Foto © Dali GmbH Deutschland

Dali Rubicon 2 im Test - Technologie-Transfer fürs Kompakt-Segment

Mit modernsten Chassis, einem schweren, absolut stabilem Gehäuse und nicht zuletzt einem schicken Design macht die kompakte Dali Rubicon 2 auf sich aufmerksam, und zeigt sich zudem sehr preiswert und flexibel in der Aufstellung. Wie das feine kompakte Lautsprecher-System aus Dänemark in einem Wohnzimmer klingt, haben wir für Sie ausführlich getestet.

Kurz gesagt...

Wer einen kleinen oder mittleren Raum klanglich gut ausstatten möchte, kommt an der Dali Rubicon 2 nicht vorbei. Gut positioniert straft die Wiedergabe den Preis Lügen, und beweist damit eindrucksvoll, das auch „kleine“ Lautsprecher-Systeme, ausgestattet mit feinsten, modernen Treibern und solidem Gehäuse durchaus groß aufspielen können.

Wir meinen...

Das eine kleinere Serie von einem Technologie-Transfer aus den oberen Modellpaletten ungemein profitieren kann, ist vielfach zu beobachten, so auch bei der Dali Rubicon-Serie. Dali zeigt eindrucksvoll, wie eine ausgefeilte Technologie selbst beim kompaktesten Modell der Produktreihe zu ausgezeichneten Ergebnissen führen kann. Die Arbeit selbst an kleinsten Details ist bei Dali nicht nur bei den „großen“ Systemen Pflicht, sondern ein unverzichtbares Programm, um auch aus dem Kompakt-Modell das letzte dem System zu holen. Und das hört man mit jedem Ton!
Hersteller:Dali Speaker A/S
Vertrieb:Dali GmbH Deutschland
Preis:€ 899,- pro Stück

Von Juergen Weber-Rom (jwr)
05.10.2014

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Man entwickle und fertige Lautsprecher-Systeme aus Liebe zur Musik, so charakterisiert das Unternehmen Dali das eigene Bestreben. Und zwar seit dem Gründungsjahr 1983. Der, für viele Musikliebhaber der entsprechenden Generation, eigentlichen Hochzeit der HiFi. Nein, Dali ist damit natürlich bei weitem nicht das älteste Unternehmen welches edle Lautsprecher in Skandinavien herstellt, aber eines, das damit ebenfalls bereits auf einen Erfahrungsschatz von immerhin 31 Jahren zurück blicken kann. 31 Jahre sind im Lautsprecherbau eine sehr lange Zeitspannen, besonders wenn es sich um eine Periode des Umbruches und dramatischer Marktveränderungen handelt, wie dies eben in den letzten Jahrzehnten zu beobachten war. Ein Unternehmen, das nach all diesen Veränderungen heute mit soliden Beinen im Geschäftsleben steht, hat einfach sehr viel richtig gemacht. Es ist der Kunde, der die Wahl zwischen zahlreichen Herstellern und Modellen hat, und dieser ist offenbar sehr treu wenn er ein tolles Produkt vor sich hat. 



Um ein wirklich tolles Produkt soll es in diesem Test gehen. Allerdings nicht um eines an der Spitze einer Produkt-Serie positioniertes Lautsprecher-Modell, sondern vielmehr um den Einstieg in die feine, aber noch immer leistbare Dali Rubicon-Serie. Die Dali Rubicon-Modellpalette besteht aus insgesamt drei Standlautsprecher-Systemen, einem Wandlautsprecher-System, und eben der Dali Rubicon 2, einem Kompaktlautsprecher-System, ausgelegt mit zwei Wegen. Ein kleiner Lautsprecher, der es, soviel sei bereits verraten, faustdick hinter den „Ohren“ hat, und den man auch in etwas größeren Räumen durchaus ernst nehmen muss. Wer sich für ein Modell der Kompakt-Klasse interessiert, der sollte sich, auch hier wollen wir bereits einen Teil des Fazits vorweg nehmen, dieses Modell nicht entgehen lassen. Denn es mutet fast schon „fahrlässig“ an, bei einem Neukauf für das heimische Hördomizil in der Kompakt-Klasse an der Dali Rubicon 2 vorbei zu gehen. Doch dies nur als erster Hinweis darauf, in welcher Kategorie dieses System aus Dänemark aufspielt.

