Foto © Certon Systems GmbH

Certon Systems Music Server Integrita - Musik-Server mit bis zu 10 TByte und RAID 6

Das deutsche Unternehmen Certon Systems GmbH bezeichnet den so genannten Musik-Server Integrita als ersten, von professionellen Server-Spezialisten entwickelten Datenspeicher für Musik- und Videodaten, dessen technische, klangliche und Gehäuse-Qualität in der absoluten High-end Klasse spielen sollen.

Von Michael Holzinger (mh)
06.12.2012

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Das in Heidelberg ansässige Unternehmen Certon Systems GmbH wurde im Jahr 2005 gegründet und sieht sich selbst als Spezialist für die Entwicklung und den Vertrieb professioneller Speicherlösungen. Zu den renommiertesten Kunden soll etwa die Europäische Organisation für Kernforschung CERN in Genf zählen, die man nach Angaben des deutschen Unternehmens mit Massenspeicher-Lösungen beliefert. Mittlerweile konzentriert man sich auf die Entwicklung von Speicher-Systemen für den Einsatz in kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie für Selbstständige und Privatanwender.

Darüber hinaus hat man eine ganz besondere Zielgruppe auserkoren, die traditionell besonders anspruchsvoll ist, und in Zukunft wohl eine sehr lohnenswerte Zielgruppe für Anbieter wie eben Certon Systems GmbH sein dürfte. Und zwar ambitionierte HiFi- und AV-Enthusiasten. Denn mit der rasanten Entwicklung im Bereich vernetzter Systeme der Unterhaltungselektronik wächst natürlich der Bedarf an entsprechenden Speicher-Systemen. Denn während Daten im normalen Consumer-Segment mehr und mehr in die so genannte Cloud ausgelagert werden, setzen anspruchsvolle Kunden auf hochauflösende Inhalte, die mit eigener Infrastruktur bewältigt werden müssen. Und schon jetzt gilt, dass man eigentlich nie genug Speicherkapazität haben kann, und daran wird sich so bald nichts ändern, ganz im Gegenteil.

Erstmals präsentierte Unternehmensgründer Lord Hess den so genannten Certon Music-Server Integrita im Rahmen der High End 2012 in München, im Mai dieses Jahres. Nunmehr soll die Serienfertigung begonnen haben, wobei diese nach Angaben des Herstellers ausschließlich in Deutschland in Handarbeit erfolgen soll.

Die Speicherlösung ist als durchaus elegantes System konzipiert, denn sie präsentiert sich mit Abmessungen von 425 x 140 x 370 mm und einem soliden Gehäuse aus Metall. Damit passt sie sehr gut direkt ins HiFi- oder AV-Rack, zumal die Verarbeitung des Gehäuses von einem Metallbauer stammen soll, zu dessen Kunden weitere High-end Anbieter zählen, der sich also auf die tadellose Verarbeitung versteht, und der dieses aus eloxiertem Aluminium in Schwarz oder Silber anbietet.

Die wesentlichen Einstellungen des Systems können direkt über einen an der Front untergebrachten Drehregler vorgenommen werden, wobei die zugehörigen Informationen über ein Display ersichtlich sind. Die Details erledigt man natürlich auch hier über ein so genanntes Web-Interface, das mit jedem Web-Browser und somit plattformunabhängig aufgerufen werden kann. Überhaupt sollen für die Inbetriebnahme dieses Systems keinerlei IT-Kenntnisse erforderlich sein, sodass selbst unbedarfte Kunden diese Lösung binnen kürzester Zeit ins Netzwerk einbinden, und darauf zugreifen können.

Die Integration ins Netzwerk erfolgt, wie nicht anders zu erwarten, mit Hilfe einer Gigabit-Ethernetschnittstelle. Zudem weist das System einen eSATA- sowie USB 3.0 Anschluss auf, sodass entsprechende Speichermedien angeschlossen werden können um Daten direkt auszutauschen.

Der Certon Music Server Integrita soll über fünf für die Speicherung von Audio- und Videodaten optimierte Festplatten-Laufwerke verfügen, wobei das System wahlweise mit 2,5, 5 oder 10 TByte Gesamt-Speicherkapazität angeboten wird. Dies entspricht einer Nutzkapazität von 1,5, 3 oder 6 TByte, denn die Festplatten sind ab Werk auf den vergleichsweise sehr sicheren RAID Level 6 vorkonfiguriert, bei dem es prinzipiell sogar dann nicht zu einem Datenverlust kommen sollte, wenn selbst zwei Festplatten gleichzeitig den Dienst verweigern.

