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Dire Straits „Brothers in Arms“ – DSD versus PCM…

Die Waffenbrüder der britischen Formation Dire Straits sind Legende. Nicht umsonst erstürmte das Album bei Erscheinen im Jahr 1985 weltweit die Charts. Auch heute erfreuen sich die Waffenbrüder großer Beliebtheit. Eine Erfolgsgeschichte, die vor vielen Jahren begann, und auch heute noch lebt. Und zwar in verschiedensten Darreichungsformen.

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
01.05.2014

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Wem sind die konkurrierenden Wiedergabesysteme der Vergangenheit nicht in Erinnerung? Sei es auf dem Videosektor, die Systeme Betamax, VHS oder gar die praktische beidseitig bespielbare „Wendekassette“ Video 2000. Aber auch im Audio-Segment tummelten sich mehrere Systeme, die gleichzeitig um die Gunst der Kunden buhlten. Während der Hochzeit der Vinyl-Schallplatte bastelten Sony und Philipps an der sogenannten Compact Disk, einem digitalen Speichermedium, das im Red Book Standard definiert wurde. Erstmals wurde ein Musiksignal auf einem Speichermedium angeboten, das ohne Berührung des Datenträgers auf optischem Wege ausgelesen werden konnte, und damit ein neues Zeitalter einläutete. Die Musikwelt versprach sich mehr Dynamik, weniger Verzerrungen und ohne den Auslesevorgang begleitende Geräusche. Kurzum – die Musik sollte wesentlich besser klingen, und das Musikvergnügen auf ein neues Level heben.

Dass dem letztlich doch nicht ganz so war, stellten kritische Stimmen alsbald fest. Kalt, harsch und viel zu analytisch klang das neue Medium, die derart hoch gepriesene Audio-CD. Dennoch war der Siegeszug der CD nicht aufzuhalten. So kam, was kommen musste – die Schallplatte verlor, zum Leidwesen vieler, an Marktanteilen. Nicht viel später folgte die Erkenntnis der großen Marktprotagonisten, dass die CD doch nicht so gut klang, und sahen sich dem Bedarf ausgesetzt, erneut ein System zu entwickeln, das den als veraltet erklärten analogen Klang nachahmte, oder gar noch übertreffen sollte. Der Grundstein wurde mit der Super Audio CD auf der einen Seite, und mit der DVD Audio auf der anderen Seite gelegt.

Oberflächlich erschienen beide Systeme der CD überlegen, so entbrannte auf den Seiten der Musikindustrie, aber auch auf der Seite der Gerätehersteller, ein nicht minder heftiger Systemstreit, wie er zu Zeiten der Video-Industrie ausgetragen wurde. Berechtigterweise quittierte der Musikliebhaber beide konkurrierenden Systeme mit viel Skepsis und Zurückhaltung beim Kauf neuer Geräteausstattungen und dem entsprechenden Musikmaterial. Die DVD Audio-Verfechter warben mit dem Umstand, dass man nur ein Gerät für die Bild-Daten und die Audio-Daten benötigte, während die SACD sich stark im High-end-Audiolager mit dem ultimativen Musik-Format sah. Während die DVD Audio alsbald ins Nirwana versank und bedeutungslos wurde, so konnte sich die SACD bis heute, wenn auch lediglich auf sehr niedrigem Niveau, einen eigenen Nischenmarkt erschließen.

Heute jedoch erlebt die Super Audio CD eine Art Revival, wenn auch nur das darauf zu findende Datenformat DSD.

Aber nachstehend erst ein paar Worte zu den unterschiedlichen Formaten. So sind die Formate technisch gesehen nicht vergleichbar, und bieten jeweils unterschiedliche Vorteile und Nachteile.