Die Dali Rubicon 2 wirbt als klassischer Zweiwege-Kompaktlautsprecher um die Gunst des Kunden. Dali verbaute hier einen topmodernen und kürzlich überarbeiteten 165 Millimeter Tiefmitteltöner, sowie eine feine 29 Millimeter Gewebekalotte. Gewebekalotte? Ja, und einen Grund zum Nase rümpfen gibt es hier freilich nicht, denn eine sehr gute, tatsächlich mit viel Akribie entwickelte und damit optimal ausgereizte Gewebekalotte hat noch immer dieselben Vorteile, die andere vielleicht moderner und scheinbar „zeitgemäßere“ Materialien nicht haben. Eine Gewebekalotte punktet mit ihrem unerreichten seidenweichen Klang. Der Durchmesser von 29 Millimeter, wie hier bei der Dali Rubicon 2 der Fall, macht sie zudem äußerst belastbar und prädestiniert sie geradezu für den Einsatz in einem Zweiwege-Lautsprecher mit einem 16er Tief-Mitteltontreiber. Aber damit ist die Technologie dahinter längst nicht ausreichend erklärt. Dali legt hier erstaunlich großen Wert auf ein adäquat durch entwickeltes Produkt, um dem eigenen Anspruch, damit den Einstieg ins Highend-Segment zu ermöglichen, ohne Abstriche zu erfüllen.

Ein Lautsprecher-Chassis fängt nun mal bei seiner zentralen Komponente, dem Magnetsystem, an. Mit dem aus den oberen Modellpaletten der dänischen Spezialisten bekanntem so genannten SMC „Linear Drive System“ gelang es eine nahezu unverzerrte und detailreiche Musikwiedergabe zu realisieren. Der Transfer dieser Spitzentechnologien in die darunter liegenden Serien, hier die Dali Rubicon, scheint ein wichtiges Ziel der Dänen zu sein. Dali setzt hierzu im Ferrit-Magnet das sogenannte SMC Pol Stück ein, welches zur Linearisierung der Magnetfeldlinien im Luftspalt mit einer Kupferkappe umschlossen wurde. SMC, eine Abkürzung für „soft magnetic compound“, soll maßgeblich die Verzerrungen im Magnet-System reduzieren. Im Speziellen geht es um die Grundeigenschaft des Materials SMC, eine hohe magnetische Leitfähigkeit mit einer geringen elektrischen Leitfähigkeit zu verbinden. Dali wirkt mit dieser Maßnahme einem zentralen Grundproblem im Lautsprecher-Magnet, der sogenannten „Hysterese“ entgegen. Eisen-Magnete haben die wenig nützliche Eigenschaft mit unterschiedlichen Reaktionszeiten auf Magnetisierung und Demagnetisierung zu reagieren. Der zeitliche Versatz, die Demagnetisierung, geschieht langsamer, führt zu messbaren Verzerrungen, und somit zu Energieverlusten im Antriebssystem eines Lautsprecher-Chassis. Die Ursache hierfür ist der einfache Umstand, dass Eisen elektrisch leitend ist. SMC hingegen weist eine elektrische Leitfähigkeit um den Faktor 1/10.000 im Vergleich zu Eisen auf.

Auch die Linearität eines Magnetsystems birgt große Tücken im Lautsprecherbau. Der Begriff „Linearität“ steht an vielen Stellen für komplexe technische Hintergründe und großen Aufgabenstellungen an die Entwicklungsabteilungen. Auch hier ist der typische Eisen-Magnet prinzipiell durch seine Stromleitfähigkeit im Nachteil. Der Stromfluss moduliert natürlich den Magnet-Fluss, wohingegen nur ein linearer Magnet-Fluss und eine lineare Schwingspulen-Induktivität zu einem optimalen Ergebnis führen können. Hier entfaltet das SMC Pol-Stück der Dali Rubicon-Serie seine ganze Wirkung, indem es die Induktivität der Schwingspule an allen Auslenkungspositionen in einem deutlich stabileren engeren Rahmen hält, und macht den Lautsprecher Verstärker „freundlicher“. Durch diese Linearisierung der Impedanz leistet der Verstärker weniger Blindleistungen an Impedanz Schwankungen und Phasendrehungen, und kann so deutlich mehr Klangpotential ausarbeiten.