Nach Angaben des Herstellers agiert der Certon Music Server Integrita im Netzwerk als UPnP und dlna-zertifzierter Daten-Server und weist zudem einen so genannten iTunes Server auf, kann also unmittelbar als Daten-Lieferant für entsprechende Streaming-Lösungen jedwedem Herstellers eingesetzt werden.

Soweit die möglichst neutral wiedergegebene Ankündigung des Herstellers. Erlauben Sie uns in diesem Zusammenhang ausnahmsweise ein paar Anmerkungen, denn ganz so unkommentiert wollen wir diese Meldung nicht stehen lassen.

Es erscheint uns als überaus problematisch, dass ein Hersteller gerade in diesem Zusammenhang mit Begriffen wie audiophil oder „speziell für Musik- und Video-Daten“ optimierten Festplatten um sich wirft, ohne diese auch nur im Ansatz mit technisch nachvollziehbaren Daten zu untermauern. Was soll etwa eine handelsübliche Festplatte genau für die Speicherung von Audio- und Video-Daten gegenüber anderen auszeichnen? Dies verrät Certon Systems GmbH weder in der Presseaussendung, noch auf der Webseite des Unternehmens. Ist eine zugegeben sehr schicke NAS schon allein dadurch ein Musik-Server, weil sie sich mit Gardemaßen herkömmlicher HiFi-Komponenten präsentiert? Wohl kaum, und auch der ab Werk integrierte UPnP AV-Server allein wird wohl nicht reichen, denn dies bieten nahezu alle derartigen Lösungen, gleichgültig, welcher Hersteller.

Und wodurch wird eine NAS zur audiophilen Speicherlösung? Rotieren hier die Festplatten besonders harmonisch und werden die Bits anders behandelt, weil sie in Summe ein Musik-File, und nicht ein Word-Dokument ergeben?

Warum erzürnt uns derartiges so? Nun, ganz einfach, es wird unserer bescheidenen Einschätzung nach viel zu inflationär mit Begriffen wie audiophil umgegangen, die hinlänglich als Qualitätsmaßstab gelten, aber im Zusammenhang mit derartigen Lösungen schlicht und ergreifend rein gar nichts verloren haben.

Eine so genannte NAS, eine Network Attached Storage-Lösung, ist und bleibt eine NAS, selbst wenn sie im eloxierten, HiFi-Rack tauglichen Gehäuse verkauft wird. Die von ihr gelieferten Daten ertönen am Ende der Kette genauso aus dem Lautsprecher, wie von jeder anderen NAS, sorry, wer anderes behauptet, hat schlicht keine Ahnung von Netzwerken und den zugrundeliegenden Techniken. Und genau damit wird in diesem Zusammenhang gespielt, mit dem im IT-Zusammenhang mangelndem Fachwissen einer überaus interessanten, ambitionierten Zielgruppe, die bereit ist, für ihr geliebtes Hobby mitunter sehr viel Geld auszugeben, und die sich - aus mangelnder Kenntnis - gerne auf bekannte Schlagwörter verlässt.

Hersteller, die sich um diese Zielgruppe bemühen, sollten ihr mit entsprechendem Respekt begegnen und mit Qualität überzeugen. Punkt!

Soviel also dazu, sei noch der empfohlene Verkaufspreis für den Certon Systems Music Server Integrita angeführt: laut Herstellerangaben soll diese Speicherlösung ab einem empfohlenen Verkaufspreis von € 3.490,- ab sofort erhältlich sein.

Update 7. Dezember 2012: Inzwischen erreichte uns eine Rückmeldung der Firma Certon Systems GmbH, die wir gerne hier wiedergeben.

Guten Tag Herr Holzinger,

vielen Dank für Ihre Bericht Hr. Holzinger. Ich bin der Geschäftsführer der certon systems und bin wesentlich in der Entwicklung des Integritas involviert.
Ich möchte zu Ihrem Bericht wie folgt Stellung nehmen:

Das Integrita besitzt Festplatten wie jedes andere Speichersystem, das haben Sie richtig erkannt. Auch speichern wir Bits und Bytes darauf, die die gleiche Funktion haben wie andere Daten auf anderen Festplatten.
Ein Golf hat aber genauso vier Räder wie ein Porsche und kommen mittlerweile sogar aus dem gleichen Haus. Ihrer Theorie zufolge ist also ein Porsche das gleiche wie ein Golf?

Richtig ist, das wir die Festplatten genauso Einkaufen von den zwei großen Herstellern wie andere auch. Aber wir nehmen da keine Festplatten, die möglichst preisorientiert sind, sondern wir haben sie nach anderen Kriterien ausgewählt. 24/7 Lauffähigkeit, Energieverbrauch und Geräuschentwicklung, sowie Resonanz im RAIDverbund. Ziel ist es ein maximal leises System zu bauen, das möglichst wenig unerwünschte Oberwellen und Störsignale über das Datennetz und das Stromnetz absondert.