Aus technischer Sicht bieten sich dem Musikschaffenden und dessen Kunden, mit einer bedeutsamen Einschränkung, grundlegend nur zwei verschiedene Systeme. Die „Puls-Code-Modulation“, kurz PCM, und das sogenannte „Direct Stream Digital“, kurz DSD-Technologie. Die PCM-Technik, welche grundlegend für die gute alte CD, aber auch bei der DVD Audio zur Anwendung kam, ist gerade in der Aufnahmetechnik der verbreitete Standard. Ja selbst für viele sogenannten SACD-Produktionen wurde das Ausgangsmaterial, wenn nicht analog produziert, im PCM-Verfahren aufgenommen, und erst im letzten Schritt ins DSD-Format konvertiert. Die Puls-Code-Modulation ist ein, zu Deutsch, Pulsmodulationverfahren, das ein zeit- und wertkontinuierliches analoges Signal in ein zeit- und wertdiskretes digitales Signal umsetzt, und bildet die Basis für Digitalaudio-Anwendungen, deren bekanntestes Format eben die besagte Compact Disc, also die CD ist. Das PCM-Format arbeitet mit einer 16 Bit Auflösung bei 44,1 kHz Abtastrate, und soll laut Spezifikation einen Dynamikumfang von 96 dB bieten. Ein DSD-Signal, welches die sogenannte Delta-Sigma-Modulation einsetzt, hat eine Wortbreite von lediglich einem Bit, arbeitet aber im Gegensatz zu PCM mit einer Abtastrate von zumindest 2,8224 MHz, was dem 64fachen Wert von 44,1 kHz entspricht. Die theoretischen Vorteile der SACD sind hier mit den Vorteilen...

- Hohe Samplingfrequenz
- Frequenzumfang bis ca. 50 kHz statt nur 20 kHz
- Dynamikumfang mehr als 120 dB

...begründet, und somit soll diese deutlich besser klingen, als die altbewährte, auf PCM basierende Audio CD. Allerdings muss man hier festhalten, dass die theoretischen Vorteile, welche gerade im High-end-Sektor nachgesagt werden, nicht zwangsläufig auch beim Musikkonsumenten ankommen müssen. Zum einen sind die SACD-Klangeigenschaften grundsätzlich auch mit der PCM-Technologie abrufbar, wenn man die für die Dynamik wichtige Auflösung und den Frequenzbereich entsprechend erhöht. 24 Bit bei 96 kHz oder 176,4 kHz bzw. gar 192 kHz zum Beispiel! Zum anderen ist das verwendete Ausgangsmaterial maßgebend für das Endergebnis. Eine 16 Bit PCM-Aufnahme wird eben kein „echtes“ DSD-Werk, man kann es lediglich zur gewünschten Datenstruktur konvertieren.

Ein weiterer Anwärter auf die Gunst der Musikliebhaber ist die sogenannte „Extended Resolution Compact Disc“, eine weitere 16 Bit Standard Audio-CD, besser bekannt als XRCD. Die XRCD entstand Anfang der 90er Jahre aus einer Kooperation des japanischen Unternehmen JVC, dessen eigenem Presswerk in Yokohama, und den OceanWay Studios in Hollywood. Auch wenn hier der Redbook Standard beibehalten wurde, so wollten hier die Masterminds hinter der Technik, etwa der Tontechniker Alan Yoshida und der Jazz-Produzent Akira Taguchi, gezielt auf die nicht unerheblichen Unterschiede zwischen Masterband und fertiger CD eingehen. So wurde ein standardisiertes Mastering-Verfahren entwickelt, um genau diese Diskrepanzen zu minimieren oder gar beseitigen. Das zentrale Element dieses neuen Regelwerkes vereinheitlicht und reglementiert die verwendeten Studiogeräte und Wandler. Aber auch der Tontechniker bekommt eine besondere Arbeitsaufgabe. So muss bei der Produktion einer XRCD das digitale Vorprodukt stets mit der Quelle verglichen werden, um so Fehler bereits vor der Produktion des Glasmaster erkennen zu können.

Ein besonderer Umstand, welcher die Technikerherzen höher schlagen lässt, ist die seit dem Jahr 2004 durchgehende Verwendung eines hochpräzisen Rubidium-Oszillators zur Erzeugung einer einheitlichen Takt-Grundfrequenz während der Produktion. So soll klangrelevanter Jitter eliminiert werden. Ein derart ausgefeiltes und perfekt erstelltes Glasmaster für eine Produktion soll den Spezifikationen nach nur ca. 3.000 bis 5.000 mal verwendet werden, bevor er als fehlerhaft und verschlissen angesehen wird. Höhere Auflagen benötigen daher mehrere dieser sündhaft teuren Glasmaster. Grundlegend gilt für die erhältliche XRCD-Auswahl am Markt, dass ab dem Jahr 2004, sofern ein analoges oder ein 24 Bit Master vorlag, die Bezeichnung XRCD24 verwendet wird. Demzufolge werden digitale Aufnahmen davor, oder mit weniger als 24 Bit als XRCD2 gehandelt.