Geringe Verluste und eine exzellente Linearität bedeuten auch, dass die eingesetzten Membran-Materialien dem hohen Anspruch des Antriebes folgen müssen. So zeigt sich der 165 Millimeter durchmessende Tiefmitteltöner besonders stabil und leicht. Der von der Dali Epicon-Serie entliehene Treiber wird aus einem extrem stabilen Holzfasergemisch hergestellt. Holzfasern bieten, sofern man die Herstellung beherrscht, eine enorme Steifigkeit, bei vergleichsweise geringem Gewicht, und eine exemplarisch hohe innere Dämpfung. Und Dali hat hier in den drei Jahrzehnten der Unternehmensgeschichte eine enorme Erfahrung und Expertise erarbeitet, kurzum, die Entwickler aus Dänemark verstehen es perfekt, das Optimum aus dieser Technologie heraus zu kitzeln. Zudem ist die im dezenten Rotbraun gehaltene Membrane des Tiefmitteltöners ja bereits eine Art Markenzeichen des Unternehmens. Die genaue Rezeptur verrät der Hersteller aus naheliegenden Gründen zum Schutze seiner Produkte nicht. Die Oberflächenstruktur der Membran ist bewusst unregelmäßig ausgestaltet, um Oberflächenresonanzen aufzubrechen, und die Formstabilität zu erhöhen. Die Maxime eines guten Chassis lautet, so gut wie möglich „Kolbenförmig“ zu schwingen. Das lenkt natürlich die Aufmerksamkeit auf die eingesetzte Sicke. Diese muss bei einem extrem steifen Membran-Aufbau die „Bewegungsarbeit“ alleine bewältigen. Ein nachgiebiges Membran-Material schwingt hier mit den Eigenschaften einer Sicke zum Teil mit, und erhöht somit die Belastbarkeit des Gesamtsystems – allerdings mit teils enormen Nachteilen in der Abbildungspräzision. Die Sicke der Dali Rubicon-Chassis sind extrem bewegungsfähig und belastbar, sodass hier ein maximaler Hub aus der Geometrie geholt werden kann. Basis hierfür bildet der nicht leitende resonanzoptimierte Aluminium-Korb – alles andere als selbstverständlich in dieser Preisklasse.

Gestalterisch zeigt sich die Rubikon 2 erfreulich einfach und klar. Das hochfeste und für die Größe erstaunlich schwere MDF-Gehäuse mutet nahezu „tot“ an. Ein Fingerklopfen gegen die Fläche wird mit einem Schmerz „belohnt“, und klingt sehr leise und dumpf. Indizien, die auf ein bestens optimiertes Gehäuse hinweisen. Die Oberfläche ist bei unserem Test-Muster absolut makellos und edel gefertigt. Die Einpassungen der Chassis sind mit beängstigend geringen Spaltmaßen, absolut akkurat ausgeführt. Für ein verbessertes Rundstrahl-Verhalten wurde die Frontplatte etwas gerundet ausgeführt. Somit treten weniger Kanten-Reflektionen auf und verwässern oder verschmieren nicht die stabile und präzise Abbildung des Klanggeschehens. Der Tiefgang der kleinen Kraftlackel wird durch ein rückseitiges, strömungsoptimiertes Bassreflex-Rohr gekonnt erweitert. Der absolut überzeugende Tiefgang der Wiedergabe scheint die nüchternen technischen Daten Lügen zu strafen, obwohl die Dali Entwickler die Tuning-Frequenz mit 42,5 Hz angeben.

Kompakten Lautsprecher-Systemen, ausgeführt wie im konkreten Fall die Dali Rubicon 2, sagt man nach, dass sie ihren eigentlichen Vorteil in der leichtfüßigen Spielweise haben, denn eine Frequenzweiche, die nur zwei Wege aufzuteilen hat, verursacht weniger filterbedingte Probleme und klingt, schlicht auf den Punkt gebracht, unbeschwerter. Und genau dies ist hier der Fall, wenngleich sich die Entwickler dennoch auch bei der Frequenzweiche keine Blöße geben, und diese direkt an das Anschluss-Panel an der Rückseite montierten, um die Signalwege möglichst kurz zu halten. Zudem wurde die Frequenzweiche bewusst möglichst schlicht gehalten, um möglichst geringen Einfluss auf die Signaltreue zu garantieren, ist aber dennoch allein mit hochwertigen Bauteilen aufgebaut.

Auch der Anschluss-Terminal selbst lässt keine Wünsche offen und präsentiert sich mit sehr solide wirkenden Schraubklemmen, die natürlich auch fertig konfektionierte Kabel mit Bananas aufnehmen. Eine Bi-amping oder Bi-wireing-Option steht aber hier nicht zur Verfügung. Diese findet man erst bei den größeren Lautsprecher-Systemen der Dali Rubicon-Reihe.

