Bryston BCD-1 - Kanadischer Purist

Erstaunlich, aber der BCD-1 ist tatsächlich der einzige CD-Player in dem ansonst recht umfangreichen Angebot von Bryston. Dies wiederum ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass es sehr lange gar keinen Zuspieler des kanadischen Herstellers gab. Aber manchmal lohnt es zu warten, wie der Bryston BCD-1 sehr eindrucksvoll belegt.

Von Michael Holzinger (mh)
04.03.2010

Share this article


Editor's Choice
Das in Peterborough, einer Stadt in der kanadischen Provinz Ontario beheimatete Unternehmen Bryston Ltd. hat sich bereits seit Jahrzehnten der Entwicklung und Produktion hochwertiger HiFi-Komponenten verschrieben. Im Mittelpunkt standen dabei aber vor allem Vorverstärker und Leistungs-Verstärker, wobei Bryston über die Jahre in diesem Segment ein wirklich sehr umfangreiches und gleichzeitig auch sehr vielseitiges Portfolio aufbaute.

Jahrelange Erfahrung im professionellen Segment

Bryston Ltd. bewegt sich aber nicht ausschließlich im Endkundenbereich, sondern widmet sich mit ebenso großem Engagement dem professionellen Segment, was natürlich auch dem Endanwender unmittelbar zugute kommt. Denn wer Komponenten für den täglichen harten Einsatz in Tonstudios, Rundfunkanstalten, ja selbst zur Beschallung von Stadien fertigt, der muss zwar stets offen für Neues sein und mit modernster Technologie arbeiten, bei den Produkten selbst aber vor allem auf bewährte Technologie setzen, um langfristig allerhöchste Qualität zu erzielen. Die Unternehmensphilosophie von Bryston ist somit ganz klar auf Zuverlässigkeit und vor allem auf Wertbeständigkeit ausgerichtet. Dies ist wahrscheinlich auch die Erklärung dafür, dass sich Bryston derart lange von Kundenseite, aber auch lokalen Vertrieben und Fachhändlern bitten lies, bis endlich auch ein CD-Player entwickelt und angeboten wurde, der den hohen Ansprüchen des Unternehmens gerecht wird und das Angebot im HiFi-Segment abrundet.

State-of-the-art CD-Player, aber nur CDs...

Desweiteren dürfte dies auch der Grund dafür sein, dass Bryston nach wie vor „nur“ einen CD-Player anbietet, und keinen DVD- oder gar Blu-ray Player, während andere Unternehmen mitunter bereits vollständig auf Streaming-Lösungen setzen.

Die Intention der Ingenieure von Bryston bestand auch hier ganz klar darin, ein Gerät mit modernsten Technologien zu entwickeln, das aber auf ein bewährtes Format setzt. Der Bryston BCD-1 soll sich damit an all jene Kunden richten, die einen State-of-the-art CD-Player suchen, der wertbeständig ist und ihre wertvollen, über die Jahre angesammelten CDs auf allerhöchstem Niveau abspielt.

Diese Zurückhaltung wurde laut Bryston, aber auch nach Bekunden des österreichischen Vertriebs AViTech, von den Kunden überaus wohlwohlend aufgenommen. Zumal sich der kanadische Hersteller mit diversen pfiffigen Details, aber auch separaten Produkten wie externen D/A-Wandlern, ja durchaus offen und bestens gerüstet für die neuesten Trends im HiFi-Segment zeigt.

Hand assembled and individually tested...

Völlig zu Recht ist Bryston stolz darauf, Geräte wie den BCD-1 nach wie vor großteils in Handarbeit in Kanada zu produzieren. Nur dadurch, und durch einen ausführlichen Test jeder Komponente vor der Auslieferung, kann nach Ansicht des Unternehmens der hohe Qualitätsstandard garantiert werden, dem man sich verpflichtet fühlt.

Schon beim ersten Kontakt mit dem Bryston BCD-1 wird klar, dass man hier in jeder Beziehung kein Leichtgewicht vor sich hat. 8,2 kg gilt es ins HiFi-Regal zu heben. Man kann also mit Fug und Recht von einer sehr massiven Bauweise des Chassis sprechen, die jedwede Resonanz nahezu ausschließt. Das komplett aus Metall gefertigte Gehäuse misst 43,2 cm in der Breite, 28,6 cm in der Tiefe und 7,9 cm in der Höhe und ist mit einer ebenso massiven Front aus gebürstetem Aluminium versehen, die bei unserem Testgerät in schickem Silber erstrahlte.

Die Front mit ihren abgerundeten Ober- und Unterkanten entzieht sich durch ihre Schlichtheit jedweder modischen Strömung, aber versprüht wahrscheinlich gerade aus diesem Grund den Charme zeitloser Eleganz. Die Drucktaster auf der Frontseite des Players sind ebenso aus Metall gefertigt wie die auf der im Lieferumfang enthaltenen Fernbedienung. Diese Fernbedienung ist im übrigen ebenfalls komplett aus Metall und dementsprechend schwer. Im Vergleich zu diversen Plastik-Fernbedienungen anderer Hersteller vermittelt dies aber ebenfalls das Gefühl von Qualität und Wertigkeit. Dezent grün erstrahlt das vergleichsweise kleine, aber dennoch sehr gut ablesbare Display.

