Die magischen Stöckchen mit neuester Kristall-Technologie

Es gibt ein Segment in der Welt der HiFi, das ist immer aufs Neue für Überraschungen gut, und zwar das Segment an Zubehör-Lösungen mit mehr als fraglichem Nutzen, um nicht ständig das Wort Voodoo strapazieren zu müssen. Denn wenn man davon überzeugt ist, ohnedies schon jedweden Unfug gesehen zu haben, stolpert man unversehens über ein Teil, das man bislang nicht kannte.

Von Michael Holzinger (mh)
23.08.2013

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Offen gesagt, als ich das erste mal ein Foto dieser Tuning-Sticks von Akiko Audio sah, da assoziierte ich es mit vielem, aber nicht mit einem Zubehör-Teil für HiFi- oder AV-Systeme. Vielmehr kam mir der Gedanke, ob es denn wirklich nötig sei, dass einschlägige Zubehör-Anbieter nun ihr Angebot auf „erotischen Zubehörhandel“ ausdehnen, wenngleich es bei so manchem gar kein allzu großer Paradigmenwechsel wäre. Aber gewisse Teile, die sind dann doch bei Beate Uhse und Konsorten besser aufgehoben.

Eine andere Interpretation dessen, was dieses Teil sein könnte, hatte einer unserer Leser, der mutmaßte, dass es sich hierbei um einen Tauchsieder mit etwas zu kurz geratenem Kabel handle.

Aber auch diese Auslegung ist, ebenso wie meine ursprüngliche Vermutung, natürlich nicht richtig. Vielmehr handelt es sich bei den so genannten Akiko Audio Tuning Sticks um ein offensichtlich durchaus ernst gemeintes Zubehör-Produkt, das als „perfektes“ Tuning-Teil so ziemlich alles bei einem HiFi- oder AV-System verbessern könne, so zumindest verspricht es der Hersteller.

Und der sitzt in Holland, und garantiert, dass es sich hierbei um in den Niederlanden handgefertigte Lösungen handle, und selbstverständlich nicht um irgendeinen Billig-Import aus China. Das wiederum erstaunt mich wenig, denn man kann den Chinesen ja wirklich viel vorwerfen, aber eins verstehen sie wohl sehr gut, Produkte zu produzieren, die sich auch tatsächlich verkaufen lassen, und zwar im möglichst großen Stil.

Diese magischen Stöckchen hingegen dürften eine wohl eher eingeschränkte Zielgruppe ansprechen, denn mit einem Preis von immerhin zumindest € 119,- sind sie nicht ganz so günstig. Zumal ihr Nutzen dann doch für klar denkende Menschen recht schwer nachvollziehbar sein wird.

Hier verspricht der Hersteller nämlich, dass ganz außergewöhnliche Dinge passieren, wenn man diese Stöckchen etwa einfach mittels im Lieferumfang enthaltenem Klettband auf ein Kabel schnallt. Dabei ist der Hersteller natürlich nicht kleinlich, denn seinen Vorstellungen nach kann man dieses Teil an jedes Kabel anbringen, Signalkabel, analog oder digital, Lautsprecher-Kabel und auch Stromkabel. Je mehr, desto besser, und dies meint das Unternehmen natürlich gänzlich uneigennützig, sondern allein im Hinblick auf einen möglichst perfekten Klang.

Damit auch ja dieses perfekte Ergebnis erzielt werden kann, stehen diese magischen Sticks in verschiedensten Ausführungen zur Verfügung. Ans Kabel wird der so genannte Akiko Audio Tuning Stick Universal geschnallt. Dieser kommt ohne Stromversorgung aus. Darüber hinaus kann man etwa den Akiko Audio Tuning Stick AC in eine Netzleiste stecken, was immer dann auch passieren soll. Wir ersparen uns hier die etwas eigentümliche Auflistung dessen, was der Stick nicht alles bewirke. All dies soll auch der Akiko Audio Tuning Stick RCA bewerkstelligen können, der mit einem Cinch-Anschluss versehen ist und somit direkt an eine HiFi- oder AV-Komponente angeschlossen wird.

Das Carbon-Stöckchen misst 150 x 22 mm und soll laut Hersteller „neueste“ Technologien enthalten, wobei bei der Entwicklung natürlich „neueste“ Erkenntnisse genutzt wurden, etwa aus dem Bereich Kristallstrukturen, Eigenschaften aus dem Bereich „paramagnetic“ und „piezoelectric“, und all dies verpackt in ein Granulat, dass „Mikrofonie-Effekte“ vermeide, wobei dies alles in einer Carbon-Hülle verpackt ist, die die Wirkung noch verstärkt. Eine feine Metall-Folie irgendwo in oder auf diesem Teil sei zudem „elektrisch behandelt“, und sorge damit dafür, dass die Wirkungsweise auf molekularer Basis stattfinde.

Einmal mehr, nichts als pseudowissenschaftliches Gefasel, das eigentlich genau nichts aussagt. Aber es "wirkt", in welcher Form auch immer. Daher verspricht der Hersteller auch „Satisfaction guaranteed“, und gewährt eine 14 Tage Geld-zurück-Garantie. Nun, wer sich ein wenig mit dem Online-Handel auskennt, wird feststellen, dass dies wohl nicht mehr ist, als die Vorgaben in diesem Bereich. Aber es klingt doch gut, oder?

Einmal mehr muss man festhalten, dass es wohl weit sinnvoller ist, das Geld für gute Musik zu investieren, sofern man davon zuviel hat. Denn anders kann ich es mir nicht erklären, warum man auf die Idee kommen sollte, sein Geld für derartige magische Stöckchen zu verschwenden.

Und eins ist gewiss, egal ob Musik als Download, auf Audio CD oder Vinyl, hier kann man wirklich eine nahezu hundertprozentige Zufriedenheitsgarantie abgeben...

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