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Christian Dozzler & Michael van Merwyk „Darkest Night“

„Darkest Night“ verheisst eher düstere Stimmung, aber davon ist dann doch recht wenig zu spüren auf dem neuesten Album von Christian Dozzler und Michael van Merwyk. Aber Blues vom Allerfeinsten, davon hat dieser Tonträger reichlich zu bieten, vom ersten, bis zum letzten Song. Davon konnte man sich auch Live etwa im Davis in Wien überzeugen

Von Michael Holzinger (mh)
29.05.2014

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Ja, man muss beim vorliegenden Album „Darkest Night“ von einem Debut-Album sprechen, von einem Erstlingswerk, was spätestens dann geradezu skurril anmutet, wenn man die daran beteiligten Musiker anführt, nämlich Christian Dozzler sowie Michael van Merwyk. Debut-Album? Was soll das? Sowohl Christian Dozzler als auch Michael van Merwyk haben ihr Schaffen schon dutzendemale auf Tonträger verewigt, und dies gar überaus erfolgreich…

Stimmt, aber eben nicht gemeinsam, nicht in der nunmehr präsentierten Konstellation, in der, soviel sei vorweg genommen, die beiden hoffentlich noch sehr häufig zusammen finden.

Daher: ja, es ist ein Debut-Album, denn auch wenn sich die beiden Ausnahme-Künstler natürlich bereits seit Jahr und Tag kennen, und wie sie übereinstimmend versichern, auch höchst schätzen, so richtig zusammen gefunden hat man erst im Jahr 2012 beschlossen, ein gemeinsames Akustik-Projekt zu begründen, das sich im Rahmen einiger gemeinsamer Auftritte als derart erfolgreich erwies, dass daraus sogleich eine Tour folgte. Und dass die beiden wohl sofort geradezu perfekt harmonierten, dass sie unmittelbar diese Gemeinsamkeiten in ihrer Vorstellung des Blues, diese sprichwörtliche gleiche Wellenlänge fanden, dies schwingt ganz klar auch auf diesem neuen, eben ersten gemeinsamen Album mit.

Christian Dozzler, gebürtiger Wiener, aber zumeist in seiner Wahlheimat Dallas im US-Bundesstaat Texas, oder aber auf Tour zu finden, sowie der nicht minder rastlos auf Tour befindliche Deutsche Michael van Merwyk verbindet vor allem eins, das Bewusstsein für den traditionellen Blues, und die Leidenschaft, dieses zu vermitteln. Allerdings sehen sie ihr Schaffen nicht nach rückwärts gerichtet, sondern bewusst offen für Neues, sodass aus dieser Tradition zahllose eigene Songs entstanden. Und genau dieses Spannungsfeld soll auch auf der neuen CD zu finden sein, also Neuinterpretationen bewährter Songs aus fremder Feder, angereichert mit nicht minder spannenden eigenen Kompositionen.

„File under Blues, Baby“, so der vielsagende Hinweis auf der Rückseite des neuen Tonträgers, und dieser ist, das wird nach wenigen Songs klar, absolut wörtlich zu nehmen. Eigentlich müsste man noch anführen, dass es sich um Blues vom Allerfeinsten handelt.

Nicht minder spannend ist ein weiteres Statement, dass die beiden Künstler gleich darunter anführten, ja, es ist geradezu ein „Warnhinweis“. „Beware! Old school recording - live in the studio, no overdubs“. Ein Warnhinweis, der für viele Musikenthusiasten aber wohl eher ein klares, erfreuliches Versprechen ist, das ebenso absolut wörtlich genommen werden kann. An lediglich einem einzigen Tag haben Dozzler und van Merwyk das vorliegende Album eingespielt, und dennoch überwältigt es den Zuhörer mit absoluter Perfektion, aber allen voran mit Lebendigkeit, mit dem ganz speziellen Charme, dem Zauber, der nur dann entsteht, wenn zwei Musiker tatsächlich Musik spielen, und diese nicht in klitzekleinen Bausteinen irgendwie mit modernster Studio-Technik zusammen fügen.

Daher war es ja geradezu naheliegend, das neue Album im Rahmen einer weiteren gemeinsamen Tour zu präsentieren, und eine Stationen dieser Tour führte Christian Dozzler und Michael van Merwyk erfreulicherweise auch nach Wien, wo sie auf Einladung des Vereins BLUESimon im Davis gastierten.

Ein wunderbarer Abend wurde den Besuchern zuteil, die das Glück hatten, diese beiden Ausnahmekünstler hier Mitte Mai 2014 live zu erleben. Denn so perfekt das Album „Darkest Night“ auch von Wolfgang Brammertz in den Fox Music Studios mit Michael van Merwyk und Christian Dozzler als Produzenten gemischt und gemastert wurde, diese Unmittelbarkeit, dieses eindringliche Erleben, das vermittelt eben dann doch nur die Live-Performance. Allen voran bei Künstlern wie Christian Dozzler und Michael van Merwyk, die wohl auf der Bühne das Quäntchen mehr zu geben im Stande sind…