Echtes Männer-Spielzeug - REALHORNS Ultimate High-end Surround System

Wollen wir doch ein wenig Klischees pflegen: Wenn die holden Damen des Haushaltes sich mal über die „Spieltriebe“ des Mannes echauffieren, dann, liebe Leidensgenossen, verweist einfach auf diesen „Wahnsinn“ des deutschen Unternehmens REALHORNS GBr. Denn hier bleibt kein Auge trocken, und keine Gänsehaut entspannt. Seid froh, ihr Damen, dass Eure Ehemänner oder Freunde nicht derartiges Spielzeug haben wollen. Zumindest nicht im eigenen Wohnzimmer. Ihre Wünsche sind im Vergleich dazu ja geradezu bescheiden...

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
12.02.2012

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Oft wird der so genannte WAF im Zusammenhang mit Audio- und Video-Systemen, aber natürlich vor allem im gehobenen HiFi-Segment angeführt. WAF, diese Abkürzung steht für nichts anderes als den so genannten Woman Acceptance Factor, also jener virtuellen Maßzahl, die entscheidend dafür ist, ob man(n) sich neues Spielzeug zulegen darf, oder eben nicht. Denn das weibliche Veto wiegt zumeist mehr, als die noch so tollen Neuerungen und Verbesserungen, die feinste Unterhaltungselektronik mit sich bringen würde. Lassen Sie uns diese oftmals als Klischee eingestuften Umstände mal einfach als gegeben annehmen, ohne nun in grundlegende Diskussionen abzugleiten, ob diese tatsächlich einen Wahrheitsgehalt haben, oder nicht und erlauben Sie mir zuerst eine heitere Geschichte, die mich auf Umwegen auf dieses Thema brachte.

Eigentlich ist Hi-Fi ja harmlos. So sehen wir Männer das zumindest. Sofern die Musik vom Computer oder aus der preiswerten Kompakt-Anlage nicht reicht, kauft man(n) sich eine HiFi-Anlage und baut diese nach erfolgreichem Auspacken auf, rückt die Lautsprecher an die optimale Position im Hörraum oder gemeinsamen Wohnzimmer, und tut das, für was die schönen Glücksbringer gekauft wurden. So zumindest dürfte der Musikkonsum im Allgemeinen ablaufen.

Die etwas härtere Gangart mag dann wohl ein höherer Preisrahmen mit oftmaligen Händlervisiten darstellen. Selbstredend inklusive wochenlangem Herumrücken der Lautsprecher und mehrmaligem Umstellen der einzelnen HiFi-Bausteine. Es ist wichtig, die Optik des Verstärkers oben oder unten im Regal verifiziert zu wissen. Auch ein CD-Player mag überlegt aufgestellt werden, die Fernbedienung muss ja den Empfänger am Gerät treffen können, und Vibrationen sollen auch nicht besonders gut sein. Von einem feinmechanischen Kunstwerk, wie ein Schallplatten-Laufwerk der alten Schule, rede ich erst gar nicht. Man muss schon gut Bescheid wissen um im reichhaltigen Angebot den passenden Tonabnehmer zu finden und dieses dann fachgerecht am Tonarm zu montieren. Darüber hinaus sollte das edle Teil den physischen Ansprüchen gerecht werden, sprich perfekt aufgestellt sein.

Der Tonabnehmer stellt ja gewissermaßen ein Nadelöhr in der analogen Wiedergabe dar. Es muss einfach feinmechanisch und elektrisch zum Laufwerk und zum Tonarm, wie auch zum Phono-Vorverstärker passen. Ein Fehlkauf ist leider nicht gänzlich auszuschließen. Das Angebot ist auch in heutigen digitalen Zeiten nicht unerheblich und kann zudem wahrlich schwindelerregende Preisregionen erreichen, und so kommt es vor, dass man(n) gelegentlich „aufrüstet“. Die Situation, dass der Mann eines Tages mit einem kleinen Schächtelchen nach Hause kommt, und Frau an ein edles metallenes Utensil denkt, könnte schon für gewisse Missverständnisse und für Neudefinitionen beim Begriff „notwendig“ sorgen. Zumindest in den Haushalten, die nicht absolut liberal mit den Bedürfnissen des anderen umgehen und zudem keine Aufklärungsarbeit leisten.

