Ernst Molden: Häuserl am Oasch

Es sei ein Singspiel für den Erdberger Boulevard, so Ernst Molden über das, diesem Album zugrundeliegende gleichnamige Stück „Häuserl am Oasch“. Molden entführt den Zuhörer mit kleinen, zunächst scheinbar unzusammenhängenden Geschichten in die düstere Welt der Wiener Vorstadt, die ihm jedoch einmal mehr nur als Kulisse dient, um ein Gesamtbild zu erschaffen, dss mitunter tief in die Wiener Seele blicken lässt und die stets aktuellen Themen des Lebens behandelt.

Von Michael Holzinger (mh)
07.04.2010

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Die Geschichte, die den Rahmen für das Singspiel „Häuserl am Oasch“ bildet, ist schnell umrissen. Der Wirt des Vorstadt-Lokals „Restaurant Waldhaus“, besser bekannt als „Häuserl am Oasch“, betreibt das Lokal gemeinsam mit seiner Tochter. Doch die scheinbare Idylle trügt, denn einerseits findet seine Tochter nicht den Richtigen, und zudem erträgt der Wirt seine Stammgäste nicht mehr. Und dann wäre da noch ein bärtiger Waldmensch und dubiose, furchterregende Ereignisse, die für Unruhe in der heilen Döblinger Welt sorgen. Ernst Molden schuf sich hiermit quasi selbst die beste Grundlage, den fruchtbaren Boden, um daraus seine mystisch-dunklen, stets bewusst mehrdeutigen Songs wachsen zu lassen, die sich auf dem neuen Album aneinander reihen und auch abseits des Theaters ihre Wirkung voll entfalten.

Um bei diesem Bild zu bleiben, so sind die Lieder dieses Albums blutrote Rosen, die längst verwelkten, aber immer noch die vergängliche Schönheit erahnen lassen, in Summe aber ein Dornengestrüpp ergeben, in dem man sich allzuleicht verfängt.

Molden erschuf einmal mehr kleine Balladen, die, vorgetragen im mitunter durchaus sehr derben Wiener Dialekt, manchmal zunächst fast zu banal klingen, aber dann sofort aufschrecken lassen. Denn während sich so mancher Musiker auf Grund der doch recht spröden deutschen Sprache in den Dialekt flüchtet, um einen harmonischen Fluss in seine Werke zu bringen, so verzichtet Molden ganz bewusst auf derartige Schönfärberei. Hier hakt es an allen Ecken und Enden, hier darf kein Fluss entstehen, der eingängig wäre und länger als zwei Textzeilen anhält.

Ernst Molden und seine Band spielt dabei gekonnt mit einem breit gefächerten Stilmix, um genau diese Wirkung noch zu verstärken. Da schunkelt die Band mitunter swingend dahin, und darüber „holpern“ die Texte Moldens wie ein Wagen mit ausgefahrenen Stossdämpfern auf einem Kopfsteinpflaster. Dann wiederum werden, trotz kleiner Besetzung, geradezu mystisch, atmosphärische Klangteppiche ausgelegt, in die Molden seine Textpassagen hineinwirft, wie schwere Steine in einen trüben Tümpel, die das Wasser zunächst aufspritzen lassen, dann aber in gleichmässige Wellenmuster übergehen, gleichzeitig aber auch den Schlamm aufwirbeln.

Nur gelegentlich lässt es Molden zu, dass Harmonie entsteht, die somit aber doch wiederum im Kontrast zu den restlichen Stücken steht.


Es ist genau diese Spannung, aus der „Häuserl am Oasch“ seinen ganz besonderen Reiz gewinnt. Kleine, scheinbar unbedeutende Gschichtln, die sich jedes für sich im Kern aber um die offensichtlich niemals erschöpfend abgehandelten Themen Liebe, Leben und Tod drehen und sich auf dem Album aneinander reihen und in Summe ein stimmiges Ganzes ergeben. Die über weite Strecken bewusst zelebrierte Sprödheit passt perfekt zu den mitunter in plakativ derber Sprache verfassten Texten, die genau dadurch ohne Umschweife auf den Punkt kommen. Die raunzende, rauchige Stimme Ernst Moldens fördert famos die schwarzromantische Stimmung des Albums und fügt sich dabei perfekt in die Klangwelt der Band ein. Diese liefert eine ebenfalls ganz außergewöhnliche Klangkulisse, die sich irgendwo zwischen swingender Heurigen-Romantik, angereichert mit angezerrten Gitarren und Jazz-Elementen mit lieblich süßer Knöpferlziehharmonika-Begleitung bewegt.

Für diese Mischung liefert Heinz Kittner am Schlagzeug das rhythmische Fundament, das von Hannes Wirth und Ernst Molden an der Gitarre sowie Marlene Lacherstorfer am Bass und Walther Soyka an der Ziehharmonika begleitet wird. Als Produzent fungierte Kalle Laar und für die Aufnahme in der NONFOODFACTORY zeichnet Ulrich Goebel verantwortlich. Das Abmischen erledigte Walther Soyka und das finale Mastering des Albums wurde von Christoph Amann vorgenommen.

„Häuserl am Oasch“ ist mit Sicherheit kein Album, das man mal so nebenbei hören kann. Dafür sind die meisten Songs ganz bewusst viel zu spröde gehalten. Sie zwingen den Zuhörer vielmehr dazu, wirklich genau hinzuhören, sich auf die Widersprüche einzulassen und all die Ecken und Kanten ganz bewusst wahrzunehmen.

Michael Holzinger

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