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Dali Rubicon 6 im Test - Der „heimliche“ Star der Rubicon-Serie…

Mit modernsten Chassis und einem stattlichen Standgehäuse macht die edle Dali Rubicon 6 eine gute Figur, zeigt sich beim Preis in der Kategorie „leistbar“, und schreckt auch vor Party-Pegeln nicht zurück. Diese Leistungsfähigkeit vereint mit feinen hoch audiophilen Tugenden könnten die Dali Rubicon 6 für so manchen zweifelsfrei zur wahren Traumbox machen.

Kurz gesagt...

Wem die Dali Rubicon 2 und selbst die Dali Rubicon 5 zu klein ist, findet bei der Dali Rubicon 6 genau das richtige Lautsprecher-System. Gut positioniert, straft die Wiedergabe den Preis Lügen, und zeigt sich enorm klangstark und universell einsetzbar. Mitnichten bedeutet die universelle Einsetzbarkeit Langeweile, viel mehr liefert sie Spass bei allen Musik-Genres.

Wir meinen...

Heute reicht es nicht, einen Lautsprecher nur nach den Regeln der Technik zu bauen. Ein gelungenes Äußeres ist, wenn auch nicht klanglich relevant, ein wichtiges Attribut. Wenn sich feiner Klang zu einem optisch gelungenen und wertigen Auftritt gesellt, hat der Hersteller seine Aufgaben gemeistert, und dies gelingt Dali einmal mehr mit der Dali Rubicon 6. Ein vielseitiger Speaker, der Souveränität in der Darbietung und Eleganz im Auftreten zu verbinden weiss, und dies zu einem sehr attraktiven Preis.
Hersteller:Dali Speaker A/S
Vertrieb:Dali GmbH Deutschland
Preis:€ 1.799.- pro Stück

Von Juergen Weber-Rom (jwr)
06.02.2015

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Der Markt für Lautsprecher, welche sich in einem Preisumfeld von bis ca. € 4.000.- bewegen, ist dicht gedrängt, und erfreut sich einer großen „Farbenvielfalt“. Gut für den Musikliebhaber, herausfordernd hingegen für den Anbieter, denn in diesem Segment aus der Masse heraus zu stechen ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.

Dali, ein längst in weiten HiFi-Kreisen renommierter dänischer Lautsprecherhersteller aus Nørager, rund 50 Kilometer südlich von Aalborg gelegen, darf sich zu Recht als ein Unternehmen bezeichnen, dem dies immer wieder aufs Neue gelingt.

Die Dali Rubicon 6 ist mit 99 Zentimetern in der Höhe und 20 Zentimetern in der Breite, bei einer Gehäusetiefe von immerhin 38 Zentimetern noch kein „Kühlschrank“, hat aber die Zierlichkeit der kleineren Schwestern der Serie, etwa der Dali Rubicon 2 und Dali Rubicon 5 abgelegt, und verlangt nach etwas Raum bei der Aufstellung. Mit einem Gewicht von rund 20 Kilogramm pro Lautsprecher ist sie - für den Redakteur erfreulich - noch immer „transportabel“ und bandscheibenschonend.

Die Ausstattung des Lautsprechermodells der Dänen ist absolut praxisgerecht. Dem attraktiven Preis kommt besonders ein Umstand zugute - eben jene sinnvolle Ausstattung ohne speziellen Glitzereffekt. Der Kaufwillige muss auf überproportionale Anschlussklemmen, welche aus klanglicher Sicht sinnfrei sind, verzichten. Allzu schwere komplizierte Stellfüße und Einschraub-Spikes, mit welchen man locker den nächsten Bison erlegen könnte, sind ebenfalls nicht in der Zubehörliste enthalten. Die erste Überraschung zeigte sich in bei den Montageauslegern für die Spikes dieser Lautsprecher, welche man in bombensicher eingepasste, aber von außen unsichtbaren Aufnahmen einschraubt. Dazu legt man das Gehäuse auf die Seite, um Zugang zur Unterseite zu erhalten. Hier zeigen sich vier eingebaute Gewinde, in welche man die Füße aus massivem Alu einschraubt. Nach der Montage der vier Beine mit dem beigelegten Imbus-Schlüssel, dreht man die ca. 3 Zentimeter langen Spikes ein. Selbstverständlich lassen sich die Spikes kontern, um diese so sehr stabil und dauerhaft zu fixieren. Mittels dieser vier Spikes wird der Lautsprecher auf jedem Untergrund „wackelfrei“ und waagrecht positioniert. Ja, selbst auf unebenen naturbelassenen Steinzeugboden kann man den Lautsprecher dadurch perfekt aufstellen, um so in den Genuss des vollen Klangumfanges zu gelangen. Aber auch Besitzer eines wertvollen Parkettbodens können hier Dali vertrauen, denn der Hersteller legt vier dezente schwarze Unterlegscheiben mit Zentrierungsbohrungen bei.