Aber das sind Nebensächlichkeiten. Ich habe in den vergangenen zwei Jahren meine komplette HiFi-Anlage umgekrempelt. Meinen alten Verstärker und die Lautsprecher verkauft. Ich zähle mich zu den HiFi-Liebhabern, die periodisch das Equipment wechseln, und versuchen, das Niveau zu Hause allmählich zu heben. Es entwickeln sich ja auch die Musikgewohnheiten weiter. Ich mutierte von einem reinen Pop-Musikhörer zu einem Jazz-Liebhaber mit starken Ausprägungen in Richtung Soundtracks, und das bedingt nun mal auch eine immer währende Anpassung der Hardware.

Jeder begeisterte Musik-Liebhaber, der sich auch mit der Musikwiedergabe zu Hause beschäftigt, lernt ab und an mal Personen kennen, die ein HiFi-Setup betreiben, das man sich selbst niemals leisten könnte. Einfach das andere Ende der Preisklasse. Das sind dann die schönen Momente, von denen man lange zehrt und wieder Kraft und Antrieb findet, sein eigenes zu Hause weiter zu entwickeln, oder gar neue Wege zu beschreiten. Ich bin mir sicher, dass jeder Leser eine eigene Geschichte erzählen kann, und vielleicht auch in meiner seine eigene wieder erkennt.

Einen Umstand dürften aber fast alle Musikliebhaber gemein haben. Die Werbung in der eigenen Familie für das Hobby. Das Werben um Verständnis, dass man im Grunde zu viel Geld ausgibt oder dass man die Lautsprecher noch mal umstellen muss, oder für den neuen CD-Player auch noch neue Geräte-Unterstellfüße benötigt. Mit anderen Worten - das nicht nur Frauen bei einem prallen Kleiderschrank zu kreischen beginnen, sondern auch wir Männer uns im realen Leben verhalten können, wie die lustige Freundestruppe in einem TV Commercial für einen gigantischen Bierhersteller und damit ebenfalls eine sensible und empfindsame Seite haben. Hand aufs Herz oder in die Wunde - wer ist in der glücklichen Lage „straffrei“ einen nicht unwesentlichen Betrag allein für neue Unterstell-Füße für HiFi-Komponenten kaufen zu dürfen?

Ich habe mit großer Mühe und Not die Genehmigung erhalten, mir einen neuen Verstärker zu kaufen. Naja, der Alte war halt schon schlecht und der Neue ist „zufälligerweise“ soeben im Sortiment des Herstellers ausgelaufen. Oh Gott, wenn das jemand liest... Ein Verstärker der schlecht wird! Ich schäme mich etwas, aber genau den Unfug habe ich meiner Frau erzählt, erzählen müssen… Naja und meine Lautsprecher waren auch schon schlecht. Und schon wieder muss ich mich schämen und Abbitte leisten. Aber was soll ich machen, meine Frau hört unbeschwert und zufrieden ihre Musik am Portable CD-Player um 59 Euro vom Supermarkt-Angebot. Wie soll ich also begründen, weshalb ich neue Lautsprecher haben möchte, äh dringend brauche? Und eines hat mir das Leben gelehrt, es kommt alles raus, aber auch wirklich alles. So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Gewitterwolken aufziehen, und ich im Wochen-Rhythmus Versöhnungs-Handtaschen und Entschuldigungs-Schuhe heran schaffen darf. Aber was tut man nicht alles für das geliebte Hobby...

