Einmal mehr... Setzt Apple auf hochauflösende Audio-Daten?

Das Gerücht ist ja keineswegs neu. Alle paar Monate geistert es durch die Medienwelt und hat sich bislang - leider - immer als nicht zutreffend entpuppt. Nun soll es - geht es nach bestens informierten Insidern - aber tatsächlich so weit sein und unter anderem Apple auf mehr Qualität bei Musik-Downloads setzen.

Von Michael Holzinger (mh)
24.02.2011

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Diesmal wurde die Geschichte durch einen Artikel des Online-Portals CNN losgetreten, die sich auf ein Interview mit Jimmy Iovine berufen. Iovine arbeitet nach eigenen Angaben nicht nur seit 40 Jahren unter anderem als Produzent im Musikgeschäft und ist Chairman der zur Universal Music Group gehörenden Interscope Geffen A&M Records, sondern gründete gemeinsam mit Dr. Dre im Jahr 2008 das Unternehmen Beats Audio, das sich zunächst mit dem Vertrieb von Kopfhörern, zunehmend aber auch mit Hard- und Software-Lösungen für die Verarbeitung und Wiedergabe von Audio beschäftigt.

Laut Iovine sei man unter anderem mit Apple in Verhandlungen bzw. bereits in Vorbereitung, das Angebot bei Musik-Downloads wie etwa im Apple iTunes Store auf 24 Bit umzustellen und so die Qualität deutlich drastisch zu verbessern. Mit Daten mit 24 Bit liege man sogar über der, nach Ansicht von Iovine längst überholten CD und würde damit auf breiter Front Musik in Studio-Qualität anbieten können.

Interessanterweise wurde diese Meldung ausgerechnet vor allem von jenen Medien aufgegriffen, die sich bei Themen wie etwa hochwertiger Musikwiedergabe im Zusammenhang mit digitalen Daten nicht wirklich mit Sachverstand und Kompetenz auszeichnen, sondern vielmehr die Ansicht vertreten, dass alles über MP3-Qualität ohnedies nur esoterischer Humbug sei und den Unterschied niemand wirklich wahrnehmen würde. Es sind vor allem IT-lastige Medien, die sich schließlich mit Nullen und Einsen bestens vertraut sind, allerdings endet der Sachverstand zumeist dann, wenn mit diesen Nullen und Einsen Musik abgebildet werden soll.

Dies zeigt auch die aktuelle Diskussion rund um hochauflösende Datenformate, denn unterm Strich könnte sich die nunmehr als großer Umbruch propagierte Entwicklung als lauwarmes Lüftchen entpuppen.

Denn eins steht fest: 24 Bit allein bedeutet noch relativ wenig bis gar nichts. Denn nach den derzeit vorliegenden Informationen bzw. eigentlich sind es ja nicht mehr als Gerüchte, steht das Format, in dem diese Audio-Daten zur Verfügung stehen sollen, noch gar nicht fest. Und das ist eines, wenn nicht gar das wirklich entscheidende Kriterium.

Sieht man sich etwa das Angebot von Apple im iTunes Store an, so setzt das US-amerikanische Unternehmen bei Audio-Daten auf das so genannte AAC-Format und bietet Musik-Files mit einer Datenrate von 256 kbit/s und 44,1 kHz. Apple spricht in diesem Zusammenhang von CD-Qualität, was aber nicht wirklich stimmt. Denn das Schlagwort „CD-Qualität“ bedeutet, dass Audio-Daten im PCM-Format und somit unkomprimiert vorliegen, also mit 16 Bit und 44,1 kHz eine Datenrate von 1.411,2 kbit/s aufweisen. Das AAC-Format ist also ein Kompressionsformat, das mit Datenreduktion arbeitet, um eine kleinere Dateigröße zu erzielen.

Dem Vernehmen nach dürfte Apple auch bei etwaigen Files mit 24 Bit auf ein datenreduziertes Format setzen, etwa auch auf AAC und nicht auf das eigentlich dafür prädestinierte Apple Lossless Audio. Insofern kann dieses nunmehr als Gerücht in Aussicht gestellte Angebot in keinster Weise mit Download-Angeboten verglichen werden, die tatsächlich hochauflösende Daten anbieten, etwa im völlig verlustfrei arbeitenden FLAC-Format oder etwa gar als WAV-Dateien.

Selbstverständlich sind Daten mit einer Auflösung von 24 Bit deutlich besser als Files mit 16 Bit, denn dadurch wird definiert, welcher Dynamikbereich abgebildet werden kann. Vor allem für Stücke aus der Klassik mit sehr lauten, aber auch sehr leisen Passagen sowie Musik aus den Genre Jazz oder Singer/Songwriter profitieren davon. Allerdings kann man erst dann von Aufnahmen in Studio Master-Qualität sprechen, wenn das Mehr an Dynamik und Auflösung auch tatsächlich voll zur Geltung kommt, und nicht durch ein verlustbehaftetes Kompressionsverfahren gleich wieder zunichte gemacht wird.

Zudem ist völlig offen, wie sich ein derartiges Premium-Angebot im Apple iTunes Store in die übrige Infrastruktur von Apple einbinden lässt. So können die meisten mobilen Player, auch aus dem Hause Apple nichts mit Daten anfangen, die eine Auflösung größer als 16 Bit aufweisen. Abgesehen davon, dass die höhere Qualität ohnedies erst dann wirklich zur Geltung kommt, wenn man das entsprechende Zubehör nutzt, also etwa wirklich hochwertige Kopfhörer. Selbst so manche HiFi-Anlage im untersten Preisbereich wird wohl kaum dazu geeignet sein, die höhere Qualität des Quellmaterials entsprechend zur Geltung zu bringen. Somit ist es fraglich, ob ein derartiges Angebot tatsächlich von einer breiten Anwenderschicht überhaupt angenommen werden würde, zumal nach derzeit vorliegenden Informationen natürlich der Preis entsprechend höher wäre.

Zudem, es gibt ja bereits entsprechende Angebote, denn neben den Branchengrößen wie Apple und Co gibt es ja noch zahlreiche weitere Anbieter, die sich mit einem perfekt an die Zielgruppe angepassten Angebot an tatsächlich hochauflösenden Audio-Daten schon jetzt behaupten können.

Michael Holzinger

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