Anschlussseitig findet der Musikliebhaber auf der Rückseite, neben den beiden gerundeten Bassreflex-Rohren, ein feines bodennah positioniertes Anschlussfeld mit vier stabilen und nahezu spielfrei drehenden, griffigen Drehanschlüssen vor. Die beigepackten Brücken sind Preisklassen gerecht gefertigt, und lassen sich leicht entfernen. Der ideale Ort für diese Serien-Brücken ist aber der Zubehörkarton, welcher im Anschluss für lange Zeit in einem Kasten verschwindet. Sorry, aber das muss sein. Bitte nehmen Sie, sofern Sie nicht über doppelte Lautsprecherkabel (Bi-Wiring) anschließen, oder gar auf Bi-Amping setzen, normale Lautsprecherkabel und schleifen Sie diese zwischen den Anschlüssen für die Basslautsprecher und für den Hochton/Mittelton ein.

Dali Rubicon 6

Dali verweist auf einen angemessenen Wirkungsgrad von etwa 88,5 dB und wirbt auch um Musikliebhaber welche auf feine Röhrenverstärker - es darf gerne schon bei 18 bis 20 Watt beginnen - setzen. Auch wenn der Hersteller die Bandbreite mit 40 bis 200 Watt für dieses 4 Ohm Lautsprechersystem angibt, haben wir bereits mit einem 8 Watt Röhrenverstärker feine Klänge aus den Lautsprechern gekitzelt. Das dabei die erreichbare maximale Lautstärke nicht die versprochenen 110 dB Pegel erreicht, vermag weder zu stören noch zu verwundern. Das klangliche Ergebnis im Rahmen der Möglichkeiten eines kleinen 8 Watt Verstärkers war schlicht hervorragend. Wenn es also schon in diesen Dimensionen perfekt klappt, kann man davon ausgehen, dass alles darüber keinerlei Probleme mit sich bringt, und genau dies zeigte sich im Praxis-Test, soviel sei bereits an dieser Stelle vorweg genommen. Hier werden der Experimentierfreudigkeit des HiFi-Enthusiasten definitiv keine Grenzen gesetzt.

