Foto © Michael Holzinger - sempre-audio.at

Einfach ausprobiert - Was passiert beim Rippen einer MQA CD?

MQA wird seit geraumer Zeit als das neue Hi-res Format gehandelt, insbesondere dann, wenn es um Streaming geht. Ebenso stehen aber auch Downloads kodiert in MQA zur Verfügung und zudem setzen erste Labels auch bei herkömmlichen Audio CDs auf eine Kodierung in MQA. Was passiert, wenn man eine derartige so genannte MQA CD aber nun rippt?

Kurz gesagt...

Kann man von einer so genannten MQA CD auch dann profitieren, wenn man diese in bewährter Art und Weise rippt um so die Daten für Streaming zur Verfügung zu stellen?

Wir meinen...

Wir haben es einfach mal ausprobiert, was denn passiert, wenn man eine so genannte MQA CD mit herkömmlichen Software-Lösungen einrippt. Zunächst landen ganz normale FLAC-Dateien auf der Festplatte, die um keinen Deut größer sind, als würde es sich um Daten einer x-beliebigen Audio CD handeln. Kommt allerdings Soft- und Hardware ins Spiel, die MQA-Inhalte dekodieren kann, so entpuppen sich die Files sofort als MQA Inhalte und werden dementsprechend auch wiedergegeben.

Von Michael Holzinger (mh)
12.01.2018

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Seit Jahr und Tag ist es gängige Praxis unter HiFi-Liebhabern und Musik-Begeisterten, dass man Audio CDs mittels geeigneter Programme rippt, die Daten also mit dafür ausgelegten Programmen vom optischen Datenträger auf die Festplatte des PCs oder Macs kopiert, sodass man diese entweder mit portablen Audio-Devices unterwegs jederzeit nutzen kann, oder aber auch einer Streaming-Lösung zuführt.

Zunächst schrumpfte die Bedeutung dieser Arbeitsweise natürlich durch das stetig wachsende Angebot an Downloads, da immer mehr Konsumenten Musik eben nicht mehr in Form einer herkömmlichen Audio CD erwarben, sondern direkt als Datei aus dem Web. Mit der Etablierung von Streaming-Diensten wie Spotify, Deezer, Napster, JUKE!, Amazon Music, Apple Music, TIDAL usw. erschien die Audio CD gar als obsolet, da man ja nun Abermillionen an Musik-Titel nahezu jederzeit und immer im Zugriff hat.

CD-Rippen... wozu?

Die Zahl jener, die tatsächlich noch Audio CDs erwerben und diese dann einrippen, wird also aus skizzierten Gründen sukzessiv weniger, zumal mit Hi-res Audio Downloads ja hier wirklich spannende Alternativen zur Verfügung stehen und auch beim reinen Streaming teils Hi-res Audio zur Verfügung steht.

MQA als neuer Standard für Streaming von Hi-res Audio?

Ein Thema sorgt gerade rund um Musik-Streaming in Hi-res Audio ja seit geraumer Zeit für Furore, und zwar das zunächst von Meridian Audio Ltd. entwickelte, und nunmehr von dem längst speziell dafür gegründeten Unternehmen MQA Ltd. propagiertem MQA. Bob Stuart wird seit Monaten, nein, eigentlich bereits seit Jahren, nicht müde, die seiner Ansicht nach zahllosen Vorzüge von MQA hervorzuheben. Dies soll allen voran eine viel geringere Dateigröße von MQA kodierten Inhalten gegenüber herkömmlichen Hi-res Daten sein, und dies bei gleicher, laut Bob Stuart gar besserer Qualität. Tatsächlich lässt sich mit MQA ein Bruchteil der üblichen Datengrößen erzielen, sodass es für Streaming in hochauflösender Form ideal erscheint.

MQA auch für Downloads?