Schön wäre gewesen, Sie hätten uns eine Mail gemacht und ein Testgerät angefordert. Dann wäre es wohl nicht ganz so emotional geworden.

Ich will Ihnen mal ein paar Details auflisten, die das Integrita deutlich von anderen Produkten von uns und dem Wettbewerb unterscheiden:

- Platten, siehe oben.
- Die Festplatten sind nicht verschraubt, sondern senkrecht stehend in einer auf die Resonanz der Festplatte abgestimmtes Gummipolster eingesetzt.
- Zusätzlich stehen die Gummipolster auf einer Alu Platte, die mittels Schwingungsdämpfer und speziellen resonanzabsorbierenden Gelmanschetten Vibrationen dämpfen.
- Die Festplatten sind hochkant eingebaut, damit die Wärmeentwicklung der einen Platte die andere Platte nicht zusätzlich erwärmt. Dies erhöht die Lebensdauer der Platten. Je heißer eine Platte betrieben wird, desto schneller geht sie kaputt.  Entsprechende Untersuchungen sind im Netz zu finden.
- Das Netzteil ist ein Netzteil aus deutscher Produktion, das hervorragende Entstör Eigenschaften besitzt und mit 08/15 Netzteilen definitiv nicht zu vergleichen ist.
- Zusätzlich arbeiten wir mit weiteren Netzfiltern um weitere Oberschwingungen zu filtern.
- Das Gehäuse ist vermutlich das einzige dieser Art, das Sie auf dem Markt der NAS Systeme finden werden, das nicht aus 0.3mm Dicken Blechen oder ähnlichen gewinnoptimierten Dicken besteht. Das Gehäuse ist 2 mm dick und eloxiert, nicht preisgünstig in Fernost lackiert.  Richtig ist, es wird in Deutschland gefertigt.
- Selbst das Display wurde in Deutschland entwickelt, um im Vorfeld schon EMV Störungen schnell und sicher abstellen zu können.
- Dieses Gerät ist durch den internen Aufbau ultraleise, ein Gerät steht z.B. bei mir im Wohnzimmer ohne das meine Frau meckert.
- Die ultraeinfache Handhabung durch unsere Software möchte ich im Detail gar nicht erwähnen, nur so viel, dass der Servicezugang im Fehlerfall via VPN außerhalb des Enterprisesegments (sprich Rechenzentren) schwer zu finden ist. Auch sitzt der Service hier in Deutschland und besteht aus festangestellten Mitarbeitern und nicht aus „durchlaufenden“ 400€ Kräften die einen sinnlosen Fragebogen abarbeiten...
- Der Zusammenbau des Integritas dauert im Moment fast 6 Stunden, die Burn-In Test nicht eingeschlossen.  Das liegt nicht daran, dass meine Mitarbeiter zu langsam sind, sondern dass hier eine ganz andere Art und Weise des Zusammenbaus notwendig ist als bei anderen NAS Systemen.

Mitnichten ist das Integrita ein Produkt, das unsere Kunden täuschen soll. Ich bin von Hause aus Physiker und versichere Ihnen, dass wir nicht irgendwelchen Voodoo betreiben und die Geräte bei Vollmond um den Friedhof tragen, sondern dass  wir uns auf Messungen verlassen, die sich deutlich von anderen Systeme auch aus unserem Hause unterscheiden.  Wahr ist, was man messen kann.

Ich will Ihnen, Herr Holzinger, anbieten, uns in unserem Hause zu besuchen damit Sie sich selbst ein Bild davon machen können, dass das oben geschriebene kein Marketingblabla ist sondern es Firmen gibt, die sich Mühe geben, sehr gute Produkte zu bauen und darauf stolz sind. Alternativ senden wir Ihnen gerne ein Testgerät zu.

Lord Hess
certon systems GmbH

Sehr gut! Wäre exakt diese Information in der Presse-Aussendung gestanden, hätte es kein einziges "böses" Kommentar gegeben. Denn genau darum ging es: Information. Ich habe mich weder über den Preis geäußert, habe vielmehr die offensichtliche Qualität gelobt, allein so gewisse Reizwörter habe ich bekritelt, die eben nicht dazu geeignet sind, Vertrauen zu schaffen, wenn man diese ohne weitere Information zu inflationär verwedent. Denn so begiebt man sich exakt in das Fahrwasser all jener , die allein damit - ohne Qualität, ohne technischen Hintergrund - ihre Produkte vertreiben wollen. Und es freut uns, dass dies im konkreten Fall nicht so ist.

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