Die Frontpartie des Lautsprechers gestaltet sich auf angenehme Weise aufgeräumt und dezent. Insgesamt befinden sich unter der abnehmbaren Frontbespannung vier feine Chassis, welche komplett von den Dänen in der eigenen Entwicklungsabteilung für Lautsprecher-Chassis entworfen wurden, sowie ein kleines Firmenlogo. Den Hochtonpart übernehmen ein Verbund aus Hochton-Bändchen und einer Gewebekalotte mit 29 Millimetern Durchmesser. Diese Aufgabenteilung bewirkt ein noch feiner ziseliert aufgelöstes Klangbild. Da die Kalotte mit 29 Millimetern wegen der Gesamtbelastbarkeit des Lautsprechersystems relativ groß dimensioniert ist, wurde wegen dem anvisierten enorm breitbandigen Übertragungsbereich, der Hochtonberech von den Entwicklern mit einem feinen Bändchenhochtöner erweitert. Die große Gewebekalotte erlaubt es den Konstrukteuren, den Übergabepunkt der Frequenzweiche relativ tief anzusetzen, sodass der Spezialist für den Mitteltonbereich nur bis etwa 2.600 Hz arbeiten muss. Die genaue Aufteilung der Arbeitsbereiche wird mit 2.600 Hz bis circa 14.000 Hz für die Kalotte beziffert, während das Bändchen seiner Bauweise entsprechend erst ab 14.000 Hz bis zum Übertragungsende bei 34.000 Hz zum Einsatz kommt. Der Mittelton wird bei der Dalli Rubicon 6 von einem 16,5 Zentimeter durchmessenden Chassis mit stabiler Holzfaser-Papiermembran bewältigt. Die Trennung zur Hochton Kalotte wird, wie beschrieben, bei 2.600 Hz vollzogen. Der zweite Tieftöner wird bereits bei 800 Hz ausgeblendet, und darf sich durchaus als zusätzliche Schubkraft im Bassbereich für den zweiten, annähernd Fullrange laufenden, Tiefmitteltöner verstehen. Eine Arbeitsteilung, die auf sehr ausgeklügelte Art und Weise Verzerrungen im gesamten Lautsprechersystem reduziert. Die Bassreflex-Öffnungen wurden nach Angaben der Dänen auf 33,5 Hz ausgelegt. Der gesamte Übertragungsbereich der Dali Rubicon 6 hingegen wird mit 38 Hz bis 34.000 Hz angegeben. Diese scheinbar widersprüchliche Differenz ist aber erklärbar, und verdeutlicht den sorgsamen Umgang mit den Anfoderungen der vielen verschiedenen Wohnraumumgebungen der Musikliebhaber. Man kann durchaus, ausgehend vom Leistungsspektrum der eingesetzten Chassis in einem bestimmten Gehäusevolumen, die eigentliche Bassreflex-Abstimmung deutlich tiefer ansetzen. Diese gezielte „Fehlabstimmung“ bewirkt einen feineren und besser ausdifferenzierten Tiefbass. Das Problem hierbei für die Lautsprecherentwickler sind die unterschiedlichen Raumresonanzen und stehenden Wellen, die sich je nach Raumgröße unterschiedlich ausprägen. Ein Lautsprechersystem, welches ohne dezenten Abfall (bei der Dali Rubicon 6 geht es um ein paar Dezibel) bis zum unteren Ende des Leistungsbandes aufspielt, regt natürlich auch die Raumresonanzen im vollen Umfange an. Die optimale Positionierung wird hier gerade wegen dieser beeindruckenden Basspotenz erschwert. Das Resultat ist in sehr vielen Fällen ein aufgebläht wirkender Bass, welcher besonders für Liebhaber elektronischer Musik zur Belastung werden kann. Hier bewirkt eine dezente Reduzierung der abgestrahlten Schallenergie im Tiefbassbereich wahre Wunder. Eine Bassgitarre wirkt hier schön knorrig tief und zeigt auch die gesamte vielschichtige Klangstruktur, welche dieses wunderbare Instrument auszeichnet. So mag es nicht verwundern, wenn der dänische Hersteller einen möglichen Abstand zur Rückwand mit 20 bis gar 180 Zentimetern angibt. Ohne diffizile trickreiche Bassabstimmung wäre das nicht möglich.

Das Gehäuse ist die physische Visitenkarte des Lautsprechers, aber auch die des Herstellers. Grundsätzlich muss man zwischen einer physikalisch korrekten Bauweise des Gehäuses, und optisch gefälligen Design-Attributen unterscheiden. Ein gutes Gehäuse zeichnet sich durch Resonanzarmut und einer stabilen Bauweise aus, sowie durch die physikalisch korrekte Dimensionierung unter Berücksichtigung der Chassis-Parameter. Schönheit gesellt sich dazu, wenn sich zu einer hohen Anfass-Qualität auch eine gewisse Noblesse verbindet. Gerade in der heiß umworbenen Preisklasse, in welcher sich die Dali Rubicon 6 um die Kundengunst bewirbt, gewinnt ein Lautsprechermodell so manche Vergleiche, wenn die besagte Anfass-Qualität ein kleines „Bonuszuckerl“ mit in die Waagschale wirft. Die Dali Rubicon-Serie zeichnet sich mit gerundeten Front- und Rückwand-Partien aus. In der Serienfertigung ein durchaus komplexer und teurer Vorgang. Entweder biegt der Hersteller das eingesetzte Gehäusematerial, oder er muss es aufwändig fräsen lassen. Beide Techniken sind kostspielig, und setzen zwingend voraus, dass bei der Konstruktion eben NICHT die billigsten Materialien eingesetzt werden. Das weiß natürlich auch der kritische Kunde wohlwollend zu schätzen.

