CD-Tipp: Allan Taylor „All is one“

„All is one“, so der Titel des neuesten Albums des englischen Singer/ Songwriter Allan Taylor, das zwar auf den ersten Blick nahtlos an das letzte Album „Leaving at dawn“ anknüpft, mit dem der Künstler aber dennoch andere Wege beschreitet. Denn diesmal führt die Reise nicht an irgendwelche Orte, sondern vielmehr durch die Zeit...

Von Michael Holzinger (mh)
07.10.2013

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Auch in diesem Jahr verbrachte Allan Taylor, wie so oft in den letzten Jahren, seinen Urlaub in Österreich. Alte Freunde besuchen, und das Leben in wunderschöner Landschaft genießen können, das war auch diesmal der Vorsatz des englischen Barden. Wie sehr Allan Taylor seinem Schaffen verbunden ist, wie sehr Musik zu seinem alltäglichen Leben gehört, vor allem auch der ganz unmittelbare und direkte Kontakt mit seinen Fans, ist etwa darin zu erkennen, dass er es zur guten Tradition werden ließ, dass zu seinem „Urlaub“ auch ein paar Konzert-Auftritte gehören.

So trafen wir den Künstler in diesem Juni in der Nähe der kleinen niederösterreichischen Gemeinde Alland, wo Allan Taylor einen Konzert-Abend im Fiddlers Green bestritt, einer fantastischen Location mitten im Wienerwald, die kaum mehr als 50 Besucher fast, und deren Bühne nicht mehr war, als zwei Paletten, über die ein Teppich gelegt wurde. Für die Musik Allan Taylors gibt es aber wohl keine bessere Location, denn hier konnten die Lieder des Travelling Troubadour“ ihre volle Kraft und Intensität, ihre Dichte und ihren ganzen Zauber entfalten.

Schon an diesem Abend im Juni 2013 verriet uns Allan, dass in Kürze ein neues Album erscheinen werde, die Aufnahmen dazu seien bereits nahezu abgeschlossen, und es würde nur noch an Details gearbeitet. Im Herbst, da soll es dann soweit sein, so Allan damals im Gespräch mit dem Autor dieser Zeilen. Und es wird ein ganz besonderes Album, denn auch wenn vieles vertraut wirken werde, so manches Lied auf diesem Album habe ihn über Jahre begleitet, ohne jedoch bislang ganz abgeschlossen werden zu können. Mit diesem Album, so Allan, sei das nun vielfach gelungen.

Und nun ist es tatsächlich soweit, mit „All is one“ steht das neueste Album von Allan Taylor nun dieser Tage zur Verfügung, und tatsächlich, schon nach wenigen Takten ist klar, dass Allan hier mitunter neue Wege beschreitet.

Natürlich knüpft „All is one“ rein musikalisch gesehen nahezu direkt an das im Jahr 2009 erschienene Album „Leaving at dawn“ an, und auch hier sind es vor allem Geschichten, die der englische Barde, einem Freund gleich, dem Zuhörer erzählt, allein die Themen, die er dabei aufgreift, die sind vielfach andere als bisher.

Es sind nicht die konkreten Orte, die er bislang in seinen Liedern vielfach beschrieb, und deren Stimmungen er in lyrischen Texten niederschrieb und in Melodien fasste. Es sind auch nicht die Geschichten von Menschen, die er auf all seinen Reisen traf. Es sind vielmehr die Zusammenhänge aus all diesen Erfahrungen, die Lehren die er für sich daraus zog, die Allan Taylor auf „All is one“ besingt.

Wenn man so will, so ist es die Erfahrung aus vielen Jahren, die Allan hier mit seinen Zuhörern teilt. Selbst wenn der Künstler nun auf die 70 zugeht, von Wehmut oder gar Resignation ist hier rein gar nichts zu bemerken. „All in one“ ist wohl vielmehr eine Bestandsaufnahme für Allan, an der er den Zuhörer teilhaben lässt. Eine Bestandsaufnahme, die er natürlich in seiner ganz besonders eindringlichen Art darbietet, und die selbstverständlich auf beeindruckende Weise zum Nachdenken anregt, aber eben nichts von Wehmut hat.

Wer also schon bislang davon fasziniert war, wie Allan Taylor es versteht, mit seinen Songs Stimmungen einzufangen, Menschen, Orte und Situationen geradezu vor dem Auge des Zuhörers erschaffen kann, der wird von der Intensität und Eindringlichkeit begeistert sein, mit der der Künstler hier mehr oder weniger durch die Zeit reist.

Seine sonore, einfühlsame Stimme, die in ihrer Schlichtheit dennoch derart viele Nuancen in sich birgt, das filigrane Gitarrenspiel, allein begleitet von einigen wenigen weiteren Instrumenten, all dies sorgt bei „All is one“ für einmal mehr für ein Kunstwerg erster Güte, dessen Stimmung perfekt in einem einzigen Foto festgehalten wurde, das das Cover des Albums ziert. Das kahle Feld, auf dem der Künstler zunächst scheinbar verloren steht, aber bei genauerer Betrachtung mit klar fokussiertem Blick nach vorne sieht, während über ihn die Wolken über eine schier unendliche Weite dahinziehen...

„All is one“ wurde natürlich einmal mehr in den deutschen Pauler Studios von Günter Pauler aufgenommen und abgemischt, sowie für Stockfisch Records von Hans-Jörg Maucksch gemastert. Neben Allan Taylor finden sich Musiker wie Ian Melrose, Lutz Möller, Barnaby Taylor, Lea Morris, Lucile Chaubard, Grischka Zepf, Scen von Samson, Beo Brockhausen, Hans-Jörg Maucksch und Vlado Kreslin auf diesem Album, die die sehr zurückhaltenden Arrangements bestreiten. Das Album liegt zunächst als Hybrid SACD vor, wobei es sich um eine SACD Stereo handelt. Es versteht sich angesichts dieses Labels ja inzwischen als geradezu Selbstverständlichkeit, dass „All is one“ geradezu als Paradebeispiel eines audiophilen Albums dienen kann. Perfekt wäre noch untertrieben...

Allan war aber, als wir ihn im Juni darauf ansprachen, guter Dinge, dass dieses Album wohl auch auf Vinyl erscheinen könnte. „I will speak with Günter, I love to have it on vinyl as well“, so Allan damals...

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