Doch für die Verfechter von MQA, allen voran MQA Ltd. und Bob Stuart, soll dieses Format nicht allein auf Streaming beschränkt sein, es soll schlichtweg der neue Standard rund um Hi-res Audio und damit die Musikwiedergabe in Studio Master-Qualität darstellen. Die forcierten Bemühungen der Verfechter dieses Formats haben etwa dazu geführt, dass alle großen Labels inzwischen bekundeten, MQA zu unterstützen und ihre Kataloge in diesem Format anzubieten. Böse Zungen behaupten, dass hier nicht etwa allein etwaige Qualitätskriterien ausschlaggebend waren, sondern auch ein wenig die mit MQA durch die Hintertür eingeführten Möglichkeiten rund um Digital Rights Management, kurz DRM. Doch wir wollen hier keine Grundsatz-Diskussion rund um MQA vom Zaun brechen, diese hat sempre-audio.at schon mehrfach durch kritische Berichterstattung forciert.

MQA auch für Hi-res direkt von der Audio CD

Erstaunlicherweise geht die Thematik rund um MQA aber selbst über Streaming oder Downloads hinaus. Bereits zu Beginn letzten Jahres setzten erste Labels in Japan auf MQA selbst bei eigentlich von vielen bereits als obsolet erklärten Vertriebswegen, und zwar der herkömmlichen Audio CD. Auch hier sollte eine Kodierung in MQA dafür Sorge tragen, dass diesem Datenträger eine Art „zweite Chance“ eingeräumt wird, Hi-res Audio auch hier ins Spiel gebracht wird - sempre-audio.at berichtete.

Das interessante an diesen so genannten MQA CD ist, dass diese nach wie vor zu 100 Prozent Red Book-kompatibel sind, somit in jedwedem Audio CD-Player problemlos abgespielt werden können. Allerdings, kommt dabei ein D/A-Wandler ins Spiel, der sich aufs Dekodieren von MQA versteht, so wird der Inhalt einer MQA CD eben nicht in 16 Bit und 44,1 kHz wiedergegeben, sondern vielmehr in „Hi-res Audio“.

Einer der Technologie-Vorreiter der Branche und zudem ausgewiesener Verfechter besten Klangs ist Morten Lindberg, Tontechniker und Produzent zahlloser herausragender Alben seines Labels 2L. Auch Morten Lindberg gilt als Verfechter von MQA, sodass es nicht erstaunt, dass er ebenfalls nicht nur auf MQA als Download, sondern ebenso auf MQA CDs setzt.

Etwa bei seiner neuesten Produktion „Folketoner“ von Det Norske Jentekor unter der Leitung von Anne Karin Sundal-Ask. Hierbei handelt es sich, darauf wollen wir ausdrücklich hinweisen, einmal mehr um ein wahres ein musikalisches Meisterwerk. Doch auch aus technischer Sicht ist diese Aufnahme interessant, die in 5.0 Surround und Stereo in DXD, und damit 24 Bit und 352,8 kHz aufgenommen wurde.

Natürlich kann man dieses Album auch direkt Online erwerben, auch in Hi-res Audio, doch selbst als herkömmliche „CD“ erhält man Feinstes. Es handelt sich nämlich um eine so genannte Hybrid SACD. Verfügt man über einen Universal Player und entsprechendes Setup, so kann man den Surround Klang genießen, bei einem SACD-Player im HiFi-Verbund ist man klarerweise auf Stereo beschränkt. Zudem kann man diese Scheibe aber auch in jedwedem Audio CD-Player wiedergeben, und erhält dann die üblichen 16 Bit und 44,1 kHz.

Was macht diese Aufnahme auf „CD“ dann aber so besonders? Nun, sie ist in MQA kodiert. Verfügt man also über einen entsprechenden D/A-Wandler, so wird aus dem Datenstrom tatsächlich wieder „Hi-res Audio“, und zwar 16 Bit 352,8 kHz.

Und damit sich der Kreis zu unserer Einleitung schließt, was passiert, wenn man diese „CD“ mit einem herkömmlichen Programm zum Rippen von CDs auf die Festplatte kopiert?

Wie rippt man eine MQA CD?

Diesen Versuch haben wir mit dem Tool dbpoweramp für Apple OS X gewagt, einem Programm, das ja etwa auch mit HDCD umgehen kann und diese nicht in „CD-Qualität“, sondern auf Wunsch als Hi-res Audio Datei abspeichert, somit die zusätzlichen Bits der HDCD-Kodierung zu nutzen versteht.

