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Dali SPEKTOR 1 im Test - Die Soundbar-Alternative

Foto © Dali Speaker A/S

Die Frage, ob HiFi-Lösungen dazu geeignet sind, Musik wirklich genießen zu können, wird viel zu oft allein am Preis festgemacht. Dass dies oftmals eine Fehleinschätzung sein kann, beweist Dali Speaker A/S mit der neuen Dali SPEKTOR Serie. Bereits das kleinste Modell dieser Serie, die Dali SPEKTOR 1 kann, dies soll dieser Test zeigen, im richtigen Umfeld erstaunlich überzeugend aufspielen.

Kurz gesagt...

Wieviel „HiFi“ darf man von einem Lautsprecher-System erwarten, das ganz bewusst als besonders günstige Lösung positioniert ist, wie etwa die neue Dali SPEKTOR 1, ein typischer „Regal-Lautsprecher“ fürs sehr, sehr kleine Budget? Erstaunlich viel!

Wir meinen...

Es ist erfreulich, dass Hersteller wie Dali Speaker A/S erkannt haben, dass Lösungen für den ganz besonders preissensiblen Einsteiger überaus wichtig sind. Man darf diese Zielgruppe nicht allein jenen überlassen, die mit billigen All-in-One Lösungen viel zu viel versprechen, allen voran etwa Soundbar- und Sounddesk-Systemen. Produkte wie die Dali SPEKTOR 1 als preislich besonders günstig positionierte Lösungen für echtes HiFi, wenngleich auf Einsteiger-Niveau, sind eine echte Alternative zur oft bekrittelten „Mono-Welt“ und damit eine Chance, potentielle Kunden wieder ins „Boot“ zu holen und vielleicht irgendwann für die noch viel feineren Lösungen der HiFi zu begeistern, anstatt sie direkt auszuschließen.
Hersteller:Dali Speaker A/S
Vertrieb:Audiophil GbR
Deutschand:Dali Deutschland GmbH
Preis:€ 198,-

Von Michael Holzinger (mh)
18.07.2017

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In den letzten Jahren hat sich eine Produktgruppe in der Unterhaltungselektronik etabliert, die gab es davor schlichtweg gar nicht, und zwar so genannte Soundbar- oder Sounddesk-Systeme. Diese Lösungen entwickelten sich auf Grund der simplen Tatsache, dass moderne TV-Geräte immer flacher und flacher wurden, und dabei gleiches mit dem Ton passierte, den diese zu liefern im Stande sind. Tunlichst hauchdünne Displays, die zwar großflächige Bilddiagonalen bieten, aber letztlich ein minimales Volumen aufweisen, sodass die darin implementierten ohnedies nie sehr hochwertigen Speaker keinerlei Raum zur Entfaltung eines halbwegs erträglichen Sounds vorfinden. Will man also Bildqualität und Ton halbwegs in Einklang bringen, ist es schlichtweg unerlässlich, in eine zusätzliche Audio-Lösung zu investieren.

Eigentlich wäre dies eine hervorragende Chance für die Branche gewesen, genau hier anzusetzen, um Kunden von hochwertigen Audio-Lösungen zu überzeugen. Aus vielerlei Gründen scheiterte die Branche aber dabei kläglich, denn allen voran die TV-Hersteller selbst übernahmen hier das Ruder und führten besagte Soundbar- und Sounddesk-Systeme ein, die wiederum rein gar nichts mit „HiFi“ selbst im weitesten Sinne und bei wohlwollendster Betrachtung zu tun haben.

So mancher spricht gar von einer Mono-Welt, in der wir uns bewegen, denn selbst ausgeklügeltste DSP-basierte Signalverarbeitung kann nicht darüber hinweg täuschen, dass bei Soundbar- und Sounddesk-Systemen der Klang zentral aus einer einzigen Quelle kommt. Wer eine realistische Abbildung eines Raums in seiner Gesamtheit, also Breite und Tiefe erwartet, wird hier nicht befriedigt. Dennoch, der Markt floriert dermaßen, dass inzwischen Soundbar- und Sounddesk-Systeme zu den dominieren Produkten zählen und gar die Verkaufslisten im Bereich „Lautsprecher-Systeme“ seit Jahr und Tag unangefochten anführen.

Hinterfragt man die Gründe, warum sich Konsumenten für derartige Systeme anstatt für ein „ordentliches“ HiFi-System entscheiden, so hört man oftmals ein und die selben Argumente: Tunlichst kompakt muss eine Audio-Lösung sein, idealerweise nur eine Komponente, simpel in der Handhabung, und natürlich darf es nicht viel kosten…

Tja, und all dies versprechen die Hersteller von Soundbar- und Sounddesk-Systemen, viele gehen gar soweit zu behaupten, dass man gar nicht mehr benötigt, dass ihre Lösungen bereits für sich allein genommen eben nicht nur guten Fernsehton liefern, sondern vielseitige Audio-System auch für die Musik-Wiedergabe im Allgemeinen darstellen.