Dali Rubicon-Serie

Die Frontplatte der Rubicon 6 weist eben jene dezente Rundung auf, welche aus akustischer Sicht leichte Vorteile gegenüber einer geraden Frontplatte aufweist. Der Schall wird nicht so hart an den Kanten aufgebrochen und in den Raum reflektiert, wie es gerade Kanten zu tun pflegen. Hier spricht der Fachmann vom Rundstrahlverhalten und von Kantenreflektionen, welche eben durch die Frontplattenform stark beeinflusst werden. Aus optischer Sicht ist die gerundete Form ebenfalls sehr zuträglich und zeigt nicht das alltägliche Bild einer einfachen „Kiste“. Dali löst den Einbau der Chassis auf eine elegante, wie auch aufwändige Weise. Die Kreisöffnungen in der gebogenen Schallwand für die Aufnahme der Chassis sind absolut passgenau gefertigt, und lassen das Chassis mit einem farblich abgesetzten Einbaurahmen dezent wie eingegossen wirken. Gerade deswegen zeigt sich auch die Montageplatte der Hochton-Einheit wie ein perfekt passendes Konstrukt, und unterstützt damit den technologischen Anspruch des Herstellers auf nachhaltige Weise.

Ein besonderes Lob verdient Dali mit der Auswahl und der Verpaarung der Furnierblätter. Es ist definitiv nicht üblich, dass in dieser Preisklasse die Furnierblätter das Gehäuse wie ein massives Holzstück aussehen lassen. Unser Testmuster wurde in einem schönen Walnuss Furnier bereitgestellt. Neben diesem ist die Dali Rubicon-Serie in einem hochwertigen weißen oder schwarzen Glanzlack verfügbar. Liebhaber schöner Holzfurniere können so neben der bereits erwähnten Walnuss-Variante, auch eine schicke Mahagoni-Fassade wählen. In jedem Fall erhält der Musikliebhaber ein beinahe perfekt „gemachtes“ Furnierbild mit saubersten Kantenverarbeitungen und zwei edle makellose hochmoderne Hochglanzlackierungen.

Haben wir nur Lob über, oder gibt es auch etwas zu bemängeln? Nun, was den Lautsprecher selbst betrifft, haben wir auch bei genauem Hinsehen und Hören keinen Kritikpunkt gefunden. Eventuell kann man, wenn es unbedingt sein muss, über die Höhe des Klangbildes diskutieren. Hier zeigt sich ein relativ „tiefstehendes“ Klangbild. Musikliebhaber, welche die Lautsprecher auf hohen Ständern positionieren, oder zuvor einen Lautsprecher hoher Bauweise (eventuell befindet sich der Hochtöner auf über einem Meter Höhe) besaßen, werden hier ein paar Tage zur Eingewöhnung benötigen. Negativ? Nein, nicht wirklich. Es zeigt lediglich, dass der Lautsprecher in seinem Rundstrahlverhalten korrekt funktioniert. Da sich der Hörabstand variabel im heimischen Wohnzimmer beim Kunden präsentiert, darf sich der Lautsprecher bezüglich des Abstandes zur Sitzposition auch nicht einschränkend verhalten. Dies würde kaum zur Angabe betreffend Abstand zur Rückwand, 20 bis 180 Zentimeter, passen. Ein guter Rat sei hier gegeben: Schließen Sie die Augen, während Sie die Musik genießen – niemals würden Sie die Bauhöhe von nicht ganz 100 Zentimetern „erhören“. Fantastisch, wie sich die stabile Raumausleuchtung und Mittenortung in den Raum integrieren.

Bleibt noch das Anschlussfeld mit den beigepackten Anschlussbrücken über. Dass der Hersteller statt der einfach ausgeführten Anschlussbrücken, keine fein konfektionierte Kabelverbinder für das Bi-Wiring Anschlussterminal dazu gibt, ist kein ernstes Kriterium. Manchen Kunden ist es egal, während andere Interessenten diese Detail galant mit eigenen Kabelbrücken des Herstellers ihres Vertrauens lösen werden.