Für MQA CDs steht hier keine separate Einstellung zur Verfügung, und dies aus gutem Grund. Man benötigt diese nämlich schlichtweg nicht.

Man legt die MQA CD ins Laufwerk, liest diese ganz normal aus, und speichert die Daten als normale FLAC-Dateien auf die Festplatte. Alles so, als würde es sich um eine x-beliebige Audio CD handeln.

Was aber passiert, wenn man eine Streaming-Lösung oder aber einen portablen Audio-Player sein Eigen nennt, der MQA unterstützt? Bleibt die MQA-Kodierung auch nach dem Rippen vorhanden?

In Roon etwa wird die neue „CD“ ohne weiteres Zutung als MQA ausgewiesen und auch als solche Interpretiert, sofern man einen entsprechenden Streaming-Client oder DAC nutzt.

In unserem Fall etwa vertrauten wir auf den Meridian Prime Headphone Amplifier, der Daten in MQA dekodieren kann. Ebenso haben wir unsere Bluesound Streaming-Clients getestet, und auch hier wird das Album, das wir als „normale“ Audio CD gerippt und auf den Server spielten, anstandslos als MQA-kodiert abgespielt.

Konkret bedeutet dies, dass dieses Album anstatt mit 44,1 kHz mit 352,8 kHz wiedergegeben wird, also ungleich höherer Auflösung. Nichts ändert sich hingegen bei den Bits, nach wie vor wird das Album also mit 16 Bit wiedergegeben. Anders wäre es nicht möglich, den Red Book-Standard der Audio CD einzuhalten. „CD“ muss nunmal „CD“ bleiben, sprich, mehr als 16 Bit ist nicht möglich.

„Streaming on Tidal and distributed as files we use the full 24 Bit. In the special version for CD we need to dither within the available 16 Bits. That means there are some sacrifice but to me this still sounds better than a regular CD as it unfolded like you have done in Roon preserves the better resolution in the time domain.“ - Morten Lindberg, 2L

Übrigens, auch unsere Portablen Hi-res Player, ein Sony WALKMAN NW-ZX300, aber auch ein Pioneer XDP-30R, interpretierten die von CD gerippten Files anstandslos als MQA-kodierte Inhalte und gaben diese in höherer Auflösung wieder.

Was gibt es über den Klang zu sagen?

Und wie klingt es nun? Abgesehen davon, dass auch dieses Album, wie wirklich jedes Album, bei dem Morten Lindberg seine Finger im Spiel hat, schlicht fantastisch klingt, zieht man den direkten Vergleich, so ist natürlich MQA der reinen Audio CD bei Weitem überlegen. Gerade bei derart filigranen Aufnahmen kann man viel, viel mehr an Details heraus hören, wird alles viel feinsinniger und "luftiger" dargestellt, lassen sich Dank MQA Nuancen entdecken, die man bei reiner Audio CD-Wiedergabe schlichtweg nicht in dieser Detailtiefe hört. Dass da aber dann doch noch mehr geht, zeigt ein direkter Vergleich mit dem unverfälschtem Signal der selben Hybrid SACD bei der Wiedergabe als Super Audio CD.

Daher kann man festhalten, dass eine MQA CD, sofern man deren speziell kodierten Inhalte auch tatsächlich nutzen kann, einer reinen Audio CD prinzipiell überlegen ist. Allerdings: die volle Bandbreite erhält man aber erst, wenn man zum Download wechselt, denn dann ist man auch nicht mehr auf 16 Bit limitiert, sondern kommt zudem in den Genuss von etwa 24 Bit, was bei derart exzellenten Aufnahmen nochmals eine deutliche Steigerung darstellt.

Insofern stellt sich unserer bescheidenen Einschätzung nach schon die Frage, warum man eine MQA CD erwerben sollte, wenn auch einen Hi-res Download zur Verfügung steht...

Fest steht jedoch auch:, hat man eine MQA CD, so kann man problemlos deren Vorteil nutzen, zumal dies, wie dieser Bericht zeigt, mit keinerlei Mehraufwand an Software oder Hardware verbunden ist. "The real thing" stellen aber weiterhin Hi-res Downloads dar...

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