Mit den Maßen von 35 Zentimetern in der Höhe, von 19,5 Zentimeter in der Breite und 33,5 Zentimeter in der Tiefe bringt es der Lautsprecher auf ein noch rückenfreundliches Gewicht von 8 Kilogramm und verlangt nach stabilen Lautsprecherständern. Auf Grund der kompakten Abmessungen benötigt die Dali Rubicon 2 nur sehr wenig Platz, kann also schon allein deswegen sehr flexibel in jedem Wohnumfeld eingesetzt werden.

Überhaupt ist es einer der größten Vorteile der Dali Rubicon 2, dass sie sich auch aus akustischer Sicht nahezu jedes Raumumfeld integrieren lässt. Durch den fehlenden letzten absoluten Tiefgang drückt der Raum nahezu alle Augen zu und bricht das Tiefbass-Geschehen nicht in allzu viele Resonanzen auf. Der Bassbereich profitiert naturgemäß von einer wandnahen Aufstellung. Trotzdem verweist Dali auf eine weitgehend freie Positionierung, mit mehr Abstand zu den begrenzenden Wandflächen, und das macht sich auch bezahlt.

Der guten Ordnung zu liebe folgen nachstehend noch die obligatorischen Eckdaten: Der Frequenzumfang beträgt dank der eingesetzten Top-Chassis 50 Hz bis 26.000 Hz, wobei hier die eigentliche Abstimmfrequenz des Bassreflex-Systems bei 42,5 Hz liegt. Die Nennimpedanz beträgt 4 Ohm, und stellt damit für keinen Verstärker ein Problem dar. Bei einem Wirkungsgrad von sehr guten 87 dB (2,83V/1m) soll die Rubicon 2 laut Hersteller in der Lage sein, einen Schalldruck von immerhin 107 dB zu erzeugen. Das Zweiwege-Konstrukt wird bei 3.100 Hz getrennt. Damit befindet sich auch der nahezu gesamte Stimmbereich unbeeinflusst von der Frequenzweiche in einem Übertragungsbereich.

Angeboten wird die Dali Rubicon 2 in den Ausführungen Weiss und Schwarz, jeweils in einem Hochglanz-Finish, aber ebenso in sehr schicken Holz-Varianten, und zwar so genanntem Rosso und Walnuss.

Gleich vorweg: Klanglich ist die Dali Rubicon 2 eindeutig ein erwachsener und ausgefeilter Lautsprecher, trotz der kompakten Abmessungen. Dass die wirklich tiefsten Lagen fehlen, darf man einem Kompaktlautsprecher-System prinzipiell nicht anlasten. Dafür ist er nicht gebaut. Und wie bereits zuvor erwähnt, der erste Eindruck vermittelt einen weit deutlicheren Tiefgang, als es das Datenblatt vermuten lässt, und alles darüber – aber hallo! Der erste Klangeindruck entstand mit dem Redaktions-Arbeitsgerät, einem Verstärker von Accustic Arts, genau gesagt dem Accustic Arts Power 1 und einem Yamaha CD-Player neuerster Generation als Zuspieler.

Die erste Position des Lautsprechers in unserem Hörraum war ein einfacher Austausch mit meinen Standlautsprechern. Damit erfülle ich die Anforderung des Herstellers nach freier Aufstellung nahezu perfekt. Mit einem Wandabstand nach hinten von gut 1,3 Meter und einem Seitenabstand von 1,7 Meter zu jeder Seite, sowie einer Basisbreite von gut 2,3 Meter, unterscheidet das menschliche Gehör sehr leicht zwischen Direktschall und den ersten Reflektionen. Bei einem guten Rundstrahl-Verhalten sollte sich schnell ein natürliches und räumliches Klangbild einstellen. Und, in der Tat, die Dali Rubicon 2 spielte souverän auf und hielt sich als Tonquelle nahezu unhörbar im Hintergrund. Mit geschlossenen Augen läuft man die Lautsprecher eher um, als das man sie im Raum orten könnte. Vorbildlich, und sehr selten erlebt! Vor allem in der Kompakt-Klasse. Bemerkenswerterweise stellt sich dieses Erlebnis auch weitgehend unabhängig vom eigentlichen Hörabstand ein. Das bedeutet, dass selbst bei eigentlich zu weitem Hörabstand die Integration des „kleinen“ Lautsprechers in einen großen Raum hervorragend funktioniert. Immerhin waren es in diesem Testaufbau knapp vier Meter Abstand zur Sitzposition, und die „kleine“ Dali Rubicon 2 musste anstelle ausgewachsener Standlautsprecher-Systeme ihren Dienst verrichten.