Natürlich möchten Sie jetzt wissen wie der feine Lautsprecher aus dem Hause Dali nun klingt. Hält die klangliche Leistung auch, was der erste optische Eindruck sowie das Datenblatt verspricht? Natürlich, denn die Dali Rubicon 6 präsentiert sich wie ein wohlgesonnener großer Bruder der bereits getesteten kleinen Dali Rubicon 2. Das größte Kompliment, das man einem Hersteller machen kann, ist die Bescheinigung, dass die familiäre Klangsignatur über die Modellpalette hinweg tadellos funktioniert. Entscheidend, wenn der Musikliebhaber ein feines Surround-System plant, und dabei bestehende Lautsprecher-Modelle aus dem Stereo-Aufbau weiter einsetzen möchte. Genau das ist neben den klanglichen Eigenschaften eine zentrale Stärke der Dali Rubicon-Modelle. Wie die Kompaktbox Dali Rubicon 2 glänzt die Dali Rubicon 6 mit einem sehr ausgewogenen Klangbild, ohne auch nur ansatzweise störende „Ecken und Kanten“. Die räumliche Darstellung des akustischen Geschehens ist, sofern die Aufnahme dies zulässt, einfach sensationell. Die Abstimmung der Parameter ist den Dänen verblüffend gut gelungen. Hier zeigt sich unter anderem das große Potential der sogenannten zeitrichtigen Wiedergabe. Sie ist im speziellen mitverantwortlich für eine nachvollziehbare, ausdifferenzierte Tiefenstaffelung im virtuellen Klangbild. Auch wenn man smarten audiophilen Zwei-Wege-Lautsprechern in diesem Kriterium besondere Fähigkeiten nachsagt, muss eine ausgezeichnete und klug durchkonstruierte Standbox, mit einem Wiedergabezweig mehr, nicht zwangsläufig qualitativ abfallen. Die Dali Rubicon 6 erweitert die Tugenden um die Attribute Tiefgang und Schlagkraft. Es ist erstaunlich, was die schicken Walnuss gewandeten 99 Zentimeter in den Raum „raushauen“. So manche fiese CD aus meinem Musiksortiment entlarvte den einen oder anderen Lautsprecher im Tiefbass als Blender und Mogel-Packung. Manche Konstruktionen husteten scheinbar „atemlos“ die Bassmembranen auf den Boden. Die Dali Rubicon 6 leistet hier eine erstaunliche Standhaftigkeit. Wie etwa auf dem Soundtrack „Waterworld“ von James Newton Howard. Manche Titel aus diesem Album schreien förmlich nach mehreren wagenrad-großen Tieftönern. Auch wenn absolute Autorität physikalisch nicht möglich ist, erst recht nicht bei diesem sehr speziellen Album, so zieht sich die Dali Rubicon 6 ohne Gesichtsverlust glaubwürdig und augenzwinkernd aus der Affäre. Die Dali Rubicon 6 zeigt bei dem Titel „Deacon‘s Speech“ wie tief die klangliche Reise in den Keller geht, und vor allem, wie der dunkle Basskeller ausgemalt ist. Einfach phantastisch, auch wenn die Magengrube nicht ganz so euphorisch mitgroovt. Hier zeigt sich die Finesse und Weitsicht der dänischen Konstrukteure bei der Abstimmung der Bassrefex-Konstruktion. Möglicherweise hätte Dali hier noch etwas mehr Druck im Bass aus dem Gehäuse kitzeln können, aber zu welchen Lasten dies wohl ginge? Ein Verzicht auf diese atemberaubende Präzision wäre wohl ein schlechter Tausch gewesen.