Die Verarbeitungsqualität betreffend gibt es ebenfalls keinerlei Grund zur Beanstandung. Alles ist perfekt bündig und mit kleinsten Spaltmassen verarbeitet, bis hin zum zentral angeordneten Laufwerk, das ebenfalls sehr massiv wirkt und sich zügig, aber durchaus geschmeidig öffnet und schließt.

Nur CD, aber mit rein audiophilem Anspruch

Eins kann man gleich vorweg anführen: blickt man ins Innere des Bryston BCD-1, so finden sich nur feinste selektierte Bauteile auf tadellos bestückten Platinen.

Die Ingenieure von Bryston setzen beim BCD-1 auf das Beste beider Welten, der analogen sowie digitalen. Dies beginnt bei einem hochwertigen, rein auf die CD-Wiedergabe spezialisiertem CD-Laufwerk, dessen Steuerung von einer Masterclock übernommen wird, die auch für den nachgeschalteten D/A-Wandler den Takt angibt. Dadurch soll jedweder Jitter vermieden und das Signal völlig unverfälscht und somit in bestmöglicher Qualität ausgegeben werden.

Für die Wandlung setzt Bryston zunächst auf einen 24 Bit 192 kHz Hybrid Multi-Bit Delta-Sigma Wandler-Baustein CS4398 von Crystal mit 128fachem Oversampling. Danach folgt eine komplett diskret aufgebaute und in Class A arbeitende analoge Ausgangsstufe. Bryston gab dieser Lösung den Vorzug, da so eine viel feinfühligere Anpassung an den vorgeschalteten DAC, aber auch ganz allgemein eine individuelle Anpassung nach den speziellen Vorgaben der Entwickler erfolgen kann als bei in großen Stückzahlen produzierten IC-Bausteinen, bei denen man immer gewisse Kompromisse eingehen müsse.

Kompromisslos zeigt sich Bryston auch bei der Stromversorgung. So werden die analogen als auch digitalen Baugruppen aus separaten Wicklungen des massiven Ringkern-Transformators und eigenen Spannungsreglern samt Filtern gespeist.

Der Bryston BCD-1 gibt analoge Signale natürlich auch über das gewohnte Stereo-Chinchbuchsen-Pärchen aus. Darüberhinaus finden sich aber an seiner Rückseite auch symmetrische Ausgänge.

Wer die Signale des Laufwerks dennoch direkt digital abgreifen möchte, dem steht beim Bryston BCD-1 nicht nur ein optischer TOS-Link und ein koaxialer S/PDIF-Ausgang zur Verfügung. Der kanadische Hersteller zeigt sich auch hier großzügig und spendierte dem CD-Player zusätzlich einen AES/EBU-Ausgang.

Eine RS232-Schnittstelle sowie 12 Volt Trigger-Anschlüsse komplettieren übrigens das Anschlussfeld des Bryston BCD-1.

Aus der Praxis...

All diese Angaben sind ja durchaus beeindruckend und für Liebhaber feinster Technik sicher sehr interessant, wirklich wesentlich aber ist die Frage, was bringt dieser ganze Aufwand tatsächlich in der Praxis? Kurzum, wie klingt der Bryston BCD-1.

Bryston selbst lobt den BCD-1 als überaus feinzeichnenden und sehr natürlich spielenden CD-Player. Eine Einschätzung, der wir uns auf Grund unseres Tests uneingeschränkt anschließen können. Es ist verblüffend, welchen Detailreichtum der Player aus so mancher eigentlich altbekannten und oft gehörten Aufnahme herauskitzeln kann. Dabei neigt er niemals zu einer Übertreibung in irgendeine Richtung, sondern beschränkt sich stets auf die Wiedergabe, so wie eine Produktion ursprünglich auf CD festgehalten wurde.

Im Zusammenspiel mit einem Bryston B100 SST und den neuesten Lautsprechern des englischen Herstellers PMC, den PMC fact8, allesamt ebenfalls sehr natürlich aufspielende Komponenten, trat diese Tugend des Bryston BCD-1 besonders markant zum Vorschein.

Als Fazit können wir somit nur unsere Begeisterung über diesen Player des kanadischen Herstellers zum Ausdruck bringen. Wir verstehen nun, warum Bryston lediglich den BCD-1 als einzigen CD-Player im Angebot hat. Denn was will man mehr als einen Player, der nahezu perfekt der audiophilen Lehre gerecht wird und niemals auch nur in den Verdacht gerät, seinen speziellen Charakter der Musik hinzuzufügen.

Bedenkt man, dass der Bryston BCD-1 bereits zu einem empfohlenen Verkaufspreis von € 2.733,- im Fachhandel erhältlich ist, kommt man zudem sehr günstig in den Genuss dieser geradezu noblen Zurückhaltung, gepaart mit einer sehr hochwertigen Verarbeitung und einer zeitlos eleganten Design-Sprache.

Michael Holzinger

Auf den Punkt gebracht

Der Bryston BCD-1 erwies sich im Test als exzellent verarbeiteter, überaus neutral, gleichzeitig aber wahrhaft detailverliebt aufspielender CD-Player, der mit zeitlos elegantem Design aufwartet und somit ein erstklassiges Preis/Leistungsverhältnis bietet.

9,0 (Herausragend)

The Good

  • Überaus detailreicher
  • natürlicher Klang
  • exzellente Verarbeitung
  • zeitlos elegant

The Bad

  • Keinerlei Nachteile ersichtlich

Share this article

Related posts