Der Eindruck reduziert sich minimal, wenn man die Lautsprecher-Systeme näher an die Rückwand zurück schiebt. Die Empfehlung des Herstellers scheint sich hier vollinhaltlich zu bestätigen. Während sich der Lautsprecher selbst etwas in die Wahrnehmung des Musikhörers rückt, gewinnt der Bass an Autorität und minimal Tiefgang.

Bemerkenswerterweise geschieht dies aber hier ohne das übliche „Aufblähen“ des Klangbilds. Ohne an Kontur und Genauigkeit zu verlieren, weitet sich die Basswiedergabe feinfühlig, wenn man sich etwa 50 bis 70 Zentimeter an die Rückwand heran wagt. Dali scheint hier eine ausgesprochen gute Bassabstimmung gelungen zu sein. Die Kunst hierbei ist eine nicht ganz so tief reichende untere Grenzfrequenz des Lautsprechers und die gewählte effektive Abstimmung des Bassreflex-Rohres. Während die unterste mögliche Frequenz laut Datenblatt bei ca. 50 Hz liegt, spielt auch das Bassreflex-Rohr und seine Tuningfrequenz eine entscheidende Rolle. Man kann ein Reflex-Rohr nach klassischem Muster abstimmen, oder eben gezielt den Weg der „Fehlabstimmung“ gehen. Manche Kniffe, die noch etwas an Tiefgang und Volumen in das spielfertige System bringen, lassen meist an Wiedergabequalität vermissen. Dass die klassische Bassreflex-Abstimmung doch der beste Kompromiss zwischen zusätzlichem Tiefgang und Bass-Qualität bietet, scheint sich hier im Falle der Dali Rubicon 2 besonders deutlich abzuzeichnen. Zudem ist festzuhalten, dass sich die Dali Rubicon 2 auch dadurch auszeichnet, mit unweigerlichen Raumresonanzen besonders gut umgehen zu können.

Natürlich absolvierte ich, neugierig wie ich nun mal bin, auch besonders kritische Testaufnahmen. Was die räumliche Staffelung betrifft, ist John Williams „Star Wars – die dunkle Bedrohung (Episode I)“ für mich eine Referenz. Die Dali Rubicon 2 stellte die Instrumentengruppen im rechten Verhältnis auf nahezu magische Weise losgelöst in den Raum. Selbst die kurze Sequenz mit einer riesen Kesselpauke konnte der stabilen Abbildung nichts anhaben. Das Fell schwang dezent und abartig tief im Hintergrund aus. Das hochdynamische „The Pink Panther“ von Christophe Beck aus dem Jahr 2006 verzauberte mit seinem typischen hochlebhaften Klangbild. Dynamische Treppen wurden genau nachgezeichnet und vermittelten den lebhaften turbulenten Charakter dieser feinen Neuauflage dieses Filmklassikers.

Besondere Freude bereitet dieser Lautsprecher aber mit Stimmaufnahmen. So kann sich eine Lyambiko mit dem Album „Saffronia“ direkt unter die Haut der Zuhörer singen. Ihr sprödes charmantes „Feeling good“ steht wie selbstverständlich im Raum. Fast möchte man meinen, der Dame bis auf die Stimmbänder sehen zu können. In dieser Dramatik und Deutlichkeit habe ich das bei einem Lautsprecher dieser Größenklasse und Preislage noch nicht erlebt. Wir sprechen im Falle der Rubicon 2 immerhin von nicht mehr als € 899.- pro Stück.

Entsprechend seinen Fähigkeiten sollte man diesem dem kleinen Klangboliden einen stabilen und tunlichst schweren Ständer gönnen, wenn man die Dali Rubicon 2, wie in unserem Test, frei im Raum platziert. Denn auf eine Wackelpartie oder einen Leichtbau reagiert die Rubicon 2 nicht sehr erfreut, und straft derartige Versäumnisse mit einem leicht zerfaserten Klangbild und einer nicht ganz so stabilen Basswiedergabe ab. Und glauben Sie mir – auf diesen feinen vielschichtigen konturierten Bass wollen Sie nicht verzichten. Sollte man die Speaker ihrem Namen entsprechend etwa auf einem Möbel platzieren, sollte man ebenfalls darauf achten, dass diese Grundlage entsprechend solide ist, und ihr unbedingt den entsprechenden Freiraum gönnen.

