstärkung mit den Vorzügen einer digitalen Steuerung.

Der B100 SST weist zwei nahezu vollständig getrennte Signalzüge auf, und zwar bis hin zur Stromversorgung mit zwei Ringkern-Transformatoren. So stehen nicht nur jeweils eigene Netzteile für den linken und rechten Kanal zur Verfügung, auch die digitalen Baugruppen bekamen ihr eigenes Netzteil spendiert und werden über jeweils eigene Masseschleifen geführt.

Der Bryston B100 SST liefert eine Leistung von 100 Watt pro Kanal an 8 Ohm bzw. 180 Watt an 4 Ohm.

An Eingängen findet man zunächst sechs Chinch-Buchsen-Pärchen für Hochpegel-Quellen sowie einen Tape-Loop (Record Out, Record In). Darüberhinaus steht ein separater Pre-Out sowie ein Power-Amp-In zur Verfügung, um den B100 SST z. B. in Mehrkanal-Konfigurationen nutzen zu können.

Hochwertige, sehr solide wirkende und mit separaten Kunststoff-Abdeckungen versehene Lautsprecher-Anschlüsse nehmen nicht nur Bananas problemlos auf, sondern auch blanke Kabel mit selbst großen Querschnitten. Zwei 12 V Trigger-Anschlüsse sowie eine RS232-Schnittstelle komplettieren das sehr aufgeräumte und übersichtlich angeordnete Anschlussfeld auf der Rückseite des Geräts.

Modular erweiterbar

Wir haben es bereits in unserer Einleitung erwähnt: der Bryston B100 SST weist einige Besonderheiten auf, die ihn besonders flexibel und vielseitig machen.

So ist der Bryston B100 SST modular erweiterbar, sodass die bislang von uns beschriebene Basis-Konfiguration mit weiteren Funktionsmodulen bestückt werden kann. Hier bietet Bryston zwei Module an, die den Funktionsumfang des Vollverstärkers drastisch erweitern.

Aufmerksame Leser werden es schon bemerkt haben: in unserer Auflistung der Anschlussmöglichkeiten fehlte natürlich ein Phono-Eingang. Die Ingenieure bei Bryston entschieden sich dafür, Freunden der schwarzen Vinyl-Scheibe die Wahlfreiheit zu lassen, ob sie auf eine separate Phono-Vorstufe setzen und daher auf diese Option im Vollverstärker verzichten können, oder aber den Bryston B100 SST um ein entsprechendes Modul nachrüsten wollen.

Allerdings muss man leider anmerken, dass Bryston im Fall des B100 SST nur eine Phono-Vorstufe für MM-Systeme vorsieht und MC-Tonabnehmersysteme außen vor bleiben. Insofern erscheint die MM-Option für den Bryston B100 SST mit einem Aufpreis von € 633,- nicht ganz so attraktiv, auch wenn sie, wie unser Test zeigte, wirklich hervorragende Ergebnisse liefert.

Für eine breite Käuferschicht weitaus interessanter erscheint uns da schon das zweite von Bryston für diesen Vollverstärker angebotene Modul. Denn dabei handelt es sich um ein D/A-Modul, das den Vollverstärker B100 SST um insgesamt vier digitale Eingänge samt erstklassigem D/A-Wandler erweitert. Damit ist man bestens gerüstet, um digitale Zuspieler, angefangen von diversen Streaming-Lösungen bis hin zu digitalen SAT-Receivern oder Settop-Boxen an den Verstärker anzuschließen. Dies ist nicht nur überaus komfortabel, ganz nebenbei verbessert man so auch die Qualität derartiger Komponenten drastisch, da man anstelle der zumeist eher lausigen D/A-Wandler in Settop-Boxen usw. die wirklich hochwertigen D/A-Wandler im Bryston B100 SST nutzt.

Mit diesem Modul stehen an der Rückseite des Vollverstärkers zwei optische TOS-Link Buchsen sowie zwei koaxiale S/PDIF-Schnittstellen zur Verfügung. Allerdings setzt Bryston hier ebenso wie bei der Phono-Vorstufe auf „Ressourcen-Teilung“. Denn während die optischen Digital-Schnittstellen natürlich neu hinzukommen, mutieren die AUX-Eingänge entweder zum Phono- oder S/PDIF-Eingang (AUX1 wird zum Phono-In, AUX 2 Rechts wird zur S/PDIF 1, AUX 2 Links zum S/PDIF 2), wobei man natürlich nach wie vor auch normale Hochpegel-Signale anschließen kann und einfach über die entsprechenden Taster an der Frontseite umschaltet.

Bryston setzt beim D/A-Modul selbstverständlich auf erstklassige Wandler aus dem Hause Crystal, die Signale dank Oversampling mit 96 kHz und 16 Bit verarbeiten und diese einer diskret aufgebauten, in reiner Class-A arbeitenden Vorstufe zuführen.

Mit einem empfohlenen Verkaufspreis von € 1.297,- sollte man die D/A-Option beim Kauf des B100 SST also gleich mit auf die Liste setzen.