Es muss halt eine kluge und pfiffige Strategie her, die es bewerkstelligt, dass die Damen des Hauses Einsicht zeigt, und mit viel Liebe und Zuversicht meine Wünsche von den Augen abliest, ja vielleicht sogar von Strafe und Verfolgung freistellt. Eine Art Generalamnestie muss her. Aber wie anstellen? Einmal habe ich versucht in eine Art Vorleistung zu gehen. Also erst die Versöhnungs-Handtaschen und die Entschuldigungs-Schuhe zu kaufen, und dann erst die HiFi-technischen Wünsche zu platzieren. Aber es ist wohl wie mit griechischen Staatsanleihen. Man benötigt wirklich gute Argumente, wenn Frau auf derlei leicht durchschaubarer Vorgehensweise herein fallen soll. In meinem Fall endete das wie mit einer freiwilligen, unaufgeforderten Steuernachzahlung ans Finanzamt. Sie wurde verbucht und regelte NICHTS !!!!

Eine weitere Strategie könnte sein, fleißig im Haushalt mitzuhelfen. So sagt meine Frau doch immer, ich wäre faul und bequem und man müsse mir jedes Mal die Pantoffeln nachtragen. Ja, so muss es wohl funktionieren, damit kriege ich sie. Ich werde mich bemühen und einbringen. Aktiv in unserem Haushalt arbeiten und so von meinen Fähigkeiten und Veränderungswillen zu überzeugen. Das muss sich ja entsprechend lohnen. Nun, anfangs lief ja alles bestens. Ich saugte Staub und wischte die Böden. Setzte mich beim Wasserlassen und griff natürlich auch brav zum Putzlappen. Auch schraubte ich die Zahnpasta-Tuben nach Entnahme wieder zu. Voller Vorfreude ob meiner Bemühungen, mein HiFi-Leben in neue Bahnen zu lenken, fühlte ich die Stimmung im trauten Heim ab, ob ich wohl einen kleinen Testwunsch platzieren könnte. Eine Art Test bevor ich aufs Ganze zu gehen gedenke. Naja, was soll ich sagen. Ich habe schlicht einfach nicht mit der unfassbaren Sensibilität und Intelligenz meiner Frau gerechnet. „Hast Du eine Andere?“ fragte sie mit bebender Stimme, und es vergingen keine zwei Nanosekunden, bis sich ihre Augen in Niagarafälle verwandelten. Dermaßen entwaffnet und geläutert ob meiner Vermessenheit zu glauben, ich könne meiner Frau auch nur ansatzweise emotional das Wasser reichen, gab ich auf und beichtete mein schändliches Vorhaben. Und so kams, wie es kommen musste. Ich stand ohne Erfüllung meiner Wünsche da und meine Frau bestellte beim Tischler die Kastenerweiterung für die ins Haus stehenden Versöhnungs-Handtaschen und Entschuldigungs-Schuhe.

Aber auch das warf mich nicht aus der Bahn. Augen zu und durch, sowie der Leitsatz eines Jedi halfen mir - „Geduldig du musst sein, und Licht ins Dunkle kommen wird“. Alle Bemühungen um eine Konsolidierung meiner Wünsche scheinen nicht zu fruchten, und dennoch war ich guten Mutes, irgendwann eine Lösung finden zu können. Ich musste frohen Mutes sein, denn ich brauchte bald ein vorzeigbares und angreifbares Ergebnis. Alleine schon wegen meiner zwischenzeitlichen Dummheit, die ich wegen der noch nicht abgelegten Vorfreude begangen habe. Ich erzählte in einem Forum, dass ich kurz vor der Erlaubnis stünde, und mir deswegen schon den Lautsprecher-Bausatz bei meinem befreundeten HiFi-Händler bestellt habe.