Was ist denn nun von den verschiedenen Formaten aus klanglicher Sicht zu erwarten? Eine Frage, die sich dem vom Systemstreit gebeutelten Kunden natürlich aufdrängt. Leider ist die Musikindustrie hier nicht sonderlich hilfreich. Einmal mehr fallen viele Begriffe und Erklärungen, die auf den außergewöhnlichen Klang und den technologischen Fortschritt hindeuten sollen, und dem Musikliebhaber erstmal nur viel versprechen. Hier ist allen voran ein kritischer Blick auf die Entstehungsgeschichte des ausgewählten Albums angeraten. Erinnern Sie sich - aus einer 16 Bit PCM-Aufnahme kann man kein natives DSD-File erzeugen. Lediglich eine Art Upsampling kann hier angewendet werden, und somit genießen wir alten Wein in neuen Schläuchen.

Als musikalisches Beispiel, und aufgrund der zahlreichen Versionen, haben wir uns für das Album „Brothers in Arms“ der britischen Formation Dire Straits entschieden. Wir wollen herausfinden, wie die einzelnen Versionen klingen, und sich letztlich dem Konsumenten präsentieren. Das Album erschien 1985, und wurde erstmalig als voll digitale CD-Produktion erstellt. Es war für die Industrie eine Art Referenz bei der Einführung der Audio CD. Die berühmten drei „D“ auf der Rückseite des CD-Covers sollten damals neue Wege der Aufnahme-Technik einläuten. Digitales Mastering, digitale Abmischung und natürlich auch eine digitale Vervielfältigung. Aus heutiger Sicht muss man diese Entscheidung leider etwas bedauern. 1985 war die digitale Welt noch nicht soweit, dass die analoge Technik vollständig ersetzt werden konnte. Heute besinnt man sich zudem auch wieder der alten Werte. Gerade in DSD-Zeiten sind analoge Masterbänder für die Wiederauflage alter Legenden unerlässlich.

In unserem Testfundus befindet sich natürlich eine CD dieser Waffenbrüder. Dem Vergleich stellen sich weiters eine so genannte Hybrid-SACD der Mercury Records aus dem Jahr 2005, die sowohl einen Audio CD-Layer als auch einen SACD-Layer aufweist, und somit beide „Welten“ auf einem Datenträger bedient, und die als 20th Anniversary Edition komplett neu abgemischt wurde und neben einer neuen Surround-Mischung auch eine Stereo-Version enthält, eine so genannte XRCD2 aus dem Jahr 2000 von Universal Ltd., und eine brandaktuelle Hybrid-SACD von Mobile Fidelity Sound Lab Inc. aus dem Jahr 2013. Die gute alte Audio-CD animierte mich sehr schnell zum Griff nach der Fernbedienung, um deutlich leiser als üblich zu drehen. Als Gerne-Laut-Hörer erschien mir die CD sehr kalt und aggressiv. Überproduziert fällt mir hier spontan ein. Während man das CD-Album leise sehr gut konsumieren kann, kommt bei höheren Lautstärken über meine Hi-Fi Anlage schnell Frust auf, obwohl ich analytische Aufnahmen ganz gerne höre.

„Brothers in Arms“ konnte ich in meinen jungen HiFi-Jahren als eine Art Referenz-Album in so manchen Geschäften während der Vorführungen erleben. Auf einer brachial aufspielenden Infinity Kappa 9, der Urversion, angetrieben von leistungsfähigen ultrastabilen Endstufen, bekam das Album einen Killerslam der Sonderklasse. Auch stimmte die Tonalität, und zeigte weitgehend keine Analytik und Kälte. Hier blieben wahrlich keine Augen trocken und kein Fuß still. Nach mehr als 20 Jahren persönlicher Weiterentwicklung und heutigen Geräten präsentiert sich das Album heute in seinem 80er-Jahre-Charme, welcher sich als Zeitzeuge der damaligen Vorstellung eines modernen volldigital produzierten Albums darstellt.