Musik besteht aber nicht nur aus Bass, auch wenn über diesen besonders viele Emotionen transportiert werden. Wie das präzise und fein ausdifferenzierte Fundament, vermag auch die Klangwelt darüber zu überzeugen. Eine kritische Stimme ist mit Sicherheit ein feiner Mezzosopran. Klangstarke und kraftvoll eingespielte Interpretinnen wie Amanda McBroom können schnell Lautsprecher-Systeme an die Grenzen führen, erst recht, wenn man diese Werke gerne etwas lauter genießt. Die Amerikanerin vermag mich mit ihrer beeindruckenden Stimmkraft immer wieder zu begeistern. Sie vermag wie keine andere Dame mit viel Ausdruck und Kraft knapp unterhalb dem Aufbrechen der Stimme mit viel Beweglichkeit atemberaubendste Chansons darzubieten. Lautsprechersysteme ohne ausgeklügelte und ausreichend dimensionierte Membran-Fläche im Mittel- und Hochtonbereich driften bei höheren Lautstärken bisweilen in Resonanzen und ein Aufbrechen des Klangbildes ab. Das Klangspektrum klebt an den Chassis, oder verliert den Zusammenhalt mit dem umgebenden Instrumentarium auf der virtuellen Bühne zwischen den Lautsprechern. Nicht so bei unserem Testkandidat. Die Dali Rubicon 6 leistet hier gar deutlich mehr, als in dieser Preisklasse zu erwarten sein sollte. Auch wenn der Lautsprecher am oberen Ende der möglichen Lautstärke-Skala einen leisen Anflug von Angestrengtheit ausweist, so vermag er sich doch zumindest eine Handbreit von der Klassen-Konkurrenz abzusetzen. Im gesamten Klangspektrum erweist sich die Dali Rubicon 6 klar um das entscheidende Quäntchen souveräner und gelassener. Chapeau!

Ein leistungsstarker Lautsprecher mit stark ausgeprägten Allround-Fähigkeiten, der auch mit seiner Verarbeitung und seinem technischen Anspruch zu überzeugen vermag, dies trifft zweifelsfrei auf die Dali Rubicon 6 zu. Sie bietet eine famose Wiedergabe auch kritischer Stimmen an, und verwöhnt den Musikliebhaber mit einer nahezu problemlosen Platzierung im Raum. Selbst den durchaus ausgeprägten Bassbereich betreffend, lässt sich dieser Lautsprecher sehr leicht in das Wohnumfeld integrieren, und verwöhnt bei optimaler Aufstellung mit einer überaus feinen, stets ausdifferenzierten Wiedergabe. Einschränkungen oder Vorbehalte bezüglich der Wiedergabe hochkomplexer klassischer Musikinhalte sind angesichts der Allround-Eigenschaften nicht zu erwarten.

Zu einem Preis von € 1.799.- pro Stück dürfte Dali mit der Rubicon 6 einen kleinen „Geheimtipp“ für preissensible, aber sehr anspruchsvolle HiFi-Enthusiasten auf den Markt platziert haben. Wenngleich, Geheimtipp bei Dali, die Zeiten sind längst vorbei…

Allerdings, wem die beiden kleineren Modelle der Serie, die Dali Rubicon 2 und die Dali Rubicon 5 akustisch „zu klein“ anmuten, und das Top-Model der Rubicon-Serie - die Dali Rubicon 8 - zu imposant erscheint, wird mit der feinen 6er eine glückliche Ehe auf Jahre hinweg eingehen können. Sollte der Wunsch nach einer Erweiterung zu einem leistungsstarken Surround-System aufkommen, lässt sich das Pärchen als Haupt-Lautsprecher verwenden, oder gar als hintere Surround-Lautsprecher zu den größeren Dali Rubicon 8. Klanglich wird es in jedem Falle harmonisch zusammen passen. Der perfekt umgesetzte Familien-Klang garantiert die Harmonie und Passgenauigkeit im System bei zukünftigen Ausbauten und Erweiterungen. 



Bleibt noch ein Punkt zu klären: Empfehlung der Redaktion – aber ja doch, und wie, keine Frage!

Auf den Punkt gebracht

Dali präsentiert mit der Dali Rubicon 6 einen klangstarken Lautsprecher mit ausgezeichneter Darstellungskraft und Abbildungspräzision, universell einsetzbar und wenig Raumresonanzen anregend, dieser mag freie Aufstellung eher als wandnahe Positionen, und zeigt sich absolut unkritisch Verstärker betreffend.

7,5 (Sehr Gut)

The Good

  • Gelungene Abstimmung
  • sehr neutral mit einer guten Portion Wärme im Klangbild
  • präziser Bass
  • braucht keine Leistungsriesen um auf Trab zu kommen
  • leicht und unkritisch im Raum zu positionieren.

The Bad

  • Keine Kabelbrücken für das Bi-Wiring Anschlussterminal im Lieferumfang

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Unser Fazit

sempre-audio.at Preis/ Leistung Award

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