Foto © Universal Music

Curtis Stigers „One more for the road“

Es ist als Würdigung eines ganz, ganz großen Entertainers zu verstehen, was Curtis Stigers gemeinsam mit der Danish Radio Big Band auf dem Album „One more for the road“ festhielt, und zwar Frank Sinatra. Dessen Album „Sinatra at The Sands“ aus dem Jahr 1966 diente hier in vielerlei Hinsicht als Vorlage, dennoch entstand ein bemerkenswertes, durchaus eigenständiges, und zweifelsfrei absolut hörenswertes Album.

Von Michael Holzinger (mh)
29.01.2017

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„The Sands is proud to present a wonderful new show… A man and his music! The music of Count Basie and his great band“, so beginnt jenes Album, das im Jahre 1966 in der Wüstenmetropole Las Vegas aufgezeichnet wurde. Es folgt ein kurzes musikalisches Zwischenspiel, besagtes Orchester lässt bereits damit beschwingt, locker swingend aufhorchen, und gibt einen dezenten Hinweis darauf, was an diesem Abend noch folgen sollte. Bis der Sprecher wieder aufs Neue ansetzt und seine Begrüssung mit den Worten beschließt: „And the man… is Frank Sinatra!“

Dass Sinatra lässig und souverän die Bühne mit der Frage betritt, wie all die Leute in sein Wohnzimmer kämen, ist nur ein weiteres Gustostück, das das Album "Frank Sinatra at the Sands", ganz abgesehen von dem eigentlichen musikalischen Aspekten auszeichnet. Kein Wunder, zeigt es doch einen Frank Sinatra auf dem absoluten Höhepunkt, zusammen mit einem fantastisch aufspielenden Count Basie samt Orchester, und nicht zuletzt Quincy Jones, der für die Arrangements und die musikalische Leitung verantwortlich zeichnet.

Dass sich nun Curtis Stigers ausgerechnet dieses legendäre Album als Vorlage für seine Würdigung von Frank Sinatra auserkoren hat, mag zunächst geradezu vermessen anmuten. Andere Künstler, wie etwa Roger Cicero, der sich ebenfalls an eine Hommage an einen der größten Entertainer heranwagte, gingen nicht so weit. So beließ es Roger Cicero bei seinem im Herbst 2015 veröffentlichten Album dabei, dieses als „Cicero sings Sinatra - Live in Hamburg“ zu titulieren, und damit gemeinsam mit durchaus prominenten Mitstreitern einen Querschnitt über das breite Schaffen von Frank Sinatra abzuliefern.

Curtis Stigers hingegen geht mit „One more for the road“ tatsächlich soweit, dass er sich besagtes Album aus dem Jahr 1966 direkt zum Vorbild nahm, dies verrät bereits das Cover-Artwork der Aufnahme, die unweigerlich direkt an das Original erinnert.

Wer aber nun meint, dass es sich um eine plumpe eins zu eins Kopie handle, der irrt. Vielmehr versteht es Curtis Stigers famos, sich das Vorbild zu Eigen zu machen, orientiert sich teils ganz klar an dem großen Vorbild, spielt mit so manch charakteristischen Interpretation seines Vorbilds und ganz typischen Phrasierungen, die Sinatra so einzigartig machen, macht diese aber im Kontext des gesamten Konzert-Abends zu seiner eigenen Interpretation. Vor allem erfordern gerade diese direkten Bezüge eine Kunstfertigkeit, die Curtis Stigers, aber auch sein Orchester an diesem Abend mit Bravour zu liefern verstehen, ohne diese würden die zahllosen Anspielungen an das Original zweifelsfrei ins Lächerliche abgleiten und das gesamte Album damit zum scheitern bringen.

Curtis Stigers, dessen größte kommerzielle Erfolge im Pop-Segment schon einige Jahre zurück liegen, der aber danach recht rasch zu seinen ureigensten Wurzeln, die ganz klar im Jazz liegen, zurück fand, und über die Jahre hinweg reifte und seinen eigenen Stil entwickelte, beweist mit „One more for the road“ eindrucksvoll, dass er sich mit diesem Projekt, einem ganz großen zu huldigen, garantiert nicht übernahm, sondern vielmehr die Reife und Gelassenheit vorweisen kann, trotz dieses so unmittelbar am Original orientierten Programms die nötige Eigenständigkeit zu vermitteln, ohne die es nicht klappen würde.

 

Curtis Stigers gelang mit „One more for the road“ ein Album, das einerseits die Aufnahme aus dem Jahr 1966 würdigt, diese in frischem Klang erstrahlen lässt, gleichzeitig den eigentlich zeitlosen Songs eines Frank Sinatra einen ganz persönlichen neuen Touch verpasst, und damit auf eindrucksvolle Art belegt, welch großartiger Musiker Stigers tatsächlich ist.

Bereits auf Audio CD kann dieses Album übrigens mit fantastischem Klang aufwarten, wobei die gesamte Klangfülle so richtig bei dem ebenfalls angebotenen Hi-Res Download zum Vorschein tritt. Allerdings liegt diese Aufnahme leider nicht, wie das "Original", auch auf Vinyl vor...

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Cover

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Facts

Album

One more for the road

Künstler

Curtis Stigers, Danish Radio Big Band

Komponist

Diverse

Genre

Jazz, Big Band

Jahr

2017

Format

Photo highlights

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Curtis Stigers „One more for the road“
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Curtis Stigers „One more for the road“
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Curtis Stigers „One more for the road“