Wie bekomme ich nun die Kurve, wo ich doch gar keine Lautsprecher bestellt habe. Ich bin ja ein verlässlicher Ehemann und würde niemals Blödsinn erzählen, nur um völlig ohne Eigennutzen an einen neuen Lautsprecher zu kommen. Selbstverständlich würde ich vorher den Familienrat um Abstimmung über die Sonderausgabe im Haushaltsbudget bitten, und selbstverständlich geplantes Vorhaben auch sachlich fundiert und allgemein verständlich vortragen. Sachlich... Ja, so kann man meinen nächsten Einfall wohl nennen. Der Zufall half ungemein. Da ich ja ein absolutes Kaufverbot ausgefasst habe, tat ich das, was ich sonst auch immer unternehme, wenn der HiFi-Kaufzwang beißt und nagt, und die Erfüllung des selbigen so weit von mir entfernt ist, wie ein ausgewachsenes Fleckvieh von einem bemannten Mondflug. Ich stöberte im Internet und fand den Ausweg.

Eingangs erwähnte ich die Jungs um die Firma Realhorns. Die Truppe entwickelt, baut und vermietet Surround-Systeme auf Horntechnik basierend. So unfassbar große Konstruktionen mit Leistungsparametern, die jeden Leser an eine Arena-Beschallung denken lassen. Mal ein paar Fakten:

Höhe: 2,97 Meter, Breite: 3,37 Meter, Horn-Mundfläche 7 Quadratmeter, welches einem Array von 62 Stück 18 Zoll Treibern entspricht, Gewicht pro Horn 700 Kilogramm und 146 dB Schalldruck, angetrieben durch eine Verstärker-Anlage, welche sich im Bereich „vielfache Kilowatt“ bewegt und eine so genannte USV, eine unterbrechungsfreie Stromversorgung erfordert, die durchaus als Schaltkasten für ein kleines Dorf durchgehen würde. Das deutsche Unternehmen REALHORNS GbR setzt aber nicht nur einen Treiber ein, sondern setzt zumeist auf mehrere Gruppen an Treibern, jeweils aufgeteilt in Hoch-, Mitten- und Tieftontreiber. Angesteuert wird das Beschallungssystem über ein mit feinster Elektronik aus dem professionellen Studio- und Beschallungsbereich. Für den Transport des gesamten Systems bedarf es eines Sattelschleppers, denn insgesamt 8 Tonnen, in Worten acht Tonnen (!!!) - gilt es, zu bewegen. Mehr will ich gar nicht auf diese in jeder Beziehung herausragenden Systeme eingehen, ich denke, die genannten Fakten und Bilder sprechen für sich.

Meine Frau ist ja nicht wirklich böse oder verständnislos, sie tut nur so. Und sie ist auch nicht streng und hat natürlich nur unseren Haushaltsplan und unser Wohl vor Augen. Der Plan, der vorsieht, dass alles in geordneten Bahnen verläuft und wir natürlich nicht unser gutes AAA Rating bei unserer Hausbank verlieren, und sie ab und an mal eine Versöhnungs-Handtasche und Entschuldigungs-Schuhe abbekommt, muss halt mit unerbittlicher Konsequenz umgesetzt werden. Und trotzdem braucht der (männliche) Mensch eine emotionale Auszeit die, wie könnte es anders sein, neuer Lautsprecher heißt. Dermaßen hoffnungsvoll stürmte ich wie vom Hafer gestochen in ihr Hoheitsgebiet, äh unser Wohnzimmer, und eröffnete mit lauerndem Unterton.

„Wenn ich mir nicht bald neue Lautsprecher kaufen darf, lade ich die Jungs von Realhorn ein, und lass Dir einen Tag lang den Soundtrack „Transformer – The revenge of the fallen“ vorhämmern!“

Und so endete die absolut nicht erfundene Geschichte mit einem, mit zittriger Hand und rasendem Herzen geschriebenen, Bestellmail für ein Paar Keramix mit Bass-Erweiterung Keramix3 aus dem steirischen Unternehmen Pure Dynamics. Ich musste keine Versöhnungs-Handtasche und keine Entschuldigungs-Schuhe kaufen, darf auch wieder im Stehen pinkeln und bekomm sogar wieder was Warmes zu essen! Vorläufig jedenfalls...

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