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Das waren die Norddeutschen HiFi Tage 2017 in Hamburg

Gut, Hamburg ist bekanntlich immer eine Reise wert. Ob jedoch ausgerechnet das erste Wochenende im Februar der ideale Zeitpunkt ist, um sich in der Hansestadt herum zu treiben… Jedenfalls wenn es um HiFi geht, ist dieses Wochenende geradezu perfekt, denn dann stehen die Norddeutschen HiFi Tage HÖRTEST des HiFi Studio Bramfeld auf dem Programm. Für die deutsche HiFi-Szene längst ein Pflichttermin und eins der wichtigsten Events des Jahres.

Von Michael Holzinger (mh)
07.02.2017

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Es ist seit Jahr und Tag ein sehr kontroversiell diskutiertes Thema: sind Messen im herkömmlichen Sinne noch zeitgemäß? Dieser Frage müssen sich viele Messeveranstalter stellen, in den unterschiedlichsten Bereichen, somit gilt dies natürlich auch für die Unterhaltungselektronik im Allgemeinen, ganz speziell aber auch im Segment der gehobenen Unterhaltungselektronik.

Dabei zeigt sich ein sehr undifferenziertes Bild, denn ein allgemeiner Trend lässt sich, vergleicht man den Zuspruch der Industrie, des Fachhandels und der Kunden für verschiedenste Messen global gesehen, keinesfalls ableiten. So lassen sich etwa, betrachtet man allein die letzten Jahre, zahllose Beispiele dafür anführen, dass Messen im herkömmlichen Sinne tatsächlich obsolet zu sein scheinen. So mancher Veranstalter versucht etwa seit Jahr und Tag mit letztlich künstlich geschönten Zahlen zumindest den Anschein zu wahren, erfolgreich zu sein, gleich mehrere Veranstalter reklamieren auf diese Art und Weise den Anspruch der Marktführerschaft für sich, andere wiederum ringen verzweifelt darum, die richtige Ausrichtung für sich zu finden. Vor allem so genannten „Hotel-Messen“, eine über Jahre hinweg insbesondere in der Welt der HiFi durchaus gängige Event-Ausrichtung, wird vielfach keine wirkliche Zukunft prophezeit, pikanterweise allen voran von anderen Messe-Veranstaltern, die jedoch auf herkömmliche Kongress-Zentren und „Messehallen“ im großen Stil setzen.

Dabei sind es aber interessanterweise gerade diese besagten „kleinen“ Veranstaltungen, die sich seit Jahr und Tag über zumindest konstante, teils gar wachsende Besucherzahlen freuen können, und damit eindrucksvoll belegen, dass Messe-Events per se eben keinesfalls obsolet sind. Man muss es nur richtig machen!

Zu diesen erfolgreichen Beispielen gehören ganz klar die Norddeutschen HiFi Tage, die traditionell das Jahr der Branche in Deutschland am ersten Februar-Wochenende in Hamburg einläuten. So geschehen auch in diesem Jahr, wobei einmal mehr das Holliday Inn am Billwerder Neuer Deich am 4. und 5. Februar 2017 den Rahmen für das Event bildete.

Dass hier ausgerechnet mit dem HiFi Studio Bramfeld ein lokaler Fachhändler als sehr erfolgreicher Messeveranstalter auftritt, ist ein überaus interessantes Detail, vor allem in Hinblick darauf, dass es anderen an sich etablierten Messeveranstaltern längst nicht mehr zu gelingen scheint, die Branche derart geeint von ihren „Mega-Konzepten“ zu überzeugen. Hamburg hingegen war auch diesmal ein Treffpunkt der gesamten Branche. Dass dies anderen nicht gelingt, dies dürfte, so hört man zuletzt immer öfter, wohl zu einem Gutteil an Allmacht-Fantasien so mancher Veranstalter gepaart mit aus Sicht der potentiellen Aussteller astronomischen Preisvorstellungen liegen.

Diesbezüglich spielen Veranstaltungen wie etwa allen voran die Norddeutschen HiFi Tage auf gänzlich anderem Niveau. „Klein“ kann man in diesem Zusammenhang zwar längst nicht mehr sagen, schließlich füllen etwa besagte Norddeutsche HiFi Tage das Holliday Inn an diesen zwei Tagen nahezu zur Gänze, aber „fein“, dieses Prädikat darf der Veranstalter mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen.

Die Besonderheit der Norddeutschen HiFi Tage besteht insbesondere darin, dass hier, trotz der enormen Ausmaße, die das Event inzwischen angenommen hat, nach wie vor ein geradezu intimer Charakter gewahrt werden konnte. Zugegeben, dazu tragen natürlich schon allein die vergleichsweise kleinen Zimmer bei, in denen viele Aussteller ihre Lösungen präsentieren. Aber genau das ist es, was den besonderen Reiz derartiger Events ausmacht. Hier kann kein Hersteller oder Vertrieb mit gigantischen Ausstellungen auffahren, vielmehr ist es geradezu unerlässlich, mit einigen wenigen Produkten, im besten Fall zusammengestellt zu einer feinen Kette, die Besucher für sich zu gewinnen. Hier ist also noch „klassisches Handwerk“ der Aussteller gefragt, nicht schiere Gigantomanie und ein ausufernder Gerätepark. Während man also auf so mancher Messe durch die Hallen wandert, und von allen Seiten mit zu PA-Systemen aufgerüsteten Demo-Lösungen geradezu auf penetrante Art und Weise zwangsbeschallt wird, sich angesichts des dadurch unweigerlich miserablen Klangs ob der ausgerufenen Preise wundert, ist bei Events wie in Hamburg wirklich entspanntes hören angesagt. Selbst „kleine“ Aussteller können hier ihre Produkte somit bestmöglich präsentieren, gehen nicht zwischen all den Giganten der Branche unter.

Nicht zuletzt dadurch waren wohl viele Aussteller in Hamburg fest davon überzeugt, dass sich die Norddeutschen HiFi Tage längst als wichtigste Veranstaltung ihrer Art in ganz Deutschland etabliert haben. Hier steht nämlich noch tatsächlich der Kunde im Mittelpunkt. Der Kunde, der, dies muss offen gesagt werden, auf anderen Events, die sich als globaler Marktführer sehen, in Wahrheit der absolut letzte ist, dem man tatsächlich Aufmerksamkeit schenkt. Anderswo, da geht es um nichts anderes als Big Business, Punkt! Da sind internationale Distributoren die VIPs, gefolgt von potenten Fachhändlern und internationalerPresse, und wenn dann noch Zeit bleibt, widmet man sich vielleicht den paar Endkunden, die sich in die Messehallen verirrten.

Immerhin über 5.000 Besucher, die an diesen beiden Tagen Anfang Februar 2017 die Gänge des Holliday Inn füllten, sind ein klarer Beleg dafür, dass ein derartiges Messe-Konzept ganz und gar nicht obsolet ist. Genau das Gegenteil ist wohl der Fall. Nur so ist es möglich, den Besuchern hochwertige Lösungen der Unterhaltungselektronik wirklich näher zu bringen, deren Leistungspotential zumindest bestmöglich zu vermitteln, im persönlichen Gespräch die jeweiligen Vorzüge und die zugrundeliegenden Philosophien zu erläutern.

Dass dies aus Sicht der Organisation ein immenser Aufwand ist, all dies in einer Location wie etwa einem Hotel zu bewerkstelligen, gebietet entsprechende Hochachtung und Respekt. Dem Team von HiFi Studio Bramfeld ist es auch in diesem Jahr meisterhaft gelungen, sich dieser Aufgabe zu stellen.