Etwas erstaunt waren wir ob der Tatsache, dass Bryston den B100 SST ohne Fernbedienung ausliefert. Allerdings erscheint diese Entscheidung des kanadischen Unternehmens bei genauerer Betrachtung durchaus sinnvoll. Denn anstatt dem Verstärker einfach nur irgendeine eventuell sogar sehr billig wirkende Plastik-Fernbedienung mit auf den Weg zu geben, bietet man zum vergleichsweise moderaten Aufpreis von € 372,- mit der Bryston BR-2 eine wirklich erstklassige multifunktionale Fernbedienung an, die in keinerlei Hinsicht Wünsche offen lassen sollte. Denn hiermit erhält man ein wirklich massives Teil, das erstklassig verarbeitet ist und mit dem man alle Funktionen, nicht nur die des Vollverstärkers, sondern natürlich auch weiterer Komponenten von Bryston unter Kontrolle hat. Wer jedoch z. B. einen Bryston BCD-1 CD-Player erwirbt, ist ohnedies bereits im Besitz einer Fernbedienung, die auch die wichtigsten Funktionen des Vollverstärkers B100 SST steuert.

Und wie klingt‘s?

Für einen Journalisten ist es ja eigentlich sehr frustrierend, wenn man die abschließende Beurteilung eines Geräts mit nur einem Wort bereits umfassend und treffend beschreiben kann. Im Fall des Bryston B100 SST ist dies der Fall. Um es auf den Punkt zu bringen, dieser Vollverstärker klingt einfach famos.

Für unseren Test diente natürlich zunächst der CD-Player Bryston BCD-1 als Zuspieler, wobei wir hier auf die D/A-Wandler des CD-Players zurückgriffen und den Verstärker mit analogen Signalen versorgten. Die Qualität des D/A-Moduls ergründeten wir mit einer Streaming-Lösung von Sonos, und zwar einem Sonos ZP90, der über dessen S/PDIF-Schnittstelle verlustfrei komprimierte Audiodaten an den mit dem D/A-Modul bestückten Bryston weiterreichte.

Als Lautsprecher kamen die brandneuen PMC fact8 zum Einsatz, die - dies ergab unser Test - wirklich erstklassig mit der Elektronik von Bryston zusammen spielen. Vor allem in dieser Kombination wurde offensichtlich, dass der kanadische Hersteller Bryston auch mit diesem Vollverstärker seinem Ruf, stets sehr neutral abgestimmte und dynamisch aufspielende Komponenten zu fertigen, voll und ganz gerecht wird.

Dabei war es völlig unerheblich, welches Musik-Genre wir auch immer aussuchten, von Pop bis Klassik, von Blues bis Jazz, über Folk bis Elektronik... stets überzeugte diese Kette durch eine souveräne, überaus detailreiche Wiedergabe.

Zugegeben, wir sind durchaus Freunde der etwas höheren Pegel, was den Bryston B100 SST aber selbst bei fetzigem Rock mit Bretter-Gitarren und angezerrtem Bass samt solidem Schlagzeug-Fundament niemals in Verlegenheit brachte. Auch opulente Orchester-Arrangements stellten keine echte Herausforderung für den Versträker dar, der diese mit weiter Bühne und erstklassiger Tiefenstaffelung im Raum aufbaute.

Aber auch bei „normaler“ Lautstärke und etwas kleineren Besetzungen zeichnete der B100 SST ein, über den gesamten Frequenzbereich homogenes, sehr dynamisches Klangbild und hatte auch noch bei überaus geringer Lautstärke stets alles unter Kontrolle und füllte den Raum mit vollem, sehr lebendigem und natürlichem Klang.

Die wohl herausragendste Eigenschaft des Bryston B100 SST besteht darin, der Musik niemals einen persönlichen Stempel aufzudrücken. Will man den Klangcharakter einer HiFi-Kette also ein wenig den persönlichen Vorlieben anpassen, so bietet der Bryston B100 SST durchaus die ideale Basis, da durch seine neutrale Spielweise die durchaus ja gewünschten individuellen Eigenschaften etwa der Lautsprecher unterschiedlicher Hersteller perfekt zur Geltung kommen.

Der Bryston B100 SST hat uns somit voll und ganz überzeugt und erhält schon allein auf Grund seines stets musikalischen, sehr neutralen und dynamischen Vortrags eine Empfehlung der Redaktion. Diese Eigenschaften, gepaart mit einer erstklassigen Verarbeitung und einer nicht zuletzt durch seine Modulbauweise flexiblen Erweiterbarkeit, sind dafür verantwortlich, dass wir dem Bryston B100 SST ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis attestieren können.

Bedenkt man darüber hinaus, dass alle Komponenten von Bryston, also auch der Vollverstärker Bryston B100 SST, nicht nur die Herzen von HiFi-Freunden höher schlagen lassen sollen, sondern zudem als echte „Arbeitstiere“ für den harten Studio-Alltag ausgelegt sind, erhält man hier einen wirklich soliden, und auf Grund der, im besten Sinne des Wortes geradezu konservativen Produkt-Politik des Unternehmens, auf Jahre wertstabilen Verstärker zum empfohlenen Verkaufspreis von € 3.697,- im Fachhandel.

Michael Holzinger

Auf den Punkt gebracht

Mit dem Bryston B100 SST erhält man einen überaus neutral aufspielenden Vollverstärker, der dank Erweiterungs-Optionen wie einem D/A-Modul bestens für digitale Zuspieler geeignet ist.

9,0 (Herausragend)

The Good

  • Modular erweiterbar
  • dynamischer Vortrag mit erfreulich neutralem Klang unabhängig vom Genre

The Bad

  • Nur mit MM-Phono-Eingang erhältlich

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