Dabei stünden so spannende Alternativen zur Verfügung, wie etwa aktuell der dänische Lautsprecher-Spezialist Dali Speaker A/S mit seiner neuen Dali SPEKTOR Serie unter Beweis stellt, bestehend aus der Dali SPEKTOR 1, der Dali SPEKTOR 2, der Dali SPEKTOR 6 sowie dem Dali SPEKTOR VOKAL.

Familienbild…

Während die Dali SPEKTOR 1 sowie Dali SPEKTOR 2 als so genannte Regal-Lautsprecher konzipiert sind, steht mit der Dali SPEKTOR 6 ein Stand-Lautsprecher-System zur Verfügung. Da die Produktreihe in bewährter Art und Weise gleichermaßen für klassisches Stereo als auch Lösungen im Home Cinema-Umfeld konzipiert sein soll, bietet man mit dem Dali SPEKTOR VOKAL den passenden Center-Speaker an.

Ein Blick hinter die Kulissen

Dali Speaker A/S versteht sich seit jeher als Lautsprecher-Experte, der mit einem möglichst breit aufgestellten Produktsortiment möglichst viele Kunden erreichen will. Das Spektrum der Dänen umfasst daher durchaus so manch feines High-end System, der Schwerpunkt liegt aber ganz klar auf hochwertigen Lösungen, die für möglichst viele Kunden „leistbar“ sind und damit interessant erscheinen. Mit der neuen Dali SPEKTOR Serie geht man aber noch einen Schritt weiter, ganz bewusst reizt man hier den Preisrahmen am untersten Ende aus, nutzt also all die Erfahrung und über Jahre hinweg optimierten Fertigungsprozesse dazu, um eine Lautsprecher-Serie anzubieten, die man nicht nur als günstig, sondern tatsächlich als bewusst billig bezeichnen darf, und zwar im positivsten Sinne des Wortes.

Lediglich € 198,- etwa kostet das Paar unseres aktuellen Testkandidaten, die Dali SPEKTOR 1 und damit das kleinste Modell der neuen Dali SPEKTOR Serie. € 198,-, das ist ein Preis, bei dem man als Redakteur dreimal nachprüft, ob dies so seine Richtigkeit hat und ein Preis, da fangen andere Modelle sogar im Einstiegssegment nicht einmal an, wenn man dies als Stückpreis verstehen würde. Aggressiver kann man als renommierter Lautsprecher-Spezialist ein Produkt wohl nicht am Markt platzieren, ohne dabei massive Abstriche bei der Qualität in Kauf zu nehmen.

Und auch für Dali Speaker A/S war dies eine ganz besondere Herausforderung, denn es galt wohl sehr behutsam Technologien aus den größeren Produktreihen zu übernehmen, die unerlässlich dafür sind, Lösungen zu realisieren, die dem Anspruch des Herstellers genügen und den typischen Charakter garantieren, gleichzeitig die Fertigungsprozesse nochmals dahingehend zu optimieren, dass dieser günstige Preis bei gleichzeitig einzuhaltenden Qualitätsstandards erzielbar ist. Gut, dies bedingte eine Auslagerung der Fertigung nach Fernost, wobei man hierbei aber nach wie vor nichts komplett aus der Hand gab, sondern über die gesamte Fertigungskette hinweg Herr der Lage ist. Und auch bei der Implementierung der hauseigenen exklusiven Technologien konnte man nicht derart generös vorgehen, wie in anderen Produktreihen, die über der Dali SPEKTOR Serie angesiedelt sind, aber jedes Modell der Dali SPEKTOR Serie, und damit auch die „Kleine“ Dali SPEKTOR 1 sollte ein würdiges Modell aus dem Hause Dali Speaker A/S sein.

Ein Regal-Lautsprecher wie er sein sollte…

Ausdrücklich betont Dali Speaker A/S bei der Dali SPEKTOR 1, dass dies ein Regal-Lautsprecher ist, der seinem Namen alle Ehre mache. Ja, man könne den Dali SPEKTOR 1 problemlos in ein Regal stellen, selbst eine wandnahe Positionierung sei hier problemlos möglich, genau dafür habe man dieses Lautsprecher-System entwickelt. Eine möglichst flexible Aufstellung sei eine der ganz essentiellen Anforderungen gewesen, die man den Entwicklern ins Pflichtenheft schrieb.

So misst die neue Dali SPEKTOR 1 nicht mehr als 237 mm in der Höhe, 140 mm in der Breite, und 195 mm in der Tiefe und bringt es damit auf 2,6 kg.