Die Dali Rubicon-Serie offeriert ein wohl abgestimmtes Sortiment an feinen und leistbaren Lautsprechern, welche sich Spitzen-Technologien aus den Top-Reihen des dänischen Spezialisten stibitzen durfte. Dies zeigt sich bereits im kleinsten Modell der Serie, der Dali Rubicon 2, die nicht nur optimal für Mehrkanal-Systeme als hervorragende Surround-Speaker im Verbund mit weiteren Standlautsprechern der Reihe sind, sondern auch für sich allein im HiFi-Umfeld wirklich überzeugen, und vor allem Spass machen können.

Die Verarbeitung ist nicht nur klassengerecht angemessen, sondern verwöhnt auch anspruchsvolle HiFi-Liebhaber. Klanglich positioniert sich der Testproband deutlich am oberen Ende seiner Gewichtsklasse, und auf den Klang kommt es uns Musikliebhabern ja an. Wenn Sie eine kleine Musikecke, oder nur einen kleinen bis mittleren Wohnraum zur Verfügung haben, so zeigt sich die Dali Rubicon 2 als genau passender Partner, mit dem man entspannt auf Entdeckungsreise gehen kann. Sollte mal eine Veränderung in den Wohnverhältnissen anstehen, so muss man nicht gleich neue Lautsprecher kaufen, sondern nimmt das kleine Talentwunder mit und entscheidet einfach später ob es tatsächlich Neue sein müssen. Mit dieser Entscheidung kann man sich aber wohl getrost Zeit lassen, denn eine Dali Rubicon 2 verhungert auch nicht in einem großen Wohnzimmer, und ließ mich etwas ratlos stehen. Darf das in derart überzeugender Art und Weise sein?

Klanglich spielt die „Kompaktbox“ erfrischend neutral und lebhaft auf. Einschränkungen wegen der Größe ? Ganz sicher nicht. Die Stärken liegen in der Abbildung der Stimmlagen, und in der Ausdifferenzierung der Basslagen, gerade auch deswegen, weil die Dali Rubicon 2 nicht mit übertriebenen, dann wirklich abartig tiefen Bassgewittern allzu stark Raumresonanzen anregt. Bei durchdachter und gelungener Aufstellung im Raum tritt der Lautsprecher akustisch vollkommen in den Hintergrund.

Mit leistbaren € 1.800,- für ein Paar Dali Rubicon 2 sind Sie dabei. Wie gesagt, lediglich stabile und schwere Lautsprecherständer sollten noch wohlwollend budgetiert werden. Das Leistungsprofil der Verstärker gibt Dali mit 40 bis 150 Watt an, und damit kommt eine große Bandbreite an verwendbaren Verstärkern zusammen. Dali weist ausdrücklich auf die Verträglichkeit mit Röhrenverstärkern hin, wobei es, gleichgültig welche Technologie auch immer, trotz des günstigen Einstandspreises für die Rubicon 2 gerne auch ein Top-Produkt sein darf. Die Dali Rubicon 2 weiss damit bestens umzugehen. Dies zeigt unser Test im Verbund mit dem fantastischen Accustic Arts Power 1 als Spielpartner…

Auf den Punkt gebracht

Mit der Dali Rubicon 2 steht ein überaus klangstarker, aber dennoch sehr kompakter Lautsprecher zur Verfügung, der mit überdurchschnittlicher Darstellungskraft und Abbildungspräzision aufwartet, universell einsetzbar ist, und somit nicht nur ideal als Surround-Speaker im Verbund mit weiteren Modellen der Dali Rubicon-Serie ist, sondern ebenso als schicker, kleiner Speaker für anspruchsvolle HiFi-Systeme voll und ganz überzeugen kann.

7,0 (Sehr Gut)

The Good

  • gelungene Abstimmung
  • sehr neutral mit einer guten Portion Wärme im Klangbild
  • braucht keine Leistungsriesen um auf Trab zu kommen
  • leicht zu positionieren

The Bad

  • braucht stabile Ständer
  • oder eine gute Isolation wenn diese auf einem Sideboard platziert werden

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Unser Fazit

sempre-audio.at Preis/ Leistung Award

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