Natürlich hegt man die Hoffnung, dass eine Hightech-Produktion aus dem Jahr 2000, welche nach dem neu ersonnenen XRCD-Mastering-Standard produziert wurde, hier doch mehr punkten kann. Und in der Tat, es klingt etwas entschärfter und auch etwas runder. Die brutalen Riffs auf Titel 7 „The Man´s Too Strong“ etwa, spielen sich entspannt aber trotzdem kraftvoll in die Ohren. Der Grundcharakter dieses legendären Albums ist aber dennoch vorhanden. Auch im Jahr 2000 wäre für die Wiedergabe dieser XRCD eine Infinity Kappa 9 das Maß der Dinge.



Während die XRCD2 sich von der Audio-CD absetzen kann, und ein grandioses legendäres Album dem Musikliebhaber näher bringt – in der Tat, dieses aufwendige Mastering bringt etwas – stellt sich die Frage, ob die SACD hier entscheidend punkten kann. Erinnern Sie sich, wir sprechen noch immer von einer PCM-Aufnahme, die nichts mit nativem DSD zu tun hat.

Einmal hörte ich die Jubiläumsversion von Universal Ltd., und danach die brandneue SACD von Mobile Fidelity Sound Lab Inc. aus Chicago, USA. Der Anbieter wirbt mit genialem Sound und perfekten Produktionen. Beide Alben setzen sich deutlich von der XRCD, und natürlich von der Audio CD, ab, und punkten mit viel Durchzeichnung und Detailtreue. Das Klangbild ist bei Universal etwas mehr auf die Mitten fokussiert, während mfsl.com etwas sphärischer interpretiert. Die erlebte Schärfe der PCM-Versionen erscheint hier im direkten Vergleich deutlich grobkörniger und belastender. Gerade bei der Audio CD präsentiert sich als letztes Heilmittel die Fernbedienung, um den Pegel abzusenken. Die XRCD behält den Grundcharakter, und zögert den Griff nach der Fernsteuerung merklich hinaus. Die beiden SACD-Versionen, auch wenn diese nur konvertiertes PCM-Datenmaterial verabreicht bekamen, eröffnen neue Welten, wobei die Chicagoer Klangtüftler eher den Fuß in die Tür zum Herzen der Musikliebhaber setzen.

Es sieht also tatsächlich so aus, als ob DSD, egal welches Datenmaterial tatsächlich verarbeitet wird, der Heilsbringer ist. Leider stimmt das nur zum Teil, denn eine native DSD-Aufnahme rückt im direkten Vergleich die Realität schnell zurecht. Flugs eine aktuelle Linn-Aufnahme in den Player gelegt, zeigt diese dramatisch die Zugehörigkeit der Waffenbrüder in die Welt der 80er und 90er Jahre auf. Eine native SACD/DSD-Aufnahme, hier ein Vergleich mit einem Linn Records Album, bietet einen gewaltigen Mikrokosmos, eine unfassbare Klangverästelung der Feinstinformationen, sowie eine Plastizität der Bühnendarstellung, die einem den Atem zu rauben vermag. Der etwas hinkende Vergleich mit einem Linn-SACD-Album aus dem Genre Klassik (Richard Tunnicliffe "J.S.Bach – Cello Suites") soll aufzeigen, was mit einer perfekten Produktion aus technischer Sicht möglich ist.

Um einen raschen Überblick in "nackten" Zahlen zu geben, wie sich für mich die einzelnen Versionen des Albums "Brothers in Arms" darstellten, würde ich die Erfahrungen dieses Hörvergleichs folgendermassen festhalten:

Audio CD Vertigo aus dem Jahr 19852 von 10 (Genügend)
XRCD2 Universal Hong Kong aus dem Jahr 20003 von 10 (Befriedigend)
SACD Mercury Records aus dem Jahr 20057 von 10 (Gut)
SACD Mobile Fidelity Sound Lab Inc. aus dem Jahr 20137,5 von 10 (Gut)



Um die wahren Potentiale eines hochauflösenden Formates zu genießen, und so auch das volle Potential der eigenen Wiedergabekette ausschöpfen zu können, reicht es leider nicht, dem Label DSD zu vertrauen. Ausschlaggebend ist allen voran das tatsächlich zur Verfügung stehende Ausgangsmaterial. Im Idealfall ist dies eine ausgefeilte analoge Produktion, oder eben eine hervorragende 24 Bit Digitalproduktion. „Irgendwas“ als Basis einfach nach DSD konvertiert, ist leider vielfach das Geld nicht wert.


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