Damit sich der Anwender keinerlei Gedanken über die richtige Aufstellung machen muss, liefert man das System mit Gummi-Füssen aus, die für eine bestmögliche Entkopplung sorgen. Wer tatsächlich absolut keinen Platz auf einem Lowboard oder Sideboard oder in einem Regal für die Aufstellung der Dali SPEKTOR 1 findet, der findet eine passende Wandhalterung im Lieferumfang.

Dem günstigen Preis geschuldet steht die Dali SPEKTOR 1 nicht in zahlreichen Design-Varianten oder gar edlem Hochglanz-Finish zur Verfügung, sondern man begnügt sich mit zwei dezenten, aber durchaus sehr ansprechenden Versionen. So steht die gesamte Dali SPEKTOR Serie und damit auch die Dali SPEKTOR 1 in Walnuss sowie Esche Schwarz zur Verfügung, wobei die Schallwand selbst stets in Mattschwarz gehalten ist. Auf Wunsch schützt ein Lautsprecher-Grill die Membranen, der mittels Bohrungen in der Schallwand in Position gehalten wird.

Ins Detail…

Keine Kompromisse wollte man bei den Treibern eingehen, somit setzt man auch bei der als Zweiwege-Bassreflex-System ausgelegten Dali SPEKTOR 1 in bewährter Art und Weise auf einen 115 mm Tiefmittelöner mit für Dali Speaker A/S typischer Holzfaser-Membran. Feinkörniges Papier wird hier mit einem Holzfaserbrei vermengt, um einerseits Stabilität und damit kontrolliertes Verhalten bei gleichzeitig geringstem Gewicht zu erzielen. Durch die dabei entstehende ungleichmässige Membranoberfläche werden unerwünschte Oberflächenesonanzen weitestgehend unterbunden. Kombiniert wird diese Membran mit verlustarm schwingenden Sicken und einem leistungsstarken Antrieb, zudem setzt man auf strömungsoptimierte Körbe, wobei dieser Treiber speziell für das sehr kompakte Gehäuse der Dali SPEKTOR 1 optimiert wurde.

Als Hochtöner kommt bei der Dali SPEKTOR 1 eine 25 mm Gewebekalotte zum Einsatz, die einen Durchmesser von 21 mm aufweist und deren Membran der Hersteller als ultraleichtes Gewebe bezeichnet, sodass eine tunlichst originalgetreue, präzise und detailreiche Abbildung über einen möglichst weiten Frequenzbereich hinweg erzielt wird. Ganz besonders achtete man zudem auf eine möglichst homogene Abstrahlung und einen nahtlosen Übergang zwischen Hochtöner und Tiefmitteltöner.

Zuguterletzt sei erwähnt, dass das Bassreflex-System der Dali SPEKTOR 1 auf 58 Hz abgestimmt ist und für die entsprechende Unterstützung nach unten hin auf Grund des ja sehr kompakten Gehäuses eigentlich unerlässlich ist.

Den Frequenzumfang gibt der Hersteller für die Dali SPEKTOR 1 mit 59 bis 26.000 Hz an, wobei die Übergangsfrequenz bei 2,1 kHz liegt. Mit einer Empfindlichkeit von 83 dB und einer Nennimpedanz von 6 Ohm ist die Dali SPEKTOR 1 für Verstärker mit einer Leistung zwischen 40 und 100 Watt ausgelegt.

Aus der Praxis…

Wir haben Dali Speaker A/S beim Wort genommen, und die Dali SPEKTOR 1 für diesen Test zunächst einfach ins Regal verfrachtet. Strafverschärfend kam hinzu, dass es sich um kein wirklich hochwertiges Regal, sondern um ein typisches Ikea Billy-Regal handelte, das nun nicht wirklich ein Synonym für solidestes Tischlerhandwerk ist. Als Spielpartner setzten wir auf eine Lösung, die uns größtmögliche Flexibilität erlaubte, dennoch sehr kompakt und vor allem preislich überaus attraktiv ist, nämlich den Pro-Ject MaiA S, einen kleinen Stereo Vollverstärker, ausgestattet mit ausreichend analogen und digitalen Schnittstellen sowie einem integrierten Bluetooth Interface zur Einbindung selbst mobiler Devices wie Smartphones oder Tablets.

Natürlich wahrten wir einen Respektabstand von einigen Zentimetern, aber letztlich war die Dali SPEKTOR 1 hier eingepfercht zwischen Büchern, CDs und Blu-rays, also machten wir uns auf das Schlimmste gefasst, denn das kann ja nicht „spielen“. Doch man staune, es „spielte“! Natürlich sind dies extreme Bedingungen, und damit weit, weit vom Idealzustand, aber unsere Testanordnung spielte fein Musik, besser als viele so genannte All-in-One Speaker-Systeme, die man normalerweise in derartigen Umgebungen einsetzt.

Danach wanderte die kleine Audio-Kette bestehend aus Dali SPEKTOR 1 und Pro-Ject MaiA S auf unseren Schreibtisch, denn auch hier ist Platz ein knappes Gut, aber warum sollte man hier auf Musik verzichten? Zumal unser Apple iMac ja eine vielseitige Quelle darstellt. Und auch hier war das Erstaunen groß, dass eine derart günstige Kette derart fein aufspielen kann. Wobei, eins fiel dabei schon auf, die Dali SPEKTOR 1 sollte, wenn man derart knapp vor ihr sitzt, etwas erhöht platziert werden, oder zumindest ein wenig nach oben und nach innen eingewinkelt werden. Entsprechende Lösungen in Form von Tischstativen finden sich auch im günstigen Preissegment im Fachhandel.

So richtig Spass machte unsere Testkombination, als wir sie rund um den Fernseher platzierten. Nahezu jedes Lowboard oder Sideboard bietet mehr als ausreichend Platz um die ja geradezu winzigen Dali SPEKTOR 1 und den ebenfalls sehr kompakten Pro-Ject MaiA S hier optimal zu platzieren.

Und um direkt auf unsere Einleitung Bezug zu nehmen, diese Kombination spielt so manche Soundbar in Grund und Boden, und dies zu eigentlich identischen Kosten. Links und Rechts ist hier wirklich Links und Rechts, selbst der Ton bei TV-Serien, noch mehr bei Filmen gewinnt hier merklich an „Tiefe“. Stimmen setzen sich klarer von der Klangkulisse an Hintergrundgeräuschen ab, Musik kann sich entfalten.

Und wenn es tatsächlich allein um die Musikwiedergabe geht, dann ist dies hier nicht ein Kompromiss um mal eben nebenbei irgendeine Musik als Hintergrundberieselung laufen zu lassen, da macht es Spass, zuzuhören.

Damit nur ja keine Missverständnisse aufkommen, man muss dies schon richtig einordnen. Große Wohnzimmer wird man mit der Dali SPEKTOR 1 nicht beschallen können, selbst wenn man, was wir natürlich auch getan haben, bei der Elektronik ein paar Klassen höher ansetzt. Da stösst man, dies muss man fairerweise sagen, recht rasch an die Grenzen des kleinen Speakers aus Dänemark. Aber dafür ist der Dali SPEKTOR 1 auch nicht ausgelegt. Einerseits ist der Dali SPEKTOR 1 natürlich als Surround-Speaker konzipiert, wenn es um Home Cinema geht. Zudem aber, und dies hat uns ganz besonders interessiert, als Abschluss einer ganz besonders kompakten, und vor allem ganz besonders günstigen HiFi-Kette, die diese Bezeichnung auch tatsächlich verdient.

Man muss sich bei der abschließenden Beurteilung also ganz besonders den für die Dali SPEKTOR 1 ausgerufenen Preis vor Augen halten. € 198,- als Paarpreis will Dali Speaker A/S für dieses kleine Lautsprecher-System haben, nicht weniger, nicht mehr. Es stellt sich somit die Frage, erhält man um diesen Preis Lautsprecher, die das Zeug für ein kleines HiFi-System haben?

Auf den Punkt gebracht

Dali Speaker A/S gibt kein leeres Versprechen ab, wenn man für die Dali SPEKTOR Serie den Slogan „True HiFi Sound for everyone…“ ausruft. Selbst die kleine Dali SPEKTOR 1 und damit das günstigste Modell der ohnedies insgesamt überaus preiswerten neuesten Lautsprecher-Serie des dänischen Spezialisten kann im richtigen Umfeld richtig Spass machen und stellt dabei so manch All-in-One Lösung und insbesondere so manche Soundbar oder Sounddesk-System in den Schatten.

7,0 (Sehr gut)

The Good

  • Sehr vielseitig
  • sehr kompakt
  • Platzierung direkt an der Wand möglich
  • Platzierung im Regal problemlos möglich
  • nimmt kaum Platz in Anspruch
  • ausgewogene Darbietung
  • erstaunlich günstiger Preis
  • unkritisch bei der Elektronik

The Bad

  • Nur in zwei Design-Varianten
6 Klang
6 Design
9 Preis/Leistung

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Testumfeld:

sempre-audio.at Preis/Leistung Award

Pro-Ject MaiA S
Elac Discovery Music Server DS-S101-G

Photo highlights

Angespielt:

„Leonard
Leonard Cohen - Old ideas

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Roger Waters - Is this the life we really want?

„David
David Gilmour - Rattle that lock

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John Hiatt - The open road

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Hans Theessink - Bridges

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Eric Clapton - Unplugged

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